Fragen zur Pferdefütterung

Stute mit Fohlen auf der Koppel

Was ist bei der Fütterung älterer Pferde zu beachten?

Wann gelten „alte“ Pferde als alt? Nach Literaturangaben, wenn sie 20 Jahre überschritten haben. In diesem Alter können Pferde aber durchaus noch Leistungen erbringen, wenn sie immer fachmännisch gehalten, bewegt und gefüttert wurden. Unter diesen Voraussetzungen können übliche Rationen ausreichen. Treten Zahnprobleme oder andere altersbedingte Erkrankungen auf, sind spezielle Fütterungs- und Diätmaßnahmen zu ergreifen.

Grundsätzlich wird das Futter von alten Pferden aber energetisch und eiweißmäßig etwas schlechter verwertet, was rationsmäßig zu beachten ist. Auch steigt der Bedarf an Vitaminen (A, D, E) und Spurenelementen (Zink, Selen). Diese Versorgung ist über geeignete Mineral- oder Ergänzungsfutter abzudecken. Calciumüberversorgungen sollten unbedingt vermieden werden, um Harnsteinbildung vorzubeugen (Ca:P-Verhältnis < 2:1).

Als Grundgerüst der Ration für alte Pferde dient hochverdauliches, nicht zu spät geschnittenes Heu. Qualitativ einwandfreie Ballensilage ist ebenfalls geeignet. Das Kraftfutter sollte besonderen Anforderungen entsprechen: Hafer möglichst gequetscht, Gerste und Mais nur in aufgeschlossener Form (hydrothermisch behandelt) anbieten. Gut vorgeweichte Trockenschnitzel (bis zu 200 g/100 kg Körpermasse) sind ebenso zu empfehlen wie 150 bis 200 g Bierhefe/Tag, wodurch die Dickdarmaktivität unterstützt wird. Mit Pflanzenölzusätzen (100 bis 150 ml/Tag, am besten Leinöl) kann die Energiezufuhr verbessert werden.

Mit Eiweißträgern ist sparsam umzugehen, dafür sollten hochwertige Proteinträger (Leinschrot, Sojaschrot in Mischfutter) verwendet werden. Einwandfreie Möhren sind immer zu empfehlen. Gesunde alte Pferde sollten mindestens drei Mahlzeiten am Tag erhalten. Jeder Zeit muss sauberes Tränkwasser zur Verfügung stehen.

Das Angebot an Futterzusatzmitteln für Pferde ist riesig. Sind solche Zusätze überhaupt erforderlich und wenn ja, wann?

Bei korrekter Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde kann man auf die meisten Zusätze verzichten. Besonders bewährt haben sich nur wenige Zusatzfutter. Für Leinöl liegen beispielsweise positive Erfahrungen vor. Neben einer verbesserten Energiezufuhr kann dieses Öl aufgrund der Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken. Hierdurch kann der Heilungsverlauf bei Hufrehe beschleunigt werden. Zugaben von Zink und/oder Biotin verbessern die Hufqualität. Die Verabreichung muss jedoch über einen langen Zeitraum erfolgen.

Bekannt ist auch die Wirksamkeit von Vitamin E-Zulagen. Dieses Vitamin dient dem Muskelaufbau und wirkt speziell bei starker Beanspruchung des Pferdes. Vitamin E in Verbindung mit Selen ist zudem wichtig für die Immunabwehr. Sind Pferde häufig unruhig oder leicht erregbar, können Magnesiumergänzungen sinnvoll sein. Über eine L-Carnitinzulage, einer auf den Fettstoffwechsel wirkenden aminosäureähnlichen Substanz, lassen sich Leistungssteigerungen im Sport erzielen.

Besonders häufig werden irgendwelche Kräuterprodukte angepriesen. Deren Verwendung ist mit Skepsis zu betrachten. Unstrittig sind zwar die möglichen Wirkungen von Kräutern. Beim Pferd gibt es aber bisher nur wenige fachlich fundierte Studien über deren Effekte.

Viele Pferdehalter schwören auf pelletiertes Futter, andere bevorzugen so genanntes Müslifutter. Wo liegen die Vor- bzw. Nachteile der jeweiligen Futterart?

Die Bezeichnung „Müsli- oder Pelletfutter“ umschreibt lediglich die Konsistenz, die äußere Beschaffenheit eines Futters. Sie sagt nichts aus über dessen Zusammensetzung und Futterwert. Pellets sind technisch (Transport, Lagerung) leichter zu handhaben. Sie werden meist in der Losekette geliefert. Pellets entmischen sich nicht und sind auf jeden Fall haltbarer als Müslifutter. Bei den Müslifuttern bieten die groben und offenen Strukturen Mikroorganismen und Parasiten größere Angriffsflächen. Müslis lassen sich natürlich optisch leichter beurteilen, die zugesetzten Komponenten sind besser erkennbar. Diese Futter werden zwar gern gefressen. Wichtiger ist aber, was ein Müsli- oder Pelletfutter an Nährstoffen enthält und welche Einsatzbereiche abgedeckt werden sollen.

Worauf sollte beim Kauf von Futtermitteln für Pferde grundsätzlich geachtet werden? Was besagen die Angaben auf den Futtersäcken?

