Missbildungen bei Schaflämmern durch das Schmallenberg-Virus

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Missgebildetes Schaflamm mit verkrümmten Gliedmaßen


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Verkürzung des Unterkiefers. Fotos: Dr. Cordula Koch


Seit Ende 2011 wurden in Deutschland vermehrt Lämmer geboren, die Missbildungen, häufig in Form von Gliedmaßenverkürzungen und –verkrümmungen, zeigten. Vor allem in der Lammzeit im Winter 2011/2012 wurde daraufhin in vielen Beständen das Schmallenbergvirus (SBV) nachgewiesen. Man hoffte, dass in der Folge die Schafpopulation immunisiert sei und genügend Antikörper zum Schutz gegen den Erreger ausgebildet habe.

Aktuell wurde bei einem Lamm in Rheinland-Pfalz jedoch erneut SBV gefunden, ebenso im vergangenen Herbst bei einem Kalb. Demnach können in der derzeitigen Ablammperiode wieder vereinzelt Fälle von missgebildeten, nicht lebensfähigen Lämmern auftreten.

Der Erreger wird über Insekten, unter anderem Gnitzen, übertragen. Werden Schafe, Ziegen oder Rinder in einem sensiblen Zeitfenster der Trächtigkeit infiziert, kann das Virus in die Gebärmutter übergehen und am Embryo oder Fetus Missbildungen an Gliedmaßen und Gehirn hervorrufen.

Sensibles Zeitfenster für die Entstehung missgebildeter Lämmer

Betroffene Neugeborne aus infizierten Muttertieren werden in einem Teil der Fälle lebend geboren, verenden dann aber je nach Schwere der Missbildungen relativ bald oder müssen eingeschläfert werden. Durch die Gliedmaßen- und Wirbelsäulendeformationen der Lämmer können unter der Geburt Komplikationen entstehen, da die Tiere nicht den Geburtsweg passieren können.

Erwachsene Schafe zeigen in der Regel bei einer Infektion keine Symptome. Eine Behandlung infizierter Tiere ist nicht möglich. Prophylaxemaßnahmen für die nächste Mückensaison zum Schutz der tragenden Tiere bestehen in der Applikation von Repellentien zur Abwehr der Stechinsekten, ähnlich wie es bei der Bekämpfung der Blauzungenkrankheit üblich war. Dazu sind verschiedene Präparate auf dem Markt, die über den Hoftierarzt zu beziehen sind. In England wird bereits ein kommerziell hergestellter Impfstoff eingesetzt, der jedoch in Deutschland nicht zugelassen ist.

Das Friedrich-Loeffler-Institut veröffentlicht regelmäßig aktuelle Informationen zum Schmallenberg-Virus:

Autor: Dr. Cordula Koch