Futterwert von Maissilage und Körnermais

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Silomaisernte

Futterwert von Maissilage und Körnermais auf Basis neuerer Verdaulichkeitsmessungen

Maissilage und Körnermais sind wichtige Futtermittel für Wiederkäuer. Von den Futtern müssen der Nährstoffgehalt und der energetische Wert bekannt sein. Nachfolgend wird über Verdaulichkeitsmessungen mit Hammeln und die energetische Bewertung auf Basis der Verdaulichkeit der Nährstoffe berichtet.

Maissilage ist neben Grassilage das wichtigste Grobfuttermittel für Milchkühe und Mastrinder. Wegen des höheren Gehalts an gut und schnell fermentierbaren Kohlenhydraten in Form von Stärke aus dem Kolben und der gleichzeitigen Anwesenheit von langsam abbaubarer und pansenschonender Cellulose und Hemicellulose aus der Restpflanze ist Maissilage ein sehr vorteilhaftes Futter für die Wiederkäuer. Hinzu kommt ein sehr hohes Ertragspotenzial bei vergleichsweise einfacher Bestandsführung, so dass Silomais auch in die Grenzlagen der deutschen Mittelgebirgsregionen und anderer Grünlandgebiete vorgedrungen ist.

Für die Rationsplanung und Rationsberechnung ist die Kenntnis der Nährstoffgehalte sowie des Energiewertes von betriebseigenen Grobfuttermitteln elementar. Aus diesem Grund sind mietenspezifische Futteranalysen vor Beginnen der Verfütterung unabdingbar. Hierbei werden in der Regel die Nährstoffgehalte mit Hilfe der Nah-Infrarot-Spektralmessung (NIRS) im Untersuchungslabor ermittelt und der energetische Wert mit Hilfe einer Schätzgleichung der GfE (2008) ermittelt. Nachfolgend wird über Verdaulichkeitsmessungen für Maissilage und Körnermais an Hammeln zur Ermittlung des energetischen Futterwertes im Vergleich zu den Ergebnissen bei Anwendung der Schätzgleichung bzw. der DLG-Futterwerttabelle (1995) berichtet.

Wie vorgegangen wurde

Die Verdaulichkeitsmessungen wurden im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick durchgeführt. Es wurden vier Maissilagen aus Praxismieten an je vier Hammeln gemäß den Vorgaben der GfE (1991) geprüft. Nach einer 14-tägigen Vorbereitungsfütterung wurden über sieben Tage Futter und Kot quantitativ erfasst. Es wurden 1000 g TM je Hammel Tag verabreicht. Die Versorgung mit Stickstoff zur Optimierung der mikrobiellen Fermentation im Pansen wurde über Harnstoff so vorgenommen, dass in der Gesamtration ein rechnerischer Rohproteingehalt von min. 12 % vorlag. Die chemischen Analysen von Futter und Kot wurden von zwei verschiedenen Laboren für alle Silagen vorgenommen. Zusätzlich wurden Futterproben von jeder Silage an sechs Labore zur Untersuchung mittels NIRS und Energieermittlung mit Hilfe der Schätzgleichung versandt.

Des Weiteren wurden drei Körnermaispartien einer Verdaulichkeitsmessung unterzogen. Die Körnermaispartien stammten aus dem Handel und wurden über den Raiffeisen-Futterring e. V.,Bonn, zur Verfügung gestellt. An jeweils mindestens vier Hammeln wurden 500 g Heu und 500 g Prüffutter sowie zur Stickstoffergänzung Harnstoffverabreicht. Die Kotsammelperiode erstreckte sich wiederum über 7 Tage. Die Verdaulichkeit des Heus wurde ebenfalls an fünf Hammeln gemessen, so dass durch Differenzbildung die Nährstoffverdaulichkeit der Prüffutter ermittelt werden konnte. Die Energieberechnung erfolgte nach Maßgabe der GFE (2001). Anschließend wurde ein Vergleich der ermittelten Werte mit den Daten der DLG-Futterwerttabelle vorgenommen.

Nährstoffgehalte und Verdaulichkeit der Maissilagen

In der Tabelle 1 sind die Ergebnisse der nasschemischen Analysen als Durchschnitt aus zwei Analysen für die vier Maissilagen dargestellt. Zwischen den Laboren waren die Untersuchungsbefunde sehr vergleichbar. Gemessene Differenzen bewegten sich innerhalb der vorgegebenen Analysenspielräume. Bei den vier Silagen variiert der Trockenmassegehalt zwischen 311 und 375 g/kg, womit ein weiter Bereich der praxisüblichen Schwankungen abgedeckt ist. Bei Rohasche, Rohfett und Rohprotein bestehen nur sehr geringe Unterschiede. Mit Werten von 379 bis 404 g/kg TM sind die Silagen als stärkereich zu betrachten. Die Befunde für die aNDFom bewegen sich zwischen 334 g und 371 g/kg TM, bei der ADFom ergeben sich wiederum nur geringe Differenzen (198 g -208 g/kg TM). Die in virto-Größe ELOS befindet sich mit 728 g bzw. 756 g auf einem hohen Niveau.

