Missbildungen bei Schaflämmern durch das Schmallenberg-Virus

Schaflamm mit verkrümmten GliedmaßenBild vergrößern
Foto 1: Missgebildetes Schaflamm mit verkrümmten Gliedmaßen (Dr. Cordula Köß)

Lamm mit verkrümmter WirbelsäuleBild vergrößern
Foto 2: Missgebildetes Schaflamm mit verkrümmter Wirbelsäule (Dr. Martin Peters)

Lamm mit verkürztem UnterkieferBild vergrößern
Foto 3: Verkürzung des Unterkiefers (Dr. Cordula Köß)

Lamm mit HirnmissbildungenBild vergrößern
Fotos 4: Eröffneter Schädel zweier Lämmer. Links: Normales Gehirn. Rechts: Das Großhirn hat sich zu einem flüssigkeitsgefüllten Sack umgewandelt. Das Kleinhirn ist zu klein. (Dr. Martin Peters)

Seit etwa Mitte Dezember wird in Schafherden vermehrt über Missbildungen bei Lämmern berichtet, die über das normale Maß hinausgehen. Auffällig sind verkrümmte Vorder- und bzw. oder Hinterläufe, Gelenksversteifungen sowie Verbiegungen der Wirbelsäule (Foto 1). Häufig ist der Kopf verdreht und deformiert (Foto 2). In einem Teil der Fälle fällt eine Verkürzung des Unterkiefers auf (Foto 3). Desweiteren können die Lämmer Hirnmissbildungen zeigen, die erst nach Eröffnung des knöchernen Schädels für den Pathologen sichtbar sind. Das Großhirn kann sich in einen flüssigkeitsgefüllten Sack umgewandelt haben und auch das Kleinhirn kann verkleinert sein oder sogar ganz fehlen. (Foto 4).

Die beschriebenen Veränderungen werden durch das „Schmallenberg-Virus“ hervorgerufen. Der Erreger wird über Insekten, unter anderem Gnitzen, übertragen. Werden Schafe, Ziegen in einer bestimmten Phase ihrer Trächtigkeit infiziert, kann das Virus in die Gebärmutter übergehen und am Embryo oder Fetus Missbildungen an Gliedmaßen und Gehirn hervorrufen. Betroffene Neugeborne aus infizierten Muttertieren werden in einem Teil der Fälle lebend geboren, verenden dann aber je nach Schwere der Missbildungen relativ bald oder müssen eingeschläfert werden. Durch die Gliedmaßen- und Wirbelsäulendeformationen der Lämmer können unter der Geburt Komplikationen entstehen, da die Tiere nicht entwickelt werden können.

Erwachsene Schafe zeigen in der Regel bei einer Infektion keine Symptome. Eine Behandlung infizierter Tiere ist nicht möglich, ebenso steht derzeit kein Impfstoff zur Verfügung. Eine Prophylaxemaßnahme für die nächste Mückensaison zum Schutz der tragenden Tiere besteht in der Applikation von Repellentien zur Abwehr der Stechinsekten, ähnlich wie es bei der Bekämpfung der Blauzungenkrankheit üblich war. Dazu sind verschiedene Präparate auf dem Markt, die über den Hoftierarzt zu beziehen sind.

Zur Absicherung des Krankheitsgeschehens sollten missgebildete Lämmer aus Beständen, in denen noch kein Virus gefunden werden konnte, zur Sektion in die staatlichen Veterinäruntersuchungsämter gegeben werden, um dort, vorrangig aus Hirnmaterial, einen Virusnachweis führen und somit eine Diagnose für den Bestand erhalten zu können.

Das Friedrich-Loeffler-Institut veröffentlicht regelmäßig aktuelle Informationen zum Schmallenberg-Virus: