Wirtschaftlichkeit des Kartoffelanbaus - lohnen sich Fritten-Kartoffeln?

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Der Kartoffelanbau spielt für den Betriebsgewinn eine wichtige Rolle. Bei einer Vermarktung ab Feld hat der erwartete Deckungsbeitrag für die Rentabilitätsbetrachtung noch eine gewisse Aussagekraft, bei einem vorhandenen Lager spielen andere Einflussfaktoren eine wichtigere Rolle. Daher darf bei den Kartoffeln nicht der Deckungsbeitrag über das vorgesehene Anbauvolumen entscheiden, sondern die Gewinnerwartung. Betrachtet man die letzten Jahre, so sind bei den eingegangenen Verträgen und den vorhandenen Ertrags- und Qualitätserwartungen vielfach Verluste vorprogrammiert gewesen. Bei einer derart risikoreichen Produktion und Vermarktung muss das Risiko verstärkt in die Verträge „eingepreist“ werden. Eine Forderung, die von vielen Landwirten scheinbar zu wenig berücksichtigt wird, so dass der Kartoffelanbau sehr risikoreich ist und nur den Spezialisten überlassen werden sollte.

Die volatilen Märkte insbesondere bei Kartoffeln “haben es in sich“. Die Terminmarktnotierungen der letzten 10 Jahre bewegten sich wie aus Übersicht 1 ersichtlich zwischen 4 und über 40 Euro/dt, der freie Kassamarkt lag etwas darunter und bezahlte für freie Ware im gleichen Zeitraum zwischen 3 und 35 Euro/dt. Lagen die täglichen Kontraktzahlen in den ersten Jahren des Terminmarktes noch unter 100 Kontrakten pro Tag, so haben sich die täglichen Kontrakte bei der EUREX in Frankfurt mittlerweile deutlich erhöht. Fünfhundert bis zu eintausend Kontrakte pro Tag sind keine Seltenheit. Letzteres bedeutet immerhin ein Tagesvolumen in Richtung von 25.000 to. In fast jedem Jahr macht das Wetter „Sperenzchen“, Trockenheit und Hitze auf der einen Seite und Hagel und starke Niederschläge auf der anderen Seite bringen das anhand des Anbauvolumens erwartete Angebot durcheinander, genauso wie durchgängig gute Wachstumsbedingungen zum Beispiel in den Jahren 2002 und 2004.

Außer in den beiden zuletzt genannten Jahren gab es in den anderen Jahren zumindest kurzzeitig eine Möglichkeit, die freie Ware gewinnversprechend zu vermarkten. So war es auch in diesem Jahr als Ende Mai die Kurse am Termin- und Kassamarkt in die Höhe schossen, nur kaum einer hat es bemerkt und die Gelegenheit zum Verkauf wahrgenommen. Die unsichere Ertragserwartung und bereits eingegangene Vorverträge waren sicherlich bei dem Einen oder Anderen ein Verkaufshindernis. Eine knappe Marktversorgung an guten Qualitäten beflügelt sowohl die Phantasie der Fachspekulanten als auch die der fachfremden Spekulanten. Es wird wieder einmal sehr deutlich, dass die Modalitäten des vielfach praktizierten Vertragsanbaus wenig zeitgemäß sind und die Landwirte unabhängig vom Ertrags- und Marktverlauf nur selten zu den Gewinnern zählen können. Auch vor diesem Hintergrund erscheint die Planung des Anbaus als reines Glücksspiel.

