Betonschutz und Betonsanierung am Futtertisch

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Abb. 1: Durch Säuren aus Silagen wird Beton angegriffen. Folge sind raue und schlecht zu reinigende Oberflächen, wodurch Hygiene und Futteraufnahme leiden können. Foto: Julia Glatz

Mit den Jahren wird die Betonoberfläche vieler Futtertische zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Ursächlich hierfür sind in erster Linie Säuren aus Futtermitteln, die in der Milchviehfütterung eingesetzt werden. Einen hohen Anteil haben hier Silagen. Organische Säuren oder Säuremischungen, die den Mischrationen z.B. zur Stabilisierung bei warmen Außentemperaturen zugegeben werden, können den Futtertisch zusätzlich beanspruchen. Säuren bewirken, dass die Kalkbestandteile aus dem Beton gelöst und so mit der Zeit abgetragen werden. Dies ist selbst bei so genanntem säurebeständigem Beton der Fall, da auch dieser, wenn auch in reduziertem Anteil, Kalk enthält. Hinzu kommen mechanische Beanspruchungen durch Geräte und die Zunge der Tiere. Die Folge sind offenporige Oberflächen, die rau und schlecht zu reinigen sind, wodurch Hygiene und Futteraufnahme leiden (siehe Abb. 1).

Bei der Herstellung eines Futtertischs können verschiedene Schutzmaßnahmen ergriffen werden, damit die Futtertischoberfläche möglichst lange glatt und hygienisch bleibt.

Eine ausdauernde Variante ist der Einsatz von sogenannten Trog- oder Krippenschalen aus Polymerbeton. Diese Schalen haben den Vorteil, dass sie durch Ihre L-Form in runder Ausführung kaum Möglichkeit bieten, dass sich Futterreste festsetzen können. Allerdings sind sie maximal in einer Tiefe von 1 m zu erhalten. Bei heute gängiger Vorlage einer TMR einmal je Tag bildet sich in der Regel ein deutlich breiterer Futterschwad, so dass die Grenzbereiche weiterhin ungeschützt sind. Ähnliches gilt bei einer Trogschale aus Edelstahl. In den Grenzbereichen zum Beton wird der Futtertisch angegriffen und es kann dort zu hygienischen Problemen und Futtererwärmung kommen. Wird kontaminiertes Futter angeschoben, kommen die Tiere zwangsläufig damit in Kontakt.

Beim Einsatz von Fliesen ist unbedingt auf eine feste Verlegung zu achten. Aufgrund relativ hoher Kosten und einem großen Fugenanteil, der auch hygienische Probleme bereiten kann, werden Futtertische bei Neubauten heutzutage eher selten gefliest.

Aus Kosten- und arbeitswirtschaftlichen Gründen kann ein Betonschutz an einem neuen Futtertisch sehr gut über einen Polyurethananstrich relativ einfach hergestellt werden. Polyurethan (PU) ist ein einkomponentiger Kunstharz für die Versiegelung von Betonflächen wie z.B. auch von Fahrsilos und Melkstandwänden. Das Produkt behält auch nach dem Anstrich eine leicht flexible Beschaffenheit. Witterungsbedingte und mechanische Einflüsse können die Langlebigkeit der Beschichtung beeinträchtigen. Bei guten Bedingungen lässt sich eine Lebensdauer von mehreren Jahren erreichen. Der Beton sollte hierzu mindestens 28 Tage alt und ungenutzt sein. Vor dem Anstrich müssen Staub und nicht fest gebundene Bestandteile der Oberfläche z.B. mit einem Hochdruckreiniger oder Drahtbürsten gründlich entfernt werden. Danach kann die Polyurethanbeschichtung in drei Schichten aufgestrichen werden.

Relativ einfach, schnell und kostengünstig ist ein Anstrich des Futtertischs mit Betonfarbe. Dieses Verfahren bringt jedoch nicht unbedingt langfristigen Erfolg, da Säure- und Reibungsbeständigkeit des Materials nicht gegeben sind.

Sind beim Neubau keine Schutzmaßnahmen ergriffen worden, bzw. ist die Oberfläche trotzdem rau und angegriffen, ist eine Sanierung des Futtertischs bei entsprechenden Schäden empfehlenswert. Ziel ist es dabei, eine ebene, hygienische, leicht zu reinigende Oberfläche wiederherzustellen. Der Wiederaufbau wird in mehreren Arbeitsschritten vollzogen. Die Sanierung ist in der Regel im Bereich der Futterablage sinnvoll, das heißt in einem Bereich von etwa 1,5 m vom Fressplatz aus in Richtung der Mitte des Futtertischs.

Grundsätzlich lassen sich auch nachträglich Krippenschalen oder Edelstahl einbauen, in der Praxis werden häufig Harzbeschichtungen verwendet. Unabhängig davon welche Maßnahme umgesetzt werden soll, ist darauf zu achten, dass der Einbau unterhalb des Niveaus des bestehenden Futtertischs erfolgt wie in der Grafik zu sehen ist. So entstehen keine überstehenden Kanten, wodurch die Maschinen zum Futteranschieben und Reinigen geschont werden sowie die mechanische Beanspruchung des Materials reduziert wird.

Schema: Epoxidharzschicht in 2 mm Dicke bei 3 mm abgefrästem Beton
Grafik: Schematische Darstellung am Beispiel einer Epoxidharzschicht ca. 1 mm unter Niveau des ursprünglichen Futtertischs verlegt, Mindestschichtdicke von 2 mm eingehalten.

Einfache Futtertischsanierung mittels Beschichtung

Beschichtungen bieten eine gute Möglichkeit, Futtertische zu sanieren. Hierbei sind Faktoren wie Beständigkeit gegen Säuren, Witterungseinflüsse und mechanische Beanspruchung sowie die Kosten zu beachten.

Eine Möglichkeit bietet hier auch der Einsatz von PU. Zur Vorbereitung des zu sanierenden Bereichs wird die saubere und ebene Fläche mit der Polyurethanbeschichtung bestrichen oder gerollt. Zum Aufbau der eigentlichen Füllschicht werden weitere Baustoffe eingesetzt, wie z.B. Quarzsand, Zement und Wasser als Füllstoffe, die mit der PU-Beschichtung vermischt und anschließend gespachtelt werden. Als Abschlussbehandlung wird die Sanierungsfläche in mindestens zwei Arbeitsgängen mit der reinen PU-Beschichtung versiegelt. Diese Arbeitsschritte sollten innerhalb von ca. 24 Stunden erfolgen, anschließend ist eine Aushärtezeit von zwei bis drei Tagen einzuhalten.

Ein weiteres, sehr hochwertiges und in der Praxis weit verbreitetes Verfahren ist die Aufbringung von Epoxidharz, einem Zweikomponentensystem.

Die Vorgehensweise und Empfehlungen für die Praxis werden im Folgenden detailliert beschrieben.

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Abb. 2: Der Futtertisch kann mit einer Diamantfrässcheibe abgefräst werden.


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Abb. 3: Es gibt unterschiedliche Qualitäten von Diamantscheiben, die sich im Preis und der Lebensdauer niederschlagen.


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Abb. 4: Je nach Grad der Zerstörung der Futtertischoberfläche müssen mindestens 3 mm abgenommen werden.


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Abb. 5: Die verdünnte Phosphorsäure wird mit einer Gießkanne verteilt.


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Abb. 6: Mit offener Flamme, z.B. mit einem Unkrautflämmer, kann die zu sanierende Fläche nachgetrocknet werden.


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Abb. 7: Die zwei Komponenten des Epoxidharzes müssen gut vermischt werden.


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Abb. 8: Die Epoxidharzmasse wird ausgegossen und mit einem geeigneten Werkzeug verteilt.


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Abb. 9: Auch der Betonsockel am Fressplatz sollte mit dem Harz bestrichen werden.


