Winterweidehaltung von Pferden

Pferde auf einer Winterweide

Die Winterbeweidung wird als preiswerte, artgerechte Haltungsform der Pferde geschätzt, die vor allem auch dem Bewegungsdrang der Pferde Rechnung trägt. In der Praxis bietet sie jedoch häufig reichlich Konfliktpotential durch die konkurrierenden Anforderungen des Boden- und Wasserschutzes. Im folgenden werden wichtige Gesichtspunkte genannt, die für ein erfolgreiches Grünlandmanagement über Winter von Bedeutung sind und unbedingt beachtet werden müssen.

Standorteignung

Für die Winterbeweidung mit Pferden eignen sich nur trockene, gut durchlässige, wenig geneigte Böden. Je größer die Weidefläche, desto geringer die Gefahr der Narbenverletzung. Bei der Winterweidehaltung verleitet die Bereithaltung vieler Koppeln leicht dazu, dass die Tiere zu lange oder in zu großer Zahl in der gleichen Koppel gehalten werden. Die Koppeln sollten eine ausreichende Länge, das heißt eine möglichst langrechteckige Form aufweisen, damit die Pferde sich möglichst frei bewegen können, denn die größten Narbenschäden entstehen beim Bremsen und Wenden!

Wachstumsperiode ausdehnen!

Winterweidehaltung ist jedoch stets eine besondere Herausforderung für die Grünlandnarbe. Es gilt, die Periode, in der kein Futter wächst und es somit nichts abzuweiden gibt, möglichst kurz zu halten. In günstigen Anbaulagen dauert diese Periode etwa 110 Tage von Mitte November bis Ende Februar, in den ungünstigen Lagen der Mittelgebirge aber auch 150 Tage von Anfang November bis Ende März. Eine leistungsfähige Herbstweide einerseits und eine sehr früh austreibende Frühjahrsweide verkürzen diese Periode, während derer die Tiere auf der eigentlichen Winterweide gehalten werden. Bei der Flächenplanung ist daher im Spätsommer einerseits darauf zu achten, dass eine Fläche genügend frischen (nicht alten überständigen und verpilzten!) Aufwuchs für die späte Herbstbeweidung vorhält und andererseits auch eine Fläche etwa ab Mitte Oktober nicht mehr beweidet wird, damit diese im Frühjahr frühest möglich wieder neu austreiben kann.

Flächenbedarf

Stehen die Tiere ganztägig auf der Weide, sollte die Fläche eine Größe von ca. 1 ha pro Großpferd betragen. Bei einer täglichen Laufleistung von 8,4 km auf der Weide lässt sich abschätzen, dass ein Pferd im Mittel 80 Tage benötigt, um die Fläche von 1 ha einmal mit den Hufen betreten zu haben. Für die Witterungsbedingungen von NRW folgt daraus, dass in günstigen Anbaulagen mit 110 Wintertagen bei der Beweidung von 1 ha mit einem Großpferd jede Stelle ca. 1,5mal, in ungünstigen Lagen mit 150 Wintertagen ca. 2mal betreten wird. Selbst wenn man berücksichtigt, dass sich die Tiere nicht gleichmäßig auf der gesamten Fläche bewegen, sondern sich an besonderen Stellen häufiger aufhalten, sollten bei dieser Besatzdichte keine nachhaltigen Schäden auftreten. Halten sich die Pferde allerdings bei Flächen mit ungünstigen Boden und- Witterungsbedingungen stets an den gleichen Koppelbereichen auf, muss die Beweidungsdauer konsequenterweise reduziert oder den Pferden Auslauf auf speziellen Winterpaddocks gewährt werden. Der Winterpaddock hat zudem den großen Vorteil, dass keine Notwendigkeit besteht, die Tiere bei ungünstigen Bodenverhältnisse auf die Weide zu treiben.

Zufütterung

Das Spätherbst- und Winterfutter auf der Weide weist oft eine vergleichsweise geringe Qualität aus. Im ungünstigsten Fall ist es gekennzeichnet durch geringen Strukturgehalt, hohen Protein- und Nitratgehalt, hohen Schmutzgehalt und Pilzbesatz. Die Winterweide sollte daher durch gutes Heu ergänzt werden.

Grundsätzlich gilt aber, dass eine Zufütterung auf der Weide nur an befestigten, trockenen Futterstellen erfolgen soll. Je höher die tägliche Zufütterung bemessen wird, desto kürzer muss die tägliche Weidezeit befristet werden. Dies nicht nur, um die Weide vor unnötigem Zertreten zu bewahren, sondern auch, um den Nährstoffinput und potentiellen Nährstoffverlust, der aus der Zufütterung auf der Winterweide resultiert, zu begrenzen. Das Aufsammeln des Pferdekotes ist sehr hilfreich, um solchen unerwünschten Nährstoffimport zu minimieren. Da die Tiere an den Futterstellen die meisten Stunden verweilen, wird dort die Narbe am intensivsten zertreten und werden dort auch die meisten Exkremente ausgeschieden. Eine nicht bewachsene Fläche mit zerstörter Narbe ist aber nicht in der Lage, Nährstoffe zu binden und vor der Verlagerung mit den Winterniederschlägen zu bewahren. Eine zertretene Grünlandnarbe ist ein untrügliches Zeichen, dass die Beweidung zu intensiv war und ist im Frühjahr schnellstmöglich zu reparieren.

