Knappe Grobfuttervorräte - wie in der Fütterung reagieren?
Der verspätete Vegetationsbeginn im Frühjahr und vor allem die Trockenheit sowie die hohen Temperaturen im Juli führen zu geringeren Erträgen auf den Grünland- und Silomaisflächen. Die Menge an Grassilage dürfte etwa 10 - 20 % geringer ausfallen als in Normaljahren. In ähnlicher Größenordnung liegen die Mindererträge beim Silomais. In Einzelfällen fällt die Ertragsminderung deutlich höher aus, vor allem dort, wo ausreichend Niederschläge im Juli fehlten.
Bei knappen Grobfuttervorräten bieten sich folgende Reaktionsmöglichkeiten an:
- Grobfutter zukaufen
- mehr Kraftfutter einsetzen
- Rationen umstellen
- Anbau neu planen
- Tierbestand abstocken
Grobfutter zukaufen
Der Grobfutterzukauf spielt sich wegen der begrenzten Transportfähigkeit der Futtermittel in aller Regel nur auf regionale Ebene ab. Grassilage wird meistens ab Silomiete gehandelt. Maissilage wird dagegen häufiger ab Feld verkauft und besitzt im Futterzukauf einen größeren Umfang als der Handel mit Grassilage. Futterlücken lassen sich zum Teil auch durch den Zukauf von energiereichen Saftfuttern in Form von Pressschnitzeln oder Biertreber schließen. Vor einer Kaufentscheidung ist in allen Fällen die Preiswürdigkeit zu prüfen. Zum Beispiel können 100 kg Biertreber nährstoffmäßig durch 10,2 kg Weizen und 14,0 kg Rapsextraktionsschrot ersetzt werden. Je nach Rapsextraktionsschrot- und Weizenpreis ergeben sich die in Tabelle 1 dargestellten maximalen Zukaufpreise für Biertreber. Silier- und Lagerungsverluste sind bei den Kalkulationen mit 10 % berücksichtigt.
In der Fütterung können 10 kg Silomais durch 2,05 kg Weizen und 1,55 kg Stroh ersetzt werden. Mit diesem Austauschverhältnis lässt sich auch für Maissilage eine Preiswürdigkeit für den Verkauf ab Feld bei unterschiedlichen Erträgen und Weizenpreisen kalkulieren (siehe Tabelle 2). Entscheidend für die Preisfindung ist zusätzlich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in der jeweiligen Region.
Mehr Kraftfutter einsetzen
Bekannt ist, dass Kraftfutter Grobfutter aus der Ration verdrängt. Man könnte den Kraftfuttereinsatz bis an die physiologische Grenze erhöhen. Dem sind allerdings enge Grenzen gesetzt, da die Rationen immer Wiederkäuer gerecht bleiben müssen. Kalkulationen zeigen, dass man durch erhöhten Kraftfuttereinsatz etwa 5 bis 10 % des Grobfutters physiologisch vertretbar einsparen kann. Zu prüfen sind hierbei aber auch die Futterkosten, da alle bisherigen Auswertungen immer gezeigt haben, dass eine hohe Milchleistung aus Grobfutter wirtschaftliche Vorteile bietet.
Rationen umstellen
Die knappen Vorräte an Gras- und Maissilage sollten vor allem den Milchkühen und den Jungtieren vorbehalten sein. Ab etwa 300 kg Lebendmasse können Färsen mit wenig oder völlig ohne Gras- und Maissilage gefüttert werden. Die Tabelle 3 zeigt hierfür einige Rationsbeispiele. Zum Einsatz kommen Biertrebersilage, Stroh und Futter aus dem Zwischenfruchtanbau wie zum Beispiel Rapssilage.
Anbau neu planen
Zur Erhöhung der Grobfuttervorräte kann jetzt auch Wintergetreide angebaut werden, welches im Mai/Juni nächsten Jahres als Getreideganzpflanzensilage (GPS) geerntet wird. Nach einer früh räumenden GPS wird Feldgras als Zwischenfrucht mit Herbst- und Frühjahrsnutzung erfolgreich angebaut. GPS kann in Milchkuhrationen Maissilage zum Teil ersetzen und die Futterlücke bis zur neuen Maisernte schließen. Zum Energieausgleich muss dann aber ein stärkereiches Kraftfutter oder Getreide zusätzlich verabreicht werden. Die Tabelle 4 zeigt beispielhaft einige Rationen mit reduziertem Maissilageanteilen, die durch Weizen-GPS und Feldgrassilage ersetzt werden. Die Rationen besitzen ein Milchbildungspotenzial von 25 kg ECM. Um dies sicherzustellen ist bei GPS-Fütterung ein zusätzlicher Getreideeinsatz in der Größenordnung von 1 bis 1,5 kg je Kuh und Tag erforderlich. Alternativ können auch stärkereiche Nebenprodukte oder CCM bzw. Lieschkolbenschrot zum Einsatz kommen. Insgesamt wird aber auch deutlich, dass die Fütterung wesentlich aufwändiger wird, da mehr Silomieten im Anschnitt sind. Bei geringerem Vorschub an den einzelnen Mieten erhöht sich auch die Gefahr von Nacherwärmung.
Tierbestand abstocken
Diese Maßnahme sollte nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden, wenn alle zuvor beschriebenen Anpassungsreaktionen nicht ausreichen. Deshalb wurde sie hier auch nur der Vollständigkeit wegen erwähnt.
Fazit
Es ist abzusehen, dass witterungsbedingt die Vorräte an Gras- und Maissilage geringer ausfallen als in den Vorjahren. Regional müssen die Grobfuttervorräte deshalb als knapp eingestuft werden. Anpassungsmöglichkeiten bestehen im Futterzukauf, vermehrtem Kraftfuttereinsatz, Erstellen von Gras- und Maissilage freien Rationen für ältere Färsen sowie in einer veränderten Anbauplanung.