Rohstoffabsicherung durch einen Optionsschein

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Die Richtung vieler landwirtschaftlicher Rohstoffpreise ist ungewiss. Auch die sogenannten Experten können keine zuverlässigen Vorhersagen treffen. Somit werden der Landwirt aber auch der Rohstoffverarbeiter weitgehend “alleingelassen“, und das vor dem Hintergrund, dass diese extremen Preisschwankungen über das „Wohl und Wehe“ des Betriebes entscheiden können. Aus diesem Grund spielt die Absicherung- wie es das Wort schon sagt, die Sicherheit - des Verkaufs oder Einkaufs eine immens wichtige Rolle. Zur sogenannten Absicherung kann man sich der verschiedensten „Absicherungs-/Vermarktungsinstrumente“ bedienen, die je nach Situation alle ihre Berechtigung haben, aber sich mehr oder weniger stark unterscheiden. Die aktuellen Vermarktungsinstrumente sind mit ihren Charakteristika in der beigefügten Übersicht aufgeführt.

Stärken und Schwächen des Optionsgeschäftes

Der Kauf von Optionsscheinen für Weizen und Raps ist - so die Werbung - eine elegante Möglichkeit, sich vor sinkenden oder steigenden Preisen zu schützen und gleichzeitig auch von einer möglichen gegenläufigen Preisentwicklung zu partizipieren. Auf den ersten Blick scheint dies ein „Superangebot“ zu sein, bei dem man nur gewinnen kann. Wie bei allen Geschäften, die auf den ersten Blick als vorzüglich erscheinen, lohnt sich eine nähere Beschäftigung mit der Thematik und die Ausschau nach den „Edlen“, die die Risiken volatiler Märkte für die Marktteilnehmer übernehmen.

Um nicht falsch verstanden zu werden, Optionsgeschäfte können je nach Situation ihre Berechtigung haben, allerdings muss klar sein, die direkten und möglicherweise „versteckten“ Kosten müssen „auf den Tisch“. Und da sind wir schon bei einem Unterschied zwischen „normalen“ Ein- oder Verkäufen und Optionsgeschäften. Optionsgeschäfte kosten erst einmal Geld bzw. verursachen Abschlusskosten. Die Vorteile liegen im Ausschluss des Qualitätsrisikos, wenn man die physische Ware erst nach der Ernte handelt und das man auch von einer gegenläufigen als von der befürchteten Preisentwicklung profitieren kann. Bei vorhandener eigener Lagermöglichkeit wie auch bei einer Ablieferung in der Ernte ist die Absicherung durch ein Optionsgeschäft geeignet. Ein eigenes Terminmarktkonto und ein Broker sind nicht erforderlich, da dieses Geschäft über die eigene Hausbank abgewickelt werden kann.

Doch es ist Vorsicht geboten: Im Sinne einer erfolgreichen Absicherung muss das Optionsgeschäft mit dem Verkauf der Ware am Kassamarkt richtig gekoppelt werden! Die Entscheidung zu treffen, ob man einen Teil seiner Ware absichern will, um sich das aktuelle Preisniveau zu sichern ist die Grundvoraussetzung. Die Möglichkeit die Preise nach unten zu bremsen und gleichzeitig von steigenden Preisen zu profitieren erhält man sich durch die Zahlung der sogenannte Optionsprämie. Die Bayern LB hat Mitte dieses Jahres erstmals derartige Optionsscheine angeboten. Bei der ersten Tranche der von der Bayern LB angebotenen Optionsscheine für Weizen für den Absicherungsmonat August 2011 wurden ca. 8 Euro pro Optionsschein bzw. pro Tonne verdient. Viele Landwirte haben es vor Freude über den Gewinn jedoch bis heute versäumt die entsprechende Weizenmenge zu verkaufen. Saldiert man den Preisrückgang am Kassamarkt von Anfang Juni bis Anfang November des Jahres in Höhe von ca. 45 Euro/t, dann ergibt sich ein „dicker“ Verlust von knapp 40 Euro/t. Wer ein Instrument einsetzt sollte auch damit umgehen können bzw. den Umgang schnellstens lernen.

Wie funktioniert das Ganze?

Die Bayern LB bietet aktuell mit einer Zeichnungsfrist vom 07. Nov. bis 18. Nov. 2011 gegen steigende Preise (Kauf eines sogenannten Call-Optionsscheines)- geeignet für Verarbeiter und Mäster - bei Weizen und vom 21. Nov. bis 2. Dez. 2011 gegen fallende Preise (Kauf eines sogenannten Put-Optionsscheines)- geeignet für Produzenten/Ackerbauern - bei Weizen und Raps Optionsscheine in einer Stückelung von 1 Tonne an. Das heißt: Man kann individuell eine Tonne bis tausende von Tonnen absichern. Die Zeichnung der Scheine ist jedoch nicht nur von dem Zeitrahmen, sondern auch von der Verfügbarkeit der angebotenen Optionsscheine- für jeden Absicherungsmonat sollen 1 Mio. Scheine/Tonnen angeboten werden - her befristet bzw. limitiert. Getreu dem Motto „Der frühe Vogel frisst den Wurm“ kann es also sein, dass wenn man sich nicht am Anfang der Zeichnungsfrist, sondern erst später entscheidet keinen Optionsschein mehr erhält.

Die Schnelligkeit darf jedoch nicht das Entscheidungskriterium darstellen, sondern die Bedingungen, das heißt, der bei der Zeichnung notierte Terminmarktkurs besitzt neben der Höhe der Optionskosten eine ganz wesentliche Bedeutung. Die Möglichkeit die Optionsscheine während der Laufzeit an der Börse zu handeln ist bei den Weizen- und Rapsscheinen der Bayern LB im Gegensatz zu diversen anderen Optionsscheinen, beispielsweise bei Aktien, nicht gegeben!

Der erste Schritt der Absicherung erfolgt durch den Kauf des Optionsscheines über ein Wertpapier-Depot, welches ja bei Vielen schon z. B. für Aktien, Anleihen usw. vorhanden ist. Da der Optionsschein nicht direkt an der Börse zu erwerben ist, gibt man den Auftrag an seinen Bankberater weiter, der das Ganze dann über das bankeninterne Ordersystem abwickelt.

Je nach Dauer des Absicherungsbedürfnisses hat man die Wahl zwischen verschiedenen Optionsscheinen. So wird z. B. der Weizenoptionsschein zur Absicherung gegen fallende Preise für die Monate Juli, August, September und November angeboten. Das heißt: Man kann die Ernte 2012 vom Erntebeginn an, also speziell für Landwirte, die kein eigenes Lager haben, bis hin zur Lagerung im November sichern. Nach dem Kauf des Optionsscheines kann man sich für die entsprechende Teilmenge der dahinter stehenden physischen Ware relativ gelassen zurücklehnen. Nämlich der nächste und damit der zweite Absicherungsschritt ist der Verkauf des Produzenten bzw. Einkauf des Verarbeiters oder Mästers, der physischen Ware, das heißt der Ware die auf dem Feld steht oder im Lager liegt. Dieser Verkauf muss im Sinne der Absicherung zeitgleich mit der Abrechnungsbasis des Absicherungsmonates erfolgen. Bei den Optionsscheinen der Bayern LB sind Monatsdurchschnittskurse des Basisfutures entscheidend.

Die Absicherung gegen fallende Kurse

Unterstellt man zum Beispiel bei der Absicherung eines Landwirts gegen befürchtete Preissenkungen einen Juli 2012-Monatdurchschnittskurs des Nov. 12 Weizen-Futures (Variante D) von145 Euro/t. Der bei der Zeichnung vorgegebene Basispreis liegt bei 185 Euro/t, die Differenz und damit der Preisrückgang zum Basispreis/Absicherungsniveau beträgt 40 Euro/t. Diesen Betrag bekommt man im Depot gutgeschrieben, so dass nach Abzug der Kosten in Höhe von 19,90 Euro/t 20,10 Euro/t Gewinn aus dem Optionsgeschäft verbleiben. Steigen die Kurse bis zur Ernte 2012 an so verbleiben im Depot die Kosten von 19,90 Euro/Schein (siehe Tabelle 1).

Diese Betrachtung ist jedoch zu „kurz gegriffen“, die Veränderung des Kassamarktpreises und die „indirekte“ Optionsprämie, der Unterschied zwischen dem Basispreis und dem aktuellen Terminmarktkurs beim Kauf des Optionsscheines in Höhe von 185 Euro/t müssen mit bewertet werden. Das Geschäft mit dem Optionsschein rechnet sich erst ab einem Kursanstieg auf über 200 Euro/t (dem sogenannten Break-Even-Point). Sollte jedoch der Terminmarktkurs innerhalb des Zeichnungszeitraums noch auf 170 Euro/t fallen, liegen die Absicherungskosten bei ca. 5 Euro/t und wäre damit sicherlich für viele Landwirte interessant.

