Maissilagen 2011 von hoher Qualität
2011 war ein gutes Maisjahr. Über die Nährstoffgehalte der diesjährigen Maissilagen berichten Annette Menke und Dr. Martin Pries.
Die hohen Temperaturen von Mitte April bis Ende Juni 2011 sorgten für einen zügigen Feldaufgang und einen schnellen Reihenschluss der Maisbestände. Die hohen Niederschläge in den Sommermonaten Juli und August führten zu einem kräftigen Längenswachstum der Stängel. Die ausreichende Feuchtigkeit in der Blühphase ist Voraussetzung für einen guten Fruchtansatz. Trockene Witterungsbedingungen im September und Oktober sorgten schließlich für eine sehr gute Kornfüllung und zügige Abreife der Bestände. Ab Mitte September setzte die Ernte ein. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Stärkegehalte im Korn bereits oberhalb der Zielvorgabe von 58 %, obwohl die Restpflanze kaum Abreifesymptome zeigte. Wiederum wurde deutlich, dass zur Festlegung des optimalen Erntezeitpunktes eine genaue Inaugenscheinnahme der Bestände und Prüfung der Kolben und Körner mittels Fingernagelprobe zwingend erforderlich ist.
Vergegenwärtigen sollte man sich, dass Maissilage stets ein Gemisch aus Maiskörnern und Restpflanzenmaterial oder Maisstroh darstellt. Ganz grob kann gesagt werden, dass der Maiskolben etwa 50 - 60 % und die Restpflanze die übrigen 40 - 50 % zum Gesamtertrag beisteuern. Da Stärke im Verdauungstrakt der Wiederkäuer nahezu zu 100 % verdaubar ist, bestimmt vor allem der Kolbenanteil bzw. der Stärkegehalt über den Energiegehalt einer Maissilage. Die Restpflanze ist mit bis zu 35 % an der Energielieferung aus Silomais beteiligt. Bekannt ist, dass mit zunehmender Abreife der Trockenmassegehalt der Restpflanze von etwa 20 % auf bis zu 30 % ansteigt. Gleichzeitig nimmt der Gehalt an Rohfaser und NDFom zu. Mit zunehmenden NDFom-Werten geht ein Rückgang des Trockenmasseabbaus im Vormagen einher. Auch aus diesem Grund müssen Maisbestände termingerecht geerntet werden. Zwischen den verschiedenen Maissorten bestehen aber durchaus Unterschiede in der Verdaulichkeit des Restpflanzenmaterials, woraus sich bei gleichem Stärkegehalt Unterschiede im Energiegehalt der Silagen ergeben können.
Für Silagen aus der Ernte 2011 liegen bisher 581 Analysenbefunde seitens der LUFA NRW vor. In der Tabelle 1 sind die mittleren Nährstoffgehalte der letzten 3 Jahre sowie die derzeit gültigen Orientierungswerte für gute Maissilagen für die Milchkuh- und Mastrinderfütterung dargestellt. Ähnlich wie in den Vorjahren wird ein mittlerer Trockenmassegehalt von gut 35 % ausgewiesen, womit der obere Bereich der Orientierungswerte erreicht wird. Weniger als 5 % der Proben haben TM-Gehalte von unter 30 %, aber fast 30 % aller Befunde liegen oberhalb von 37 % TM und überschreiten damit die Orientierungswerte zum Teil sehr deutlich. Solch trockene Silagen lassen sich wegen der großen Rückfederung nur unzureichend verdichten. Hier besteht vor allem bei geringem Entnahmevorschub ein erhöhtes Risiko für Nacherwärmung, die immer mit hohen Nährstoffverlusten verbunden ist.
Die Größe NDFom ist eine gute Kennzahl zur Beschreibung von Zellwandbestandteilen, die nur durch die mikrobielle Aktivität im Vormagen abgebaut werden kann. Mit einem mittleren Gehalt von 411 g/kg TM wird ein leicht erhöhter ausgewiesen, worin die kräftige Entwicklung der Restpflanzen gut zum Ausdruck kommt. Der Stärkegehalt liegt in einer Größe von knapp 370 g/kg TM, womit im Durchschnitt sehr stärkehaltige Silagen vorhanden sind. Dies lässt auf gut ausgebildete und vollständig mit Körner besetzte Kolben schließen. Im Mittel weisen die Silagen einen Energiegehalt von 6,80 MJ NEL bzw. von 11,2 MJ ME/kg TM auf, wobei die Werte bei der NEL zwischen 5,5 und 7,5 MJ schwanken. Wegen der großen Schwankungen der Nährstoff- und Energiegehalte sind betriebsindividuelle Analysenbefunde unbedingte Voraussetzung für eine sachgerechte Rationsgestaltung.
Der Zusammenhang zwischen NDFom-Gehalt und Stärke- bzw. Energiegehalt der Maissilagen kommt in den Daten der Tabelle 2 klar zum Ausdruck. Niedrige NDFom-gehalte gehen mit hohen Stärkegehalten und sehr guten Energiewerten einher. Der Einfluss der NDFom auf den TM-Gehalt ist dagegen nicht besonders groß. Hohe NDFom-Gehalte signalisieren einen hohen Restpflanzen- und niedrigen Kolbenanteil. Dies schlägt sich in niedrigen Stärke- und Energiegehalten nieder. Deswegen ist es nur folgerichtig, dass die Größe NDFom ein zentraler Faktor in der Energiegleichung für die Maisprodukte ist.
In der Tabelle 3 sind die Analysenbefunde getrennt für die Niederungen und die Höhengebiete ausgewertet. Erstaunlich ist, dass die Nährstoff- und Energiegehalte im Mittel kaum von einander abweichen. Dies zeigt, dass auch in den Mittelgebirgslagen auf guten Standorten bei geeigneter Sortenwahl und Anbaumanagement qualitativ hochwertiger Mais angebaut werden kann. Der Speiseplan der ansonsten grasbetont gefütterten Milchkühe erfährt so eine wertvolle Ergänzung.
Fazit
Praxisbeobachtungen und Erhebungen belegen, dass in 2011 hohe Silomaiserträge geerntet wurden. Im Durchschnitt ergeben sich hohe Trockenmassegehalte in den Silagen. Die gute Kolbenausprägung führte zu hohen Stärkegehalten mit entsprechend guten Energiewerten. Es bestehen aber auch in 2011 große Unterschiede zwischen den Analysenbefunden, die die Notwendigkeit einzelbetrieblicher Untersuchungen verdeutlichen.