Die Wirtschaftlichkeit des Kartoffelanbaus orientiert sich im Vorfeld immer wieder an den anderen Ackerbaukulturen, insbesondere am Weizenanbau. Wie sonst sind auch die schwachen Kartoffel-Vorvertragspreise für die Ernte 2011 erklärbar, als im letzten Winter alle Märkte scheinbar im Überfluss schienen. Dabei sind die gebotenen Preise für den Kartoffelanbau nicht allein entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Im Gegensatz zu vielen Ackerbauprodukten, bei denen der Ertrag multipliziert mit dem Preis den Hektarerlös ergibt, können bei Kartoffeln noch viele Ertrags- und Qualitätsmängel Einfluss auf den Hektarerlös nehmen. Hohe Ertragsschwankungen je nach Auspflanzungsbedingungen und Witterungsverlauf und später noch Lagerprobleme erhöhen das objektive Ertrags- und auch das Qualitätsrisiko. Ein Überfluss oder eine Unterdeckung an Ware in dem jeweiligen Erntejahr beeinflussen weiterhin die Erlösmöglichkeiten. Klar, die Kartoffeln kann man nicht gut übers Jahr lagern oder aus Übersee beziehen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Ackerbaukulturen. Ob man verschiedene Sorten an Speisekartoffeln oder spezielle Industrieware anbaut, „ab Feld vermarktet“, oder die Vermarktung aus dem eigenen Lager vornimmt, die Wirtschaftlichkeit lässt sich nicht vorhersehen oder gar planen. Der Kartoffelanbauer lebt von den Erfahrungen der Vorjahre und er muss die vergangenen Erlöse und Kosten pro Hektar sehr genau ermitteln, um qualifizierte Zukunftsentscheidungen zu treffen. Die Anbauentscheidung pro oder contra Kartoffel lässt sich nicht aus Deckungsbeitragsrechnungen herleiten. Vor einer Anbauentscheidung muss man sich tiefer gehend mit den Faktoren beschäftigen, die die Wirtschaftlichkeit des Kartoffelanbaus beeinflussen.

Die Kostenstruktur im Kartoffelanbau

Im Ackerbaubetrieb prägen die Arbeitserledigungs-, Direkt- und Bodenkosten mit deutlich über 80 % an den Gesamtkosten das Geschehen. Auch bei den Kartoffeln spielen die Direkt- und Arbeitserledigungskosten mit zwei Drittel an den Gesamtkosten die wesentliche Rolle. Allein die Saatgutkosten machen je nach Sorte und Jahr ca. 15 % der gesamten Kosten aus, auch die Düngung und der Pflanzenschutz stellen gegenüber vielen anderen Kulturen quantitativ und qualitativ höhere Ansprüche. Ein höherer Bedarf an Schleppern und Spezialmaschinen und knapp 50 Arbeitsstunden pro Hektar bei gelagerter Ware schrauben die Kosten in die Höhe. Speziell für die Lagerung von Kartoffeln erstellte Gebäude und eine zusätzliche Ein- und Auslagertechnik verursachen ebenfalls hohe Kosten, die aber im Interesse einer qualitativ guten und damit Produktsubstanz erhaltenden Lagerung über Winter und im folgenden wärmeren Frühjahr erforderlich sind.

Diese höheren Kosten für den Gesamtbetrieb werden oftmals unterschätzt und bei vielen Kalkulationen vernachlässigt. Insbesondere muss man auch den entgangenen Zins berücksichtigen, die der Kapitalbedarf für den Bau einer Halle von mehreren hunderttausend Euro mit sich bringt. Desweiteren stellen noch die Nutzungskosten für den Boden eine beachtliche Größe dar und allgemeine Kosten wie Versicherungen, Betriebssteuern usw. müssen genauso wie bei anderen Kulturen den Kartoffelflächen angelastet werden.

Die Vollkostenrechnung zeigt beträchtliche Kosten in Höhe von knapp 7.000 Euro pro Hektar, die natürlich je nach Jahr, Sorte und Betrieb schwanken, aber vielfach nicht von den erzielten Erlösen gedeckt werden. Ursachen hierfür sind sicherlich der bei einem Überangebot an Ware vorhandene Preisdruck, aber auch die vielfach mangelnde Kalkulation und damit die Preisforderungen der Erzeuger. Die Kosten für die vor Jahren erbaute Halle, für den eigenen Lohn- und Pachtanspruch des eigenen Bodens und für die Verzinsung des eingesetzten eigenen Kapitals in einer Größenordnung von insgesamt mehreren Euro/dt werden bei der „betriebseigenen“ Kostenkalkulation oftmals vernachlässigt. Eine Unachtsamkeit, die sowohl für die Erzeuger als auch für die Abnehmer einen erfolgreichen Kartoffelanbau auf Dauer gefährden kann.