In der Regel handelt es sich um Mischfuttermittel, die in Ergänzung anderer Futtermittel den Nahrungsbedarf der Pferde abdecken sollen. Diese Ergänzungsfutter gibt es in unterschiedlichster Zusammensetzung passend zu Heu- und Haferrationen, zum Ersatz von Hafer oder zum Stroh. Außerdem wird nach Bedarfsgruppen unterschieden, beispielsweise nach Sport- oder Freizeitpferden, Zuchtpferden, Fohlen, alten Pferde usw. Wichtig ist bei der ganzen Typenvielfalt, dass man den Bedarf seines Pferdes kennt und die Raufuttersituation richtig einschätzt, um dann den passenden Ergänzungsfuttertyp auswählen zu können.

Zur näheren Beschreibung des Mischfutters muss der Hersteller u. a. Angaben zu den Inhaltsstoffen (Rohasche, Rohfaser, Rohprotein und Rohfett), zur Zusammensetzung (Hafer, Gerste, Kleie usw.) und zu einigen Mineralstoffen und Vitaminen machen. Hierzu ist er gesetzlich verpflichtet. Auch muss er Hinweise zum Einsatzzweck und der Tierkategorie geben. Diese Angaben werden entweder auf dem Sackanhänger oder dem Lieferschein gemacht. Das gesetzlich zu deklarierende Haltbarkeitsdatum gibt Auskunft über den Frischezustand des Futters. Energiegehalte dürfen bisher nicht angegeben werden, hierfür fehlt die gesetzliche Grundlage. Diese Werte können aber beim Hersteller erfragt werden. Anhand einer Energieschätzformel lässt sich der Energiegehalt eines Futters andererseits auch selbst berechnen.

Es gibt eine Vielzahl von Anbietern bei Pferdefuttermitteln. Kann man davon ausgehen, dass die teuersten Futtermittel auch die hochwertigsten Komponenten enthalten und damit am besten für das Pferd sind?

Wie so oft ist das teuerste nicht immer das beste. Auch beim Pferdefutter stehen hohe Preise nicht immer für hohe Qualität oder umgekehrt. Futtermittelpreise resultieren aus sehr unterschiedlichen Faktoren wie Futtertyp und -zusammensetzung, Liefermenge, Kosten für Herstellung und Vertrieb, Marketing, Transport, Verpackung, Beratung, Service usw. usw. Selbstverständlich spielen auch Qualität und Preis der verwendeten Rohstoffe eine gewichtige Rolle.

Kraftfutter sollte grundsätzlich auf mehrere Portionen am Tag verteilt gefüttert werden. Wie stellt sich die Situation bei Turnierpferden dar, wenn die Prüfungen bereits frühmorgens beginnen? Sollte das Kraftfutter dann erst besser abends gegeben werden? Was für eine Futterverteilung über den Tag ist zu empfehlen?

An Turniertagen sollte grundsätzlich ähnlich der Trainingsfütterung mehrmals am Tag unter Berücksichtigung der Prüfungen gefüttert werden. Eine Faustregel besagt, dass in den zwei Stunden vor und nach einer Prüfung nichts gegeben werden sollte, bestenfalls etwas Raufutter. Da die Zeitspanne zwischen Vorbereitung und Transport bis zur Prüfung meist über zwei Stunden beträgt, wird häufig auch bei frühmorgens beginnenden Prüfungen vorher gefüttert.

Während eines Transportes sollte keine Fütterung erfolgen. Bei längeren Transporten kann etwas Heu angeboten werden, dann sind auch Pausen zum Tränken einzuplanen.

Der Übergang von der Winter zur Weidefütterung im Frühjahr sollte langsam erfolgen. Wie sieht es im Herbst aus, wenn die Weidesaison zu Ende geht? Ist es besser, die Pferde stundenweise von der Weide zu entwöhnen oder können die Tiere von heute auf morgen im Stall bzw. auf dem Paddock belassen werden?

Der Übergang von der Stallfütterung mit rohfaserreichem Raufutter zum rohfaserarmen, wasser- und eiweißreichen Grünfutter im Frühjahr sollte aus verdauungsphysiologischen Gründen immer langsam und schrittweise erfolgen. Umgekehrt verursacht der Wechsel von der Weide auf strukturreiche Stallrationen keine Probleme, zumal nachlassender Weideaufwuchs im Herbst ohnehin mit reichlich Raufutter ergänzt werden muss,

Viele Pferdehalter verwenden Getreidestroh als Raufutter bzw. Einstreu. Witterungsbedingt wurden in diesem Jahr aber schlechte Qualitäten eingefahren. Sind die Pferde dadurch gesundheitlich gefährdet?

Durch die Ernteverzögerungen kam es vor allem bei Triticale und Weizen zu Problemen. Die Bestände waren häufig grau-schwärzlich verfärbt. Ursache waren Kontaminationen durch Schwärzepilze. In der Natur gibt es verschiedene Schwärzepilzarten, deren Schadrisiko unterschiedlich eingestuft wird. Manche bilden gefährliche Giftstoffe (Toxine), andere wiederum nicht. Optisch gibt es keine erkennbaren Unterscheidungsmerkmale. Um gesundheitliche Risiken auszuschließen, sollten Strohpartien mit deutlichen Verfärbungen, grauen und/oder schwarzen Belägen, wenn irgend möglich weder verfüttert noch eingestreut werden. Pferde mit Allergien oder Atemwegsproblemen leiden besonders unter pilzbelastetem Stroh.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer