Pflanzenbau Aktuell, 22. Kalenderwoche

Die Zuckerrüben haben hier, bis auf den Vegetationskegel, durch starken Hagel alle Laubblätter eingebüßt. Foto: Christian Heinrichs
Zuckerrüben
Unkrautbekämpfung abschließen: Nach gebietsweise ergiebigen Regenfällen hat seit Wochenbeginn die schwülwarme Witterung endlich zu einem Wachstumsschub bei den bis dahin oft noch kleinen Rüben geführt. Das führt aber auch dazu, dass der Spritzschatten von Tag zu Tag stark zunimmt. Daher nochmals der Hinweis die Abschlussbehandlung, falls noch nicht geschehen, zur Versiegelung gegen Spätverunkrautung schnellst möglich durchführen. Für eine ausreichende Nachhaltigkeit muss in der Summe der Behandlungen mindestens eine Bodenwirkstoffmenge von 2500 g/ha Metamitron (entspricht z.B. 3,5 l/ha Goltix Gold) enthalten sein. Eingesetzte Rebellmengen in den Herbizidmischungen können dabei zu 50 % auf die Metamitronmenge angerechnet werden. Die Aufwandmengen der weiteren Mischpartner müssen sich an der verbliebenen Restverunkrautung orientieren.
Im südlichen Teil der Köln-Aachener Bucht, besonders betroffen der Raum Bonn/Alfter und Mechernich, kam es zu Starkniederschlägen mit einem extrem starken Hagelschlag. Teilweise lag auf den Feldern eine über 25 cm hohe Schicht aus Hagelkörnern. Die Folge sind erhebliche Schäden an allen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen.
Die Zuckerrüben haben hier, bis auf den Vegetationskegel, alle Laubblätter eingebüßt. Bestände, die so aussehen, brauchen vorrangig Ruhe. Weder durch zusätzliche Düngung, auch Blattdünger, noch durch eine Maschinenhacke kann man die Situation momentan verbessern.
Auch noch ausstehende Herbizidmaßnahmen - Abschlussbehandlung - müssen verschoben werden, bis eine Wundheilung der verletzten Blattreste erfolgt ist und sich bei den Rüben wieder ein geregeltes Wachstum eingestellt hat. Ob es dann vor einer Herbizid-Versiegelung noch zu einem Gang mit der Hackmaschine kommt, um wieder eine geregelte Durchlüftung des Bodens zu erreichen, ist vom Einzelfall abhängig.
Kartoffeln
Nachdem die Kraut- und Stängelfäule in NRW bislang nur in Folien- und Vliesbeständen im Raum Alpen und im Rhein-Erft-Kreis gefunden wurde, trat nun erstmals starker Befall in Freilandware im Raum Kerken auf. Deswegen sollte bei regional hohem Gefährdungspotential und Befallsdruck ein sofortiger Spritzstart erfolgen.
Schon in dieser frühen Vegetationsphase treten weitere Probleme im Kartoffelanbau auf. Die Nachtfröste der letzten Wochen haben zwar nicht so starke Auswirkungen gehabt wie im Jahr 2011, dennoch traten regional Schädigungen in Form von gelblich-braunen Blattflecken auf, die teilweise mit Krautfäulesymptomen verwechselt wurden. Manche Sorten (z.B. Gala) weisen Kälteschäden in Form von Kältegelb-Symptomen auf, das heisst gelbliche Verfärbungen vom Blattrand her mit grünen Blattadern.
Weiterhin wurde erste Schwarzbeinigkeit in den Kreisen Borken und Kleve gefunden. Befallene Stauden müssen unverzüglich aus dem Bestand getragen werden.
Auf Grund der vorhandenen Bodenfeuchte haben die meistens Herbizidmaßnahmen gut gewirkt, allerdings traten bei einigen Sorten Herbizidschäden durch den Wirkstoff Metribuzin (z.B. Sencor) auf.
Simplexschäden: In den Kartoffelanbau gehört kein Pferdemist oder anderer organischer Dünger, wenn nicht gewährleistet werden kann, dass dieser Dünger frei ist vom Wirkstoff Aminopyralid (Grünlandherbizid Simplex). Selbst sehr geringe Mengen können zu Blattrollsymptomen, Kräuselungen und Wuchsdepressionen führen.
Schäden an Kartoffeln
Weizen
Der Weizen hat bis auf spätere Lagen Ähren geschoben. Aktuell ist der Krankheitsdruck gering. Braunrost ist in den wärmeren Lagen des Rheinlandes / Ruhrgebiets in unbehandelten Schlägen zu finden. Im Raum Unna zeigt Winnetou auch nach Vorbehandlung um den 5. Mai erste Symptome. In den übrigen Landesteilen stellt dies jeweils die Ausnahme dar.
In Beständen ohne Braunrostbefall kann abgewartet werden bis feucht warme Witterung Fusariuminfektionen bzw. die Entwicklung von Braunrost oder DTR erlaubt, eventuell in der nächsten Woche. Für dann notwendige Behandlungen ist z.B. Skyway Xpro mit 1,0-1,25 l/ha geeignet. Sofern bereits ein Carboxamid-haltiges Produkt wie Input Xpro, Aviator Xpro, Champion oder Skyway vorgelegt wurde, sollte in der Abschlussbehandlung mit Carboxamid-freien Varianten gearbeitet werden. In Frage kommt dann z.B. Osiris mit 2,5 l/ha oder eine Mischung aus 1,25 l/ha Osiris + 0,5 l/ha Prosaro. In Mulchsaaten von Stoppelweizen ist auch DTR zu beachten. Hier ist die Kombination aus 0,8 l/ha Input + 0,5 l/ha Gladio besonders geeignet.
Bei sehr warmer Witterung kann der Einsatz höherer Fungizid-/ Azolmengen auch zu Pflanzenstress führen. Besonders auf schwachen Standorten sind entsprechende Behandlungen nach Möglichkeit in den Abend- bzw. frühen Morgenstunden durchzuführen.
In Beständen mit Braunrostbefall sollte in den nächsten Tagen, spätesten bei erneuter Infektionslage mit den oben genannten Kombinationen behandelt werden.
Gegen Schädlinge ist nicht in jedem Fall ein Insektizidzusatz erforderlich. Finden sich nur wenige erste Läuse, gleichzeitig aber auch Nützlinge wie Marienkäfer sollte darauf verzichtet werden. Sind dagegen erste Läusekolonien leicht auch auf unteren Blattetagen zu finden, empfiehlt sich ein Zusatz von Pirimor. Pirimor wirkt temperaturabhängig. Liegen die Temperaturen unter 15°C sind 300 g/ha notwendig, bei höheren Werten beträgt die Aufwandmenge 200 g/ha. Pirimor schont die Nützlinge. Ein Pyrethroid wie z.B. Karate Zeon, sollte nur zugesetzt werden wenn stärkerer Besatz mit Getreidehähnchen dies erfordert. Der Bekämpfungsrichtwert liegt bei einer Getreidehähnchenlarve je Fahnenblatt.
In den vergangen Jahren hat die Behandlung mit Pirimor für eine ausreichende Läusebekämpfung ausgereicht und es ist auch bei der derzeitigen Befallslage (Läuse im mittleren bis unteren Blattbereich) das Mittel der Wahl. Geht es z. B. in späteren Lagen vornehmlich um Läusebesatz in der Ähre ist Teppiki besser geeignet. Teppiki wird zu diesem Termin mit 100 g/ha eingesetzt. Bei dieser Aufwandmenge wird eine Dauerwirkung von ca. 2 Wochen erreicht. Teppiki schont Marienkäfer, Flor- und Schwebfliegen, die im Idealfall nach Ablauf der eigentlichen Wirkungsdauer tätig werden.









