Maßnahmenblatt: Extensive Weidenutzung

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Bereich Grünland

Was beinhaltet die Maßnahme und welche ökologischen Vorteile bietet sie?

Extensive Weidenutzung ist gekennzeichnet durch ein geringeres Düngungsniveau und den weitgehenden Verzicht auf Pflanzenschutzmittel. Aufgrund der geringeren Aufwuchsleistung ist die Beweidungsdichte reduziert.

Extensiv genutzte Weideflächen bringen spezielle Grünlandgesellschaften hervor, die sich von Pflanzengesellschaften auf Wiesen (auch extensiv genutzten) unterscheiden. Auf den für den Naturschutz oft bedeutenden Grenzstandorten wie z.B. Magerrasen ist die Beweidung durch Pferde, Rinder, Schafe oder Ziegen die einzige Möglichkeit, diese meist artenreichen Flächen vor Verbuschung zu bewahren. Der Kot der Pflanzenfresser bildet einen wichtigen Bestandteil innerhalb der Nahrungskette als Grundlage für die Bildung von Insekten-Biomasse. Extensiv genutzte Weiden tragen so wesentlich zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, aufgrund der reduzierten Stickstoffdüngung aber auch zum Schutz der Ressourcen Wasser und Boden bei. Naturnahe Weidesysteme in Auenlandschaften haben positive Auswirkungen auf Gewässermorphologie und Wasserhaushalt und können ideale Instrumente zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie sein. Extensive Weidelandschaften eignen sich als Gerüst regionaler und überregionaler Biotopverbundplanungen und stehen in vielen Regionen nicht zuletzt für Erholung in attraktiver Kulturlandschaft und gesunder Umwelt.


Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Förderfähig ist die extensive Weidenutzung über die Agrarumweltförderung (AUKM „Extensive Grünlandnutzung“) und den Vertragsnaturschutz auf Grünland.

Bei der Agrarumweltförderung muss das Dauergrünland des gesamten Betriebes extensiviert werden. Der entsprechende Antrag wird bei der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer gestellt. Die Inanspruchnahme der Förderung ist verbunden mit der Einhaltung einer Beweidungsdichte von mindestens 0,6 und höchstens 1,4 raufutterfressende Großvieheinheiten (RGV) je Hektar Hauptfutterfläche. Damit einhergehend dürfen keine Mineraldünger mit wesentlichem Stickstoffgehalt und keine Pflanzenschutzmittel einsetzt werden. Die organische Düngung beschränkt sich auf die Ausbringung der Menge an Wirtschaftsdünger, die maximal dem Dunganfall eines Gesamtviehbesatzes von 1,4 Großvieheinheiten (GVE) je Hektar LF entspricht.

Im Rahmen des Vertragsnaturschutzes können einzelne Flächen mit naturschutzfachlicher Bedeutung v.a. in Naturschutzgebieten und besonders geschützten Biotopen gefördert werden. Der Antrag wird bei den Unteren Landschaftsbehörden gestellt. Die naturschutzgerechte Beweidung wird in Abhängigkeit von der zeitlichen Bewirtschaftungsbeschränkung, der Extensivierungsstufe und der Höhenlage der Fläche mit Beträgen von 275 bis 680 € / ha gefördert. Zudem sind extensive ganzjährige Großbeweidungsprojekte, die Bewirtschaftung und Pflege kulturhistorisch bedeutender Grünlandbiotope, oder besondere Maßnahmen wie der Einsatz von Ziegen förderfähig.

Bei Umsetzung von Produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen (PIK) ist Vertragsnaturschutzförderung auf derselben Fläche ausgeschlossen, die Teilnahme an der Agrarumweltmaßnahme ist aber weiterhin möglich, wenn für die entsprechende Einzelfläche keine Auszahlung im Rahmen der Agrarumweltförderung beantragt wird.

