Biologische Bekämpfung von Blattläusen

Acyrthosiphon pisum
Acyrthosiphon pisum. Foto: Prof. Dr. Urs Wyss

Aphidius ervi
Aphidius ervi. Foto: Prof. Dr. Urs Wyss

Aphidoletes aphidimyza
Aphidoletes aphidimyza. Foto: Prof. Dr. Urs Wyss

Offenen Zucht von Blattlausfeinden
Offenen Zucht von Blattlausfeinden. Foto: Marion Ruisinger

Verschiedene Blattlausarten treten häufig an zahlreichen Zierpflanzenarten als Schädlinge auf. Unter Glas treten am häufigsten folgende Arten auf: Grüne Pfirsichlaus (Myzus persicae), Baumwoll- oder Gurkenlaus (Aphis gossypii), Grünstreifige Kartoffelblattlaus (Macrosiphum euphorbiae) und Grünfleckige Kartoffelblattlaus (Aulacorthum solani). Das Farbspektrum reicht von gelb und grün über rosa und rot bis schwarz.   Die Größe der häufigsten Blattlausarten variiert zwischen 1und 4mm. Blattläuse verursachen durch ihre Saugtätigkeit Schäden an Blättern und jungen Trieben und scheiden dabei große Mengen Honigtau aus, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln können. Außerdem sind sie als Überträger verschiedener Viruserkrankungen bekannt.

Einsatz von Nützlingen zur Bekämpfung von Blattläusen

Zur Bekämpfung von Blattläusen können verschiedene Räuber und Parasiten eingesetzt werden. Dazu gehören verschiedene Schlupfwespenarten, wie z. B. Aphidius colemani, Aphidius ervi und Aphelinus abdominalis, Räuberische Gallmücken (Aphidoletes aphidimyza), Florfliegenlarven (Chrysoperla carnea), Schwebfliegenlarven (Episyrphus balteatus) und Marienkäfer.

Welche Nützlinge zur Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt werden, ist abhängig von den auftretenden Blattlausarten und den klimatischen Bedingungen (Tageslänge, Temperatur, Licht) während der Kultur. Häufig werden die beiden Schlupfwespenarten Aphidius colemani und Aphidius ervi in Kombination mit der Gallmücke Aphidoletes aphidimyza im Erwerbsgartenbau eingesetzt.

Wirkungsweise und Einsatz von Schlupfwespen

Schlupfwespen sind auf Grund ihres Suchvermögens in der Lage einzeln sitzende Blattläuse aufzuspüren. Mit Hilfe ihres Legestachels legen sie in die Blattlaus ein Ei, aus dem nach ca. 2 Tagen eine Larve schlüpft, die sich von der Blattlaus ernährt. Im Innern der Blattlaus durchläuft die Larve mehrere Larvenstadien, verpuppt sich und schlüpft als erwachsenes Tier durch ein kreisrundes Loch aus. Die parasitierte Blattlaus verfärbt sich nach einer Parasitierung durch Aphidius- Arten bräunlich bis bronzefarben und wirkt aufgebläht. Durch Aphelinus abdominalis parasitierte Blattläuse verfärben sich dagegen schwarz. Die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum erwachsenen Tier ist stark temperaturabhängig und schwankt zwischen 8 und 14 Tagen.

Schlupfwespen werden als erwachsenes Tier oder im Puppenstadium in Flaschen geliefert. Diese werden einfach im Gewächshaus geöffnet und an einem vor Wasser geschützten Ort aufgestellt. Die Schlupfwespen verlassen die Flasche selbstständig und suchen Blattläuse zur Eiablage auf.

Die erforderliche Anzahl der eingesetzten Schlupfwespen ist abhängig vom Befallsdruck. Bei vorbeugendem Einsatz sind 0,25 Tiere pro Quadratmeter und Art ausreichend, während bei Befall 1-2 Tiere pro Quadratmeter im wöchentlichem bis vierzehntägigem Abstand freigelassen werden sollten.

Wirkungsweise und Einsatz der Räuberischen Gallmücke Aphidoletes aphidimyza

Bei der räuberisch lebenden Gallmücke Aphidoletes aphidimyza sind ebenfalls nur die Larvenstadien bei der Blattlausbekämpfung aktiv. Die erwachsenen Tiere sind etwa 2mm groß und bräunlich gefärbt. Nach der Paarung werden pro Weibchen bis zu 100 Eier während der Dämmerung in Blattlauskolonien gelegt. Die 1-3 mm großen, auffällig orange gefärbten Larven beginnen direkt nach ihrem Schlupf mit dem Aussaugen von Blattläusen. Während ihres Lebens als Larve vertilgen Sie bis zu 100 Blattläuse.

Gallmücken können nur unter Langtagsbedingungen erfolgreich eingesetzt werden. Sie werden in der Regel im Puppenstadium in einem Gemisch aus Erde und Vermiculit oder ähnlichem geliefert. Dieses wird auf mehrere Stellen im Gewächshaus verteilt. Bei vorbeugendem Einsatz reichen 0,5 Tiere/m² pro Einsatz. Bei Befall sollten 1- 2 Tiere/m² freigelassen werden. Der Einsatz der Gallmücken sollte im Abstand von 7- 14 Tagen mindestens drei Mal wiederholt werden. (Siehe auch unter Offene Zucht).

Anlage einer Offenen Zucht von Blattlausfeinden

Um rechtzeitig bei dem Befall von Blattläusen genügend Blattlausfeinde im Pflanzenbestand zu haben und um die weitere Vermehrung der Nützlinge zu gewährleisten, auch wenn zwischenzeitlich keine Blattläuse in den Kulturpflanzen auftreten, kann man das Verfahren der offenen Zucht anwenden. Dies hat außerdem den Vorteil, dass weniger Nützlinge eingekauft werden müssen.

Bei einer offenen Zucht werden auf Getreide spezialisierte Blattläuse vermehrt und als Wirtstiere für verschiedene Blattlausfeinde genutzt, da diese Blattlausarten in der Regel im Gewächshaus kultivierte Pflanzenarten nicht befallen (Ausnahme: z.B. Ziergräser).

Da diese Nützlingsstationen im Gewächshaus je nach Kulturbedingungen nur zeitlich begrenzt halten, müssen sie laufend ausgetauscht werden, um eine zuverlässige Vermehrung der Nützlinge zu gewährleisten.

Vier Wochen vor Kulturbeginn wird eine möglichst mehltauresistente Getreideart (Gerste oder Weizen) ausgesät. Nach dem Auflaufen des Getreides werden darauf Getreideläuse eingesetzt, die man bei verschiedenen Nützlingsanbietern beziehen kann. Nach ca. 2- 3 Wochen haben sich diese in der Regel so stark vermehrt, dass Getreideläuse für die Folgesaaten des Getreides zu Infektion genutzt und die ersten Nützlinge darauf freigelassen werden können. In der Regel werden von den beiden Schlupfwespenarten Aphidius colemani und Aphidius ervi jeweils 0,25- 0,5/m² und von der Gallmücke Aphidoletes aphidimyza 0,5- 1 Tier/m² eingesetzt. Dies wird nach 14 Tagen ein Mal wiederholt.

Die Getreidelauszucht sollte möglichst getrennt von der Nützlingszucht kultiviert werden, um eine sichere Vermehrung der Getreideläuse zu gewährleisten. Eine Offene- Zucht- Station reicht für ca. 200m² Kulturfläche. Als Gefäße für eine offene Zucht haben sich Ampeln mit einer Tröpfchenbewässerung oder Balkonkästen mit einem Wasserdepot bewährt.

Autor: Marion Ruisinger