Weidehaltung bei Frost

Besonders auf schweren, nassen und auf gefrorenen Standorten leidet die Narbe unverhältnismäßig durch den Tritt der Tiere. Die Gefahr der Zerstörung der Weidenarbe über Winter ist am höchsten, wenn die Hufe der Pferde beschlagen sind. Extreme Schäden entstehen durch frühzeitige Beweidung nach einem Frost, wenn der Boden erst oberflächlich aufgetaut ist.

Weideaustrieb auf gefrorene Bestände sollte zudem nur erfolgen, wenn sich die Pferde allmählich daran gewöhnen konnten. Robustrassen mit ganzjähriger Außenhaltung sind besser angepasst an plötzliche Temperaturschwankungen des Weidefutters als Pferde, die vornehmlich im Stall gehalten werden. Bei der Weidehaltung ist stets wichtig, darauf zu achten, dass den Tieren immer freier Zugang zur Tränke möglich ist, bei der Winterweidehaltung ist daher sicherzustellen, dass die Tränke nicht einfrieren kann.

Weidepflege und -düngung

An die eigentliche Winterweide werden besondere Anforderungen hinsichtlich der Narbenqualität gestellt. Sie muss besonders trittfest sein, damit sie der erhöhten mechanischen Belastung über Winter bei oftmals ungünstigen Witterungsbedingungen Stand halten kann. Flächen für die Winterbeweidung sollten daher während der Vegetationsperiode besonders gepflegt werden.. Pferdeweiden sind häufig durch einen größeren Lückenanteil gekennzeichnet. Dies lässt sich besonders im Eingangsbereich der Koppeln oder im Zugangsbereich zu den Tränkestellen meist nicht ganz vermeiden. Umso wichtiger ist es, diese Stellen unmittelbar bei Vegetationsbeginn wieder nachzusäen, damit sich die Lücken frühzeitig schließen können. Am sichersten gelingt die Reparatur der stark geschädigten Narbe mit Spezialnachsaatmaschinen unter Verwendung von Saatgut mit rascher Anfangsentwicklung. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt hierzu die Aussaat der Qualitätsstandardmischung GV in einer Saatstärke von 20 kg/ha. An Stellen, die gänzlich zerstört waren, ist die Saatstärke wie bei einer Neuansaat auf 30 kg/ha zu erhöhen. Auch während der Vegetationsperiode ist die regelmäßige Flächenkontrolle unerlässlich, um sicherzustellen dass durch Beweidung entstehende Lücken rasch geschlossen werden, die das Einwandern unerwünschter Pflanzenarten verhindern. Selbst bei sorgfältiger Weideführung sind kleinere Narbenschäden nie auszuschließen, umso wichtiger ist es, dass stets keimfähige Samen leistungsfähiger Gräser in der Narbe verfügbar sind.

Eine kräftige Grünlandnarbe kann sich nur bei ausreichender Nährstoffversorgung entwickeln. Das bedeutet jedoch nicht, dass auf jeder Weide eine Düngung notwendig ist. Im Gegenteil: Auf der Winterweide findet über Kot und Harn der Tiere oft ein erheblicher Nährstoffrückfluss statt, der bei regelmäßiger Zufütterung auf der Weide den Nährstoffentzug leicht übersteigen kann. Sicherheit über den Düngerbedarf gibt die Analyse einer Bodenprobe. Diese Analysen werden durch die LUFA in Münster durchgeführt. Die notwendige Düngungsempfehlung wird von der LUFA anhand des Analysenbefundes berechnet. Wichtig ist hierbei auch die Analyse des pH-Wertes, denn dieser ist häufig gerade auf den leichteren Standorten der Pferdeweiden zu niedrig und erfordert entsprechende Aufkalkung der Böden.

Fazit

  • Winterbeweidung bevorzugt nur auf trockneren, höher gelegenen Weideflächen, aber nicht bei feuchten Bodenbedingungen oder Frost
  • Periode der eigentliche Winterbeweidung durch vorausschauende Flächenplanung begrenzen
  • Flächengröße dem Viehbesatz anpassen: je größer die Fläche, desto geringer die Gefahr der Narbenverletzung
  • Besonders im Winter Beweidung durch Pferde mit beschlagenen Hufen vermeiden
  • Weidefutter im Winter durch strukturreiches gutes Heu ergänzen
  • Keine Beweidung gefrorener Bestände mit Tieren, die nicht daran gewöhnt sind
  • Wasserversorgung besonders bei Frostgefahr sicherstellen
  • Zufütterung nur an befestigten Futterstellen, da Gefahr besonderer Narbenverletzung und überhöhten Nährstoffeintrags in die Flächen
  • Düngung nur bedarfsorientiert nach vorheriger Bodenuntersuchung
  • Frühzeitig und regelmäßige Nachsaat mit konkurrenzstarken Gräsermischungen im Frühjahr und während der Vegetationsperiode

Autor: Dr. Clara Berendonk