Eckpreisfunktion Weizen mit Auswirkungen auf den Kartoffelanbau

Natürlich produzieren die landwirtschaftlichen Betriebe nicht ausschließlich Kartoffeln, sondern auch Zuckerrüben und in größerem Umfang Getreide, insbesondere Weizen. Der Weizen hat für viele ackerbaulichen Produkte immer noch die Eckpreisfunktion, d. h. die „geplante“ Rentabilität der anderen Kulturen wird auch von den Rentabilitätserwartungen des Weizens abgeleitet. Je nach Kultur gibt es mehr oder weniger starke Risikozu-/abschläge zur erwarteten Weizenrentabilität. Natürlich spielen das aktuelle Jahresangebot und die Jahresnachfrage ebenfalls eine den Preis beeinflussende Rolle. Beim Weizen hat sich im Rahmen der Globalisierung ein „Weltmarktpreis“ gebildet, der auch von den führenden Terminmärkten in Chicago und Paris abgeleitet werden kann.

Für die westeuropäische Landwirtschaft führt die Ableitung von den Terminmarktkursen zu einer hohen Markttransparenz und Planungssicherheit. Auch deshalb steht die Anbau- und Absatzplanung bei Kartoffeln vor großen Herausforderungen. Herbstliche Flächenreservierungen und Pflanzgutvorbestellungen für Kartoffeln dürfen nicht automatisch zu deren Anbau führen, wenn die Rentabilitätserwartungen vor der endgültigen Anbauentscheidung aufgrund der aktuellen Angebots- und Nachfragesituation nicht passen. Von daher sind auch Anbaualternativen im Frühjahr gefordert. Bei den „Frühjahrsalternativen“ ist insbesondere der Mais zu beachten, der bei den heutigen Preiserwartungen durchaus mit vielen Kulturen wirtschaftlich mithalten kann. Genau wie bei anderen Kulturen empfiehlt es sich, die Kartoffeln in Teilmengen zu vermarkten, schwerpunktmäßig insbesondere dann, wenn sich eine ausreichende Wirtschaftlichkeit erwarten lässt. Neben der traditionellen Kassamarktabsicherung kommt der Beobachtung des Kartoffelterminmarktes und gegebenenfalls einer Absicherung am Terminmarkt eine verstärkte Bedeutung zu.

Risiken und Chancen beim Kartoffelanbau

Starke Ertrags- und Qualitätsschwankungen beim Anbau und auch noch im Lager, dagegen ein starrer, selten befriedigender Vertragspreis und starke Preisschwankungen am freien Kartoffelmarkt prägen das risikoreiche Umfeld. Die Umsatzerwartungen sind sehr unterschiedlich. Unabhängig davon bestehen hohe Produktionskosten und ein hoher Kapitalbedarf. „Enge Fruchtfolgen“ - gute Kartoffelanbauflächen sind exponiert und begrenzt - eine große Witterungsabhängigkeit und „enge Spritztermine“ in ertragreichen Jahren drücken Preise und „Qualitäten“. Die Kartoffel ist beim Dünger- und Betriebsmittelkonsum anspruchsvoll, insbesondere beim teuren Saatgut. Der Bedarf an zusätzlichen Schleppern und teuren „Spezialmaschinen“ oder an einem Lohnunternehmereinsatz verhindert neben einer hohen Arbeitsbelastung und damit Arbeitskosten eine „schlanke“ Betriebsorganisation. Der Kartoffelanbau verlangt einen hohen Kapitaleinsatz und genügend Liquidität, da ein gutes Jahr vielfach zwei bis drei schlechte Jahre finanzieren muss. Eingeschränkte Vermarktungsmöglichkeiten bewirken eine starke Position der Erfasser und auch die Qualitätsanforderungen werden durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Durch ein zu großes Angebot gegenüber der Nachfrage ist der Kartoffelanbauer vielfach selbst der größte Feind eines erfolgreichen Kartoffelanbaus.

