Maßnahmenblatt: Naturnahe Unterhaltung von kleineren Fließgewässern und Gräben

Naturnahe GewässerunterhaltungBild vergrößern
Foto: Joachim Weike, WV Weserniederung

Bereich Strukturelemente

Was beinhaltet die Maßnahme und welche ökologischen Vorteile bietet sie?

Die Gewässerunterhaltung umfasst Maßnahmen zur Pflege und Entwicklung von Gewässern und hat unter anderem den ordnungsgemäßen Wasserabfluss sicherzustellen. Eine naturnahe Gewässerunterhaltung zielt gleichzeitig darauf ab, das eigendynamische Entwicklungspotenzial des Gewässers zu nutzen, um naturnahe Gewässer- und Uferstrukturen mit den entsprechenden Lebensräumen und Lebensgemeinschaften zu fördern. Sie arbeitet nach dem Prinzip: soviel Eingriffe in das Gewässer wie nötig, so wenig wie möglich. Generell gilt es die Intensität von Unterhaltungsmaßnahmen vorsichtig zurückzunehmen und dadurch die negativen Auswirkungen auf den Naturhaushalt (wie Verlust von Lebensraumstrukturen, Verlust von Rückzugsräumen für aquatische und semiterrestrische Lebewesen, Verdrängung mahdempfindlicher Pflanzenarten, Nährstofffreisetzung) so gering wie möglich zu halten. Die Optimierung der Gewässerunterhaltung stellt damit ein wichtiges Instrument für die Erreichung der ökologischen Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) dar.


Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Die angepasste Gewässerunterhaltung ist Bestandteil der Programmmaßnahmen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) und insofern für eine Vielzahl von Oberflächenwasserkörpern in die Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme zur Umsetzung der WRRL aufgenommen. Spezielle Fördermöglichkeiten bestehen in der Regel nicht, da davon ausgegangen wird, dass es sich um eine Pflichtaufgabe im Rahmen der Erfüllung gesetzlicher Anforderungen handelt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass sich eine naturnahe - verglichen mit einer „konventionellen“ Unterhaltung als für den Pflichtigen durchaus kostengünstigere Variante darstellen könnte, beispielsweise durch das „Nicht-Durchführen“ von Maßnahmen oder das Zulassen von Sukzession.

Links zu rechtlichen und fördertechnischen Grundlagen:

Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/whg_2009/gesamt.pdfPDF-Datei

Landeswassergesetz NRW (LWG)
https://recht.nrw.de/lmi/owa/pl_text_anzeigen?v_id=3920070525140450679

Förderrichtlinie Wasserbau: RdErl. d. Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - IV 5 - 4000 – 22250 v. 30.6.2009
recht.nrw.de/lmi/owa/br_text_anzeigen?v_id=65820161014171862338

Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: Blaue Richtlinie, Richtlinie für die Entwicklung naturnaher Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen - Ausbau und Unterhaltung
www.lanuv.nrw.de/uploads/tx_commercedownloads/60007.pdfPDF-Datei


Hinweise zur Umsetzung

Maßnahmen der Gewässerunterhaltung beziehen sich auf die Gewässersohle, das Ufer und das Gewässerumfeld. Sie sind dem jeweiligen Gewässertyp und dessen hydraulischen Eigenschaften anzupassen und daher in der Regel Einzelfallentscheidungen. Sie sind günstigenfalls vor Ort zwischen den Unterhaltungspflichtigen (häufig Wasser-und Bodenverbände), den Anliegern und Flächennutzern sowie den Unteren Landschafts- und Wasserbehörden abzustimmen. Beispielhafte Einzelmaßnahmen der naturnahen Gewässerunterhaltung sind in der Blauen Richtlinie NRW aufgeführt. Der Zeitpunkt der Durchführung sollte sensible Phasen (z. B. Brutzeiten) ausschließen und fällt optimalerweise in die Zeit zwischen Oktober und Februar.

Die Maßnahmen der naturnahen Gewässerunterhaltung sollten möglichst nicht mit Eingriffen im Sinne des Landschaftsgesetzes verbunden sein, da sie sonst der Eingriffsregelung nach Landschaftsgesetz unterworfen sind. Weiterhin sind die Artenschutzbestimmungen des BNatSchG zu beachten.

Im Rahmen von Gewässerunterhaltungsmaßnahmen ist das Befahren von Flächen, die als Uferrandstreifen gemäß Agarumweltförderung beantragt sind sowie von streifenförmigen ökologischen Vorrangflächen an Gewässern zulässig, wenn dies nicht zur Schädigung des Aufwuchses führt. Nähere Einzelheiten zur Ablage von Aushub oder Mähgut bzw. von Material der Ufergehölzpflege auf derartigen Flächen sind bei den zuständigen Kreisstellen bzw. Bezirksstellen für Agrarstruktur der Landwirtschaftskammer zu erfragen.

Weiterführende Informationen:

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie in NRW - Kooperative Projekte zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft im Rahmen des Programms „Lebendige Gewässer“, 2014
www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/naturschutz/gewaesser/pdf/lwk-wrrl-beispiele-2014.pdfPDF-Datei

LAWA: Maßnahmensteckbrief Programmmaßnahme Nr. 79 (früher HY_OW_U12 „Maßnahmen zur Anpassung/Optimierung der Gewässerunterhaltung)

Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N.: Fachplaner Gewässerunterhaltung 3. Ordnung
www.umweltaktion.de/pics/medien/1_1424690374/2014-11-14_Fachplaner_GU.pdfPDF-Datei
www.umweltaktion.de/magazin/artikel.php?artikel=673&menuid=44&topmenu=11


Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Standortentwicklung, Ländlicher Raum
Gartenstraße 11
50765 Köln
Telefon: 0221 5340-333 oder -324
Telefax: 0221 5340-19333
E-Mail: biodiversitaet@lwk.nrw.de

Kreisstellen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
www.landwirtschaftskammer.de/wegweiser/kreisstellen.htm

Bezirksstellen für Agrarstruktur der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
www.landwirtschaftskammer.de/bfa

Untere Wasserbehörden in Nordrhein-Westfalen
www.flussgebiete.nrw.de

Wasser- und Bodenverbände in NRW
www.umwelt.nrw.de/umweltschutz-umweltwirtschaft/wer-macht-was/wer-macht-was-wasserverbaende


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