Urbane Landwirtschaft

Feld in der Stadt EssenBild vergrößern
Landwirtschaftliche Flächen haben in Ballungsräumen für das Landschaftsbild, den Naturhaushalt und zur Erholung eine wichtige Bedeutung

Unter urbaner Landwirtschaft wird eine landwirtschaftliche und gartenbauliche Nutzung im unmittelbaren angrenzenden Bereich von städtischen Verflechtungsräumen verstanden. Sie unterliegt in besonderer Weise den Einflüssen, die sich aus der städtebaulichen Entwicklung und aus der Nachbarschaft zur städtischen Bevölkerung ergeben. Im gesellschaftlichen Diskurs über urbane Landwirtschaft dominieren soziokulturelle und raumplanerische Aspekte. Dagegen spielen Landwirtschaft und Gartenbau als unternehmerische Erwerbszweige in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine untergeordnete Rolle, obwohl sie beispielsweise im größten deutschen Ballungsraum - der Metropolregion Rhein-Ruhr -auch heute noch die größten Flächennutzer darstellen.

Die von den Verflechtungsräumen ausgehenden Einflüsse auf die angrenzenden landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Nutzungen sind vielfältig. Durch fortlaufende Inanspruchnahme neuer Flächen für Siedlungs-, Gewerbe- und Infrastrukturentwicklung unterliegen die im urbanen Umfeld wirtschaftenden Betriebe einem permanenten Flächenentzug, die häufige betriebsorganisatorische Anpassungen erfordern. Durch die unmittelbare Nachbarschaft stoßen Bewirtschaftungsmaßnahmen und Freizeit- oder Erholungsansprüche der Bevölkerung besonders oft aufeinander. Andererseits eröffnet die enge Verzahnung von Produzenten und Verbrauchern vielfältige Chancen im Bereich der Vermarktung von Produkten aber auch der Erbringung von Dienstleistungen.

In der Folge ist urbane Landwirtschaft gekennzeichnet durch eine auf den städtischen Raum ausgerichtete spezialisierte Erzeugung landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Produkte und deren Vermarktung in und an städtischen Verdichtungsräumen, von einer Vielzahl unterschiedlicher landwirtschaftsnaher Dienstleistungsangeboten für die Bevölkerung. Soweit größere zusammenhängende Flächen verfügbar sind, findet aber auch die allgemein übliche Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln statt.

Hervorzuheben ist die Funktion der urbanen Landwirtschaft als Partner zur Offenhaltung der Landschaft sowie zur Erhaltung, Gestaltung und Pflege der Kulturlandschaft. Diese Funktion ist nicht nur für die Erholung der städtischen Bevölkerung von Bedeutung, sondern leistet zugleich wichtige Beiträge zum großräumigen Luftaustausch zwischen den verdichteten Räumen und ihrem Umland, zur Minderung der Temperaturentwicklung im Ballungsraum während Hitzephasen oder als Rückzugsraum für Tier und Pflanzen im Ballungsraum.

Die landwirtschaftlichen Betriebe im Ruhrgebiet haben die urbane Landwirtschaft als Thema für die zukunftsfähige Entwicklung von Landwirtschaft und Gartenbau auf ihre Agenda gesetzt. Die Landwirtschaftskammer initiiert, begleitet, entwickelt und berät Praxis und Wissenschaft, Fachöffentlichkeit und Planer, Verbände und Institutionen bei der Weiterentwicklung der Urbanen Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.