Mutterkühe kostengünstig füttern
Ziel der Mutterkuhhaltung ist die Erzeugung eines gesunden und vitalen Kalbes pro Kuh und Jahr. Die Mutterkuh soll hierbei eine hohe Nutzungsdauer erreichen. Über die Fütterung müssen die erforderlichen Nährstoffe bedarfsgerecht und kostengünstig auf Basis der betrieblichen Verhältnisse bereitgestellt werden.
Der Energie- und Nährstoffbedarf der Tiere ist sehr stark rassenabhängig. Die Unterschiede zwischen den Rassen resultieren in erster Linie aus den Differenzen im Rahmen und der Lebendmassen sowie dem Milchleistungsvermögen. Der Einfluss der Lebendmasse auf den Energiebedarf für die Erhaltung zeigt sich zum Beispiel in folgenden Werten:
| Lebendmasse (kg) | Erhaltungsbedarf (MJ ME) |
|---|---|
| 300 | 38 |
| 500 | 56 |
| 700 | 72 |
| 900 | 87 |
Der Energiebedarf wird in MJ ME angegeben, wobei ME als Abkürzung für Metabolisierbare Energie steht. Dieser Maßstab wird in der Rindermast und -aufzucht sowie in der Schaffütterung verwendet. Bei den Milchkühen werden Fragen der Energieversorgung auf Basis der Nettoenergie Laktation (NEL) angegeben. Je nach Rasse und damit in Verbindung stehend je nach Gewicht der Tiere ergeben sich unterschiedliche Fütterungsansprüche.
Auch die Milchleistung variiert zwischen Rassen und einzelnen Tieren sehr stark. So betrug in Untersuchungen an der Lehr- und Versuchsanstalt in Iden die Milchmenge für die Rasse Deutsch Angus 11,7 kg pro Tier und Tag. Fleckviehkühe erzielten unter den gleichen Fütterungsbedingungen dagegen 19,5 kg Milch täglich.
In der Tabelle 1 werden die Empfehlungen für die Energie- und Nährstoffversorgung für eine Mutterkuh mit 700 kg/Lebendmasse dargestellt. Dabei wird unterschieden in trockenstehend sowie säugend mit 8 bzw. 12 kg Milch je Kuh und Tag. Mit der Leistung steigen die Ansprüche stark an, wobei für 1 kg Milch etwa 5 MJ ME und 85 g Rohprotein als Bedarf angenommen werden können. Hochtragende Kühe sind ähnlich zu versorgen wie Kühe mit einer Leistung von 8 kg Milch.
Je nach Laktationsstand und Rasse gibt es eine unterschiedliche Futteraufnahme bei den Mutterkühen. In den Untersuchungen in Iden fraßen trockenstehende Kühe 10 bis 11 kg Trockenmasse. In der Laktation stiegen die Werte auf bis zu 17 kg TM an. Angus Kühe hatten gegenüber Fleckviehtieren eine um etwa 1,5 kg TM geringere Futteraufnahme. Wenn die Futteraufnahme bekannt ist, lassen sich die absoluten Versorgungsempfehlungen der Tabelle 1 umrechnen in Vorgaben je kg TM-Aufnahme. Die entsprechenden Werte sind in der Tabelle 2 wiedergegeben. Je kg TM sollten in einer Ration für trockenstehende Mutterkühe 9,5 MJ ME und für säugende Mutterkühe ca. 10,5 MJ ME enthalten sein. Diese Werte können generell als Orientierungswerte weitgehend unabhängig von der Rasse Anwendung finden, da großrahmige Tiere ein entsprechend höheres Futteraufnahmevermögen besitzen. Wichtig ist daher, dass den Tieren auch immer ausreichend gutes und frisches Futter zur freien Aufnahme angeboten wird.
Der Tabelle 3 können die Energie- und Rohproteingehalte einiger wichtiger Grob- und Kraftfutter entnommen werden. Bei den Grobfuttern ergeben sich große Qualitätsschwankungen je nach Nutzungstermin, Grasbestand und Sorgfalt bei der Ernte. Je nach Qualität kann das Grobfutter den Bedarf der Tiere ganz oder nur teilweise decken. Trockenstehende Kühe können ausschließlich mit Heu oder Grassilage mittlerer Qualität versorgt werden. Bei guten Grassilagen empfiehlt sich die Zufütterung von Stroh, um ein übermäßiges Verfetten der Kühe zu verhindern. Bei säugenden Kühen reicht gutes Weidegras für die angestrebten Milchmengen als alleiniges Futter aus. Generell ist eine Grobfutteranalyse durch die LUFA NRW zu empfehlen.
- Fütterung bei Weidegang
Aus Kostengründen werden lange Weidezeiten in der Mutterkuhhaltung angestrebt. Am häufigsten wird die Frühjahrskalbung praktiziert, so dass die Mutterkuh mit Kalb bei Fuß auf die Weide geschickt wird. Hierbei wird der hohe Energiegehalt des Grases im Frühjahr optimal genutzt. Die zum Herbst nachlassende Weideleistung wird durch zunehmende Grobfutteraufnahme des Kalbes weitestgehend ausgeglichen. Der Weideaufwuchs ist grundsätzlich knapp an Struktur und Natrium. Zu empfehlen ist insbesondere bei sehr jungem Weidegras die Befütterung von Heu oder Stroh. Bezüglich der Weideführung hat sich die Standweide bewährt, weil hier eine gute Konstanz in der Fütterung gewährleistet werden kann. Schroffe Futterumstellungen durch häufigen Weidewechsel sollen durch eine gezielte Beifütterung ausgeglichen werden.
