Mais richtig silieren

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Die Silomaisernte lässt nicht mehr lange auf sich warten, so dass die Planungen zur Ernte keinen Aufschub mehr dulden. Was dabei vor allem aus siliertechnischer Sicht zu beachten ist, erläutert Dr. Martin Pries, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Ziel einer jeglichen Silierung ist die rasche pH-Wert Absenkung im Futterstock über die Bildung ausreichender Mengen an Milchsäure, so dass eine mikrobielle Zersetzung des Futters unterbunden wird. Die Vergärbarkeit der Futterpflanzen ist unterschiedlich und wird über den Vergärbarkoeffizienten angegeben (siehe Tabelle 1). Werte von kleiner als 35 gelten als ungünstig. Die Siliereignung wird vom Trockenmassegehalt, vom Zuckergehalt sowie von der Pufferkapazität beeinflusst. Die Pufferkapazität gibt die Menge an Milchsäure an, die notwendig ist, um ein kg Trockenmasse des Futters auf einen pH-Wert von 4 zu bringen. Hohe Protein- und Aschegehalte binden Milchsäure mit der Folge, dass größere Säuremengen zur pH-Wert-Absenkung nötig sind.
Aufgrund der ausreichenden Mengen an vergärbarem Zucker und der geringen Pufferkapazität gehört Mais zu den leicht vergärbaren Futterpflanzen. Auch ist in unseren Lagen in aller Regel ein guter Besatz an natürlich vorkommenden Milchsäurebakterien auf den Maispflanzen vorhanden, so dass fast immer eine schnelle und gute pH-Wert-Absenkung in den Maismieten gegeben ist. Die Maissilierung ist demzufolge mit wenig Risiken behaftet.
Problem Nacherwärmung
Schwierigkeiten mit der Maissilage ergeben sich jedoch häufig drei bis vier Wochen nach dem Öffnen der Maismieten in Form von Nacherwärmungen. Betroffen sind in erster Linie die Ränder und die oberen Schichten. Ursache für die Nacherwärmung ist eine einsetzende Aktivität von natürlich vorkommenden Hefen, die mit den Futterpflanzen in den Silostock gekommen sind. Hefen sind auf die Zufuhr von Luftsauerstoff angewiesen, der nach dem Öffnen in die im allgemeinen weniger gut verdichteten Randzonen eindringt und somit ideale Wachstumsbedingungen für die Hefen liefert. Bestimmte Hefearten nutzen als Gärsubstrat auch Milchsäure. Mit derem Abbau steigt der pH-Wert wieder an, wodurch Schimmelpilze und Fäulnisbakterien in ihrem Wachstum gefördert werden. Eine Nacherwärmung endet nicht selten in einem völligen Futterverderb.
Zwischen der Lagerdichte des Maises und der Eindringtiefe von Luftsauerstoff gibt es einen sehr engen Zusammenhang (s. Tabelle 2). Insbesondere bei Lagerdichten von unter 180 kg Trockenmasse je Kubikmeter ist mit einem intensiven Eindringen von Sauerstoff zu rechnen. Wenn unter solchen Bedingungen kein ausreichender Vorschub bei der Entnahme vorhanden ist, kommt es zu einem raschen Wachstum von Hefen und Schimmelpilzen. Aus diesen Zusammenhängen wurden die Empfehlungen für die anzustrebende Dichtlagerung abgeleitet. Hiernach müssen z. B. bei 30 % TM-Gehalt in der Maissilage 230 kg Trockenmasse je m³ und bei 35 % TM-Gehalt 270 kg Trockenmasse je m³ Silage enthalten sein. Messungen in der Praxis zeigen, dass diese Werte in den Randzonen oft nicht erreicht werden. Die derzeit gültigen Empfehlungen zur Verhinderung von Nacherwärmungen können der Tabelle 3 entnommen werden. Insbesondere die maximale Schichtdicke von 30 cm bei der Silobefüllung wird in der Praxis häufig nicht eingehalten. Ursächlich hierfür ist die stark gestiegene Ernte- und Transportleistung der Häckselketten, die häufig zwischen 80 t und 100 t Siliergut pro Stunde dem Silo andienen. Diesen großen Mengen kommt die Verteil- und Walztechnik nicht nach, was sehr oft in zu kurzen Siloanlagen begründet liegt. Die heutigen Ernteleistungen erfordern Silolängen von 50 m und mehr, um eine ausreichende Verdichtungsarbeit zu gewährleisten.
