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Zuckerrüben - 2006 die letzte gute Ernte?

Zuckerrüben
Zuckerrüben

Trotz des kühlen Frühjahrs und der dadurch nicht optimalen Startbedingungen wurde die letzte Kampagne im Rahmen der alten Zuckermarktordnung im Rheinland ein voller Erfolg. Die günstige Witterung bescherten den rheinischen Bauern ab Anfang Oktober herausragende Zuckererträge. Hans Jürgen Hölzmann, Geschäftsführer des Arbeitskreises für Betriebsführung Köln-Aachener Bucht, berichtet über die Schlagkarteiergebnisse der diesjährigen Rübenkampagne.

Obwohl die Änderung der Zuckermarktordnung, die im November letzten Jahres vollzogen wurde, im Jahresverlauf 2005 das alles beherrschende Thema war, werden die 2005er Ernteergebnisse dennoch in guter Erinnerung bleiben. Nicht nur die auf Grund der bisherigen Zuckermarktordnung letztmalig guten Zuckerrübenpreise, sondern auch die hohen Zuckererträge brachten ein hervorragendes Ergebnis. Lediglich die Deklassierung in Höhe von 14,31 % verhinderte ein noch besseres monetäres Resultat. Auf den knapp 1 200 ha Zuckerrübenfläche der Mitgliedsbetriebe des Arbeitskreises wurde ein Spitzenertrag von 116,7 dt Zucker pro ha erzielt. Der hohe Rübenertrag von 658 dt pro ha führte, ebenso wie der für das Rheinland gute Zuckergehalt von 17,7 %, zu diesem herausragenden Wert mit einem 12,6 % höheren Zuckerertrag gegenüber dem Schnitt der letzten Jahre. Schon ab Ende September waren Rodeergebnisse von über 110 dt Zucker pro ha die Regel. Lediglich die hohe Quotenerfüllung - auch bedingt durch die Deklassierung - beeinträchtigte das monetäre Ergebnis bei einer Marktleistung von 3 164 €/ha.

Wie auch schon tendenziell in den vergangenen Jahren, waren die diesjährigen Zuwächse während der Kampagne mit 2,9 dt Zucker pro ha besonders hoch. Schon im September wurden deutlich über 90 dt pro ha geerntet, die sich um die Oktobermitte deutlich bis auf über 125 dt Zucker pro ha erhöhten. Von Mitte Oktober bis Mitte November wurde der optimale Zuckerrübenertrag erreicht. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre sind die Rübenerträge um 15,5 dt pro ha und Jahr gestiegen, während die Zuckergehalte tendenziell unverändert blieben. Der Zuckerertrag ist damit in den letzten zehn Jahren um 2,65 dt pro ha und Jahr angestiegen. Das ist dreimal so viel wie der durchschnittliche Anstieg des Zuckerertrages in den letzten 25 Jahren, siehe Abbildung 1. Neben den relativ günstigen Witterungsbedingungen ist diese erfreuliche Tendenz im Wesentlichen auf die richtige Sortenwahl und Bestandsführung zurückzuführen. Auch in diesem Jahr konnte das Rheinland gegenüber anderen guten Zuckerrübenanbauregionen in Deutschland wieder aufholen; eine erfreuliche Tendenz, da die Wettbewerbsfähigkeit und die Stückkosten des Zuckerrübenanbaus in Zukunft eine stärkere Rolle spielen werden.

Die 15-t-Rübe

Die Tendenz des Zuckerertragsanstieges lässt in den nächsten zehn Jahren auf die „15-t-Rübe“ hoffen. Die Streubreite der Erträge variiert auch in dieser Kampagne stark und zeigt eindeutig die Abhängigkeit von der Bodengüte. Gleichzeitig gibt es bei den Ergebnissen innerhalb eines Betriebes große Unterschiede, wobei insbesondere der Erntetermin die maßgebliche Rolle spielt. Der Anteil der Früh- und Spätlieferprämien in den Betrieben des Arbeitskreises hat eine untergeordnete Rolle, insbesondere die Frühlieferprämie kompensiert keinesfalls den bei späterer Ernte möglichen Ertragszuwachs. Dagegen ist die Spätlieferprämie schon interessanter, weil bei den Witterungsverhältnissen der letzten Jahre weder große Veratmungsverluste noch Verluste durch Frost zu verzeichnen waren. Auf Grund späterer Erntetermine hält die Tendenz zu höheren Fungizidaufwendungen auf diesen Schlägen an, die sich aber durch einen höheren Ertrag rechnen. Das Düngungs- und Pflanzenschutzniveau bewegt sich im Durchschnitt der letzten Jahre bei jedoch leicht steigenden Düngerkosten. Die Saatgutkosten sind auf 183 €/ha ohne Beize angestiegen und werden durch das höhere Ertragspotenzial legitimiert. Die variablen Maschinenkosten hatten bedingt durch die höheren Dieselkosten ein höheres Niveau von 20 €/ha. Aus der guten Marktleistung bei etwas gestiegenen Kosten im Vergleich zu den Vorjahren resultierte ein guter Deckungsbeitrag von 2 234 €/ha, der etwas über dem Durchschnitt der letzten Jahre liegt. Ein besseres Ergebnis wurde durch die hohe Deklassierung verhindert, siehe Abbildung 2 und Tabelle 1. Die guten Ergebnisse der Kampagne 2005 dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Rahmenbedingungen für den Zuckerrübenanbau der kommenden Ernte drastisch verschlechtern.

Neue Zuckermarktordnung und Reaktionsmöglichkeiten

Die Agrarminister haben im November des letzten Jahres eine Änderung der Zuckermarktordnung beschlossen. Sie beinhaltet eine drastische Preissenkung in vier Stufen, wobei die erste Stufe schon in der kommenden Kampagne mit einer Preissenkung von knapp 25 % beginnt. Die vorläufige Endstufe der Preissenkung soll mit einer Preissenkung von knapp 40 % zur Ernte 2009 erfolgen. Die A- und B-Quote werden dabei zusammengelegt, so dass es keine Quoten, sondern nur noch eine sogenannte Vertragsrübenmenge gibt. Gleichzeitig entfallen die sogenannten C-Rüben und es handelt sich dann bei diesen Über-Rüben um sogenannte vertragsfreie Rüben, deren Abnahme künftig nicht mehr gesichert ist. Die drastische Preissenkung soll durch eine 60- beziehungsweise 64prozentige Ausgleichszahlung teilweise kompensiert werden. Diese Ausgleichszahlung errechnet sich auf der Basis der Quote für den kommenden Anbau in 2006. Das bedeutet für die Anbauer, dass die zugewiesene Quote für 2006 die wichtige Bezugsgröße für die Ausgleichszahlung ist, nicht aber den Umfang eines sinnvollen Rübenanbaus bestimmt. So wird schon jetzt seitens der Zuckerfabriken und des Rübenbauernverbandes eine 10- bis 20prozentige temporäre Quotenkürzung für 2006 empfohlen. Diese zeitweise möglicherweise auf ein Jahr beschränkte Quotenkürzung soll verhindern, dass zu viel Rüben auf den Markt kommen, die nicht abgesetzt werden können und somit möglicherweise auch nicht von den Fabriken abgenommen werden.

Die damit von den Anbauern erwartete Anbaudisziplin muss auf Grund der hohen Verlusterwartungen für Nicht-Vertrags-Rüben zu einer Einschränkung des Rübenanbaus auf dem Einzelbetrieb führen. Das bedeutet aber auch, dass Flächen, die für den Rübenanbau 2006 reserviert sind, jetzt nachträglich noch umgeplant werden und teilweise durch Wechselweizen oder aber im späteren Frühjahr durch Sommerkulturen bestellt werden müssen. Diese Kulturen haben eine deutlich niedrigere Deckungsbeitragserwartung als eine Wintersaat von zum Beispiel Raps oder Wintergetreide. Aber selbst eine schlechte Anbaualternative ist deutlich besser als ein Rübenanbau, der nachher keinen Markt findet und Kosten verursacht, siehe Abbildung 3.