Neben der Begrenzung der Risiken muss man verstärkt die Chancen nutzen. Die Verfügbarkeit preiswerter Saisonarbeitskräfte, optimale Standort- und Klimabedingungen, weite Fruchtfolgen und vielfach vorhandene Bewässerungsmöglichkeiten ermöglichen die notwendigen Quantitäten und die erforderliche Qualitätsproduktion. Hinzu kommen eine vorhandene gute Produktionstechnik, gute Aufbereitungs- und Lagerungsmöglichkeiten sowie die Nutzung vorhandener Infra- und Absatzstruktur. Die Bildung von Wertschöpfungsketten bzw. Verbundsystemen zur Nutzung von Synergieeffekten und Sicherheit durch eine vertikale Integration - u. a. auch durch eine Saatguterzeugung vor Ort - fördern eine höhere Umsatzerwartung und eine stabile Rendite. Der erfolgreiche Landwirt mit gutem, speziellem Know How braucht einen zielgerichteten Kartoffelanbau und die westeuropäischen Verarbeiter brauchen die guten erfolgreichen Kartoffelanbauer.

Rechnet sich eine Beregnung?

Zu nass oder zu trocken, selten passt die Witterung für den speziellen Standort. In Zukunft wird es wohl nicht besser. Im Gegenteil: Die Witterungsextreme könnten noch zunehmen. Wohl dem also, der Wasser „gezielt“ zuführen kann. Nicht selten haben sich die Investitionen in eine Beregnung schon in 1-2 trockenen Jahren bezahlt gemacht. Zugegeben, die variablen Kosten insbesondere für die Arbeit des „Umsetzens“ sind hoch, haben aber erfahrungsgemäß eine „gute Verzinsung“. In trockenen Jahren verdient derjenige, der dann Ertrag und Qualität erzeugt, gutes Geld. In Jahren des Wasserüberflusses bringt die Beregnung nichts, kostet aber auch weniger, da die variablen Kosten für Energie und Umsetzen nicht anfallen.

Ein Problem ist vielfach die Verfügbarkeit bzw. Beschaffung des Wassers! Natürlich wäre es schön, wenn es größere Beregnungsblöcke (ab 50 ha) im Betrieb gäbe. Vielleicht kann man aber auch mit dem Feldnachbarn sprechen.

Die Entnahme aus Oberflächengewässern wird oft nur sehr restriktiv genehmigt, während das Grundwasser sehr tief oder unzugänglich ist. Trotzdem können sich wie aus der Modellrechnung ersichtlich die Investitionen je nach Fruchtfolge rechnen. Optimal wäre in jedem zweiten Jahr eine beregnungswürdige Kultur, aber auch alle vier Jahre kann es sich je nach individuellen Voraussetzungen rechnen. Beregnungswürdig sind alle Kulturen, die ein zeitkritisches Wasserbedürfnis haben und höhere Umsätze versprechen.

Sichern Sie sich baldmöglichst Ihr Beregnungswasser bevor es andere (für sich) tun, Investitionen in wassersparende und bodenschonende Technik sind vielfach teurer, können sich auf Dauer aber trotzdem rechnen!

Die Kosten für die Beregnung schwanken natürlich je nach den örtlichen Gegebenheiten. Aus den Berechnungen ergeben sich folgende Ansätze:

Die festen Kosten für eine beregnungsfähige Fläche von 50 bis 100 ha setzen sich aus Brunnen, Pumpenaggregat für Diesel oder besser Strom, Erdleitung, Hydranten und Beregnungsmaschinen in Höhe von ca. 100 Euro/ha zusammen. Die variablen Kosten für Diesel/Strom und Arbeit (Umsetzen) bewegen sich zwischen 1,00 bis 2,00 Euro/mm, wobei die Stromlösung die deutlich kostengünstigere Variante ist.

Vielfach sind insgesamt 50 mm bis 100 mm Wasser zur rechten Zeit verteilt der entscheidende Ertrags- und Qualitätsfaktor, d. h. mit 200 bis 400 Euro/ha ist eine entsprechende „Versicherung“ möglich.

