Maßnahmenblatt: Management von Neophyten im Grünland

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Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum)

Bereich Grünland

Was beinhaltet die Maßnahme und welche ökologischen Vorteile bietet sie?

Das Management von Neophyten im Grünland wird beschrieben am Beispiel dreier gebietsfremder Pflanzenarten, die zu den invasiven bzw. potentiell invasiven Neophyten gehören und eine starke Ausbreitungstendenz (Bildung von Massenbeständen) besonders in Uferbereichen von Fließgewässern, in Auen, Feuchtwiesen und an Waldrändern aufweisen. Es handelt sich um die Herkulesstaude (auch Riesenbärenklau), die verschiedenen Arten des Staudenknöterichs sowie um das Drüsige (oder Indische) Springkraut.

Negative Folgen für Biodiversität und Umwelt ergeben sich durch die Verdrängung einheimischer Arten - häufig aufgrund der Beschattung -, die zu einer Veränderung der Vegetationsstrukturen und Nahrungsbeziehungen führt. Daneben kann es aufgrund der häufig nur schwachen Wurzelbildung zur Destabilisierung von Ufern und damit zu einer gesteigerten Erosionsanfälligkeit kommen. Gerade entlang von Fließgewässern können Neophyten die Wanderkorridore eines Biotopverbundsystems blockieren und so der Vernetzung von Biotopen entgegenwirken. Im Falle der Herkulesstaude kommen direkte Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit (Phototoxizität mit verbrennungsartigen Hautveränderungen) hinzu. Erfolgreiche Bekämpfungsmaßnahmen müssen die Biologie der zu kontrollierenden Art, den Verbreitungsstatus und die örtlichen Gegebenheiten der befallenen Flächen berücksichtigen und sind in der Regel langfristig zu planen und durchzuführen. Grundsätzlich stehen mechanische (manuelle, technische oder Beweidungssysteme) sowie gegebenenfalls chemische (Einsatz von Pflanzenschutzmitteln) Methoden zur Verfügung, um die weitere Ausbreitung der Neophyten zu verhindern und damit der Gefährdung der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken.


Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten für die Bekämpfung von Neophyten durch die Flächenbewirtschafter werden zur Zeit nicht angeboten. In einzelnen Fällen dürfte es jedoch regionale oder projektbezogene Fördermittel bzw. Dienstleistungsverträge von Naturschutzbehörden, Biologischen Stationen oder Gewässer- unterhaltungspflichtigen mit Landwirten zur Neophytenkontrolle geben. Näheres hierzu kann bei den Unteren Landschaftsbehörden erfragt werden.

Links zu rechtlichen und fördertechnischen Grundlagen:

BNatSchG, § 40
www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__40.html

Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten
http://pflanzengesundheit.jki.bund.de/dokumente/upload/ee640_vo2014-1143_invasive_arten_de.pdfPDF-Datei


Hinweise zur Umsetzung

Situationsabhängig kann es wichtig sein, Ausbereitungsquellen der Neophyten zu erkennen und - sofern möglich - dort anzusetzen. Die Bekämpfungsmaßnahmen richten sich nach der jeweiligen Neophyten-Art, der Örtlichkeit und dem Ausmaß der Verbreitung. Bei der Bekämpfung ist von einem langwierigen Prozess auszugehen, der in der Regel mehrere Jahre in Anspruch nimmt.

Im Vordergrund stehen mechanische Bekämpfungsmaßnahmen. Sie reichen vom manuellen Entfernen einzelner Pflanzen - Abtrennen des Vegetationskegels ca. 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche beim Riesenbärenklau, Ausreißen oder bodennaher Schnitt beim Springkraut, Ausgraben der unterirdischen triebfähigen Pflanzenteile beim Staudenknöterich - bis hin zu intensiver, mehrschüriger Mahd in Kombination mit Beweidung. Hier liegen Erfahrungsberichte vor, in denen mit unterschiedlichen Weidetieren (Schafe, Ziegen, Rinder, Robustpferderassen), unterschiedlicher Beweidungsdichte und -dauer (häufig kurzfristige intensive Stoßbeweidung) Neophytenbestände erfolgreich zurückgedrängt werden konnten. Systematische Untersuchungen fehlen allerdings weitgehend. Herkulesstaude, Springkraut und auch Staudenknöterich werden besonders in jungem Wachstumsstadium gerne gefressen. Die Aufnahme des Riesenbärenklaus führte bei Weidetieren in der Regel nicht zu gesundheitlichen Problemen und die phototoxische Wirkung wurde nur in Ausnahmefällen beobachtet. Dagegen sollten Personen, die mit der Bekämpfung der Herkulesstaude beschäftigt sind, unbedingt auf das Tragen geeigneter Schutzkleidung achten.

Unterstützend kann die Einsaat der Flächen mit einer dichten Grasnarbe und der anschließenden sorgfältigen Narbenpflege sein. Entlang von Gewässern ist zweckmäßigerweise an oberen Gewässerabschnitten zu beginnen und die Bekämpfung nach unten hin fortzusetzen.

Wichtig ist die unschädliche Beseitigung des bei der Bekämpfung anfallenden Materials, die eine Weiterverbreitung von Samen oder triebfähigem Schnittgut ausschließt. Eine Verwendung in Biogasanlagen in Verbindung mit Mais ist möglich. Geplante Bekämpfungsmaßnahmen durch Schnitt- und Weidenutzung sollten mit den zuständigen Naturschutzbehörden abgestimmt werden.

Chemische Maßnahmen, also eine Bekämpfung mit Herbiziden durch sachkundige Personen ist auf landwirtschaftlichen Nutzflächen möglich, soweit diese nicht an Wasserläufen liegen oder Naturschutzauflagen entgegenstehen. Eine Abstimmung mit den Unteren Landschafts- bzw. unteren Wasserbehörden ist erforderlich.

Weiterführende Informationen:

Bundesamt für Naturschutz: Gebietsfremde und invasive Arten in Deutschland
www.neobiota.de

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW (2013): Der Riesen-Bärenklau im Garten … ganz schön (und) gefährlich
www.lanuv.nrw.de/landesamt/veroeffentlichungen/publikationenPDF-Datei

Landratsamt Bad Tölz/Wolfratshausen, 2010: Anleitung zur Bekämpfung von Neophyten
www.lra-toelz.de/fileadmin/pdf/broschueren/natur_umwelt/Anleitung_Neophyten100625.pdfPDF-Datei

Nehring,S., I. Kowarik, W. Rabitsch & F. Essl (Hrsg.), 2013: Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352
www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/skript352.pdfPDF-Datei


Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Standortentwicklung, Ländlicher Raum
Gartenstraße 11
50765 Köln
Telefon: 0221 5340-333 oder -324
Telefax: 0221 5340-19333
E-Mail: biodiversitaet@lwk.nrw.de

Untere Naturschutzbehörden in Nordrhein-Westfalen
www.umwelt.nrw.de/natur-wald/wer-macht-was

Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen
www.biostationen-nrw.com


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