Neben diesen siliertechnischen Maßnahmen können Siliermittel zur Verhinderung der Nacherwärmung eingesetzt werden. Zu nennen sind hier der Harnstoff, Siliersäuren und –salze sowie biologische Siliermittel auf Basis heterofermentativer Milchsäurebakterien. Bei Futterharnstoff empfiehlt sich die Flüssigdosierung mit dem Produkt Rumisan-SOL der Firma Hydro Chemicals, welches über den Handel und die Genossenschaften bezogen werden kann. Pro t Siliergut werden 6 kg des Produkts (40 % Harnstoff) eingesetzt. Bei gleichmäßiger Verteilung werden über die Bildung von Ammoniak die Hefen zurückgedrängt, was eine stabilere Silage bei der Entnahme zur Folge hat. Der Harnstoffeinsatz empfiehlt sich insbesondere in Rationen mit starkem Stickstoffmangel (RNB – 50 g), wodurch die N-Ergänzung günstiger als über den Zukauf von Eiweißfuttermitteln gelingen kann.
Die Tabelle 4 zeigt die chemischen und biologischen Siliermittel mit einem DLG-Gütezeichen in Wirkungsrichtung 2 gegen Nacherwärmung. Die klassischen chemischen Konservierungsmittel aus Propionsäure, Benzoat, Kaliumsorbat etc. haben eine sichere Wirkung gegen Nacherwärmungen, belasten aber die Tonne Siliergut mit mehr als 5,50 € und scheiden deshalb als Behandlungsmaßnahme für ein komplettes Silo aus. Sie kommen für die Randbehandlung in Frage. Eine gleichmäßige Verteilung in der Silage ist Voraussetzung.
Eine Alternative stellen die biologischen Siliermittel mit heterofermentativen Milchsäurebakterien dar. Der enthaltene Stamm Laktobacillus buchneri führt zu einer Essigsäurebildung, die das Wachstum der Hefen einschränkt. Allerdings geht die Essigsäurebildung mit höheren Trockenmasseverlusten bei der Silierung einher, die etwa 2 % ausmachen. Die geringeren Kosten sprechen für die biologischen Siliermittel. Des weiteren empfiehlt es sich, nur das obere Drittel einer Maismiete zu behandeln, da im übrigen Silo aufgrund der guten Dichtlagerung eine Nacherwärmung nicht zu erwarten ist. Zu beachten ist, dass eine 100%ige Wirkungssicherheit nicht gegeben ist. Diese dürfte mit etwa 70 % zu veranschlagen sein.
Zusammenfassung:
Silomais ist eine leicht vergärbare Futterpflanze, die gut siliert und eine schnelle und ausreichende pH-Wertabsenkung erwarten lässt. Probleme ergeben sich häufig nach dem Öffnen der Maismieten, wenn Luftsauerstoff über die Anschnittfläche in die Silage zieht und hierüber Hefenaktivitäten zu einer Erwärmung und anschließenden Schimmelbildung führen. Alle siliertechnischen Maßnahmen, die eine entsprechende Dichtlagerung bewirken, sind deshalb unbedingt zu beachten. Als Siliermittel stehen Harnstoff sowie chemische und biologische Produkte zur Verfügung, deren Einsatz im oberen Drittel einer Maismiete in Problembetrieben anzuraten ist.