Maßnahmenblatt: Anpflanzung und Pflege von Kopfbäumen

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Bereich Strukturelemente

Was beinhaltet die Maßnahme und welche ökologischen Vorteile bietet sie?

Kopfbäume - vor allem Weiden, aber auch Eschen, Pappeln, Eichen und andere Baumarten - wurden früher vielfältig genutzt. Sie dienten der Gewinnung von Brennholz, Bau-/Flechtmaterial, Viehfutter oder Stalleinstreu. Heute erfüllen sie in erster Linie ökologische und landschaftsbildprägende Funktionen. Sie bieten vielen Tieren Lebensraum, insbesondere durch ihren hohen Totholz-Anteil und die zahlreichen Hohlräume, die durch Fäulnis infolge verletzungsbedingten Pilz- oder Bakterienbefalls entstehen. So sind sie wichtiges Bruthabitat für den Steinkauz und viele andere Höhlenbrüter. Sie bieten Deckung für Säugetiere, vor allem für nachtaktive Arten wie Iltis, Steinmarder, Siebenschläfer und verschiedene Fledermausarten. Alte, dickstämmige Kopfbäume zählen zu den insektenreichsten Pflanzen Mitteleuropas und werden von zahlreichen Totholzbewohnern - darunter zum Teil seltene Käferarten - besiedelt. Die blühenden Weidenkätzchen sind für Bienen eine wichtige Nahrungsquelle im Frühjahr. Neben Tieren siedeln sich auch Pflanzen auf Kopfbäumen an, vor allem Moose und Flechten aber auch „aufsitzende Pflanzen“. Als vielfältig besiedelte Kleinlebensräume können sie für die Biotopvernetzung wertvolle Trittsteinbiotope darstellen. Besondere Bedeutung haben sie als markante Kulturlandschaftselemente, die das typische Erscheinungsbild einer Landschaft prägen (siehe Niederrhein). Als individuelle Baumpersönlichkeiten stellen sie Blickfänge in der Landschaft dar. Regelmäßige Schnitt- und Pflegemaßnahmen sind nötig, um dem Verfall der Kopfbäume - Brechen von instabilen Kronen, „Zerreißen“ - vorzubeugen.


Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Die Maßnahmenumsetzung erfolgt häufig aufgrund von Eigeninitiativen ohne dass Fördergelder in Anspruch genommen werden. Die Förderung der Kopfbaumpflege kann in Landschaftsplänen verankert sein und ist damit im Rahmen der Förderrichtlinien Naturschutz (FöNa) möglich. Einmalige Instandsetzungsschnitte können mit 30 € pro Baum auch als investive Maßnahme im Rahmen der Art. 57 ELER-Richtlinie (Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Erbes im Bereich Naturschutz) gefördert werden. Finanzielle Unterstützung der Kopfbaumpflege kann gegebenenfalls auch durch Sonderprogramme einzelner Kreise gewährt werden (Auskunft erteilen die jeweiligen Unteren Landschaftsbehörden). Für Anpflanzungen kann möglicherweise die Pflanzgutförderung des Landschaftsverbands Rheinland (kostenlose Bereitstellung von Pflanzgut) in Anspruch genommen werden. Kopfbäume sind als CC-relevante Landschaftselemente betriebsprämienfähig, entweder als Baumreihe mit mindestens 5 Bäumen und einer Mindestlänge von 10 Metern oder als freistehender Einzelbaum, sofern er als Naturdenkmal im Sinne des § 28 Bundesnaturschutzgesetz geschützt ist.

Links zu rechtlichen und fördertechnischen Grundlagen:

Förderrichtlinien Naturschutz
recht.nrw.de/lmi/owa/br_text_anzeigen?v_id=10000000000000000439

Richtlinien über die Gewährung von Zuwendung zur Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung des kulturellen und natürlichen Erbes und zur Erstellung von Schutz- und Bewirtschaftungskonzepten im Bereich Naturschutz
recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=1&gld_nr=7&ugl_nr=791&bes_id=33684

Gesetz zum Schutz der Natur in Nordrhein-Westfalen (Landesnaturschutzgesetz – LNatSchG NRW)
recht.nrw.de/lmi/owa/br_text_anzeigen?v_id=1120050120105539311

Pflanzgutförderung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR)
www.lvr.de/de/nav_main/kultur/kulturlandschaft/pflanzgutfrderung/pflanzgutfrderung_1.jsp


Hinweise zur Umsetzung

Die Pflege von Kopfbäumen kann aufwendig und z. T. mit erheblichen Kosten verbunden sein, insbesondere wenn der Einsatz von Spezialtechnik (Hubsteiger o. ä.) erforderlich ist. Der Pflegerhythmus ist in Abhängigkeit von Baumart, örtlichen Wachstumsbedingungen und Nutzungsform unterschiedlich (von einmal jährlich bis alle 5-10 Jahre); Pflegeschnitte („Schneiteln“) haben in der Saftruhe-Periode von Oktober bis Ende Februar zu erfolgen. Auf Frostfreiheit ist zu achten. Je nach örtlichen Bedingungen kann es aus ökologischer Sicht sinnvoll sein, nicht alle Kopfbäume gleichzeitig, sondern zeitlich gestaffelt zu schneiteln. Im Hinblick auf Sägetechnik und Ausrüstung sind die geltenden Arbeitssicherheitsmaßnahmen einzuhalten und die Auflagen der jeweiligen Berufsgenossenschaft zu beachten! Kopfbäume können nach Landesnaturschutzgesetz NRW als Naturdenkmale oder Geschützte Landschaftsbestandteile einen besonderen Schutzstatus genießen.

Kreis Unna: Kopfbäume - Ratgeber für Anlage, Unterhaltung und Pflege
www.kreis-unna.de/fileadmin/user_upload/Kreishaus/69/pdf/69_Kopfbaeume_Broschuere.pdfPDF-Datei

Deutscher Verband für Landespflege (DVL): Kopfweiden - Hinweise zur Biotop- und Landschaftspflege
www.lpv.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/brb_heft_kopfweide.pdfPDF-Datei


Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Standortentwicklung, Ländlicher Raum
Gartenstraße 11
50765 Köln
Telefon: 0221 5340-333 oder -324
Telefax: 0221 5340-19333
E-Mail: biodiversitaet@lwk.nrw.de

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
www.rheinische-kulturlandschaft.de

Stiftung Westfälische Kulturlandschaft
www.stiftung-westfaelische-kulturlandschaft.de

Untere Naturschutzbehörden in Nordrhein-Westfalen
www.umwelt.nrw.de/natur-wald/wer-macht-was

Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen
www.biostationen-nrw.com

Landschaftsverband Rheinland (LVR) zu Fragen der Pflanzgutförderung
www.lvr.de


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