Ackerbaustenogramm
Pflanzenbau Aktuell, 44. Kalenderwoche vom 31.10.2011
Getreide
Beflügelt durch das schöne Wetter haben sich ab Mitte letzter Woche nun auch in Westfalen vermehrt Läuse im Wintergetreide eingestellt. Dies gilt für Gerste aber auch für gerade aufgelaufene Weizen,- Triticale,- und Roggensaaten. Da es warm bleiben soll, ist damit zu rechnen, dass viele Jungläuse „geboren“ werden, die im Laufe der Zeit auf Nachbarpflanzen ausweichen und für eine entsprechende Verbreitung des Gelbverzwergungsvirus (BYDV) sorgen können. Beobachten Sie daher unbedingt Ihre Bestände. Auch Flächen die bereits (z.B. im Rheinland) behandelt worden sind, sollten nochmals kontrolliert werden wenn die Behandlung mehr als 10 Tage zurückliegt. Lassen sich die Läuse leicht im Bestand finden, ist eine, bzw. bei erneutem Befall auch eine zweite Insektizidbehandlung angeraten. Kombinationen mit Herbiziden und oder Blattdüngern sind möglich.
Die warme Witterung fördert den weiteren Auflauf mit Ungräsern und Unkräutern. Solange es warm bleibt sind auch Einsätze Flufencacet-haltiger Produkte wie Herold, Bacara Forte oder Malibu sinnvoll. Geht die Vegetation dem Ende zu, sollten frische bzw. gerade auflaufende Saaten nicht mehr mit höheren Mengen dieser Mittel behandelt werden.
Dort wo auf Ackerfuchsschwanzstandorten die Ungräser noch mit Axial (Wintergerste) oder Traxos (Winterweizen, Triticale oder Roggen) zu bekämpfen sind, ist gegenteilig zu verfahren. Hier ist es wichtig, dass nicht vor Ende der Vegetation behandelt wird. Die erhöht auch die Chance, dass jetzt noch auflaufende Ackerfuchsschwanzpflanzen erfasst werden.
Hinweise zur Spätsaat und Saatstärke von Winterweizen
Von einer Spätsaat ist erst dann zu sprechen, wenn der Saattermin etwa 3 Wochen später gegenüber dem normalen,ortsüblichen Saatzeitfenster liegt. Generell muss bei Spätsaat von niedrigeren Bestandesdichten zur Ernte ausgegangen werden, da ein Bestockungsbeginn vor Winter in der Regel nicht mehr erfolgt und im Frühjahr unter Kurztagsbedingungendann nicht mehr die erforderlichen Bestockungsraten erzielt werden können.Zusätzliche mögliche Kalamitäten, wie eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit (Frühjahr 2011) oder aber auch ein sehr später Vegetationsbeginn sind als weitere bestockungshemmende Risikofaktoren einzukalkulieren. Bei einer Spätsaat ist in der Regel auch mit schlechteren Feldaufgangsraten(ungünstigere Saatbettbedingungen, Verschlämmung etc.) und etwas höheren Überwinterungsverlusten als weitere Verlustkomponenten zu rechnen. Unter solchen Bedingungen ist davon auszugehen, dass von 100 gesäten Körnern nur noch 90 oder noch weniger keimen und auflaufen. Dieses entspricht dann einem schon erforderlichen „Saatgutaufschlag“ in Körnern von mindestens 10 oder mehr %. Auch 85 % Feldaufgang ist nicht ungewöhnlich. Daher müssen bei der Saatstärkenberechnung neben der Minder-Keimfähigkeit des Saatgutes auch diese beiden „Verlustkomponenten“ zur Absicherung einer nach Winter erwünschten Mindest-Bestandesdichte mit berücksichtigt werden. Die unten angefügte Tabelle (PDF) zeigt auf der Basis der vieljährigen Spätsaat-Sortenversuche in den verschiedenen Ackerbauregionen von NRW die daraus abgeleiteten Saatstärkenempfehlungen.
Grünland auf den Winter vorbereiten
Grünland mit hohen, überständigen Weideresten und Geilstellen ist durch Krankheiten (z.B. Schneeschimmel), Kahlfröste und Mäuse besonders auswinterungsgefährdet. Solche Flächen sollten nach der letzten Nutzung gemäht oder besser gemulcht werden. Es ist dabei auf eine Schnitthöhe von max. 8-10 cm und eine gleichmäßige Verteilung des Aufwuchses zu achten. Das Auswinterungsrisiko verkleinert sich deutlich, wenn die Bestände zu Vegetationsende eine Wuchshöhe von 12 cm nicht überschreiten.
Auf einigen Grünlandflächen, besonders die mit zurzeit üppiger Vegetation, sind die Mäuse noch aktiv.
In der Regel handelt es sich dabei um die Feldmaus, deren Bekämpfung noch „relativ“ einfach ist. Problematischer wird es jedoch, wenn zusätzlich noch Wühlmäuse auftreten, die nur sehr schwer zu bekämpfen sind, weil sie sich hauptsächlich von Wurzeln ernähren. Merkmale zur Unterscheidung finden Sie in der unten angefügten PDF-Datei.
Kontrollieren Sie bitte ihre Flächen und leiten gegebenenfalls eine Bekämpfung ein:
Feldmaus : Eine Bekämpfung sollte bei geringem Auftreten so früh wie möglich erfolgen. Dann reicht als biologische Maßnahme die Förderung der natürlichen Feinde, wie Greifvögel, noch aus. Durch das Aufstellen von mindestens 3-4 m hohen Sitzkrücken können Greifvögel gut auf Beuteflug gehen. Dabei sollte das Querholz auf dieser Stange aus einem gut befestigten 5 cm im Durchmesser starkem mindestens 50 cm langem Rundholz bestehen. Kanthölzer, wie Dachlatten, sind nicht geeignet.
Bei schon stärkerem Befall bringt diese Maßnahme keinen befriedigenden Erfolg mehr. Hier kann durch den Einsatz von Rodentiziden versucht werden, die Mäusepopulation auf ein verträgliches Maß zurück zu drängen. Dabei sind Herbstanwendungen problematischer als Winteranwendungen, weil die Köder gesammelt und eingetragen und erst über Winter gefressen werden. In Notzeiten werden diese ausgelegten Köder jedoch sehr gut angenommen.
Eine Einzellochbehandlung gegen Feldmäuse kann mit Präparaten mit dem Wirkstoff Zinkphosphid (z.B. Segetan- Giftweizen, Detia Mäuse Giftkörner, Mäusegiftweizen N, Ratron-Giftweizen) mit einer Legeflinte durchgeführt werden. Diese Giftkörner dürfen auf keinen Fall oberflächlich ausgebracht werden, da eine große Gefahr der Primärvergiftung für andere Tiere besteht. Problematisch ist das Zinkphosphid unter feuchten Witterungsbedingungen. In Verbindung mit Wasser löst sich der Wirkstoff auf und vergast. Die Mäuse nehmen den Köder nicht auf und scharren ihn aus ihren Nestern an die Oberfläche. Deswegen sollten bei der Ausbringung von zinkphosphidhaltigen Präparaten trockene Witterungsperioden gewählt werden.
Wühlmaus: Die besten Bekämpfungstermine sind im Spätherbst bzw. im zeitigen Frühjahr, bevor die Vermehrung einsetzt, gegeben. Es müssen dann aber alle befallenen Flurstücke mitbehandelt werden. Vor jeder Maßnahme sollte eine „Verwühlprobe“ erfolgen. (Gang ca. 20-30 cm öffnen, falls bewohnt, so ist dieser in 1-2 Stunden wieder verschlossen). Ist die Wühlmausdichte gering, so kann dieser Schädling durch Einsatz von Fallen gut bekämpft werden. Bei hohem Schädlingsdruck ist eine Begasung mit Phosphorwasserstoff entwickelnden Präparaten möglich. (Begasungspatronen, z. B. Arrex oder als Pellets, z. B. Polytanol P).
Der Bekämpfungserfolg von Köderpräparaten, wie z. B. Ratron Feldmaussticks oder Detia Wühlmausköder, hängt weitestgehend vom Nahrungsangebot ab. Relativ gute Bekämpfungserfolge können hiermit in Notzeiten (Winter und frühes Frühjahr) erreicht werden. Die Köder müssen in die geöffneten Gänge eingebracht werden. Auf ein sorgfältiges Verschließen der Gänge ist zu achten.
Getreidelager auf Schädlinge kontrollieren
Die Getreideläger sollten unbedingt kontrolliert werden, insbesondere wenn die Einlagerungsbedingungen nicht optimal waren. Auch mit Säure konservierte Partien sollten überprüft werden. Befall mit Dörrobstmotten ist an dichten, spinnwebenartigen Gespinsten leicht zu erkennen, unter deren Schutz die weißlichen Larven an den Körnern fressen. Die Larven dieser Art können als Ruhestadien Frost bis -10 °C überstehen und sind dann schwer bekämpfbar. Dieses Stadium setzt mit abnehmenden Temperaturen in den nächsten Wochen ein. Bekämpfungsmöglichkeiten bestehen bei der Umlagerung des Getreides auf dem Förderband mit den Produkten Actellic 50, Silico-SEC oder K-Obiol EC 25.
Weiterhin ist insbesondere in zu nass eingelagerten Futterpartien mit starkem Milbenbefall zu rechnen. Bei Milbenbefall gilt Getreide als verdorben und sollte von der Verfütterung ausgeschlossen werden.
Lagerung und Entsorgung von Pflanzenschutzmitteln
Um die Haltbarkeit von Pflanzenschutzmitteln zu gewährleisten, müssen sie über Winter frostsicher gelagert werden. Überprüfen Sie bei der Gelegenheit den Lagerraum auf Einhaltung der Bestimmungen zum Arbeits-, Brand-, Umwelt- und Gewässerschutz. Die Entsorgung von nicht mehr verwendbaren Pflanzenschutzmitteln kann über die kommunalen Sondermüllsammelstellen erfolgen. Da die Entsorgungsgebühren regional unterschiedlich sind, vorher Auskunft einholen.
Güllesperrfrist beachten
Gemäß Düngeverordnung dürfen Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff nicht ausgebracht werden
- auf Ackerland vom 1. November bis zum 31. Januar
- auf Grünland vom 15. November bis zum 31. Januar.
Diese Sperrfristen gelten für alle Düngemittel, die einem Gesamtstickstoffgehalt vom mehr als 1,5 % in der Trockenmasse aufweisen, wenn gleichzeitig mehr als 10 % dieses Stickstoffes als Nitrat- oder Ammoniumstickstoff vorliegen. Betroffen sind demnach Gülle, Gärreste aus Biogasanlagen, Jauche, Geflügelkot und N-Mineraldünger. Daneben fallen auch viele flüssige und feste Klärschlämme unter das Ausbringverbot in der Sperrfrist. Nur Festmist ist ausdrücklich ausgenommen.
Für Betriebe, die per Allgemeinverfügung oder Einzelantrag eine andere Sperrfrist genehmigt bekommen haben, gilt entsprechend ein anderes Sperrfristende. Anträge auf eine Verschiebung für die nun beginnende Sperrfrist sind jetzt nicht mehr möglich.