Trotz Trockenheit gute Maissilagen
Ähnlich unterschiedlich, wie sich die Maisschläge kurz vor der Ernte präsentierten, sind auch die diesjährigen Ergebnisse der Maissilageuntersuchungen. Die Auswertung der ersten gut 500 Proben wird von Dr. Martin Pries und Annette Menke von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vorgestellt.
Die Vegetationsbedingung im Jahr 2006 für den Silomais lassen sich wie folgt charakterisieren: Nach einem langen Winter erwärmte sich der Boden im April nur sehr zögerlich, was in vielen Fällen zu einer um 14 Tage späteren Aussaat führte. Extrem hohe Temperaturen und sehr wenig Niederschläge im Juni und in der ersten Julihälfte führten auf den leichteren Standorten zu deutlichen Trockenschäden. Einsetzende Niederschläge ab der zweiten Julihälfte und während des gesamten August erlaubten wieder eine vegetative Entwicklung. Die Monate September und Oktober waren insgesamt sehr trocken und sonnenreich, so dass die Bestände sehr zügig abreifen konnten. Diese hohe Abreifegeschwindigkeit führte in vielen Fällen zu Schwierigkeiten in der Bestimmung des optimalen Erntezeitpunktes. Trotz komplett grün erscheinenden Pflanzenbeständen lagen sowohl im Kolben als auch in der Restpflanze bereits hohe Trockenmassegehalte vor.
Der Tabelle 1 kann entnommen werden, dass im Mittel von über 500 Proben der Trockenmassegehalt bei 34,7 % liegt und damit der Vorjahreswert um fast 2 % nochmals überschritten wird. Im Mittel wird damit die obere Grenze des Empfehlungsbereiches (28 – 35 %) erreicht. Dies bedeutet, dass in etwa die Hälfte aller Silagen mit zu hohen TM-Gehalten einsiliert wurden. Zu hohe TM-Gehalte sind aus zweierlei Gründen nachteilig: Erstens wird in trockeneren Silagen deutlich weniger an Gärsäuren gebildet, da freies Wasser für die Fermentationsaktivität der Bakterien fehlt. Dadurch sinkt der pH-Wert nicht in dem gewünschten Ausmaß. Zweitens lässt sich trockeneres Material weniger gut verdichten, da die Rückfederung während der Walzarbeit viel größer ist. In früheren Untersuchungen im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick konnte gezeigt werden, dass die Rückfederung im Trockenmassebereich von 30 – 35 % nur etwa halb so hoch ist, wie im Material mit 39 % und mehr. Im Ergebnis führen die geringere Säurebildung und die weniger gute Verdichtbarkeit zu einer größeren Anfälligkeit für Nacherwärmung. Deshalb muss in diesem Jahr das Controlling an der Siloanschnittsfläche deutlich intensiviert werden.
Die Gehalte an Rohasche bzw. Rohfaser liegen mit 34 g bzw. 178 g in einem Bereich, der für qualitativ hochwertige Silagen gilt. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Rohfasergehalt nochmals um fast 1 %-Punkt gesunken. Mit 328 g/kg TM wird ein sehr hoher Stärkegehalt in den diesjährigen Silagen erreicht. Der Vorjahreswert wird sogar nochmals überschritten. Dieses Ergebnis überrascht, da auf Grund der Trockenheit viele Bestände keine, kleine oder stark lückige Kolben ausgebildet hatten. Hieraus wären niedrigere Stärkegehalte zu erwarten. Verdeutlicht wird dies in der Tabelle 2, in der die Stärkegehalte für verschiedene Kreise dargestellt sind. Trockenschäden gab es vor allem auf den leichten Böden in den Kreisen Wesel, Borken und Steinfurt. Dies kommt in den niedrigeren Stärkegehalten auch zum Ausdruck. Hingegen konnten die Mittelgebirgsregionen von den hohen Temperaturen des Jahres 2006 deutlich profitieren. In völliger Umkehrung der Verhältnisse früherer Jahre ergeben sich für diese Regionen diesjährig die höchsten Stärkegehalte. Dies erklärt auch, warum die mittleren Stärkegehalte für alle Proben auf dem gleichen Niveau des Vorjahres liegen. Auch das Einsendeverhalten kann hohe Stärkegehalte bewirken, wenn trockengeschädigte, kolbenarme Partien ganz bewusst nicht zur Untersuchung gelangen.
Die Energiegehalte werden über die Größen Rohasche und Rohfaser geschätzt. Da diese beiden Parameter im Mittel sehr niedrig sind, ergeben sich mit 6,8 MJ NEL bzw. 11,20 MJ ME/kg TM sehr hohe Energiegehalte. Ähnlich wie in den Vorjahren sind alle Nährstoffgehalte mit erheblichen Schwankungen behaftet. Im Einzelfall ergeben sich demzufolge starke Abweichungen, womit die Notwendigkeit einzelbetrieblicher Untersuchungen und anschließender Rationsberechnung begründet wird.
