Mastbullen richtig versorgen

Mastbullen

Auch in der Bullenmast führen die stark gestiegenen Futtermittelpreise zu deutlich höheren Aufwendungen. Dr. Martin Pries und Annette Menke von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellen dar, worauf es in der derzeitigen Situation bei der Mastbullenfütterung ankommt.

Auch die Bullenmäster bekommen beim Futtermitteleinkauf die angezogenen Preise deutlich zu spüren. Gegenüber dem Sommer 2006 sind zum heutigen Tag für Getreide fast 90 %, für Raps- und Sojaextraktionsschrot etwa 60 % und für Bullenmastfutter gut 65 % mehr zu bezahlen. Absolut verteuerte sich beispielsweise ein Bullenmastfutter 25/3 um gut 8 Euro je dt. Bei einem durchschnittlichen Kraftfutterverbrauch von 12 dt pro Mastbulle ergeben sich höhere Kraftfutterkosten von über 100 Euro je Bulle.

Worauf es in der Bullenmast ankommt

Ziel der Bullenmast ist die Produktion hochwertiger Schlachtkörper mit guter Ausprägung der Bemuskelung besonders an Keule, Rücken und Schulter. Es wird eine gleichmäßig geringe Fettabdeckung des Schlachtkörpers bei gleichzeitig vorhandener feiner Fetteinlagerung in den Muskeln verlangt.

Aus Sicht der Fütterung ist in erster Linie eine hohe Energieversorgung zur Zielerreichung sicherzustellen. Eine hohe Energieversorgung wird erreicht über eine hohe Futteraufnahme sowie über eine hohe Energiekonzentration je kg Futtertrockenmasse. Bei der Futteraufnahme spielen genetische Faktoren wie Rassenzugehörigkeit und tierindividuelle Einflüsse eine nicht unerhebliche Rolle. Aus den Daten der Eigenleistungsprüfung von Fleischrinderbullen geht hervor, dass die Rassen Fleckvieh und Charolais insbesondere im Lebendmassebereich oberhalb von 400 kg im Mittel etwa 1 kg Trockenmasse (TM) mehr verzehren als Bullen der Rassen Limousin und Piemonteser. Je schwerer die Bullen werden, desto mehr driften sie in der Futteraufnahme auseinander. Hieraus ergeben sich auch differenzierte Empfehlungen bezüglich der Endgewichte für die verschiedenen Rassen.

Beachtenswert sind auch die tierindividuellen Unterschiede innerhalb der Rassen und innerhalb gleicher Lebendmasseabschnitte. HF-Bullen in der Eigenleistungsprüfung realisieren bei einem Lebendgewicht von 300 kg im Durchschnitt gut 8 kg TM-Aufnahme mit einem Schwankungsbereich von 5,4 bis 10,7 kg TM/Tier/Tag. Damit sind Unterschiede von bis zu 100 % in der TM-Aufnahme gegeben.

Für die Futteraufnahme ist vor allem die Qualität der eingesetzten Maissilage von ausschlaggebender Bedeutung, was den Daten der Tabelle 1 entnommen werden kann. Die Steigerung des TM-Gehaltes der Maissilage von 28 auf 34 %, einhergehend mit entsprechend erhöhten Energiekonzentrationen, führt zu einer erhöhten Trockenmasseaufnahme von knapp 0,5 kg für alle Gewichtsabschnitte. Von hochwertiger Maissilage werden je nach Gewichtsabschnitt zwischen 8,4 und 11,5 MJ ME je Tier und Tag mehr aufgenommen. In der Mast bewirkt dies eine Steigerung der täglichen Zunahmen zwischen 4 und 9 %. Oberste Forderung muss deshalb sein, nur Maissilagen mit einer hohen Energiedichte, erreicht über eine entsprechende Abreife und eine möglichst schmutzfreie Ernte, in der Bullenmast einzusetzen.

Grobfutterverdrängung durch Kraftfutter beachten

Über den Kraftfuttereinsatz soll die Trockenmasse- und Nährstoffaufnahme je Tier und Tag verbessert werden. Aber auch in der Bullenmast ist zu berücksichtigen, dass Kraftfutter zu einer deutlichen Verdrängung von Grundfutter führt, was in der Abbildung 1 deutlich zum Ausdruck kommt. Bisher sind insbesondere folgende Faktoren für die Verdrängung bekannt:

  • Grobfutterqualität: je besser desto mehr wird verdrängt
  • Lebendmasse: je schwerer die Bullen werden desto größer ist die Grobfutterverdrängung
  • Kraftfuttermenge: steigende Kraftfuttermengen führen zu einem überproportionalen Anstieg der Grobfutterverdrängung

Aus diesen Ergebnissen ergeben sich folgende zentrale Forderungen für die Fütterungsstrategie bei Mastbullen:

  • hohe Energiedichte für Maissilagen anstreben
  • hohe Futteraufnahme gewährleistet eine hohe Energieaufnahme
  • insbesondere im Endmastbereich die hohe Grobfutterverdrängung durch Kraftfutter beachten.

Eiweißversorgung sichern

Neben der Energieversorgung müssen auch die Fütterungsempfehlungen zur Versorgung mit Rohprotein beachtet werden. In der Anfangsmast sind Rohproteingehalte von 170 bis 180 g/kg TM erforderlich, um das Wachstumspotential der jungen Tiere optimal zu nutzen. In der Mittel- und Endmast reichen Proteingehalte zwischen 120 und 140 g/kg TM.

