Elektronik in der Landwirtschaft - Entwicklungen und Trends

Milan MPX
Milan MPX im Stall

Entwicklungen zur Elektronik in der Landwirtschaft haben in den letzten Jahren schon einen gewissen Aufschwung erhalten. Hierzu zählen vor allem die Bemühungen mit dem Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln in der Innenwirtschaft das Management zu verbessern. Die bei der Tierhaltung unterstützenden, innovativen und oft auch praktischen Lösungen sind hier in der Regel nicht mehr wegzudenken.

In der Fütterungs- und Haltungstechnik hat sich, vor allem mit dem Einzug von (opto-) elektronischen Hilfsmitteln, eine grundlegende Neuerung in Sachen Tierhaltung aufgetan. Scanner und Reader an Handterminals haben Einzug gehalten und erleichtern so dem Anwender die sichere und schnellere Übernahme von Daten als von Hand (siehe Abbildung: Mannebeck Milan MPX). Jeder PDA der heute verkauft wird, lässt sich in der Regel auch für Anwendungen in der Landwirtschaft nutzten. Viele Entwickler setzen dabei auch auf Produkte, die mit Windows – Mobile - Betriebssystemen laufen und der Landwirt ist damit nicht mehr nur an die PDAs mit Palm - System gebunden. Aus Gründen der noch nicht so guten Systemstabilität hätte dieses Angebot allerdings auch etwas später auf den Markt kommen können.

Sei es nun der Sauenplaner, die Ackerschlagdatei, oder die Fernbedienung einer Flüssigfütterungsanlage – das Angebot mit Anwendungen wächst und lässt den einen oder anderen schon mal ins Grübeln geraten. Was brauche ich auf meinem Betrieb wirklich, wie weit kann ich ohne diese „elektronische Hochrüstung“ meinen Betrieb führen – fährt der Zug irgendwann ohne mich weiter?

Eines sei vorab bemerkt: Bis heute kann vieles noch mit Papier erledigt werden – nur die Erleichterungen, die den Landwirten mit den neuen Hilfsmitteln ins Haus stehen, lassen ein umfangreicheres Management zu. Hat man bisher seinen Sauenbestand, vielleicht auch schon mit 150 Tieren, auf dem Papier gut im Griff gehabt, so ist das für größere Bestände ohne elektronische Hilfsmittel häufig nicht mehr so einfach möglich. Dazu kommt noch das der Betriebsleiter, der seine 300 Tiere elektronisch führt, in der Regel wesentlich besser über seinen Bestand informiert ist, als der mit 150 Tieren und dem Blatt Papier.

Ein gewisser Umfang an elektronischer Ausstattung ist heute schon ratsam und wird in Zukunft auf jeden Fall wachsen. Bewusst sein muss man sich z. B. über die jetzt schon bestehenden Anforderungen und Möglichkeiten: HIT-Meldungen, Leistungsdaten für Schlachttiere oder andere Erzeugnisse, die „Online“ abgefragt werden können, sowie Flächen die über Geo Info Systeme auf dem PC abgebildet und in der Ackerschlagdatei verwaltet werden können.

Schaut man sich nun die Schritte der Entwicklungen etwas genauer an, fällt auf, dass in der Regel für eine spezielle Aufgabe ein elektronische Lösung entwickelt wurde. Die Kombination von Anwendungen, die beispielsweise helfen würde, doppelte Dateneingaben zu vermeiden und einem so einen großen Teil Arbeit abnimmt, ist in der Regel vernachlässigt worden. Einige Hersteller von Hard- und Software haben für ihre Kunden zwar schon umfangreiche Lösungen parat, die in der Regel aber immer noch Insellösungen sind. Ein übergreifender Datenaustausch oder ein Datentransfer zwischen verschiedenen Anwendungen oder Nutzern ist in der Regel nur bei manuell angepassten Schnittstellen oder durch zusätzliche „Handarbeit“ möglich. Dieses soll nun mit dem Bestreben zu genormten Protokollen und einheitlichen Daten in Zukunft vereinfacht werden.

Im Hintergrund eines Managementprogramms sollten sich die Möglichkeiten befinden über standardisierte Schnittstellen mit anderen Programmen und Anwendungen zu kommunizieren. In Zukunft sollte es nicht mehr nötig sein, dass z.B. Tierdaten die vielleicht schon einmal beim Wiegen erfasst wurden, nochmals manuell in die Fütterungssteuerung, die Lüftungsregelung und das Managementprogramm eingegeben werden müssen. Ergebnisse aus all diesen Anwendungen bzw. weiteren Programmen oder Datenquellen, sollte man dann auch nicht unbedingt ausdrucken müssen, nur um sie einem nachfolgenden Produktions- oder Veredelungsprozess zur Verfügung stellen zu können.