Die Tabelle 3 beinhaltet die Auswertung nach verschiedenen Rohfaserklassen. Das rohfaserarme Material (< 170 g/kg TM) ist trockener, hat erheblich mehr Stärke und erreicht mit 6,95 MJ NEL einen sehr hohen Energiegehalt. Faserreiche Silagen sind demgegenüber feuchter, deutlich stärkeärmer und entsprechend geringer im Energiewert. Damit zeigt sich, dass der Rohfaser- und Stärkegehalt die wichtigsten Qualitätsparameter für Maissilagen sind.
Die Tabelle 4 informiert über den Mineralgehalt der Silagen. Im Mittel zeigen sich die bekannt niedrigen Gehalte, was einen entsprechenden Ergänzungsbedarf mit Mineralfutter in der Rationsgestaltung zur Folge hat.
Da öfter in diesem Jahr vorkommend, wurden speziell einige kolbenlose bzw. sehr kolbenarme Maissilagen über nasschemische Analysen untersucht (siehe Tabelle 5). Diese Silagen haben im Vergleich zu den Tabellenwerten für mittlere Maissilagequalitäten einen fast doppelt so hohen Rohaschegehalt und deutlich höhere Protein- und Fasergehalte. Stärke befindet sich so gut wie gar nicht in solchen Partien. Entsprechend niedrig ist der Energiegehalt. Bei Verwendung der NIRS-Untersuchungsmethodik an diesen Silagen wurden Rohasche und Rohfaser deutlich unter- und insbesondere der Stärkegehalt deutlich überschätzt. Für eine realistische Einschätzung kolbenloser bzw. sehr kolbenarmer Partien sollte deshalb eine nasschemische Untersuchung vorgenommen werden.
Maisbeulenbrand – was ist zu tun?
Maisbeulenbrand wird in diesem Jahr vermehrt beobachtet. Der Beulenbrand wird von einem Pilz verursacht. Die Pilzsporen sind über zehn Jahre im Boden lebensfähig, wobei junge wie alte Sporen nahezu gleich infektiös sind. Die Infektion der Maispflanze kann vom Boden her nur an Geweben stattfinden, die noch teilungsfähig, das heißt im Wachstum sind. Nicht alle Infektionen führen zur Beulenbildung. Stresssituationen wie Fritfliegenbefall, hohe Temperaturen und Trockenheit begünstigen die Bildung der Beulen. Das noch teilungsfähige Gewebe versucht, nach der Trockenheit bei genügend Wasser den Wachstumsrückstand auszugleichen. Dabei werden dann vermehrt Brandbeulen ausgebildet.
Mais mit Beulenbrand lässt sich weniger gut silieren als unbelasteter Mais, was in höheren Gärverlusten zum Ausdruck kommt. Des Weiteren ließen sich in Versuchen geringere aerobe Stabilitäten bei diesem Material feststellen. Auf die Verdichtung muss deshalb besonders geachtet werden. Empfohlen wird ferner der Einsatz von Siliermitteln der Wirkungsrichtung 2. Durch die Silierung wird die Keimfähigkeit der Brandsporen massiv reduziert. In der Silage selbst werden keine gekeimten Sporen gefunden. Dies dürfte die Tatsache erklären, dass in bisherigen Fütterungsversuchen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Tiere beobachtet wurden. Zur Verringerung des Infektionsdrucks in den Folgejahren sollte die Ernte vor dem Aufplatzen der Brandgallen durchgeführt werden.
Im Hinblick auf den Futterwert ergab sich bei 100 % Befall eine deutlich reduzierte Verdaulichkeit, die zu einem um 20 % verminderten Energiegehalt führte. In einem Fütterungsversuch mit Milchkühen konnte eine Beeinträchtigung der Futteraufnahme und der Tiergesundheit nicht festgestellt werden. In einem Bullenmastversuch mit einem Beulenbrandbefall von 15 % ergaben sich ebenfalls keine Probleme bei der Verfütterung.
Fazit
Trotz ausgeprägter Frühsommertrockenheit wurden im Mittel qualitativ hochwertige Silagen bereitet. Insbesondere in den Mittelgebirgsregionen weisen die Maissilagen sehr hohe Stärkegehalte auf. Die Trockenschäden auf den leichten Böden in den Kreisen Wesel, Borken und Steinfurt zeigen sich in erniedrigten Stärkegehalten. Auf Grund der hohen Trockenmassewerte muss vermehrt mit Nacherwärmungen der Silomieten gerechnet werden. Ein intensives Controlling an der Siloanschnittsfläche ist deshalb erforderlich.