Veredlungskartoffeln: Terminmarktkurse und Kassapreise für freie Ware nähern sich an

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Im Gegensatz zum Getreide- und Rapsmarkt verliefen die Terminmarktkurse und Kassapreise für freie Ware nicht im Einklang, das heißt die Basis ist, wie auch die Grafik unten zeigt, sehr heterogen. Die Kassapreise sind durch den Eurex €pean Processing Potato Index dargestellt, der den ermittelten Kursen für freie Ware in den vier Ländern Holland, Belgien, Frankreich und Deutschland zu je einem viertel Anteil entspricht. Die Liquidität am Terminmarkt (Anzahl der Kontrakte) hat sich seit Übernahme der Notierung durch die EUREX in Frankfurt deutlich erhöht, an einem Börsentag werden zwischen 100 bis 800 Kontrakte gehandelt. Das entspricht einer Menge zwischen 2.500 bis 20.000 Tonnen Veredlungskartoffeln pro Tag, also durchaus einer Größenordnung, die zunehmend vor allem bei den Kartoffelverarbeitern und den Landwirten Beachtung findet. Allein der Kartoffelhandel tut sich immer noch schwer, die Ableitung der Erzeugerpreise (anders als bei den Getreide- und Rapshändlern) von den Terminmarktkursen zu akzeptieren, dabei wäre gerade bei den wenig transparenten und sehr volatilen Kartoffel-Kursen eine derartige Ableitung erforderlich, um den Kartoffelanbau und Absatz im Sinne einer Absicherung auf ein stabiles Fundament zu stellen.

Der noch umfangreich praktizierte Vertragsanbau ist bei den volatilen landwirtschaftlichen Rohstoffmärkten nicht mehr zeitgemäß und hochspekulativ, wie auch der Preisverlauf der Ernte 2010 zeigt. Die Risiken des Vertragsanbaus sind unausgewogen und auf der Erzeugerseite vielfach höher als auf Seiten des Handels, so dass die Landwirte eine stärkere Akzeptanz und damit Preisableitung - z. B. in Form von Prämienverträgen oder EFP-Kontrakten - von den Terminmarktkursen fordern. Dagegen gibt es auch kaum vernünftige Argumente, wie alle anderen landwirtschaftlichen Rohstoffmärkte im Sinne einer Absatzsicherung belegen. Einige Landwirte haben auch in diesem Jahr mangels Alternativen teilweise eine eigene Terminmarktabsicherung mittels des April 11 Futures vorgenommen, was insbesondere bei einer hohen Basis vorzüglich ist. Die Basis läuft spätestens gegen Ende des Futures gegen Null (war es aber auch schon zweimal vor einigen Wochen), aktuell beträgt die Basis 1,60 €/dt, hat aber in den letzten Monaten schon öfter 7 bis 8 €/dt betragen. Als Basis wird der Unterschied zwischen dem aktuellen Terminmarktkurs und dem eingangs dargestellten Index (d. h. Preis für die freie Ware) bezeichnet. Hat sich der Landwirt entschlossen eine bestimmte Menge zu vermarkten, muss er entscheiden, ob eine Kassamarktvermarktung oder eine Terminmarktabsicherung sinnvoll ist. Bei einer hohen Basis (über 4 bis 5 €/dt) ist auch unter Berücksichtigung aller Risiken am Terminmarkt (z. B. Nachschussrisiko, d. h. entsprechender Zinsverlust) eine Terminmarktabsicherung vorzuziehen.

Hierzu ein Beispiel: Anfang Dez. 2010 wurden am Kassamarkt je nach Sorte und Parität 17 bis 19 €/dt gezahlt, der April 11er Future notierte bei 26 €/dt, d. h. einer Basis von durchschnittlich 8 €/dt. Der am Terminmarkt erfahrene Landwirt zog eine Terminmarktabsicherung vor und stellte Anfang Feb. 2011 beim Verkauf der physischen Ware die Terminmarktkontrakte glatt. Mit dieser Vorgehensweise hat der Landwirt einen Saldo von knapp 26 €/dt für seine Ware erzielt, 8 €/dt mehr als er beim Kassamarktverkauf Anfang Dezember erhalten hätte. Selbstverständlich muss man die Liquidität für die eingetretenen und eventuell noch höheren Nachschüsse haben bzw. die Kontraktzahl danach ausrichten.

Beispiel Terminmarktabsicherung: Termin-
marktkurs
Kassa-
marktpreis
Zinskosten 5%
für Nachschuss
Kontraktgebühren
Anfang Dez. 2010 26,00 €/dt   (zwischenzeitlicher max.
Nachschuss 8 €/dt)
 
Anfang Feb. 2011 25,00 €/dt 25,00 €/dt  
Saldo 1,00 €/dt 25,00 €/dt < 0,10 €/dt < 0,10 €/dt
Saldo Abrechnung 1,00 + 25,00 - 0,10 – 0,10 = 25,80 €/dt

Vergleich Eurex Veredelungskartoffeln April 2011 mit dem Index

Autor: Hans Jürgen Hölzmann