Die aus den verdaulichen Nährstoffen berechneten Energiegehalte variieren zwischen 10,8 und 11,55 MJ ME bzw. zwischen 6,50 und 7,10 MJ NEL/kg TM. Die höchsten Energiewerte erzielen die Silagen, die die beste Verdaulichkeit der aNDFom besitzen (Silo R und Silo Ö). Auch ist festzuhalten, dass bei vergleichbaren Gehalten an Rohnährstoffen mit 0,6 MJ NEL/kg TM bedeutsame Differenzen in energetischem Futterwert bestehen. Diese Unterschiede kommen in den über die Schätzgleichung ermittelten Energiegehalten nicht zum Ausdruck. Die so ermittelten Werte bewegen sich zwischen 7,15…. Und 7,3 MJ NEL/kg, womit so gut wie keine Differenzierung gegeben ist.

Bei den Ergebnissen zu den NIRS-Befunden aus sechs verschiedenen Laboren zeigen sich im Einzelnen größere Unterschiede zu den nasschronischen Untersuchungen, insbesondere bei den Größen Stärke, aNDFom und ELOS. Laboreinflüsse scheinen hier zu bestehen. Dies wirkt sich auf die Abschätzung des energetischen Wertes jedoch nur gering aus, da die Einflüsse mitunter gegenläufig sind und sich damit im Ergebnis der Schätzgleichung kaum noch auswirken.

Verdaulichkeit von Körnermais

Die Tabelle 3 zeigt die Rohnährstoffgehalte, Verdaulichkeiten und den berechneten Energiegehalt für die drei Körnermaispartien. Zusätzlich werden die Daten aus der DLG-Futterwerttabelle (1997) dargestellt. Bei Rohasche, Rohfett und Rohfaser besteht eine gute Übereinstimmung zwischen den Analysenbefunden und den Informationen der DLG-Tabelle. Der Gehalt an Rohprotein ist in den hier geprüften Chargen niedriger, der Stärkegehalt deutlich höher. Die gemessene Verdaulichkeit der organischen Masse ist mit Werten von 93,6 bis 95,1 % deutlich oberhalb der bisher tabellierten Verdaulichkeit (86 %). Die aus den verdaulichen Nährstoffen berechneten Energiewerte liegen bei der ME zwischen 14,25 und 14,55 MJ/kg TM und bei der NEL zwischen 9,20 und 9,45 MJ/kg TM. Der Unterschied zu den Angaben der DLG-Tabelle beträgt etwa 1 MJ ME bzw. 0,6 MJ NEL/kg TM zugunsten der hier geprüften Körnermaispartien.

Schlussfolgerungen

Die Verdaulichkeitsmessungen und die anschließende Energieberechnung für die vier Maissilagen haben gezeigt, dass trotz vergleichbarer Rohnährstoffgehalte deutliche Unterschiede im energetischen Futterwert zwischen den Silagen bestehen. Diese Unterschiede beruhen im Wesentlichen auf einer Differenzierung in der Restpflanzenverdaulichkeit gemessen als Verdaulichkeit der aNDFom. Die Anwendung der gültigen Energieschätzgleichung mit den Größen ELOS, aNDFom und Rohfett führt bei den vorliegenden stärkereichen Maissilagen leider nicht zu differenzierten Energiegehalten. Alle Silagen werden hier energetisch zum Teil deutlich überschätzt. Wenn angenommen wird, dass die Stärke zu nahe zu 100 % verdaut wird, dann müssten Unterschiede in den ELOS-Werten fast ausschließlich auf eine Differenzierung in der Enzymlösbarkeit des Restpflanzenmaterials begründet sein. Die relativen Unterschiede zwischen den ELOS-Werten sind jedoch deutlich geringer als die relativen Unterschiede in der im Hammeltest gemessene Verdaulichkeit der organischen Masse und der aNDFom. Bei den hier geprüften Maissilagen ist die ELOS-Größe offensichtlich nicht in der Lage, die unterschiedlichen Maispartien zu differenzieren. Eine Evaluierung der Schätzgleichung auf Basis neuerer Verdauungsversuche wird deshalb als vordringlich betrachtet.

Beim Körnermais ergaben sich für die hier geprüften Partien aus dem Handel einheitlich höhere Energiegehalte als in der DLG-Futterwerttabelle ausgewiesen, was auf die höheren Stärkegehalte und die bessere Verdaulichkeit zurückgeführt werden kann. Pribke und Losand (2015) berichten über ähnliche Befunde nach Prüfung von 8 verschiedenen Maisherkünften. Auch beim Weizen konnte eine höhere Verdaulichkeit der organischen Masse in etlichen Prüfungen gezeigt werden (Pries u.a. 2015; Pribke u. Losand 2015). Eine Zusammenführung der neueren Verdaulichkeitsmessungen und daraus u. U. folgend eine neue energetische Bewertung sind deshalb kurzfristig erforderlich.

Autor: Dr. Martin Pries, Annette Menke, Ludger Stevens