Grassilagequalität 2015

Grassilage verdichtenBild vergrößern

Grassilage 2015 – gute Qualität mit wenig Protein

Die zunächst guten Witterungsbedingungen im April wurden durch eine anhaltende Trockenheit ausgebremst. In den Mittelgebirgslagen verzögerten die fehlenden Niederschläge und kühle Nachttemperaturen erheblich das Anfangswachstum. Der benötige Niederschlag kam Ende April/Anfang Mai, so das bis Mitte Mai die Schnittreife überall, bis auf die Mittelgebirgslagen, erreicht wurde. Allerdings blieb die vergleichsweise kühle Witterung mit niedrigen Nachttemperaturen noch über einen längeren Zeitraum erhalten, was zu einer verzögerten Rohfaserbildung in den Grasbeständen beitrug.

Im Vergleich zum Vorjahr sind im Durchschnitt die diesjährigen Silagen des ersten Aufwuchses mit 38,1 % TM deutlich trockener, wie die Tabelle 1 zeigt. Rund 40 % aller Silagen liegen oberhalb der anzustrebenden Gehalte von 30 – 40 % TM. Mit 98 g/kg TM sind Aschegehalte knapp unter dem angestrebten Zielwert von weniger als 100 g/kg TM. Die Größen Rohfaser und Säure Detergenzienfasern (ADFom) liegen in diesem Jahr im Bereich der Richtwerte bzw. leicht darüber und zeigen, dass die meisten Silagen in einem frühen Reifestadium geerntet wurden. Der mittlere Rohproteingehalt der Silagen liegt mit 145 g/kg TM deutlich unter dem Ergebnis aus dem Vorjahr. Der Proteinkennwerte nXP liegt mit 135 g/kg TM auf dem Vorjahresniveau während der RNB-Gehalt bei nur 1,6 g N/kg TM liegt. In der Gesamtheit resultieren daraus erfreulich hohe Energiegehalte von 6,2 MJ NEL/kg TM.

In der Tabelle 2 sind die Ergebnisse nach Gras- und Ackergrasbeständen aufgeführt. Zusätzlich sind die Spannbreiten bei den Nährstoffgehalten angegeben. Trockenmasse (TM): Bei den Grassilagen des ersten Schnitts und der Folgeschnitte liegen die TM-Gehalte im Mittel zwischen 38 und 42 %. Nur die Ackergrassilagen sind etwas feuchter siliert worden. Im Hinblick auf die große Schwankungsbreite der Trockenmassegehalte dürfte bei einigen Silomieten ein optimales Verdichten auf Grund der höheren TM-Gehalte schwierig gewesen sein. Hier besteht die Gefahr einer Nacherwärmung, insbesondere wenn der Vorschub von mind. 1,5 m/Woche im Winter und 2,5 m/Woche im Sommer nicht eingehalten wird. Rohasche: Im Mittel aller Silagen liegen die Aschegehalte zwischen 98 und 107 g pro kg TM und damit zum Teil knapp über den Zielwert von unter 100 g/kg TM. Insgesamt liegen rund 46 % aller Befunde darüber. Betrachtet man die letzten 10 Jahre so weisen noch immer mehr als 45 % der in NRW gewonnen Silagen einen Asche-gehalt von über 100 g/kg TM auf. Es bleibt also weiterhin eine große Herausforde-rung die Verschmutzung des Futters zu reduzieren.

Rohfaser: Der Rohfasergehalt gibt unter anderem einen Hinweis über die Schnittreife des Grasbestandes. Für die Energieschätzung wird die Faser nicht berücksichtigt. Angestrebt werden Orientierungswerte von 220 – 250 g Rohfaser je kg TM. Im Mittel liegen die Silagen des ersten Schnitts in diesem Bereich, was auf einen angepassten Schnittzeitpunkt schließen lässt. In dem Stadium des Ähren-/Rispenschiebens werden niedrige Rohfasergehalte bei hoher Verdaulichkeit und damit der beste Energieertrag erreicht. Allerdings liegt der ADFom-Gehalt mit 276 bis 297 g/kg TM oberhalb des Bereiches, der für energiereiche Silagen gilt. Die ADF-Fraktion umfasst die schwer verdaulichen Zellwandbestandteile Cellulose und Lignin und wird in der Energieschätzgleichung in Abzug gebracht.

Zucker: Die Silagen vom 1. Schnitt weisen hohe durchschnittliche Zuckergehalte von 75 und 69 g/kg TM mit einer Spannbreite von 4 bis 216 g/kg TM auf. Die teilweise sehr hohen Gehalte können Probleme im Bereich Nacherwärmung bereiten, insbesondere wenn zusätzlich noch ein erhöhter TM-Gehalt in den Silagen vorhanden ist.

Eiweißkenngrößen: Der mittlere Rohproteingehalt bei den Grassilagen 1. Schnitt liegt bei nur 145 g/kg TM und damit deutlich unter Vorjahresniveau. Die Spanne reicht von 68 bis 225 g/kg TM. Die Gehalte an nutzbarem Rohprotein (nXP) und RNB sind im Mittel bei 135 g bzw. 1,6 g N je kg TM. Die Ackergrassilagen sind durch einen niedrigen RNB-Wert von -0,2 g N/kg TM gekennzeichnet, wobei die Gehalte von -6,6 bis 9,5 g N/kg TM differieren. Die jeweiligen Spannbreiten verdeutlichen, dass die Rationsplanung unbedingt auf einzelbetrieblichen Daten basieren sollte.

Energiegehalt: Die zentrale Kenngröße für die Qualitätsbeurteilung eines Futtermit-tels ist sein Energiegehalt. Im Durchschnitt erreichen die Silagen des ersten Aufwu-ches der Dauergrünlandflächen 6,20 MJ NEL/kg TM. Dies ist zwar besser als im Vorjahr, aber immer noch unter der Zielvorgabe von >6,4 MJ NEL/kg TM. Von einer energiereichen Silage wird mehr gefressen, so dass zwei Effekte zusammen kom-men: hohe Futteraufnahme und hohe Energiekonzentration je kg aufgenommenen Futters eröffnen die Möglichkeit, viel Milch aus dem Grobfutter zu erzeugen. Dies ist die wichtigste Voraussetzung für eine ökonomisch erfolgreiche Milchproduktion. Mit nur 5,9 MJ NEL/kg TM erweisen sich die Silagen vom Ackerfutter als nicht besonders energiereich, wofür vor allem niedrige Gehalte an Rohprotein und hohe ADFom Gehalte verantwortlich sind.

Bei den Mengenelementen befinden sich die Mittelwerte, bis auf eine Ausnahme, in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Nur die Calciumgehalte, besonders die es 1. Schnitts, sind in diesem Jahr vergleichsweise niedrig. Beachtenswert sind auch hier die großen Schwankungsbreiten zwischen den verschiedenen Proben, woraus sich im Rahmen der Rationsberechnung eine sehr differenzierte Ergänzung mit Mineralfutter ergeben wird.

Fazit

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Energiegehalt der Grassilagen der diesjährigen Ernte etwas höher. Wenig erfreulich sind die niedrigen Eiweißkennzahlen. Hier besteht erhöhter Ergänzungsbedarf über Proteinfuttermittel in den Futterrationen. Dies gilt sowohl für Silagen des ersten als auch der Folgeaufwüchse.

Autor: Annette Menke, Dr. Martin Pries