Aussichten für neue und alte Windräder sind bescheiden

Windkraftanlagen am StoppelfeldBild vergrößern

Insbesondere wird das Ausschreibungsverfahren zur Ermittlung der Einspeisevergütung von Windenergieanlagen (WEA) sehr kontrovers diskutiert. Die Bundesnetzagentur wird mit drei bis vier Ausschreibungsrunden je Jahr die WEA-Projekte in einen direkten Wettbewerb um einen limitieren Zubau gegeneinander antreten lassen. Die Bieter mit den niedrigsten Preisgeboten werden den Zuschlag erhalten. Dieser Preis wird dann wie bisher über das Marktintegrationsmodell für 20 Jahre über den Netzbetreiber ausgezahlt. Bisher waren die Preise über das Gesetz vorgegeben. Dabei wurde ein wirtschaftlicher Ausgleich der sehr unterschiedlichen Windhöffigkeit der Standorte bisher durch ein zweistufiges Preismodell herbeigeführt. Sehr windreiche und somit auch ertragreiche Standorte bekommen nur für eine begrenzte Zeit eine erhöhte Anfangsvergütung, wohingegen ertragsschwächere Standorte den hohen Vergütungssatz über die gesamte Förderdauer von 20 Jahren erhalten.

Dieses Modell, das durchaus auch mit einigen Nachteilen behaftet war, soll nun durch ein einstufiges Modell ersetzt werden. Somit wird für alle Standorte der Preis auf 20 Jahre festgeschrieben. Die Unterschiede in der Ertragsfähigkeit werden über einen Ausgleichsfaktor geschaffen, der den einheitlichen Bieterpreis bei der Ausschreibung für den speziellen Standort des Bietenden noch einmal korrigiert. Der Bieter weiß über die Prognose seiner Windgutachten, mit welchem Ausgleichsfaktor er rechnen kann. Dieses nur auf den ersten Blick etwas komplizierte Modell wird weitgehend unkritisch gesehen. Es beruht in den Grundzügen auch auf Vorschlägen aus den Verbänden der Windbranche.

Gute Windstandorte werden begünstigt

Die Ausgleichsfaktoren sind dabei aber so gewählt, dass die Standortunterschiede nicht ganz ausgeglichen werden. Windstärkeren Standorten verbleibt ein nicht unerheblicher Vorteil, was für unsere Binnenlandstandorte eine schlechtere Wettbewerbsposition zur Folge hat. Mit diesen mit Bedacht konzipierten Unterschieden soll der Ausbau auf Standorten stattfinden, die eine hohe Leistungsfähigkeit haben. Gleichzeitig soll aber auch noch über einen im Gesetz verankerten maximalen Gebotspreis eine Obergrenze für das Ausschreibungsverfahren festgelegt werden, der in keinem Fall überschritten werden kann. Die bisher anvisierte Höhe dieses Preises macht klar, dass viele unserer bisherigen Standorte nicht mehr rentabel sein werden. Die etwas günstigeren Standorte werden wohl auch erst zum Zuge kommen, wenn im Zeitverlauf die echten, meist küstennahen Gunststandorte zugebaut sind. Zudem ist für die Anfangszeit noch mit einem sehr hohen Wettbewerbsdruck zu rechnen, denn es ist deutlich mehr Leistung in der Projektplanung als das geplante Ausschreibungsvolumen hergibt. Um die sehr hohen Planungskosten irgendwie wieder hereinzubekommen, dürfte das ein oder andere Projekt mit nur minimalen Margen kalkuliert werden und entsprechend niedrige Preise bieten.

Was machen mit vorhandenen Anlagen?

Was bedeutet das für die Standorte, die bei uns schon früh erschlossen wurden und deren Anlagen zum Teil bereits mehr als 20 Jahre laufen? Kurzfristig ändert sich noch nichts, denn diese Anlagen erhalten, auch wenn sie schon 20 Jahre Laufzeit hinter sich haben, die festgeschriebene EEG-Vergütung bis Ende 2020. Das liegt daran, dass sie mit Inkrafttreten des ersten EEG im April 2000 von diesem wie Anlagen behandelt werden, die am 1. April 2000 in Betrieb genommen wurden. Dabei wird das Inbetriebnahmejahr noch jeweils zur zwanzigjährigen Förderung hinzugezählt. Eine Vorgehensweise, die voraussichtlich mit der nächsten Novelle ebenfalls wegfallen wird. Je nach Windhöffigkeit des Standortes und nach Dauer des Betriebes der bereits vor dem 1. April 2000 stattfand, werden entweder 9,1 Cent/kWh oder 6,19 Cent/kWh gezahlt. Auch bei dem abgesenkten Vergütungssatz wird in der Regel ein auskömmlicher Überschuss der Einnahmen über die Kosten erwirtschaftet. Bei den Kosten steht vielfach aber noch ein größerer Ausgabenposten an.

Weiterbetrieb nach 20 Jahren nur mit Gutachten

Wenn die Anlage 20 Jahre gelaufen hat, endet die Typenprüfung. Alle Anlagen wurden für eine Betriebsdauer von 20 Jahren konzipiert. Für den Weiterbetrieb ist es somit notwendig, durch einen Gutachter eine Prüfung und Bewertung durchführen zu lassen, ob und wie lange die Anlage noch weiterbetrieben werden kann. Je nach Anlagentyp und individueller Beanspruchung können noch einige Jahre hinzukommen, was im Gutachten ermittelt wird und gegebenenfalls noch mit Auflagen belegt wird. Da das Gutachten individuell für jede WEA berechnet und erstellt werden muss, sind mit Kosten, die durchaus in den fünfstelligen Bereich geraten, zu rechnen. Sie lassen sich aber nicht umgehen, denn ein Weiterbetrieb ohne Gutachten kommt dem Betrieb einer nicht genehmigten Anlage gleich. Damit kann der Versicherungsschutz gefährdet sein oder auch eine Stilllegungsverfügung seitens der Genehmigungsbehörde zu befürchten sein.

