Neuerungen bei der Grassilageuntersuchung

Grassilage ernten

Bei der Untersuchung der Grassilagen durch die LUFA NRW kommen einige Neuerungen zur Anwendung, über die Dr. Martin Pries und Annette Menke, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, im Folgenden berichten.

Für eine bedarfsgerechte Versorgung ist die Kenntnis der Nährstoff- und Energiegehalte der Futtermittel von großer Bedeutung. Nährstoff- und Energiewerte der eigenen Gras- und Maissilagen bestimmen beispielsweise die Zusammensetzung und die Menge des zu verfütternden Kraftfutters, wobei gerade die Kraftfuttermenge eine große Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung besitzt. Wird zum Beispiel täglich 1 kg Kraftfutter wegen fehlender Kenntnis des Energiewertes des Grobfutters zu viel verabreicht, erhöht sich der Jahreskraftfutterverbrauch um über 3 dt pro Kuh, womit monetär schnell eine Größenordnung von 60 bis 70 Euro pro Kuh erreicht wird. Grobfutteruntersuchungen lohnen deshalb in jedem Fall.

Was ist neu?

Entscheidend für den Energiegehalt eines Futters sind in erster Linie der Gehalt und die Verdaulichkeit der organischen Bestandteile des Futters, die in Abhängigkeit von der Futterart und der Qualität in einem weiten Bereich zwischen 55 und über 90 % schwanken kann. Streng genommen müsste für jedes Futter eine Verdaulichkeitsmessung am Tier durchgeführt werden, um den wahren Energiewert zu bestimmen. Da dies aber viel zu aufwändig wäre, wird der Energiegehalt über Schätzgleichungen aus der Nährstoffzusammensetzung ermittelt. Damit die ermittelten Ergebnisse zutreffend sind, müssen an die Genauigkeit der Energiegleichungen hohe Anforderungen gestellt werden. Die Gleichungen werden nach mathematischen Regeln an einem möglichst großen, repräsentativen Datensatz von Futterproben abgeleitet, bei denen der wahre Energiewert aus einem Verdauungsversuch bekannt ist.

In den bisher genutzten Schätzgleichungen für Grassilagen fanden die Gehalte an Rohasche, Rohprotein und Rohfaser Berücksichtigung. In der Abbildung 1 ist der mittlere Energiegehalt von 134 Grassilagen aufgrund der Verdaulichkeitsmessung in der ersten Säule dargestellt. Dies ist der wahre Energiegehalt der Grassilagen. Die zweite Säule zeigt den Energiegehalt der gleichen Silagen bei Anwendung der bisher gültigen Gleichung auf Basis der Rohnährstoffgehalte. Mit 6,01 MJ NEL/kg TM ergibt sich im Mittel ein Wert, der um 0,18 MJ/kg TM oberhalb des wahren Energiewertes liegt. Die Gleichung führt demnach zu einer systematischen Überschätzung. Dabei zeigte sich zudem, dass insbesondere die später geschnittenen Grassilagen mit Rohfasergehalten von über 25 % zu gut beurteilt wurden. Dieses Ergebnis war Anlass, neue Energieschätzgleichungen anhand eines großen Datensatzes zu erarbeiten. In der neuen Gleichung werden folgende Größen berücksichtigt:

  • Rohasche
  • Rohprotein
  • Rohfett
  • Saure Detergenzienfaser ( ADForg)
  • Gasbildung

Die neuen Größen:

Neu in der Gleichung sind die drei letztgenannten Größen. Rohfett besitzt von allen Nährstoffen den höchsten Energiegehalt. Im Mittel liegt der Fettgehalt von Grasprodukten bei gut 35 g/kg TM. Der Variationsbereich ist mit Werten von 10 bis 60 g aber so groß, dass ein erheblicher Beitrag zum Energiewert geliefert werden kann.

Bei Gras- und Maissilagen besteht die organische Masse zu mehr als 50 % aus Zellwandmaterial. Zellwandmaterial kann man im Rahmen der chemischen Analyse über die Rohfaserfraktion und über die Bestimmung der sauren und neutralen Detergenzienfaser erfassen. Zwar besteht ein enger Zusammenhang zwischen Rohfaser und Gehalt an sauren Detergenzienfasern ( ADForg), siehe Abbildung 2, aber es zeigt sich, dass für die Energiebestimmung die Letztere besser geeignet ist. Der mittlere Gehalt an ADForg in Grassilagen liegt bei etwa 280 g/kg TM. Der Wert unterliegt aber großen Schwankungen (220 bis 380 g/kg TM). Je später das Material geerntet wird, umso höher sind die Werte.

Ebenfalls neu ist die Messung der Gasbildung im Rahmen des Hohenheimer Futterwerttest bei den Silageuntersuchungen. Bei diesem Test wird eine bestimmte Menge des zu prüfenden Futters in frischen Pansensaft gegeben. Die im Pansensaft enthaltenen Mikroben bauen das Futter ab, wobei verschiedenste Gase entstehen. Die Menge des gebildeten Gases wird gemessen. Je mehr Gas entsteht, umso besser wird das Futter abgebaut und umso höher wird der Energiewert sein. Dieser Gastest simuliert also die Verdauung des Futters im Vormagen der Wiederkäuer. Die Werte sind deshalb für die Vorhersage des Energiegehaltes von großer Bedeutung und stellen demnach eine deutliche Verbesserung der Futtermitteluntersuchungen dar. Aus Abbildung 3 kann entnommen werden, dass mit höheren Gehalten an ADForg die Gasbildung und damit die Fermentierbarkeit deutlich zurückgeht. Die Gasbildung ist auch stark abhängig vom Zuckergehalt der Silagen: Je höher der Zuckergehalt, umso besser fermentieren die Silagen. Dies erklärt auch, warum bei gleichem ADForg-Wert dennoch deutliche Unterschiede in dem Gasbildungspotenzial verschiedener Silagen bestehen.

Die Abbildung 1 zeigt in der dritten Säule den mittleren Energiegehalt, der sich bei Anwendung der neuen Energieschätzgleichung auf die bereits erwähnten 134 Silagen aus den Verdaulichkeitsbestimmungen ergibt. Mit 5,83 MJ NEL/kg TM ergibt sich exakt der gleiche Wert, wie in der Verdaulichkeitsmessung, worin die hohe Genauigkeit der neuen Gleichung zum Ausdruck kommt.

Fazit:

Die Anwendung der neuen Berechnungsformeln seit Mitte dieses Jahres macht nicht nur ein einfaches Umstellen der Berechnung nötig, sondern erfordert innerhalb der LUFA auch die Einführung völlig neuer Untersuchungsverfahren. All dies führt dazu, dass in einigen Fällen die Untersuchungsbefunde zum Teil nicht mit den bisherigen Vorstellungen und Erwartungen über den Futterwert der Silagen in Übereinstimmung stehen und ein entsprechender Erklärungsbedarf vorhanden ist. Ziel muss es sein, den Futterwert von Silagen möglichst genau zu erfassen, damit die Daten Eingang in die Rationsberechnung finden können.