Die Auswirkungen der möglichen unterschiedlichen Preisentwicklungen erkennt man anhand der Grafik 1. Die „Schmerzgrenze“ bei den Absicherungskosten muss jedoch jeder Unternehmer selbst bestimmen. Wesentliches Beurteilungskriterium für die Vorteilhaftigkeit eines Optionsscheines ist somit neben den Kosten des Optionsscheins auch die Differenz zwischen dem Terminmarktkurs zum Kaufzeitpunkt - der sich ja täglich ändert - und dem festgelegten Basispreis.

Die Absicherung gegen steigende Kurse

Unterstellt man zum Beispiel bei einer Absicherung eines Schweinemästers gegen mögliche Preissteigerungen einen Juni 2012-Monatdurchschnittskurs des Nov. 12 Weizen-Futures (Variante C) von 230 Euro/t. Der bei der Zeichnung vorgegebene Basispreis beträgt 190 Euro/t, die Differenz und damit die Preiserhöhung zum Basispreis/Absicherungsniveau beträgt 40 Euro/t. Diesen Betrag bekommt man im Depot gutgeschrieben, so dass nach Abzug der Kosten in Höhe von 15,81 Euro/t 24,19 Euro/t Gewinn aus dem Optionsgeschäft verbleiben. Fallen die Kurse bis zur Ernte 2012, so verbleiben im Depot die Kosten von 15,81 Euro/Schein (siehe Tabelle 2). Diese Betrachtung ist jedoch zu „kurz gegriffen“, die Veränderung des Kassamarktpreises und die „indirekte“ Optionsprämie, nämlich der Unterschied zwischen dem Basispreis und dem aktuellen Terminmarktkurs beim Kauf des Optionsscheines in Höhe von 184 Euro/t, müssen mit bewertet werden.

Das Geschäft mit dem Optionsschein rechnet sich erst ab einem Kursrückgang unter 170 Euro/t. Sollte jedoch der Terminmarktkurs innerhalb des Zeichnungszeitraum noch auf 200 Euro/t steigen, liegen die Absicherungskosten bei ca. 5 Euro/t und wären damit sicherlich für viele Mäster und Verarbeiter interessant. Die Auswirkungen der möglichen unterschiedlichen Preisentwicklungen erkennt man anhand der Grafik 2. Die „Schmerzgrenze“ bei den Absicherungskosten muss jedoch jeder Unternehmer selbst bestimmen. Wesentliches Beurteilungskriterium für die Vorteilhaftigkeit eines Optionsscheines ist somit neben den Kosten des Optionsscheins auch die Differenz zwischen dem Terminmarktkurs zum Kaufzeitpunkt - der sich ja täglich ändert - und dem festgelegten Basispreis.

Kurzes Fazit

Immer wenn die Erlöse über den Kosten liegen sollte man über einen Teilverkauf nachdenken. Aber auch bei nicht kostendeckenden Erlösen muss mitunter verkauft werden. Der Landwirt muss also zunächst einmal über seine Stückkosten nachdenken, besser noch, diese ausrechnen. Insbesondere bei unsicheren Marktverhältnissen und die sind im Prinzip bei einer knappen Vorratslage immer unsicher, ist ein Optionsmodell vorstellbar. Entscheidend ist die Risikoneigung des einzelnen Landwirts. Ein Optionsschein ist so etwas wie eine Versicherung, man zahlt eine Prämie und im Schadensfall- in dem Fall, eine unerwünschte Preisentwicklung - erhält man einen Ausgleich. Ein guter Vergleich aus dem landwirtschaftlichen Bereich, ist die Hagelversicherung, die jeder kennt. Allen muss klar sein: Wer für einen anderen ein Risiko übernimmt will das Risiko bezahlt haben, ein Dienstleistungsentgelt erhalten und noch einen Gewinn erzielen.

Das Angebot der Bayern LB trifft den Nerv vieler Landwirte, die nach dem Verkauf ihres Getreides eine Preissteigerung nur schlecht ertragen können. Diese „Beruhigung“ muss jedoch je nach Situation relativ teuer erkauft werden. Dennoch gibt es hin und wieder Markt- und Betriebssituationen, in denen Teilmengen derartig abgesichert werden können. Hierfür ist ein sicherer Umgang mit dem Instrument unumgänglich. Wohl dem, der diese Ausführungen verinnerlicht hat oder aus anderen Gründen schon die Zusammenhänge richtig interpretiert. Ist das der Fall und ist ihm die Preissicherheit die direkte und eine möglicherweise versteckte Optionsprämie wert, dann ist die Zeit für ein Optionsgeschäft reif. Hat man die Betrachtung noch nicht verstanden und/oder ist dem Einzelnen die Sicherheit nicht die Optionsprämie wert, dann sollte er die Finger von einem derartigen Geschäft lassen.

Autor: Hans Jürgen Hölzmann