In der Tabelle sind für eine Beispielsanlage, die 1998 in Betrieb genommen wurde, eine Geldüberschussrechnung aufgeführt. Selbst wenn im Jahr 2018 die erhöhte Anfangsvergütung ausläuft und ab März nur noch 6,19 Cent/kWh vereinnahmt werden, können die Kosten für ein solches Gutachten noch abgedeckt werden. Nach 2020 wird der produzierte Strom dann nur noch den Börsenwert haben, wenn nicht noch gesonderte Vermarktungsmöglichkeiten geschaffen werden. Auch wenn man den Wert mit 3 Cent/kWh annimmt, was unter heutigen Verhältnissen recht hoch kalkuliert ist, entstehen bereits rote Zahlen. Dabei ist jedoch unterstellt, dass eine Standortpacht zu zahlen ist. Steht die Anlage auf eigenem Grund, bleibt noch ein geringer Überschuss, der im Falle größerer Reparaturen ganz schnell verbraucht ist. Ohne eine Pachtanpassung können diese Anlagen in der Regel nicht mehr rentabel weiterbetrieben werden. Spätestens jetzt lohnt sich ein Blick in die Standortnutzungsverträge, in denen die Pachthöhen festgelegt sind. Sind es feste Beträge oder wird der Standortgeber prozentual an den Erlösen beteiligt, was eine Kürzung der Pacht automatisch zur Folge hätte. Vielfach werden aber Mindestpachten zugebilligt, die wiederum die Anlage ins Defizit treiben würde. Diese Situation sollte mit dem Standortgeber durchaus schon mal angesprochen werden, um eine notwendige Pachtanpassung gedanklich vorzubereiten.

Abriss funktionstüchtiger Anlagen nicht ausgeschlossen

Für Anlagen, die erst 2000 oder später ans Netz gegangen sind, kommt das Ende der EEG-Vergütung und die notwendige Bewertung und Prüfung zum Weiterbetrieb nahezu zeitgleich. Nicht immer wird es dann überhaupt sinnvoll sein, ein teures Gutachten zu erstellen. Immer, wenn die laufenden Kosten nicht mehr von den dann gezahlten Marktpreisen gedeckt werden, ist das dann schon das wirtschaftliche Ende. Zurzeit gibt es jedenfalls noch keine politischen Hinweise, dass solche eigentlich funktionstüchtigen Anlagen eine Stützung zum Weiterbetrieb erhalten sollen, statt sie abzureißen. Für ein vorzeitiges Repowern ist der Zug bereits abgefahren. Denn nur wer noch bis Ende 2016 eine neue BimSchG-Genehmigung in den Händen hält, kann noch mit einer Inbetriebnahme bis Ende 2018 die feste Einspeisevergütung in Anspruch nehmen. Wer das noch nicht vorbereitet hat, hat nun keine Chance mehr, bis zum Jahresende eine Genehmigung zu erhalten. Ob sich ein Repowern unter den Bedingungen der Ausschreibung lohnen könnte, wird sich an den Strompreisen der ersten Ausschreibungsrunden ablesen lassen. Vielleicht wird sich das Preisniveau nach ein paar Jahren wieder nach oben bewegen, sodass unsere mäßig windhöffigen Standorte wieder eine Chance bekommen.

Oft können alte Standorte aber gar nicht mit den riesigen, aber wirtschaftlich vorteilhaften Multimegawattanlagen repowert werden, da hierfür nicht ausreichende Abstände zur Wohnbebauung oder auch zu benachbarten WEA vorhanden sind. Ein kleiner Lichtblick könnte für solche Standorte noch gegeben sein, denn die Ausschreibungspflicht gilt für Anlagen mit mehr als 1 MW Leistung. Darunter kann weiterhin mit einer aus dem Gesetz heraus abgeleiteten Einspeisevergütung gerechnet werden, die sich über dem Ausschreibungsniveau befindet. Dabei könnten nach dem derzeitigen Entwurf für diese „kleinen“ Anlagen je nach Standort sogar Steigerungen in der Einspeisehöhe ab 2019 möglich sein. Vielleicht werden bis dahin auch noch passende Anlagentypen wieder in den Markt gebracht, denn derzeit gibt es keinen Hersteller, der noch eine 1-MW-Anlage im Programm hat. Mit zeitgemäßer Technik und etwas besseren Preisen könnten sich für den einen oder anderen Standort Möglichkeiten entwickeln.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für Altanlagenbesitzer die Aussichten nicht sehr rosig sind. Ein Weiterbetrieb nach 2020 ist je nach Pachtaufwand an der Schwelle der Rentabilität. Ein erhofftes „goldenes Ende“ nach dem Ende der EEG-Förderung steht nicht in Aussicht, wie es bei Photovoltaikanlagen eher der Fall ist. Dort fallen deutlich geringere Kosten an und in der Regel kann der Strom zur Eigenversorgung genutzt werden. Für ein Repowern unter den Bedingungen der Ausschreibung sind sehr viele Standorte nicht konkurrenzfähig.

Autor: Theo Remmersmann