Bei der Modellrechnung (Übersicht 2) ist unterstellt, dass in dem „Beregnungsblock“ die Beregnungskapazität für 25 % der Flächen vorhanden ist. Man kann anhand der Modellrechnung erkennen, dass die Beregnung sich nicht so sehr aufgrund des Mehrertrages, sondern aufgrund höherer Preise in trockenen Jahren und natürlich nur bei umsatzstärkeren Kulturen rechnet. Ein weiterer wesentlicher Punkt in der Betrachtung stellt die höhere Ertragssicherheit und Qualität dar. Dieser Ansatz ist in der Berechnung monetär jedoch nicht bewertet. Der Einbau einer zweiten „beregnungswürdigen Kultur“ in der Fruchtfolge würde das Ergebnis weiter deutlich verbessern.

Macht eine Terminmarktabsicherung mit Teilmengen Sinn?

Während bei Getreide und Raps die Preisorientierung an den Terminmarktkursen unbestritten ist, halten sich die Kartoffelhändler diesbezüglich immer noch sehr zurück. Im Gegensatz zum Getreide- und Rapsmarkt bewegen sich die Terminmarktkurse und Kassapreise für freie Ware nicht immer im „Gleichschritt“, d. h. die Kurse weichen, wie die Übersicht 3 zeigt, schon einmal mehr oder weniger stark voneinander ab. Die Kassapreise sind durch den Eurex European Processing Potato Index dargestellt, der den ermittelten Kursen für freie Ware in den vier Ländern Holland, Belgien, Frankreich und Deutschland zu je einem viertel Anteil entspricht.

Die Liquidität am Terminmarkt (Anzahl der Kontrakte) hat sich seit Übernahme der Notierung durch die EUREX in Frankfurt deutlich erhöht, an einem Börsentag werden zwischen 100 bis 1000 Kontrakte gehandelt. Das entspricht einer Menge zwischen 2.500 bis 25.000 Tonnen Veredlungskartoffeln pro Tag, also durchaus einer Größenordnung, die zunehmend vor allem bei den Kartoffelverarbeitern und den Landwirten Beachtung findet. Allein der Kartoffelhandel tut sich immer noch schwer, die Ableitung der Erzeugerpreise (anders als bei den Getreide- und Rapshändlern) von den Terminmarktkursen zu akzeptieren. Dabei wäre gerade bei den wenig transparenten und sehr volatilen Kartoffel-Kursen eine derartige Ableitung erforderlich, um den Kartoffelanbau und Kartoffelabsatz im Sinne einer Absicherung auf ein stabiles Fundament zu stellen. Der noch umfangreich praktizierte Vertragsanbau, aber auch der freie Anbau, ist bei den volatilen landwirtschaftlichen Rohstoffmärkten wenig zeitgemäß und hochspekulativ, wie auch der Preisverlauf der Ernte 2010 zeigt. Die Risiken des Vertragsanbaus für die im eigenen Lager eingelagerte Ware sind unausgewogen und auf der Erzeugerseite vielfach höher als auf der Seite des Handels, so dass die Landwirte eine stärkere Akzeptanz und damit Preisableitung - z.B. in Form von Prämienverträgen oder EFP-Kontrakten - von den Terminmarktkursen fordern.

Dagegen gibt es auch kaum vernünftige Argumente, wie alle anderen landwirtschaftlichen Rohstoffmärkte im Sinne einer Absatzsicherung belegen. Einige Landwirte haben auch in diesem Jahr mangels Alternativen teilweise eine eigene Terminmarktabsicherung mittels des April 11 Futures vorgenommen, was insbesondere bei einer hohen Basis vorzüglich ist. Die Basis läuft spätestens gegen Ende des Futures gegen Null (ist aber auch schon einmal zwischendurch so), Anfang April ist die Basis wieder plus/minus Null. Die Basis hat aber in den letzten Monaten schon öfter 7 bis 8 Euro/dt betragen und das war ein relativ vorzüglicher Zeitpunkt für eine Absicherung am Terminmarkt. Als Basis wird der Unterschied zwischen dem aktuellen Terminmarktkurs und dem eingangs dargestellten Index (d. h. Preis für die freie Ware) bezeichnet. Eine Basis von 1-2 Euro/dt ist durchaus akzeptabel, so dass dann eher ein Kassamarktkontrakt statt ein Terminmarktkontrakt in Frage kommt. Gehen die Kurse jedoch weiter auseinander, so sind die Preismeinungen der Nachfrager am Kartoffelmarkt und die der Produzenten sehr unterschiedlich. Beide Seiten werden durch die Spekulanten am Terminmarkt je nach vorherrschender Meinung nach oben oder nach unten unterstützt. Oftmals liegt die „Wahrheit“, d. h. welche Meinung und damit weicher Preis richtiger ist, zwischen der Kassa- und der Terminmarktnotierung.