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Abb. 10: Um Gaseinschlüsse zu reduzieren wird die noch flüssige Beschichtung zwei bis dreimal mit einer Gumminoppenrolle abgerollt.


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Abb. 11: Das Einstreuen eines Granulats kann die Rutschsicherheit erhöhen, soll aber nicht im Fressbereich erfolgen.

Schritt 1:

Für eine saubere Abschlusskante der zu bearbeitenden Fläche wird zunächst mit einem Winkelschleifer im Abstand von 1,5 m vom Fressgitter bzw. vom Nackenrohr entlang des Futtertischs ein Schnitt gemacht. Dieser dient zur Orientierung während der Arbeiten und Stabilisierung für die Beton- und spätere Epoxidharzschicht.

Unebenheiten müssen beseitigt werden. Bei nur kleinen Unebenheiten lässt sich der Futtertisch relativ einfach mit Hilfe einer Diamantfrässcheibe für den Winkelschleifer abschleifen (siehe Abb. 2). Es gibt unterschiedliche Qualitäten von Diamantscheiben, die sich im Preis und der Lebensdauer niederschlagen (siehe Abb. 3).

Sind bereits tiefere Schäden vorhanden, sollte auf eine Betonfräse zurückgegriffen werden. Aufgrund der Lärm- und Staubentwicklung beim Abschleifen und aus Gründen des Arbeitsschutzes müssen Sicherheitsschuhe, Hör-, Mund- und Augenschutz sowie Handschuhe getragen werden. Aus dem Beton herausstehende Kiesel sollten möglichst komplett abgeschliffen werden. Je nach Grad der Zerstörung der Futtertischoberfläche müssen mind. 3 mm abgenommen werden. Bei starker Zerklüftung der Fläche muss deutlich mehr abgefräst werden (siehe Abb. 4).

Schritt 2:

Die geschliffene, ebene Fläche wird anschließend mit Phosphorsäure behandelt. Ziel ist es, Futterrückstände sowie Fette und Eiweiße aus dem Beton zu lösen. Durch die Phosphorsäure öffnen sich die Betonporen. Nur so kann sich die spätere Epoxidharzbeschichtung fest mit dem Beton verbinden. Vor Ausbringung ist die Säure je nach Herstellerangaben entsprechend zu verdünnen und kann mit Hilfe einer Gießkanne ausgebracht werden. Die Phosphorsäure muss 30 bis 60 Minuten einwirken. Danach wird die verdünnte Phosphorsäure mit reichlich Wasser vorsichtig abgeschwemmt. Mit einem Hochdruckreiniger werden anschließend der komplette Futtertisch sowie der Sockel am Fressplatz abgespritzt. Phosphorsäure dampft ab und ist ätzend, daher ist auch hier auf angemessene Schutzkleidung und auf einen Atemschutz zu achten (siehe Abb. 5).

Schritt 3:

Die behandelte Oberfläche muss vollständig abtrocknen bevor die Beschichtung aufgebracht werden kann. Dies dauert je nach Umgebungstemperatur und Luftfeuchte unterschiedlich lange. Ist die Oberfläche nicht vollständig trocken, kann es passieren, dass das aufgetragene Produkt Blasen bildet und sich somit nicht optimal mit dem Untergrund verbinden kann. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen kann die vorbehandelte Oberfläche zur Sicherheit vor dem Auftragen des Harzes mit einem Gasbrenner abgeflämmt werden. Hierzu eignet sich z.B. ein Abflammgerät zur Unkrautbekämpfung oder aus dem Dachdeckerbedarf (siehe Abb. 6).

Schritt 4:

Die zwei Komponenten für das Epoxidharz sollten in passenden Gebinden im Lieferumfang enthalten sein und müssen nun zusammen gebracht werden. Hierzu werden beide in ein ausreichend großes Gefäß gegeben (Gebindegröße beachten) und miteinander verrührt. Zum Vermischen eignet sich z.B. ein Farbquirl, der mit einer Bohrmaschine angetrieben wird (siehe Abb. 7).

