Biologische Bekämpfung von Spinnmilben

Tetranychus urticae
Tetranychus urticae

Phytoseiulus persimilis
Phytoseiulus persimilis

Spinnmilben sind weltweit an vielen Pflanzen als Schädlinge bekannt. Durch ihr hohes Vermehrungspotential sind sie in der Lage in kürzester Zeit Pflanzen stark zu schädigen. In unseren Breiten ist im Unterglasanbau die Art Tetranychus urticae am häufigsten anzutreffen. Sie wird auch Gemeine Spinnmilbe oder Rote Spinne genannt.

Der Namen Rote Spinne ist auf die Überwinterungsweibchen zurückzuführen, da diese häufig rot gefärbt sind. Ansonsten sind die etwa 0,5 mm großen Tiere grünlich gelb gefärbt und durch zwei große dunkle Flecken auf dem Rücken gekennzeichnet.

Spinnmilben halten sich meistens auf der Blattunterseite auf, wo sie die Pflanzen durch Aussaugen von Zellen schädigen. Die Pflanzen zeigen in Folge ihrer Saugtätigkeit battoberseits gelbe Sprenkel. Mit zunehmendem Befall vergilben die Blätter vollständig, verwelken und sind mit einem feinen Gespinst überzogen.

Warme, trockene Klimabedingungen begünstigen den Befall und die Vermehrung der Roten Spinne. Bei 20°C benötigen Spinnmilben vom Ei bis zu erwachsenen Tier ca. 17 Tage, bei 35°C nur 6 Tage.

Zur Bekämpfung von Spinnmilben können verschiedene Nützlinge eingesetzt werden. Dazu gehören die Raubmilbenarten Amblyseius californicus und Phytoseiulus persimilis, die Gallmückenart Feltiella acarisuga und die Marienkäferart Stethorus punctillum. In der Praxis hat sich der kombinierte Einsatz von Amblyseius californicus und Phytoseiulus persimilis besonders in lang kultivierten Pflanzenarten (z.B. Schnittcymbidien, Schnittrosen u. Anthurien) bewährt.

Phytoseiulus persimilis ist mit ungefähr 0,6 mm etwa so groß wie ihr Beutetier. Die Entwicklungsstadien der Raubmilbe sind gelblich bis rötlich gefärbt. Die erwachsenen Tiere sind durch ihre leuchtend rote Färbung gut erkennbar. Im Gegensatz zu den Spinnmilben haben sie längere Vorderbeine, Rückenflecken und Behaarung fehlen. Ein Weibchen frisst pro Tag fünf erwachsene Spinnmilben oder zwanzig Spinnmilbeneier oder Larven.

Amblyseius californicus ist etwa 0,5 mm groß, in den Entwicklungsstadien weißlich und als erwachsenes Tier gelb bis bräunlich gefärbt. Im Vergleich zu Phytoseiulus persimilis hat sie kürzere Beine, aber zeigt auch keine Rückenflecken.

Während sich Amblyseius californicus neben Spinnmilben auch von anderen Milbenarten, Thripsen und Pollen ernähren kann, ist Phytoseiulus persimilis auf Spinnmilben angewiesen. Amblyseius californicus ist effektiver als Phytoseiulus persimilis bei höheren Temperaturen und einer geringeren Luftfeuchtigkeit im Pflanzenbestand. In Spinnmilbenherden ist Phytoseiulus persimilis dagegen schneller wirksam, vorausgesetzt die Temperaturen liegen zwischen 20°C- 30°C und die relative Luftfeuchtigkeit nicht unter 60%.

Die Einsatzmengen und –intervalle sind abhängig von dem jeweiligen Befallsdruck. In der Regel wird Amblyseius californicus zu Beginn der Kultur oder des Frühjahres ein Mal mit mindestens 5 Tieren/m² gleichmäßig im gesamten Pflanzenbestand eingesetzt. Bei einzelnen Befallsnestern wird Phytoseiulus persimilis mit 5- 10 Tieren/m² bis zu drei Mal direkt in die Befallsherde gestreut. Im Bedarfsfall sind die Freilassungen entsprechend zu wiederholen.

Vor Beginn des Raubmilbeneinsatzes sollte abgeklärt werden welche chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden, bzw. ob eine Wartezeit bis zum ersten Raubmilbeneinsatz eingehalten werden sollte, da Rückstände von bestimmten Pflanzenschutzmitteln die Nützlinge beeinträchtigen können.

Bei der Gallmücke Feltiella acarisuga handelt es sich um einen einheimischen Nützling, der von Mai bis Oktober in unseren Breiten häufig beobachtet werden kann. Erwirbt man diesen Nützling käuflich, erhält man in der Regel verpuppte Stadien, aus denen nach kurzer Zeit die adulten Tiere schlüpfen. Direkt nach dem Schlüpfen paaren sich die Tiere und das Weibchen legt 1- 2 Tage danach die ersten Eier in Spinnmilbenherde ab. Die erwachsenen Gallmücken fressen keine Spinnmilben, sondern ernähren sich von Honigtau. Die Gallmückenlarven dagegen können bis zu dreißig erwachsene Spinnmilben oder achtzig Eier pro Tag verzehren. Der Einsatz von Feltiella acarisuga ist bei stärkerem Herdbefall in den Sommermonaten sinnvoll.

Die Einsatzmenge ist stark abhängig vom Befallsniveau und sollte mindestens 0,5 Tiere/m² bei kurativem Einsatz betragen und kann bei stärkerem Befall auf 10 Tiere/m² steigen. In jedem Fall sollten die Tiere drei Mal im wöchentlichen Abstand freigelassen werden.

Stethorus punctillum gehört zur Familie der Marienkäfer (Coccinellidae) und kann in unseren Breiten natürlich vorkommen. Die erwachsenen Käfer sind mit 1,2- 1,5 mm Länge sehr klein. Sie sind schwarz gefärbt und haben eine feine, weiß bis gelbliche Behaarung. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier direkt in Spinnmilbenherden ab. Die daraus schlüpfenden Larven entwickeln sich über vier Entwicklungsstadien und einem Puppenstadium zum erwachsenen Käfer. Vom Ei bis zum erwachsenen Tier dauert die Entwicklung bei 22°C etwa 17-20 Tage. Im Freiland werden in gemäßigten Breiten 2- 3 Generationen gebildet. Im Gewächshaus können sich mehr Generationen entwickeln.

Die adulten Käfer ernähren sich von allen Entwicklungsstadien der Spinnmilben, während sich die Larven bevorzugt von Spinnmilbeneiern und Nymphen ernähren. Pro Tag kann ein erwachsenes Tier bis zu 100 Spinnmilbeneiern verzehren.

Autor: Marion Ruisinger