Biologische Bekämpfung von Minierfliegen

Minierfliege Liriomyza huidobrensis
Minierfliege Liriomyza huidobrensis
Foto: Marion Ruisinger

Schlupfwespe Dacnusa sibirica
Schlupfwespe Dacnusa sibirica
Foto: Prof. Dr. Urs Wyss

Schlupfwespe Diglyphus isea
Schlupfwespe Diglyphus isea
Foto: Prof. Dr. Urs Wyss

Minierfliegen als Schädlinge

Minierfliegen treten in verschiedenen Zierpflanzenkulturen (z.B. Gerbera, Chrysanthemen, Asteraceae, Topfkräutern, u. a.) als Schädlinge auf. Neben Phytomyza- Arten treten auch Liriomyza- Arten auf, die z. T. aus subtropischen Ländern eingeschleppt (Liriomyza huidobrensis, Liriomyza trifolii) wurden. Diese zeichnen sich durch hohe Vermehrungsraten aus und sind nur schwer mit dem alleinigen Einsatz chemischer Pflanzenschutzmaßnahmen zu bekämpfen. Die adulten Weibchen der Minierfliegen erzeugen mit Hilfe ihres Legestachels Feeding- Points, aus denen sie austretenden Pflanzensaft auflecken oder diese z. T. mit Eiern belegen. Aus den Eiern schlüpfen die Larven, die sich über drei Larvenstadien und einem Puppenstadium zur erwachsenen Minierfliege entwickeln. Die Larven erzeugen das für Minierfliegen typische Schadbild, den Miniergang. Liriomyza- Arten unterscheiden sich von Phytomyza- Arten dadurch, dass sie sich außerhalb des Blattes verpuppen. Deshalb findet man die Puppen entweder auf den Blättern, Trieben oder dem Boden. Die adulten Fliegen der Liriomyza- Arten tragen ein gelbes Rückenschild.

Dacnusa sibirica und Diglyphus isea zur Bekämpfung von Minierfliegen

Durch den Einsatz der beiden Schlupfwespenarten, Dacnusa sibirica und Diglyphus isea sind die verschiedenen Minierfliegenarten sehr effektiv zu bekämpfen. Dabei gehen die beiden Nützlingsarten etwas unterschiedlich vor.

Dacnusa sibirica legt mit Hilfe ihres Legebohrers jeweils ein Ei bevorzugt in die ersten beiden Larvenstadien der Minierfliegen. Die geschlüpfte Larve des Nützlings ernährt sich von der Minierfliegenlarve, die infolge dessen nach einiger Zeit abstirbt.

Diglyphus isea hingegen lähmt die Minierfliegenlarve und legt dann ein Ei neben dieser ab. Nach ihrem Schlupf ernährt sich die junge Diglyphus- Larve von der betäubten Larve der Minierfliege. Nach ihrer Verpuppung schlüpfen erneut Nützlinge aus, die sich auf die Suche nach neuen Wirtstieren begeben.

Da Dacnusa sibirica eher kühlere Temperaturen bevorzugt, wird sie vorwiegend im Frühjahr und im Herbst eingesetzt. Der Einsatz von Diglyphus isea ist hingegen in den Sommermonaten vorteilhaft. Zusätzlich kann aber auch in diesem Zeitraum Dacnusa sibirica beigemischt werden.

Für den erfolgreichen Einsatz der Nützlinge ist deren frühzeitige Freilassung sehr wichtig. Erkennt man die ersten Feeding- Points im Pflanzenbestand sollten die Schlupfwespen möglichst schnell freigelassen werden. Beide Nützlingsarten werden als erwachsenes Insekt von den verschiedenen Nützlingsproduzenten in Kunststoffflaschen geliefert. Diese sollten erst im Gewächshaus geöffnet werden. Die Tiere lässt man an verschiedenen Stellen im Gewächshaus frei. Um eine Abwanderung der Tiere durch die Lüftung zu vermeiden, erfolgt die Freilassung am besten in den frühen Morgenstunden oder am Abend.

Die Anzahl der Nützlinge erfolgt in Abhängigkeit vom Befallsdruck mit Minierfliegen. Bei schwachem Befall reicht ¼ Schlupfwespe umgerechnet pro Quadratmeter, bei starkem Befall muss mindestens 1 Tier pro m² eingesetzt werden. Die Freilassung sollte 2- 3 Mal im wöchentlichem Abstand wiederholt werden.

Da die parasitierten Larven der Minierfliegen nur schwer erkennbar sind, ist eine Erfolgskontrolle mit Hilfe isolierter Minengänge eine vereinfachte Kontrollmethode. Dafür sperrt man einige Blätter mit Minengängen in ein durchsichtiges Gefäß. Die Blätter sollten aus verschiedenen Bereichen des Gewächshauses stammen. Bei 20°C- 22°C schlüpfen nach ca. 14 Tagen Nützlinge, bzw. Minierfliegen aus. Sind die Nützlinge in der Mehrzahl braucht man vorerst keine Schlupfwespen zusätzlich freilassen. Ist das Verhältnis umgekehrt, wiederholt man den Freilassungsintervall.

Beide Schlupfwespenarten können ab einer Minimum Temperatur von 15°C eingesetzt werden.

Autor: Marion Ruisinger