Pflanzenbau Aktuell, 29. Kalenderwoche

Maiszünsler: Bekämpfungsschwellen

Wir rechnen jetzt mit der Hauptflugphase des Maiszünslers und wären damit eine Woche früher. Die Falter legen unter guten Bedingungen vermehrt Eier an die Maisblätter ab. Die Zahl der Eigelege in unserem Eiablagekäfig nimmt seit letzter Woche deutlich zu. Grafik siehe PDF unten.

Die Bekämpfungsnotwendigkeit kann momentan nur aus der Befallssituation im Vorjahr abgeleitet werden, denn Untersuchungen auf Eiablage und ersten Larvenbesatz sind sehr aufwendig. Als vorläufige Bekämpfungsschwelle, die auf jahrzehntelangen Erfahrungen in Süddeutschland beruhen und durch einige Versuche in NRW bestätigt werden, gelten für Körnermais und CCM bei später Ernte 25-30 % befallene Pflanzen. Für früher geernteten Silomais werden 35-45 % befallene Pflanzen angesetzt. Bei geringerem Besatz lohnt sich der Insektizideinsatz eher nicht, da auch die Durchfahrtverluste berücksichtigt werden müssen. Nach der Ernte sollten mechanische Maßnahmen zur Stoppelzerkleinerung und gründlichen Einarbeitung durchgeführt werden.

Der optimale Bekämpfungstermin mit einem Insektizid liegt um den Hauptflug der Falter bis zum Larvenschlupf. Probleme bereitet die technische Durchführung, da der Mais dann häufig 150 -180 cm Wuchshöhe erreicht hat. Zugelassen sind Steward, Wirkstoff Indoxacarb, mit einer Aufwandmenge von 125 g/ha und max. 1 Anwendung sowie Gladiator, Wirkstoff Methoxyfenozid, mit einer Aufwandmenge von 0,6 l/ha und max. 1 Anwendung.

Die Zulassung des Bakterienpräparates Dipel ES ( Bacillus thuringiensis, 2 l/ha, max. 2 Anwendungen) liegt mittlerweile langfristig vor. Weiterhin können biologische Maßnahmen, wie der Einsatz von Schlupfwespen ( Eiparasit Trichogramma sp.), zur Bekämpfung genutzt werden.

Kartoffeln: Krautfäule, Kartoffelkäfer, Blattläuse

Auf Grund der unbeständigen Witterung bleibt der Krautfäuleinfektionsdruck weiterhin hoch, Spritzmaßnahmen müssen konsequent mit ggf. verkürzten Abständen (siehe Abbildung in der PDF unten) durchgeführt werden. Bei Windbruch oder Hagel schnellst möglich nachlegen. Die Zumischung der Sporenkiller Shirlan/Banjo/Nando oder Ranman Top sind angeraten.

Infektionsdruck Spritzabstand
1) sehr niedrig 13 - 14 Tage
2) niedrig 10 - 12 Tage
3) mittel 9 - 11 Tage
4) hoch 8 - 9 Tage
5) sehr hoch 5 - 7 Tage

Kartoffelkäferlarven und Blattläuse nehmen zu. Ab 15 Kartoffelkäferlarven pro Pflanze muss behandelt werden. Die Blattlausbekämpfung ist konsequent durchführen, damit kein Honigtau gebildet wird. In einzelnen Beständen ist jedoch schon Honigtau zu finden. Dann dürfen nur noch B4-Präparate eingesetzt werden. Das gilt auch für blühende Bestände oder Bestände mit blühendem Unkraut, hier dürfen nur noch bienenungefährliche Produkte eingesetzt werden. Fotos siehe PDF unten.

  • Beispiele für B4-Produkte gegen Blattläuse und Kartoffelkäfer: Biscaya, Karate Zeon, Trafo WG
  • Beispiele für B4-Produkte nur gegen Blattläuse: Mospilan SG, Primor
  • Beispiele für B4-Produkte nur gegen Kartoffelkäfer: Alverde, Coragen, Fastac SC Super Contact, Neem-Azal

Zulassungsverlängerungen:

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat die Zulassung von:

  • Boxer bis zum 30.11.2012 verlängert.
  • Revusbis zum 31.07.2013 verlängert.
  • Canvasbis zum 31.05.2014 verlängert.
  • Fungazil 100 SL bis zum 31.12.2012 verlängert.
  • FUSILADE MAX bis zum 30.09.2012 verlängert. Damit verlängern sich ebenfalls folgende Fristen:
    • Abverkauf durch den Handel bis 31. März 2013
    • Aufbrauch von Restbeständen auf den Betrieben bis 31. März 2014

Zuckerrüben: Aufruf zu Feldkontrollen, Blattflecken nehmen zu

Rund 1/3 der Monitoringflächen (siehe www.isip.de) weisen erste pilzliche Blattflecken ( Cercospora) auf. Eigene Schläge, besonders die mit erhöhtem Infektionsrisiko, z.B. aufgrund Beregnung, enger Fruchtfolge, umgehend kontrollieren. Bei Überschreiten der Schwelle muss sofort gehandelt werden. Wird zu lange gewartet, nimmt das Leistungspotential aller Mittel rapide ab und eine durch Cercospora zerstörte Blattfläche kann nicht mehr geheilt werden. Die Befallsentwicklung ist am Niederrhein (Zuckerfabrik Appeldorn) besonders rasant, hier wird schon auf mehreren Flächen die Bekämpfungsschwelle (5 % Befallshäufigkeit = Befall auf 5 von 100 kontrollierten Blättern) überschritten. An den Monitoringdaten erkennt man wieder, dass keine einheitliche Fungzidempfehlung über das gesamte Rübenanbaugebiet möglich ist. Neben den repräsentativ durchgeführten Befallserhebungen sind immer wieder eigene Kontrollen nötig, um die Befallssituation richtig einzuschätzen.

Auch die Sorten mit Cercosporatoleranz (z.B. SY Belana, Kristallina, Sporta, Lucata) sollten kontrolliert werden. Meist zeigen sie auch schon früh ersten Befall. Hier entwickelt sich der Befall aber wesentlich langsamer als bei den Cercospora anfällige Sorten. Hierdurch lässt sich oft eine Spritzung einsparen. Dieses Einsparungspotential lässt sich jedoch nicht über die erste, sondern nur über die letzte Spritzung realisieren.

Zuckerrüben: Hirsebekämpfung auch jetzt noch möglich

Selbst eine späte Bekämpfung ist jetzt möglich und auch ratsam, da die Hirsepflanzen ein erhebliches Aussamungspotential haben und die großen Pflanzenhorste das Rübenwachstum und die spätere Ernte erheblich beeinträchtigen. Daher sollten diese Flächen spätestens jetzt bei Reihenschluss der Rüben und vor der Samenreife der Hirse behandelt werden. Der Graminizideinsatz sollte bei hoher Luftfeuchte sowie mit hoher Wassermenge (300 besser 350 l/ha) erfolgen. Die beste Hirsewirkung besitzen Agil-S, Focus Ultra und Select 240 EC. Mit geringem Abstand folgen Fusilade MAX, Galant Super, Targa Super und Panarex. Ein möglicherweise anstehender Fungizideinsatz kann mit der Maßnahme kombiniert werden. Foto siehe PDF unten.

Zuckerrüben: Nematodenbekämpfung mit resistenten Zwischenfrüchten planen

Nach der Gerstenernte (auch Frühkartoffeln usw.) ist eine optimale Bekämpfung der Rübenzystennematoden über den Anbau von resistenten Zwischenfrüchten Ölrettich und Senf möglich. Optimal ist ein Saattermin, der noch im Juli liegt. Je später die Saat erfolgt umso geringer fällt die Nematodenreduktion aus. Wichtig ist auch, dass die noch ausreichende Bodenfeuchtigkeit für die Aussaat genutzt wird, damit sich der Zwischenfruchtbestand zur Nematodenbekämpfung schnell und optimal entwickelt. Ein ausreichender Bekämpfungserfolg wird dabei nur erreicht, wenn Ölrettich oder Senf mit der gleichen Sorgfalt wie eine Hauptfrucht angebaut wird. Darüber hinaus gewährleisten nur Sorten mit einer Resistenznote von 1 oder 2 eine gute Nematodenbekämpfung. Das Getreidestroh sollte geräumt werden und eine krumentiefe Lockerung erfolgen. Eine Startdüngung von ca. 50 kg N/ha sorgt für eine schnellere Bestandsentwicklung. Für die erforderlichen 220 Körner/m² beträgt die Saatgutmenge je nach Tausendkorngewicht (TKG) bei Ölrettich zwischen 20-30 kg/ha, bei Senf 15-20 kg/ha.

Wichtig! Wo neben Zystennematoden auch Rübenkopfälchen ( Ditylenchus dipsaci) auftreten, ist auf jeden Fall der resistente Ölrettich zu bevorzugen. Ölrettich ist im Gegensatz zu Senf gegenüber diesem Schaderreger tolerant und bietet ihm keine Vermehrungsmöglichkeit. Da insgesamt über Ölrettich eine tiefere Durchwurzelung des Bodens erfolgt, ist er auch im Zuge der normalen Nematodenbekämpfung trotz höherer Saatgutkosten gegenüber Senf im Vorteil.

Zuckerrüben: Anbauplanung 2013 (Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübenanbau Bonn)

Empfehlung zur Anbauflächenplanung und -anpassung für den Zuckerrübenanbau 2013.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist die Witterung für das Rübenwachstum sehr günstig, so dass in diesem Jahr eine Überschusszuckermenge erwartet wird, die der Markt derzeit nur schwer aufnehmen kann.

Gleichzeitig konnten beträchtliche Überschusszuckermengen aus der letzten Ernte 2011 wegen eingeschränkter Export- und Umwidmungsmöglichkeiten nicht vermarktet werden. Diese Zuckermengen muss Pfeifer & Langen auf die neue Kampagne 2012 als Unternehmensvortrag übertragen.

Um die erwartete Überschusszuckermenge nicht weiter ansteigen zu lassen, wird Pfeifer & Langen für das Anbaujahr 2013 keine einjährige Zusatzmenge anbieten können. Die betriebliche Basisliefermenge und die bereits kontrahierten 3-jährigen Industrierüben (2012 – 2014) zum flexiblen Basispreis stehen den Anbauern natürlich in voller Höhe zur Verfügung:

Die Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübenanbau empfiehlt daher, die Anbauplanung möglichst genau auf die sichere Erfüllung der vertraglichen Liefermengen auszurichten. Kalkulationsgrundlage für den Anbau sollte der durchschnittliche Zuckerertrag der vergangenen fünf Jahre sein. Für das Anbaujahr 2013 wird die Abnahme aller angebauten Rüben seitens Pfeifer & Langen zugesagt.

Weizen: Fusariumbefall

Seit nunmehr drei Wochen ist Fusariumbefall in den Weizenähren zu beobachten. Dabei sind die Schläge sehr unterschiedlich befallen, begründet durch Vorfrucht, Sorte und mit höchstem Einfluss in Abhängigkeit vom Blühtermin. In aller Regel sind früh um Ende Mai bis zum 6. Juni abblühende Bestände weniger betroffen, da in dieser Phase bei niedrigen Temperaturen die „echten Fusariosen“ keine günstigen Infektionsbedingungen vorfanden.

Später blühende Bestände mit oft späteren Sorten wie Tobak oder Lear aber auch Inspiration zeigen mehr Befall. Betroffen sind nicht nur Bestände nach Mais sondern auch nach Zuckerrüben. Hier ist mittlerweile bekannt, dass an Zuckerrübenernterückständen neben bekannten Toxinverursachern auch verschiedene Fusariumarten wie z.B. F. cerealis, F. equiseti oder auch F. tricinctum vorkommen und im Weizen zu Fusariuminfektionen mit entsprechender Mykotoxinbildung führen können.

Daneben zeigen viele Bestände stärkeren Befall mit Microdochium nivale (Schneeschimmel) auf den Blättern. Von hier aus ist eine Infektion der Ähren mit gleicher Symptomausprägung wie bei den „Echten Fusariosen“ möglich allerdings dann ohne Toxinbildung.

Letztendlich kann zurzeit noch keine sichere Aussage zur möglichen Toxinbelastung im Weizen getroffen werden. Entscheidend ist noch der weitere Witterungsverlauf. Sollte sich bald trockenes günstiges Erntewetter einstellen, wird das auch zu einer Entspannung bei der Toxinentwicklung führen. Gegenteilig muss bei anhaltend feuchter Witterung auf Einzelschlägen mit höheren Toxingehalten gerechnet werden. Fotos siehe PDF unten.