Neben der Strukturversorgung ist auf die Mineral- und Wirkstoffversorgung zu achten. Die Zielwerte und die Bandbreite im Weideaufwuchs sind der Tabelle 4 zu entnehmen. Grundsätzlich ergibt sich immer ein Mangel an Natrium, der durch Salzlecksteine auszugleichen ist. Bezüglich Calcium, Phosphor und Magnesium ergeben sich bedarfsdeckende Werte im Weideaufwuchs. Im rohprotein- und kaliumreichem Gras ist die Verwertung des Magnesiums häufig eingeschränkt, wodurch sich Weidetetanien ergeben können. Gefördert wird dieses Geschehen durch eine strukturarme Fütterung. Eine ausgewogene Düngung, gleitende Futterumstellung mit Beifütterung und eine gezielte Magnesiumergänzung über Mineralfutter sind entsprechend zu beachten.
Bezüglich der Spurenelemente ergeben sich häufig Mängel in den Grünlandaufwüchsen. Nach neueren Untersuchungen sind vor allem die Elemente Selen, Kupfer und Zink betroffen. Zur Sicherstellung der Versorgung ist daher grundsätzlich eine Ergänzung über mit Spurenelementen angereicherten Leckschalen zu empfehlen. Hierbei ist besonders auf die Akzeptanz der Leckmassen zu achten.
- Winterfütterung
Das Winterfutter besteht im Wesentlichen aus Grassilagen, Heu und Stroh. Entsprechend der Nährstoffvorgaben sollten die Rationen kalkuliert werden. Bei den Silagen und bei Heu und Stroh ist die hygienische Beschaffenheit von großer Bedeutung. Erwärmtes oder gar verpilztes Futter darf nicht verabreicht werden. Verkalbungen könnten ansonsten die Folge sein.
In der Laktation können auch Nebenprodukte in Form von Biertreber, Kartoffelnebenprodukte und Pressschnitzel eingesetzt werden. Diese energiereichen Saftfutter können Kraftfutter ersetzen. Bei trockenstehenden Mutterkühen führen sie jedoch häufig zu einer ungewollten Verfettung, so dass sich ihr Einsatz in dieser Phase verbietet. Auch auf eine Mineralergänzung sollte im Winter nicht verzichtet werden.
- Beifütterung der Saugkälber
Gut entwickelte, muskulöse Absetzer erzielen nach wie vor die höchsten Verkaufserlöse. Das genetische Wachstumsvermögen der Tiere ist voll auszuschöpfen. Muttermilch ist hierzu in der Startphase bestens geeignet. Die Nährstoffaufwendungen hierfür sind jedoch hoch, da zunächst die Kuh zu füttern ist und danach erst das Kalb über die Milch. Man spricht hier vom doppelten Transformationsverlust. Effektiver ist daher die direkte Beifütterung der Kälber. Grundsätzlich sollte deshalb über den Kälberschlupf ab der dritten Lebenswoche Kälberkraftfutter der Energiestufe 3 oder eine Eigenmischung auf Basis von Getreide und Soja- und Rapsextraktionsschrot angeboten werden (siehe Übersicht 1). Auf eine entsprechende Mineralisierung der Eigenmischung ist zu achten.
- Fütterungserfolg kontrollieren
Geeigneter Maßstab, um den Fütterungserfolg zu kontrollieren, ist die Gewichtsentwicklung und die Qualität der produzierten Absetzer. Hier gibt es zwischen den Betrieben erhebliche Unterschiede. Daher steht die Qualität der eingesetzten Futtermittel im Vordergrund. Hierüber geben die Untersuchungen bei der LUFA Auskunft. Aufgrund der Analysen lassen sich die Rationen für die verschiedenen Abschnitte kalkulieren. Kontrolliert werden muss die hygienische Beschaffenheit der Futter und die Futteraufnahme. Probewägungen geben genauen Aufschluss. Gerade in Mutterkuhbetrieben ist „das Auge des Herren“ entscheidend, denn direkte Milchdaten stehen nicht zur Verfügung. Ein zu starkes Auffleischen in der Trockenstehzeit ist unbedingt zu vermeiden, da übermäßig konditionierte Tiere eine verminderte Futteraufnahme in der anschließenden Milchphase aufweisen.
Fazit
Auch in der Mutterkuhhaltung ist eine systematische Rationsgestaltung und Rationskontrolle für den Erfolg des Gesamtsystems von großer Bedeutung. Die Nährstoffvorgaben müssen über die Ernte qualitativ hochwertigen Grassilagen erfüllt werden. Bei Weidegang empfiehlt sich die Standweide. Durch Beifütterung und Mineralstoffergänzung ist eine möglichst große Konstanz in der Fütterung anzustreben.