Hier wird im Moment der für die Innenwirtschaft gedachte Standard ISOagriNET entwickelt und steht kurz vor der Markteinführung. Er wird in Ansätzen auch schon bei einigen Herstellern zur Verfügung gestellt. Neben dem bereits genormten Bussystem für die Außenwirtschaft: ISOBUS und der im WWW bestehenden und für den Agrarbereich zukünftig angepassten Kommunikation per AGRO-XML, sollten das die „Sprachen von Programmen und Anwendungen“, auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, den Maschinen und zu übergeordneten Organisationen sein.

Bleibt man auf seiner Insel und denkt, man hat mit Elektronik, vor allem von unterschiedlichen Herstellern, nichts zu tun und braucht sich deshalb auch keine Gedanken machen, der kann schnell eines besseren belehrt werden. Sei es nun die freiwillige Selbstkontrolle zu Qualitätssigeln, die hierfür gewonnenen Auflistungen hinsichtlich Tiergerechtheit, Stoffströme, Prozessabläufe und Umweltwirkungen, es fließt bereits heute viel beim Landwirt ein, was gebucht wird. Nicht nur staatliche Kontrollen, auch Auswertungen mit Zuchtverbänden, Erzeugergemeinschaften oder anderen Organisationen, jene die einem zum Teil auch bei der Produktion an der Seite stehen können, benötigen dann wieder diese Werte. Daten über Daten, die in der Regel immer häufiger elektronisch verwaltet werden. Verbesserungen in ihrer Verwaltung und beim Austausch sind da überfällig - stehen aber momentan, wie oben genannt, auch an.

In der Regel wird sich der Landwirt in Zukunft mehr und mehr in einer immer weiter verflochtenen Produktion und Dokumentation wieder finden, so dass er irgendwann über seinen „Daten-Tellerrand“ hinaus schauen muss. Dieses sollte man auch schon jetzt berücksichtigen, wenn man an Neuanschaffungen denkt. Nichts ist unangenehmer als eine veraltetes oder nicht mehr anpassungsfähiges Produkt zu erwerben. Auch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb bleibt die Entwicklung moderner Kommunikationsstrukturen im EDV- Bereich nicht stehen. Egal ob es sich dabei in Zukunft um eine reine Arbeitserleichterung oder um eine komplexere Interaktivität handelt. Ein gutes Management, mit anpassungsfähiger Hard- und Software wird auch in Zukunft ein entscheidender Produktionsfaktor bleiben.

Neben dem eigentlichen (Management-) Programm im Computer oder der Steuerung bzw. Regelung, dass hohen Ansprüchen gerecht werden muss, wird es wohl gerade bei wachsenden Betrieben nicht ausbleiben, diese auch von Ferne bedienen zu können. Eine Anbindung an ein „öffentliches“ Netz über Modem / Telefon / Internet sollte auf jeden Fall eingeplant werden. Hat sich ein Betriebsleiter einmal daran gewöhnt den Stall auch über das Internet zu bedienen, kann er schnell nachvollziehen, wie leicht es für den Hersteller von Soft- und Hardware seien muss, hier auch über diesen Weg Hilfe anzubieten, Fehler zu suchen oder das nächste Programm-Update zu übertragen. Einige Hersteller setzen bei der „Fernbedienung“ auch schon auf Programme wie z.B. den Internet Explorer, die nicht extra mit zusätzlichen Kosten, erworben werden müssen.

Der immer größer werdende Umfang an gesammelten Daten und an Entscheidungen die mittels gezielter Analyse getroffen werden müssen, lassen die Bedeutung der „kleinen elektronischen“ Hilfsmittel wachsen. Deshalb ist hier für die Zukunft, bei einer anstehenden Umstellung, auch ein anpassungsfähiges System zu wählen. Wenn möglich sollten, für einen großen Zeitraum, kostfreie Updates mit eingehandelt werden. Diese können einem dann noch eine gewisse Zeit über evtl. absehbare Erweiterungen der Anwendung günstig hinweghelfen.

Fazit

Elektronische Anwendungen, die auf den landwirtschaftlichen Betrieben für Steuerungs- und Managementaufgaben genutzt werden, setzten sich in Zukunft immer mehr durch. Das vor- und nachgelagerte Gewerbe ist, wie die Dokumentation für den Verbraucher von vornherein mit als Datenquelle oder – Senke zu berücksichtigen. Durch technischen Fortschritt und interaktive Elektroniksysteme ist in umfassender Art und Weise eine optimierte Produktion der Lebensmittel zu erzielen. Die elektronisch unterstützte Landwirtschaft und hier besonders die Elektronik in der Tierhaltung, führen zu mehr Lebensmittelsicherheit und besserem Management in den Betrieben. Zertifizierte Produktionsmittel werden dokumentiert eingesetzt und die oftmals individuellen Zielvorstellungen werden durch optimierte und angepasste Haltungsverfahren und Faktoreinsätze das Qualitätsmanagement wesentlich vereinfachen. Schließlich kann so auch mehr den Verbraucherwünschen, hinsichtlich der Dokumentation von Prozessabläufen und der Rückverfolgbarkeit von Produkten, Rechnung getragen werden. Die Stärkung des Verbrauchervertrauens hilft dabei auch Marktanteile und Produktionsstandorte zu sichern.

Autor: Rolf Feldmann