Tobacco rattle virus - in NRW angekommen

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Tobacco Rattle Virus an Kartoffeln. Fotos: Dr. Monika Heupel


In der Kartoffelernte 2009 zeigten zahlreiche Knollen in Nordrhein Westfalen in Abhängigkeit von der Sorte Schäden durch Eisenfleckigkeit. In den Untersuchungen der befallenen Partien konnte das Tobacco rattle virus als Verursacher der Symptome nachgewiesen werden.

Neben unregelmäßig verteilten Nekrosen im Knollenfleisch traten Dellen auf den Knollen und typische Propfensymptome auf. Eine Verstärkung der Symptome während der Lagerung wurde beobachtet. Schäden an den Kartoffelstauden sind sehr selten und wurden nicht festgestellt.

Das Tobacco rattle virus wird durch Nematoden der Gattungen Trichodorus und Paratrichodorus übertragen. Der Wirtspflanzenkreis umfasst neben der Kartoffel auch Raps, Salat, Möhre, Leguminosen, zahlreiche Zierpflanzen und Unkräuter.

Die Nematoden gehören zu den an der Wurzel saugenden Arten (Ektoparasiten), die während der Saugtätigkeit die Viren übertragen. Dabei bleibt der Nematode ein Leben lang Überträger der Viren. Befallsfördernd waren im Jahr 2009 die feuchten Bedingungen bei mäßigen Temperaturen. Eine Überdauerung der Nematoden im Boden ist bis zu 2 Jahren möglich.

Das Tobacco rattle virus erfordert vom Kartoffelanbauer gezielte Maßnahmen. Dabei ist der erste Schritt die genaue Kenntnis über die Nematodenpopulation in den geplanten Anbauflächen und die Testung vorhandener Trichodoriden auf Befall mit dem Tobacco rattle virus.

Der Pflanzenschutzdienst der LWK NRW bietet diesen Test als Dienstleistung für die Kartoffelproduktion seit Herbst 2009 an. Dabei werden zunächst die übersandten Bodenproben auf freilebende Nematoden getestet. Ein Besatz mit Trichodoriden also den Virusüberträgern erfordert dann die gezielte Testung auf das Tobacco rattle virus.

Dies geschieht über den Umweg eines Biotestes mit Tabakpflanzen. In den Boden wird Tabak als Fangpflanze für die Viren eingesät. Nach ca. 4-8 Wochen haben die Trichodoriden vorhandene Viren erfolgreich übertragen. Die Ernte der Tabakwurzeln kann beginnen. Die Erbsubstanz der Viren wird molekularbiologisch mit dem PCR-Test nachgewiesen.

Die aufwendige Versuchsmethodik lohnt sich, denn nur mit einer genauen Aussage über die Virusbelastung der Nematoden kann die Befallsgefährdung eingeschätzt werden kann. Bei einem positiven Befund sind Maßnahmen für die zukünftigen Fruchtfolgen zu planen.

Die Kosten betragen für den Tabaktest mit anschließender molekularbiologischer Testung auf das Tobacco rattle virus 50 EUR, für die Bodenuntersuchung auf freilebende Nematoden, zu denen auch die Trichodoriden gehören, 40 EUR (zuzüglich Mehrwertsteuer).

Entnahme der Bodenproben:

  • ganzjährig außerhalb der frostfreien Zeit
  • 40-50 Einstiche pro ha diagonal über die Fläche verteilt, 0-30 cm Tiefe, nicht in Bearbeitungsrichtung, auf Vorgewenden oder Lagerplätzen
  • 2 Liter als Mischprobe je ha in einer verschlossenen Tüte kühl lagern (nicht einfrieren) und an den Pflanzenschutzdienst versenden
  • Begleitschreiben oder Probeformular nicht vergessen

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