Kopfräude beim Schaf

Beim Schafgesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW in Münster wurden in der letzten Zeit vermehrt Anrufe von Schafhaltern registriert, die klinische Symptome schilderten, wie man sie i. d. R. bei der Kopfräude der Schafe beobachtet. Durch Besuche in mehreren Betrieben konnte die Verdachtsdiagnose eines Befalls mit Grabmilben bestätigt werden.

Erreger und Übertragung:

Die Kopfräude der Schafe wird hervorgerufen durch die Grabmilbe "Sarcoptes ovis", die ebenso wie die anderen Milben (Erreger der Körperräude und Fußräude) aufgrund ihrer Größe von 0,3 bis 0,5 mm mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Die Entwicklung vom Ei über die Larve und zwei sog. Nymphenstadien beansprucht ca. 2-3 Wochen. Die Übertragung erfolgt vorzugsweise über direkten Kontakt mit infizierten Schafen oder auch über Einrichtungsgegenstände wie Raufen, Stallwände oder Zäune, die als Scheuerstellen zur Befriedigung des mehr oder weniger stark ausgeprägten Juckreizes dienen. Außerhalb des Tierkörpers dürften die Ektoparasiten bis zu 7 Wochen überleben.

Klinische Erscheinungen:

Borkig-schuppige Hautveränderungen durch Kopfräude

Hautschwellungen mit grau-braunen borkigen Belägen

Bei Schafen aller Altersgruppen ließen sich in den betroffenen Beständen anfangs vorzugsweise zirkulär um die Augen haarlose, borkig-schuppige Hautver änderungen feststellen (Bild1).

Die Defekte dehnten sich mit der Zeit auf den Nasenrücken, den Stirnbereich, die Umgebung der Nasenöffnungen, das Maul und im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auch auf die Außen- und Innenflächen der Ohren aus, wo sie sich zunächst über dezente, knötchenförmige Eiterherde zu schorfig-blutigen Hautschwellungen mit grau-braunen borkigen Belägen entwickelten (Bild 2). Bei Einzeltieren traten diese Veränderungen auch im Bereich des Brustbeins, an der Euterhaut (vorzugsweise am Euterspiegel) und an den Schenkelinnenflächen auf.

Diagnose:

Zum direkten Erregernachweis wird am Übergang der gesunden zur veränderten Haut mit einem Skalpell ein Hautgeschabsel tief entnommen. Im Labor versucht man anschließend, die Erreger nach Aufbereitung der Probe mittels Kalilauge mikroskopisch nachzuweisen. Da in jeder zweiten Probe befallener Tiere keine Milben nachgewiesen werden können, ist dieses diagnostische Verfahren mit großen Unsicherheiten behaftet.

Bei negativem Befund und oben beschriebenen Symptomen empfiehlt es sich daher in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt das Angebot des Instituts für Parasitologie der Universität Zürich, Winterthurersr. 266a in 8057 ZÜRICH zu nutzen: über 1-2 ml Serum oder 5-10 ml Vollblut (ohne gerinnungshemmenden Zusatz), jeweils entnommen von fünf verdächtigen Tieren, lassen sich die Erreger neuerdings auch indirekt mittels eines "Psoroptes-ELISA" nachweisen.

Bei der Einsendung der Blutproben sollte berücksichtigt werden, dass zwar schon zwei Wochen nach dem ersten Kontakt der Schafe mit Milben mit einer positiven serologischen Reaktionen gerechnet werden kann, andererseits aber nach erfolgreicher Behandlung die Antikörperwerte erst nach 3-5 Monaten auf ein als negativ bezeichnetes Niveau absinken.

Welche Erkrankungen führen zu ähnlichen Symptomen?

Ähnliche Symptome kann man bei der häufig verkommenden, durch "Psoroptes ovis" verursachten Köperräude, der durch Zinkmangel provozierten Parakeratose (klinisch sehr große Übereinstimmung mit der Kopfräude: zur Abgrenzung empfiehlt sich die Untersuchung von Blutproben auf Zink) und bei einem Befall mit Hautpilzen (mykologische Untersuchung eines Hautgeschabsels) beobachten.

Vorbeuge und Behandlung:

Latent infizierte Schafe, d. h. symptomlose Milbenträger, können die Räude unbemerkt in die Herde einschleppen. Es muss damit gerechnet werden, dass von vom ersten Kontakt eines Schafes mit den Parasiten bis zum Auftreten der ersten sichtbaren Hautveränderungen eine Zeitspanne von 4 Wochen verstreicht. Der Herkunftsbestand sollte daher kritisch auf die oben beschriebenen Hautveränderungen überprüft werden. Im Zweifelsfall sollte von einem Kauf Abstand genommen oder aber die Zukauftiere müssen für eine Zeitspanne von 6 Wochen separiert werden.

Folgende Präparate sind zur Bekämpfung des Milbenbefalls beim Schaf zugelassen (Auswahl):

Präparat Hersteller Anwendung Wartezeit
Gewebe Milch
Sebacil-Lsg. Bayer Sprüh-, Wasch- u.
Tauchbehandlung
5 Wochen Keine Anwendung bei laktierenden Schafen!!
Dectomax Pfizer Injektion 60 Tage Keine Anwendung bei Tieren, deren Milch für den menschlichen Verzehr vorgehen ist; nicht bei Schafen 70 Tage vor dem Ablammen

Grundsätzlich sollten alle Tiere der Herde in die Behandlung einbezogen werden.

Bei geeignetem Wetter empfiehlt sich der Einsatz des erstgenannten, aufwendigeren Ektoparasitikums, vorzugsweise mittels einer Tauchbehandlung, da bei der Sprüh- und Waschbehandlung (gesamten Tierkörper befeuchten / Druck 5 atü) nicht gewährleistet ist, dass alle Rückzugsgebiete der Milben, wie Ohren, Infraorbitalgrube, Beine und Schwanzunterseite erreicht werden. Der Flüssigkeitsverbrauch pro Schaf liegt bei ca. 3,5 Ltr., Nachdosierungen sind entsprechend den Angaben des Herstellers in höherer Konzentration erforderlich, da der Wirkstoff mit dem Vlies selektiv stärker als Wasser der Flüssigkeit entzogen wird. Beim Milbenbefall sind immer - in Anpassung an ihren Entwicklungszyklus - zwei Behandlungen im Abstand von 7 Tagen erforderlich. Auch Einrichtungsgegenstände müssen zeitgleich mit einem Milben-wirksamen Präparat besprüht werden.

Die Witterungsbedingungen lassen in diesem Winterhalbjahr ein Baden der Schafe nicht mehr zu, so dass derzeit für die Behandlung nur das in der Tabelle aufgeführte, ebenfalls verschreibungspflichtige Injektionspräparat infrage kommt. Das Präparat eignet sich gleichzeitig auch zur Bekämpfung der Magen-Darm-Würmer, entfaltet aber - ebenso wie anderen für Schafe nicht zugelassenen Wirkstoffe aus der Gruppe der makrozyklischen Laktone - keine Wirkung gegen Leberegel, Bandwürmer und Kokzidien. Bei starkem Befall wird auch bei dieser Injektionsbehandlung vom Hersteller eine Wiederholungsbehandlung nach 10 Tagen empfohlen.