Schritt 5:

Sind die Komponenten gut verrührt, sollte das Material zügig auf den Futtertisch aufgebracht und mit einem Abzieher, z.B. einem Flächenspachtel oder einer Gummiflitsche verteilt werden (siehe Abb. 8). In Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur ist die Fließfähigkeit unterschiedlich, das heißt, dass die Masse bei kühleren Temperaturen zähflüssiger ist als bei warmen. Das ist beim Auftragen und Verteilen zu berücksichtigen. Bei sehr warmen Temperaturen kann die Masse sehr schnell aushärten. Die benötigte Menge beträgt in Abhängigkeit von der Frästiefe und Beschaffenheit der bearbeiteten Betonoberfläche 2 bis 4 kg je m². Eine Mindestschichtdicke von 2 mm sollte eingehalten werden. Zusätzlich ist es sinnvoll, den vorab gereinigten Sockel am Fressplatz mit einer Faserrolle ebenfalls mit dem Harz zu bestreichen (siehe Abb. 9).

Schritt 6:

Durch die chemische Reaktion der beiden Komponenten entstehen Bläschen. Um diese zu beseitigen wird die Beschichtung im noch flüssigen Zustand mit einer Nagel- oder Gumminoppenrolle zwei- bis dreimal abgerollt. Nur so kann gewährleistet werden, dass eine möglichst glatte Oberfläche entstehen kann (siehe Abb. 10).

Schritt 7:

Epoxidharz wird in der Regel sehr glatt. In Kombination mit Feuchtigkeit und Futter steigt beim Betreten des Futtertischs die Rutschgefahr. Optional kann in Abhängigkeit von der Tiefe des sanierten Bereichs, in dem vom Fressplatz abgewandten Teil, Quarzsand oder ein Granulat in die angetrocknete Harzschicht eingestreut werden. Der vordere Bereich am Sockel sollte nicht bestreut werden, da hier eine glatte Oberfläche gewünscht wird (siehe Abb. 11).

Schritt 8:

Um eine gute Qualität der Beschichtung zu gewährleisten muss sie anschließend mindestens 24 Stunden aushärten. Zu geringe Außentemperaturen können zu schlechten Ergebnissen führen, deshalb sollte die Sanierungsmaßnahme nicht bei Umgebungstemperaturen unterhalb von 10 °C (Tages- und Nachttemperatur) durchgeführt werden.

Fazit

Epoxidharzbeschichtungen bieten eine gute Möglichkeit für die Sanierung beschädigter Betonfuttertische. Unter der Voraussetzung, dass der Betonuntergrund optimal vorbereitet ist und bei der Ausbringung des Materials auf eine gute Verteilung, Schichtdicke und Reduktion der Blasen geachtet wird, kann eine Lebensdauer von bis zu 15 Jahren erreicht werden. Bei der Wahl von Epoxidharzbeschichtungen ist zu beachten, dass die zu sanierenden Fressplätze für mindestens 48 Stunden nicht zur Verfügung stehen. Die Sanierung mittels Polyurethanmischungen und auch anderer Verfahren ist meistens zeitaufwändiger. Die Durchführung jeglicher Sanierung ist genau zu planen und es kann sinnvoll sein, den Futtertisch in mehreren Abschnitten zu bearbeiten.

Aufgrund der Komplexität der verschiedenen Verfahren ist zu empfehlen, sich intensiv von den Anbietern solcher Sanierungsmöglichkeiten beraten und gegebenenfalls begleiten zu lassen. Firmen und Betonwerke, die sich mit dem Bau von Anlagen in der Landwirtschaft beschäftigen, bieten oftmals detaillierte Anleitungen sowie Hilfestellungen und sogar den Verleih spezieller hierfür benötigter Maschinen. Einige Firmen vermitteln spezialisierte Unternehmer, die die Sanierung Ihres Futtertischs vornehmen.

Autorin: Julia Glatz. Fotos 2 - 11: Ludger Bütfering

Autor: Julia Glatz