Tücken der Top Ups

Die geschilderte Ausgleichszahlung soll als sogenanntes Top Up in die EU-Agrarreform integriert werden. Das heißt, dass die einzelnen Betriebe zu ihrem Ackerprämienanspruch noch eine zusätzliche Prämie pro ha aufgesattelt bekommen. Wie bei der EU-Agrarreform, muss diese Prämie durch einen ordnungsgemäßen Anbau von Ackerkulturen aktiviert werden. Hierbei ist es nicht mehr erforderlich, dass Rüben angebaut werden, um die Ausgleichszahlung zu erhalten. Die entkoppelte Prämie kann durch alle anderen Kulturen aktiviert werden. Somit sind aus Sicht der Anbauplanung und Vorteilhaftigkeit der einzelnen Kulturen untereinander die neuen Rübenpreise relevant. Das Negative an dieser Ausgleichszahlung ist, dass sie endlich und schon ab 2010 abschmelzungsgefährdet ist, ähnlich wie die übrigen Top Ups im Rahmen der Agrarreform. Dieses würde bedeuten, dass ab 2013 nur noch sehr wenig pro Hektar von der Ausgleichszahlung für Rüben übrig bleibt, weil die Zahlungen auf alle Ackerflächen in Deutschland verteilt werden. Bedingt durch die drastische Preissenkung werden die reduzierten Rübenerlöse dann Wirklichkeit und bei einem Rübenertrag von 600 dt fehlen zwischen 1 100 bis 1 200 € Erlös pro ha.

Diese Erlösreduzierung schlägt sich 1 : 1 auf den Deckungsbeitrag und auf den Betriebsgewinn nieder. Betrachtet man Abbildung 3, so kann man erkennen, dass die Deckungsbeiträge in Abhängigkeit vom Zuckerertrag stark sinken. Bedingt durch die unterschiedlichen Quotenerfüllungen sind auch bei gleichen Zuckererträgen unterschiedliche Deckungsbeiträge zu erreichen. Während noch bei der Ernte 2005 deutlich höhere Deckungsbeiträge als beim Getreideanbau erzielt wurden, kann man dem Schaubild entnehmen, dass die Deckungsbeiträge für Rüben ab 2009 stark sinken und nur noch bei erwarteten Spitzenerträgen deutlich über den erwarteten Deckungsbeiträgen des Getreideanbaues liegen. Erwartet man in den kommenden Jahren etwas höhere Getreide- und Rapserlöse, so kann der Rapsanbau mit Zuckererträgen von unter 100 dt pro ha konkurrieren.

Reaktionen im Einzelbetrieb

Für den Einzelbetrieb bedeutet das, dass der Anbau auf den schwächeren Schlägen im Betrieb nicht mehr stattfinden sollte und dort möglicherweise eine Rapsfruchtfolge Einzug hält. Sollte die vorhandene betriebliche Vertragsmenge die Anbaumöglichkeiten auf guten Schlägen übersteigen, ist ab 2007 auch ein temporärer Quotentransfer in andere Betriebe möglich und sinnvoll. Für diese Entscheidung ist die sogenannte Quotenrente wichtig. Sie ergibt sich einerseits aus der Differenz des erwarteten Rüben- und Getreidedeckungsbeitrags auf den besseren Schlägen und andererseits aus der Differenz auf den schwächeren Schlägen. Auch bei besseren Ertragserwartungen ist ein größerer Deckungsbeitragsunterschied zu erwarten, während auf schwächeren Schlägen oder Standorten die Quotenrente gegen Null tendiert. Auf den besseren Standorten dürfte eine Quotenrente von 1 € pro dt Quote keine Seltenheit sein. Damit ist sowohl aus volkswirtschaftlicher, aber auch aus einzelbetrieblicher Sicht eine Wanderung des Rübenanbaus auf die besseren Standorte sehr sinnvoll und führt zu einer nachhaltigen höheren Rentabilität des Zuckerrübenanbaus. Auch dem Ziel geringerer Stückkosten und damit sich annähernder globaler Wettbewerbsfähigkeit kommt man ein Stück entgegen.