Hat sich der Landwirt einmal entschlossen, eine bestimmte Menge zu vermarkten, muss er entscheiden, ob eher eine Kassamarktvermarktung oder zunächst eine Terminmarktabsicherung sinnvoll ist. Bei einer hohen Basis (über 3 bis 5 Euro/dt) ist auch unter Berücksichtigung der Risiken am Terminmarkt (z. B. Nachschussrisiko, d. h. entsprechender Zinsverlust; die Kontraktgebühren und Sicherheitsleistung sind gut zu planen und daher weniger belastend) eine Terminmarktabsicherung vorzüglich. Für die Ernte 2011 waren die Unterschiede zwischen Kassamarkt und Terminmarkt (April 12 Future) bisher eher gering. Die Ausnahme war, als der Terminmarkt Ende Mai auf über 20 Euro/dt davon zog und der Kassamarkt nur bis zwischen 15 bis 16 Euro/dt folgte. Das kann sich im Verlauf der Vermarktungsperiode immer wieder, insbesondere je nach Witterungsverlauf oder Nachfrage am Markt, ändern. Die zeitlich frühen und guten Auspflanzungsbedingungen sprechen derzeit für eine gute Kartoffelernte, Frost, Trockenheit usw. haben jedoch im Verlauf der Monate das Bild immer wieder verändert.

Der Jahresanfang ist oft keine gute Zeit für Absicherungen. Erfahrungsgemäß müssen die Weichen für den Absatz entweder rechtzeitig im Herbst bei der gesamtbetrieblichen Anbauplanung oder im Mai/Juni vor der Ernte gestellt werden. Der Kartoffelanbau ist Jahr für Jahr hochspekulativ und es ist kaum vorhersehbar wie sich der Preisverlauf ändert, weder Kassamarkt noch Terminmarkt finden für beide Seiten akzeptable Kurse. Trotzdem ist es vielfach richtig, einen Teil der Produktion bis Mai/Juni - aber nicht zu früh - abzusichern, ob einen kleineren oder größeren Anteil am Termin- oder am Kassamarkt hängt von dem Unterschied, das heißt der Basis ab. Für beide Seiten gleichermaßen fundierter wäre der Einsatz der neuen Vermarktungsinstrumente Prämien- oder dem EFP-Kontrakt. Beide Kontraktformen reduzieren die Risiken der richtigen Preisfindung und erhöhen die Chancen einer ausgewogenen Marktversorgung bei angemessenen Konditionen. Der Kartoffelhandel bietet aber im Gegensatz zum Getreide- oder Rapshändler diese neuen Vermarktungsinstrumente nur sehr ungern oder überhaupt nicht an. Über die Gründe kann man spekulieren, aber in jedem Fall werden mit einem derartigen Verhalten die Chancen zu einer bedarfs- und preisgerechten Marktversorgung reduziert und den Risiken werden unnötigerweise verstärkte Angriffspunkte geboten.

Ein Beispiel der Terminmarktabsicherung aus der Ernte 2010:

Anfang Dez. 2010 wurden am Kassamarkt je nach Sorte und Parität 17 bis 19 Euro/dt gezahlt, der April 11er Future notierte bei 26 Euro/dt, d. h. einer Basis von durchschnittlich 8 Euro/dt. Der am Terminmarkt erfahrene Landwirt zog eine Terminmarktabsicherung vor und stellte Anfang April 2011 beim Verkauf der physischen Ware die Terminmarktkontrakte glatt. Mit dieser Vorgehensweise hat der Landwirt einen Abrechnungs-Saldo von knapp 26 Euro/dt für seine Ware erzielt, 8 Euro/dt mehr als er beim Kassamarktverkauf Anfang Dezember erhalten hätte. Für den Einsatz des Absatzinstrumentes Terminmarkt gilt immer die Grundregel: Beim Verkauf am Terminmarkt muss die Basis hoch sein und damit größer als beim Verkauf am Kassamarkt und gleichzeitiger Glattstellung (Kauf) der Kontrakte am Terminmarkt. Wer diese Regel berücksichtigt und die notwendige Liquidität für eventuelle Nachschüsse hat kann erfolgreich am Terminmarkt agieren.