Links zu rechtlichen und fördertechnischen Grundlagen:

Ratgeber Förderung
www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/broschueren/ratgeber-foerderung.htm

Rahmenrichtlinien Vertragsnaturschutz
www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/laendlicherraum/aum/vertragsnaturschutz.htm


Hinweise zur Umsetzung

Die Beweidungsintensität muss auf die Aufwuchsleistung der Fläche abgestimmt sein. Bei sehr extensiv genutzten Flächen besteht ein Verbuschungsrisiko, dem mit entsprechenden Maßnahmen zu begegnen ist. Bei der Weidepflege (Abschleppen) ist auf die Brutzeiten der Wiesenbrüter zu achten. Sollte es auf stark strapazierten Teilflächen zu Problemen mit unerwünschten Pflanzen oder Pflanzengesellschaften kommen, ist eine Nachmahd als Säuberungsschnitt möglich.

Durch Extensivbeweidung an Gewässern können Trittschäden in den ufernahen Bodenbereichen entstehen. Diese können im Sinne einer Erhöhung der Strukturvielfalt in Gewässer und Gewässerumfeld durchaus erwünscht sein und die eigendynamische Gewässerentwicklung unterstützen. Eine Auszäunung der Gewässer ist dagegen insbesondere in Gebieten mit hoher Nährstoffbelastung oder an gegenüber Feinsedimenteinträgen besonders empfindlichen Abschnitten (beispielsweise Laichgewässer für Salmoniden) empfehlenswert.

Die Grünlandextensivierung hat keinen Einfluss auf die Gewährung der Betriebsprämie (vgl. Maßnahmenblatt Extensive Grünlandnutzung). Wichtig hierbei ist, dass die Mindestanforderungen an die Bewirtschaftung zur Erhaltung des guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustandes sowie die aktuellen Bestimmungen bezüglich des Anteils an krautigen Nichtfutterpflanzen oder des zulässigen Verbuschungsgrades eingehalten werden.

Bei der Verwertung des Aufwuchses als Tierfutter ist auf das Freisein von eventuell toxischen Pflanzen- oder Pflanzenteilen zu achten. Hier kann insbesondere das Vorkommen von Jakobskreuzkraut von Bedeutung sein. Grundsätzlich sind die geltenden tierseuchenrechtlichen Vorgaben sowie Aspekte des Tierschutzes zu beachten. Auskünfte geben die zuständigen Veterinärämter.

Weiterführende Informationen:

Stiftung Westfälische Kulturlandschaft und Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, AG Angewandte Landschaftsökologie/Ökologische Planung: Produktionsintegrierte Naturschutzmaßnahmen – Umsetzungshandbuch für die Praxis, 2012; Link zur Datenbank und Bestellung des Handbuches hier:
www.stiftung-westfaelische-kulturlandschaft.de/web/die-stiftung

Metzner et. al: Extensive Weidewirtschaft und Forderungen an die neue Agrarpolitik NuL (12), 2010, S. 357-366
www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/ina/vortraege/2010-Grazing-Metzner_NuL12.pdfPDF-Datei

Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL): Online-Handbuch „Beweidung im Naturschutz“
www.anl.bayern.de/fachinformationen/beweidung/handbuch.htm

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL): Extensiv beweiden – Zukunftsfähiger Naturschutz auf Weide-Grünland in der EU, Bund und Ländern, 2011 
www.lpv.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/Policy_Paper_Beweidung.pdfPDF-Datei

Bunzel-Drüke et al.: Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung – „Wilde Weiden“, 2008
www.abu-naturschutz.de/projekte/abgeschlossene-projekte/qwilde-weidenq.html

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) e.V.: Rinder und Pferde in Landschaftspflege- und Naturentwicklungsprojekten, Merkblatt Nr. 105, 2006
www.tierschutz-tvt.de/index.php?id=merkblaetter&eID=tx_rtgfiles_download&tx_rtgfiles_pi1%5Buid%5D=300PDF-Datei


Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Standortentwicklung, Ländlicher Raum
Gartenstraße 11
50765 Köln
Telefon: 0221 5340-333 oder -324
Telefax: 0221 5340-19333
E-Mail: biodiversitaet@lwk.nrw.de

Kreisstellen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
www.landwirtschaftskammer.de/wegweiser/kreisstellen.htm

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
www.rheinische-kulturlandschaft.de

Stiftung Westfälische Kulturlandschaft
www.stiftung-westfaelische-kulturlandschaft.de

Untere Naturschutzbehörden in Nordrhein-Westfalen
www.umwelt.nrw.de/natur-wald/wer-macht-was

Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen
www.biostationen-nrw.com


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