Marktgenau kalkulieren

Der hohe Zuckerertrag ist nach wie vor ein wesentlicher Erfolgsparameter im Rübenanbau ist. Neben der Bodengüte und der ausgefeilten Produktionstechnik sind spätere Erntetermine ab Oktober, die richtige Sortenwahl und eine Verlagerung des Anbaus auf bessere Standorte die entscheidenden Kriterien. Wurde schon in der Kampagne 2005 auf mehreren Schlägen die 15-t-Zuckermarke überschritten, so dürfte sich durch diese Maßnahmen in Zukunft auch der durchschnittliche Zuckerertrag in diese Richtung entwickeln. Die Anbauplanung und die Vermeidung von vertragsfreien Rüben hat in Zukunft eine genauso starke Bedeutung wie in der Vergangenheit. Jeder Getreideanbau ist besser als ein Rübenanbau, der keinen Markt findet. Genauso muss die Nutzung des Vortrages konsequent zur Vermeidung von freien Rüben erfolgen. Die von den Fabriken ab 2007 wieder anzubietende temporäre Quotenverleihung wird ebenfalls ein wesentliches Instrument zur exakten Quotenerfüllung.

Nicht nur aus der Sicht des Rübenanbaus, sondern insbesondere aus der gesamtbetrieblichen Sicht müssen die Pacht- und Arbeitserledigungskosten deutlich sinken. Der hohe Maschinenbesatz bei oftmals zu geringer Auslastung führt zu Kosten, die nicht nur dem gesamten Betrieb schaden, sondern auch ein Stück der Wettbewerbsfähigkeit des Rübenanbaus nehmen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, die Kosten exakt zu kennen, wie in Tabelle 2 dargestellt. Jeder Betrieb muss in Zukunft seine Maschinenkosten ermitteln und kennen, so dass er durch eine hohe Auslastung, sei es durch überbetrieblichen Einsatz oder durch bruchteilhafte Anschaffung der Maschine, entsprechend reagieren kann. Eine Kostensenkung und insbesondere die Senkung der Arbeitserledigungskosten ist ein gesamtbetrieblicher Ansatz, aber auch für einen wirtschaftlichen Rübenanbau existenziell. Wer heute zupachtet, muss vorher genau kalkulieren. Es gibt nicht für jeden Betrieb eine richtige Pachthöhe. Vielmehr ist die Fruchtfolge, die der Betrieb vorsieht, und die damit verbundene Erlöserwartung entscheidend. Konsequenterweise müssten bei sinkenden Betriebserlösen – insbesondere durch die Zuckermarktordnung verursacht – auch die Pachtkosten sinken. Hierzu muss das Bewusstsein jedoch zunächst bei den Landwirten und dann bei den Verpächtern wachsen. Von daher bietet sich auch hier eine exakte Pachtkalkulation an, wie sie in Tabelle 3 dargestellt ist.

Die Preissenkung bei den Zuckerrüben rechtfertigt in Zukunft auf Grund einer vorhandenen Rübenquote keine wesentlich höheren Pachtpreise mehr. Um künftig in der EU einen erfolgreichen Zuckerrübenanbau zu gewährleisten oder zu ermöglichen, ist der Fortbestand der Zuckermarktordnung unerlässlich. Trotz der drastischen Preissenkung im Rahmen der reformierten Zuckermarktordnung wird die Zuckerrübe eine der stärkeren Kulturen im Ackerbau bleiben. Wenn neben dem Verbleib der Zuckermarktordnung noch die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus steigt, die wiederum vom Ertragspotenzial und von den Stückkosten abhängig ist, wird auch in Zukunft im Rheinland ein erfolgreicher Zuckerrübenanbau stattfinden. Der reformbedingte Preisrückgang kann durch einen stabilen Ertragszuwachs, durch eine konsequente Anbauplanung, eine konsequente Kostensenkung im Gesamtbetrieb und durch den Fortbestand der Zuckermarktordnung, verbunden mit übergangsweisen Ausgleichszahlungen, teilweise kompensiert werden. Alles, was in der Vergangenheit beim Zuckerrübenanbau richtig war, bleibt auch nach der Reform der Zuckermarktordnung richtig. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Fehler in der Vergangenheit Geld gekostet haben - Fehler in Zukunft aber den Betrieb ruinieren können.