Beispiel Terminmarktabsicherung: Terminmarktkurs Kassamarktpreis Zinskosten
5% für Nachschuss
Kontraktgebühren
Anfang Dez. 2010 26,00 €/dt   (zwischenzeitlicher max. Nachschuss 8 €/dt)  
Anfang April 2011 18,80 €/dt 18,90 €/dt  
Saldo 7,20 €/dt 18,90 €/dt < 0,10 €/dt < 0,10 €/dt
Saldo Abrechnung 7,20 + 18,90 - 0,10 – 0,10 = 25,90 €/dt

Handlungsbedarf

Das Risiko und die Kosten der Lagerung von Veredlungskartoffeln werden in Vorverträgen oftmals nicht ausreichend bezahlt. In den letzten Jahren lagen die Vertragskonditionen im Frühjahr aus dem Lager gegenüber der Vermarktung in der Ernte ab Feld selten über 2 - 3 Euro/dt. Dabei betragen allein die Kosten für ein Lager und die Ein- und Auslagerung (Arbeit, Maschinen, Betriebsmittel, usw.) über 3 Euro/dt. Hinzu kommen die Verluste an Menge und Qualität gegenüber der in der Ernte verkauften Ware, was schnell auch 2 Euro/dt ausmacht. Aufgrund der geschilderten Mehrkosten kann der Landwirt mit Lagerware nur hoffen, dass der „freie“ Preis die Mehrkosten deckt bzw. einen Gewinn ermöglicht. Der „freie“ Preis ist jedoch nicht jedes Jahr zufriedenstellend, und auch nur dann erlöswirksam, wenn man über genügend freie Ware mit entsprechenden Qualitäten verfügt. Das „Vorhalten“/Risiko freier Ware setzt wiederum eine gute betriebliche Liquidität und sichere Erlöse aus anderen Betriebszweigen voraus. Eine Situation, die speziell im Rheinland in den letzten Jahrzehnten durch die Zuckerrüben, die Prämien und die stabilen und guten Erträge schon eher gegeben war als in anderen Ackerbauregionen.

Man sollte sich jedoch vor Augen führen, dass die Preise für Zuckerrüben im Rahmen der Zuckermarktordnung deutlich gesunken sind, die aktuelle Marktordnung nur noch bis zur Ernte 2014 gilt und auch nicht ein Rekordertragsjahr das andere „jagt“. Die EU-Prämien sind nur bis 2013 geregelt, die Top-Ups werden abgeschmolzen und nach 2013 ist vieles offen. Lediglich bei Getreide sind gegenüber den letzten Jahrzehnten höhere Umsätze zu erwarten. Zeitgleich steigen jedoch die Kosten in allen Bereichen. Diese geänderten Rahmenbedingungen erfordern ein Umdenken im bisher praktizierten Vertrags-Kartoffelanbau. Sicherlich soll es nicht mehr in Richtung der sogenannten freien Ware führen, sondern um eine geänderte Vertragsgestaltung, die die Chancen und Risiken für Anbauer und Abnehmer besser verteilt. Die Möglichkeiten von Teilabsicherungen auch in Form von Prämienkontrakten oder EFP-Geschäften, wie in anderen Bereichen möglich und bewährt, sollten „geschaffen“ und in Anspruch genommen werden. Denken Sie darüber nach, bevor es wieder losgeht und Verträge nach altem „Strickmuster“ mit vielleicht etwas geänderten Konditionen vorgelegt und unterschrieben werden.

Für Anbauer und Abnehmer gilt: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“.

Autor: Hans Jürgen Hölzmann