Der Nährstoffgehalt der wichtigsten Proteinfuttermittel wird in der Tabelle 2 dargestellt. Den höchsten Proteingehalt weist das Sojaextraktionsschrot auf. In Verbindung mit dem hohen Energiegehalt erklärt dies, warum in vielen Mastrationen Sojaextraktionsschrot zum Einsatz kommt. Für Rapsextraktionsschrot und getrocknete Weizenschlempe werden niedrigere Protein- und Energiegehalte ausgewiesen. Beim Rapsextraktionsschrot liegen etliche Fütterungsversuche vor. Dabei konnte auf der Basis von energie- und proteingleichen Rationen Rapsextraktionsschrot das Sojaextraktionsschrot zu 100 % ersetzen. Demnach ist der Sojaeinsatz nicht zwingend erforderlich. Entscheidend für den Raps- oder Sojaextraktionsschroteinsatz ist deshalb die Preiswürdigkeit der Produkte im Einzelfall. Als Grundregel gilt dabei: Rapsextraktionsschrot ist dann vorteilhaft, wenn es im Preis um 4 bis 5 Euro/dt günstiger ist als Sojaextraktionsschrot. Der höhere Wert gilt dabei für ein, wie derzeit vorhanden, hohes Preisniveau.

Getreideschlempen aus der Bioethanolproduktion werden aller Voraussicht nach zukünftig vermehrt als eiweißreiches Futter zur Verfügung stehen. Die bisherigen Ergebnisse zur Futterbeschreibung zeigen, dass die Nährstoffgehalte der Schlempen in Abhängigkeit der verwendeten Getreideart stark schwanken. Auf eine korrekte Bezeichnung der Schlempen sollte deshalb unbedingt geachtet werden, in dem die Getreideart, aus der das Ethanol gewonnen wurde, bei der Schlempenbezeichnung Berücksichtigung findet (z. B. Weizenschlempe, Maisschlempe). Bezüglich des Nährstoffgehaltes lässt sich Weizenschlempe gut mit den Werten von Rapsextraktion vergleichen. Neuere Versuchsergebnisse zum Einsatz von Getreideschlempe liegen aus der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub vor. Im Kraftfutter für die Fresseraufzucht wurden 34 % Rapsextraktionsschrot gegen 34 % getrockneter Weizenschlempe geprüft. Die weiteren Komponenten, vorwiegend Gerste, Weizen und Melasseschnitzel, wurden zu jeweils gleichen Anteilen ins Kraftfutter eingemischt. Über die erzielten Ergebnisse in der Fresseraufzucht informiert die Tabelle 3. Für den gesamten Versuch ergab sich ein sehr hohes Zunahmeniveau. Die mit der Weizenschlempe versorgten Tiere weisen jedoch um 100 g geringere Tageszunahmen auf. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte nach Ansicht der Versuchsansteller der deutlich niedrigere Lysingehalt der Weizenschlempe sein. Weitere Versuche zur Beurteilung der Wachstumsleistung bei Schlempeeinsatz stehen aber noch aus.

Nebenprodukte einsetzen?

Über den Einsatz von Nebenprodukten wird vielfach versucht, die Futterkosten in der Bullenmast zu senken. Der Nährstoffgehalt einiger Nebenprodukte ist in der Tabelle 4 dargestellt. Grundsätzlich ist beim Nebenprodukteinsatz auf die möglicherweise schwankenden Qualitäten zu achten. Es entstehen in aller Regel Silier- und Lagerungsverluste, die je nach Produkt 5 bis 20 % ausmachen. Es fallen Kosten für die Ein- und Auslagerung an. Schließlich ist die Lagerfähigkeit der Produkte von großer Bedeutung. All diese Punkte müssen für den Einzelfall geprüft werden. Bezüglich der Preiswürdigkeit gelten die in Tabelle 5 gemachten Angaben im Vergleich zu Weizen und Sojaextraktionsschrot. Deutlich wird, dass einige Produkte die Kosten in der Mastbullenfütterung reduzieren können.

Schlussfolgerungen

Um hohe Zunahmen in der Bullenmast zu erreichen, muss die Energieversorgung der Tiere über eine hohe Futteraufnahme und eine hohe Energiekonzentration sichergestellt werden. Maissilage muss deshalb gerade für die Bullenmast gut ausgereift sein und mit geringem Aschegehalt geerntet werden.

Die gestiegenen Kraftfutterkosten verteuern die Mast um über 100 € pro Bulle. Kraftfutter führt immer zu einer Grobfutterverdrängung, die bei guten Grobfutterqualitäten, höheren Lebendmassen und hohen Kraftfuttermengen besonders ausgeprägt ist. Dies ist bei der Kraftfutterzuteilung zu berücksichtigen.

Für die Proteinversorgung bieten sich alternativ zum Sojaextraktionsschrot Nebenprodukte aus der Rapssaatverarbeitung und der Bioethanolgewinnung an. Energiereiche Saftfutter können die Futterkosten im Einzelfall reduzieren. Zu beachten sind die Silier- und Lagerverluste, Kosten der Ein- und Auslagerung sowie die Lagerfähigkeit der Produkte. Die möglicherweise schwankenden Nährstoffgehalte der Produkte müssen in regelmäßigen Abständen durch Analysen überprüft werden.