Ergänzungsfutter für Pferde

Foto: Barbara Kutsch
Vergleichender Mischfuttertest Nr. 57/08, Ergänzungsfutter für Pferde in Sport- und Freizeitnutzung aus verschiedenen Regionen Deutschlands.
Geprüft wurden 12 Ergänzungsfutter für Sport- bzw. Freizeitpferde. Die Futterproben für diese Testreihe des Vereins Futtermitteltest (VFT) wurden bundesweit gezogen, und zwar im Zeitraum April bis Juni 2008. Die Beprobung wurde überwiegend in Pferde haltenden Betrieben durchgeführt. Insgesamt waren 11 verschiedene Hersteller beteiligt. Dieser vergleichende Mischfuttertest basiert auf den Kriterien eines Warentests.
Bei den untersuchten Kraftfuttermitteln handelt es sich um Ergänzungsfutter, die, wie es die Bezeichnung besagt, so konzipiert sind, das sie das notwendige Raufutter (z.B. Heu, Stroh, Ballensilage) angemessen mit wichtigen Nähr- und Wirkstoffen ergänzen. Ergänzungsfutter werden also über den Tag betrachtet niemals allein, sondern immer in Kombination mit Grobfutter verabreicht.
Unter den Ergänzungsfuttern gibt es eine große Typenvielfalt, die von den Pferdehaltern kaum noch auseinander gehalten werden kann. Die Futter unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und ihrem Futterwert teils erheblich, je nachdem für welchen Einsatz- und Leistungsbereich sie entwickelt worden sind. Die vorliegende Testreihe bezieht sich auf Pferde in Sport- und Freizeitnutzung. Trotz dieser Eingrenzung wird deutlich, welch breites Sortiment der Handel hier anbietet (siehe Übersicht). Beispielsweise reichen die Herstellerangaben für den Rohproteingehalt von 9,0 bis 13,0 %, für den Rohfasergehalt von 5,0 bis 18,0 %, für Calcium von 0,90 bis 2,56 % und für Phosphor von 0,35 bis 0,62 %!
Aufgrund dieser Unterschiede wird es schwer, das jeweilige Futter richtig einzuordnen und letztlich leistungsgerecht einzusetzen. Deshalb sollten die Hersteller möglichst exakte Angaben zum Einsatzbereich und zur richtigen Verwendung ihres Futters machen. Diese notwendigen Fütterungshinweise erhält der Käufer in der Regel mit dem Lieferschein oder dem Sackanhänger bzw. per Sackaufdruck, häufig auch über gesondertes Werbematerial und über Internetzugang
Kommentierung der Ergebnisse
Überprüft wurden zunächst die Angaben der Hersteller bezüglich der wichtigsten Inhaltsstoffe wie Rohasche-, Rohprotein-, Rohfaser-, Rohfett-, Calcium- und Phosphorgehalt. Auf diese Herstellerangaben muss sich der Pferdehalter verlassen können. Sie stellen die Lieferabsicht dar und charakterisieren das Futter. Diese Deklarationsüberprüfung wird vom VFT auf Basis futtermittelrechtlicher Bestimmungen vorgenommen. Welches Ergebnis hierbei heraus kam, verdeutlichen die Angaben im mittleren Teil der Übersicht in der Spalte „Abweichender Befund“. Erfreulicherweise waren es nur drei Futter, bei denen eine Abweichung von deklarierten Werten festgestellt wurde. In früheren Testreihen war dieser Anteil deutlich höher, was zeigt, dass die Hersteller zunehmend bemüht sind, ihre Lieferabsichten einzuhalten. Bei einem Futter wurde der deklarierte Rohfasergehalt (14,0 %) mit analysierten 7,5 % deutlich unterschritten, was zu beanstanden ist. Bei einer unzureichenden Raufutterversorgung des Pferdes könnte sich dieser Rohfaseruntergehalt möglicherweise negativ auswirken, denn unsere Pferde stellen hohe Ansprüche, beispielsweise im Interesse einer geregelten Darmverdauung an die tägliche Versorgung mit Faserstoffen.
Bei zwei Ergänzungsfuttern wurden Überschreitungen des deklarierten Zinkgehaltes ermittelt. Diese Abweichungen sind allerdings zu relativieren, da übliches Raufutter in der Regel nur wenig Zink enthält, so dass hierdurch auch bei höheren Ergänzungsfuttergaben keine Zinküberversorgung des Pferdes zu befürchten wäre.
Die beiden Futter der holländischen Firmen Havens aus Vierlingsbeek und Pavo aus Apeldoorn enthielten keine Angaben über die Höhe des Calcium- und Phosphorgehaltes, was natürlich zu beanstanden ist. Das bestehende Futtermittelrecht schreibt zwar die Deklaration des Calcium- und Phosphorgehaltes nicht vor. Aber aus Sicht des Verbrauchers und letztlich im Interesse bedarfsgerechter Versorgung der Pferde ist die Angabe dieser wichtigen Inhaltsstoffe zu fordern. Das „Pferdekorn 12 ohne Hafer“ ist mit einem sehr hohen Calciumgehalt konzipiert, was nicht üblich ist. Zur Vermeidung von Imbalanzen muss die zugeteilte Futtermenge daher begrenzt werden, worauf der Hersteller aber nicht extra hinweist.
Im rechten Teil der Ergebnisübersicht werden Angaben zu den Fütterungshinweisen der Hersteller gemacht. Hier fällt auf, dass acht Hersteller exakte, ausreichende bzw. nahezu ausreichende Fütterungshinweise geben, dass aber drei Hersteller überhaupt keine und ein Hersteller nur sehr unzureichende Angaben zum Futter machen. In diesen Fällen besteht Nachholbedarf, denn korrekte, möglichst umfassende Informationen zum Einsatzbereich und –zweck eines Ergänzungsfutters muss der Käufer verlangen können und sollte auch bei der Ware vorliegen.
Nach geltendem Futtermittelrecht dürfen Mischfutterhersteller bisher keine Angaben zum Energiegehalt ihrer Futter machen. Diese Gesetzeslücke gilt es möglichst schnell zu schließen, zumal der Energiewert des Futters mit das wichtigste Kriterium überhaupt darstellt. Nach einer wissenschaftlich abgesicherten und mittlerweile bewährten Schätzformel kann aber auf Basis der analysierten Rohnährstoffgehalte der Energiegehalt des Futters berechnet werden. Auch der VFT nutzt diese Möglichkeit der Überprüfung. Die 12 geprüften Ergänzungsfutter erreichten im Mittel 10,8 MJ DE/kg (Megajoule verdauliche Energie), was für diesen Futtertyp üblich ist. Betrachtet man aber die Extremwerte, so ergibt sich eine große Spanne. Der niedrigste Energiewert lag nämlich nur bei 9,0 MJ DE /kg, der höchste immerhin bei 11,8 MJ DE/kg.
Diese Differenz von 2,8 MJ DE/kg entspricht umgerechnet einer Menge von rund einem viertel Kilogramm Hafer, was erheblich ist. Die vorliegenden Testergebisse gelten nur für die geprüften Futterlieferungen.
Hinweis
Informationen zum VFT sind ausführlich unter www.futtermitteltest.de dargestellt. Dort sind auch die Testergebnisse der letzten Prüfungen von Pferdefutter und die Prüfergebnisse von Mischfuttermitteln für Schweine, Rinder und Geflügel aus verschiedenen Regionen des Bundesgebietes sowie weitere Auswertungen aufgeführt.
- Tabelle: VFT 57/2008
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