Nmin-Richtwerte für Winterungen 2017

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In der 10. Kalenderwoche 2017 wurden die Nmin-Richtwerte für die Winterungen ermittelt. Für die Richtwerte ist eine Aufbewahrung von sieben Jahren vorgeschrieben.

Stickstoff ist der für die Pflanze bedeutendste Nährstoff. Er wird mengenmäßig am meisten aufgenommen und ist ertragsgebend. Gleichzeitig spielt er eine große Rolle für die Umwelt, da er in Form von Nitrat leicht ausgewaschen und in das Grundwasser gelangen kann. Daher ist es wichtig, den Bedarf und Einsatzzeitpunkt dieses Nährstoffs für die jeweilige Kultur in Abhängigkeit vom Standort genau zu bemessen.

Zu Beginn der Vegetationsperiode werden von der Landwirtschaftskammer NRW alle von der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt NRW (LUFA NRW) bis dahin bereits analysierten Nmin-Proben ausgewertet und daraufhin repräsentative Nmin-Werte, die sog. Nmin-Richtwerte, veröffentlicht. Dabei wird eine Unterteilung in die verschiedenen Kulturen, in verschiedene Bodenarten und je nachdem in unterschiedliche Vorfrüchte vorgenommen. Es findet außerdem eine Differenzierung in die drei Bodenschichten 0-30, 30-60 und 60-90 cm statt. Der Landwirt erhält auf diese Weise das Wissen, welchen mineralischen Ausgangsstickstoffwert er bei seiner N-Düngebedarfsberechnung in Ansatz bringen kann. Bei den Winterungen wird dabei der Nmin-Gehalt aus allen drei Schichten in Ansatz gebracht. Der Gesetzgeber verpflichtet jeden Landwirt, der auf seinen Flächen wesentliche Nährstoffmengen aufbringen möchte, Kenntnis über die im Boden bereits vorhandenen Nährstoffe zu haben (DüV).

Für den Nährstoff Stickstoff darf der Landwirt hierfür auf die hier veröffentlichten Nmin-Richtwerte zurückgreifen. Da diese Richtwerte allerdings immer nur Mittelwerte aus einer bestimmten Stichprobe darstellen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich auf den eigenen Flächen aufgrund der individuellen Standortgegebenheiten eine große Abweichung von den veröffentlichten Richtwerten ergibt. Daher ist es angeraten, die eigene Fläche selber zu beproben. Die Analyse sollte für diesen Zweck in einem akkreditierten Prüflabor, wie z.B. der LUFA NRW, durchgeführt werden. Auch diese Methode wird vom Gesetzgeber als Nachweis akzeptiert. Eine weitere offizielle Möglichkeit für den Nachweis des Nmin-Wertes ist die von der Landwirtschaftskammer eigens dafür eingerichtete Internetseite www.Nmin.de. Hier kann sich der Landwirt aus einer hohen Anzahl an Nmin-Proben (gemessen von der LUFA NRW) einen repräsentativen Nmin-Richtwert für die eigenen individuellen Standortparameter aufrufen. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Nmin-Werte nach der noch gültigen Düngeverordnung (DüV §7 (1)) und für die Kontrolle nach Cross Compliances sieben Jahre lang aufbewahrt werden müssen!

Wenig Niederschlag während der Wintermonate

Die Wintermonate waren in der Summe zu trocken. Die drei in Abbildung 1 dargestellten Wetterstationen Bad Salzuflen in Ostwestfalen, Borken im westlichen Münsterland und Kleve am Niederrhein zeigen repräsentativ für die genannten Regionen die Niederschlagssummen der Monate Oktober bis Februar im Vergleich zum jeweils langjährig gemessenen Mittelwert (1961 bis 1990). An allen drei Wetterstationen wurden im genannten Zeitraum in der Summe zwischen 10 und 25 Prozent weniger Niederschläge erzielt. Während im Oktober und November noch durchschnittliche Werte erzielt wurden, fielen in den Monaten Januar und Februar deutlich weniger Niederschläge, wodurch auch der sehr niedrige Summenwert zu erklären ist.

Das geringe Wasser führte dazu, dass der zu Winterbeginn vorhandene und der sich teils während des Winters durch Mineralisation aus Ernteresten, abgestorbenen Blattmaterial und organische Herbstdüngung neu gebildete Stickstoff unter den meisten Flächen deutlich weniger ausgewaschen wurde. Eine ausgeprägte Sickerwasserbildung war während der Wintermonate weitestgehend nur am Ende der Vegetationsruhe Ende Februar auf den leichten und mittleren Bodenarten möglich. Nur hier war größtenteils eine Verlagerung und anteilige Auswaschung von mobilem Nitratstickstoff möglich. Der Winter war außerdem von wechselhaften Temperaturen geprägt. Eine kurze kalte Periode gab es gegen Ende November, wo teilweise nicht-winterharte Zwischenfrüchte abgestorben sind. Danach blieb es dann bis etwa zum Jahreswechsel eher mild mit geringen Frostereignissen. Ab dann setzte eine relativ kalte Periode mit stärkerem Bodenfrost ein, der eine Frostgare zuließ. Ab Ende Januar löste dann milde Witterung das Winterwetter ab und es wurden günstige Bedingungen für die Bodenlebewesen geschaffen, um in dem frostgaren Boden den organisch gebundenen Stickstoff in mineralischen, für die Pflanzen verfügbaren Stickstoff, umzuwandeln.

Niederschlagsmengen Winter 2016 / 2017 an den Nitratmessstationen
Abbildung 1: Niederschlagssummen an drei ausgewählten Wetterstationen im Winter 2016/2017 im Vergleich zum langjährigen Mittelwert.

Nmin Richtwerte Winterungen 2017

Boden Kultur Vorfrucht 0-30 cm 30-60 cm 60-90 cm Ʃ 0 - 90 cm Anzahl
Proben
leichte Böden
(S_lS, sU)
Sand bis sandiger Schluff
Getreide (141) alle 11 9 13 33 141
mittlere Böden
(ssL, lU_sL,uL,L)
stark sandiger Lehm bis Lehm
Getreide (155) Winterraps 16 32 54 102 155
Getreide (662) Getreide, Mais, Rüben und Kartoffel 13 23 25 61 662
Winterraps (136) Getreide 17 12 7 36 136
Schwere Böden
(utL, tL, T)
schluffig toniger Lehm bis Ton
Getreide (95) Mais, Rüben und Kartoffel 9 18 16 43 24
Getreide 14 37 23 74 45
Winterraps 17 48 40 105 26
Winterraps (55) Getreide 15 12 12 39 55

Hohe Nmin-Werte zu Beginn der Vegetationsperiode 2017

Über alle Bodenarten und Kulturen hinweg ergeben sich überdurchschnittlich hohe Nmin-Ausgangswerte im Frühjahr 2017. Der Witterungswechsel während der Wintermonate hat zu einer Förderung einer guten Bodengare sowie günstige Ausgangsbedingungen für Mineralisationsprozesse geführt. Organische Substanz, z.B. aus Ernteresten der Vorfrucht oder aus der organischen Düngung in der vorangegangenen Vegetationsperiode, konnte durch die Mikroorganismen im Boden phasenweise umgesetzt werden. Somit wurde insgesamt neu mineralisierter Stickstoff bereitgestellt. Die geringen Niederschläge haben letztendlich nur zu einer geringen Sickerwasserbildung und damit Verlagerung und Verlusten an Nitratstickstoff geführt - und dies erst zu Winterende.

Am ehesten auf den leichten Böden hat die niedrige Feldkapazität dazu geführt, dass Sickerwasser mobilen Nitratstickstoff verlagern und teilweise aus der Wurzelzone waschen konnte. Insbesondere Nmin-Proben, welche erst ab Ende Februar gezogen wurden, zeigten den Einfluss des Sickerwassers an. Trotzdem lassen sich auf den leichten Böden unter Getreide um circa ein Drittel höhere Nmin-Werte feststellen als in den Jahren zuvor. Besonders auffällig sind die z.T. sehr hohen Nmin-Werte auf den mittleren und schweren Böden. Extrem hohe Werte liegen hier beispielsweise unter Getreide - meist Winterweizen - vor, wo Winterraps als Vorfrucht angebaut wurde. Diese Kultur kann auf sehr hohe Mengen von über hundert Kilogramm an Stickstoff zurückgreifen.

Die Beobachtungen beim Erstellen der Richtwerte sowie beim aktuellen Nitratdienst haben gezeigt, dass im Februar, durch Sickerwasserbildung bedingt, Nitratstickstoff auf fast allen Bodenarten noch einmal deutlich in tiefere Schichten verlagert wurde. In der Regel ist der Stickstoff jedoch noch nicht aus dem durchwurzelbaren Bodenraum verloren gegangen und wird den Kulturen daher später größtenteils noch zur Verfügung stehen. Die verhältnismäßig geringen Werte in der Krumenschicht (0 bis 30 cm) und die höheren Werte in den darunter liegenden Schichten (30 bis 90 cm) deuten auf die jüngsten Verlagerungsvorgänge hin. Anteilig ist jedoch auch Stickstoff in den letzten milden Zeiträumen von den Kulturen aus der Krume aufgenommen worden.

Wenn die neue Düngeverordnung in diesem Jahr in Kraft treten sollte, sind die Nmin-Werte zwingender Bestandteil der Düngebedarfsberechnung (DBE) für die Kulturen im Anbaujahr 2018 des jeweiligen Betriebes. Die DBE muss dann dokumentiert werden und wird nach bundesweit einheitlichen N-Bedarfswerten ausgerichtet sein, woran sich ein verpflichtendes Zu- und Abschlagsystem anschließt um den N-Düngebedarf zu ermitteln.

Autor: Holger Fechner