Trockensteher- und Frischkalberfütterung

Rinder im Stall

Wie sollen Trockensteher gefüttert werden?

Für Milchkühe sind die letzten 40 Tage vor und die ersten 60 Tage nach der Geburt entscheidend für den gesamten Laktationsverlauf und auch mitbestimmend für das Risiko, auf Grund einer Stoffwechselerkrankung den Bestand ungewollt zu verlassen. Vor diesem Hintergrund wird anlässlich der Düsser Milchviehtage ein „Spezial zum 100 Tage Fenster der Milchkuh“ durchgeführt. Die Offizialberatung sowie die Futtermittelfirmen werden Wege und Möglichkeiten aufzeigen, die Milchkühe möglichst sicher durch diese kritische Phase der Laktation hindurch zu führen.

Die Tabelle 1 informiert über die Empfehlungen zu Nähr- und Mineralstoffgehalten in Mischrationen für trockenstehende Milchkühe. Grundsätzlich ist die Trockenstehzeit in zwei Abschnitte zu unterteilen. Der erste Abschnitt umfasst die eigentliche Trockenstehphase mit einer Dauer von etwa 5 Wochen. In aller Regel soll die Kuh hier so versorgt werden, dass sich ihre Körperkondition nicht wesentlich verändert. Hierzu sind etwa 5,1 bis 5,5 MJ NEL/kg TM erforderlich. Bezüglich der Futteraufnahme kann von 12 – 13 kg TM je Tier und Tag ausgegangen werden. Beim Trockenstellen haben unterkonditionierte Tiere einen höheren Energiebedarf. Bei diesen Tieren sollte die frühe Trockenstehphase zur Erzielung einer optimalen Kondition genutzt werden.

Der zweite Abschnitt der Trockenstehphase umfasst die letzten 14 Tage vor der Kalbung und dient der Vorbereitung auf die Laktationsfütterung. In der Vorbereitungsphase sollten die Kühe für 12 – 15 kg Milch versorgt werden, wozu ein Energiegehalt von 6,5 bis 6,7 MJ NEL/kg TM erforderlich ist. In der letzten Woche vor dem Kalben ist die Futteraufnahme um etwa 30 % vermindert, woraus häufig eine negative Energiebilanz in der Kalbephase und der Frühlaktation resultiert. Eine Reaktion auf die reduzierte Futteraufnahme besteht in einem übermäßigen Fettabbau bis hin zur Ketose. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen oder innerbetrieblichen Gegebenheiten heraus wird in etlichen Betrieben eine einphasige Trockensteherfütterung praktiziert. Die Vorgaben zur Nährstoffversorgung sind ebenfalls in der Tabelle 1 angegeben. Angestrebt wird eine Energiedichte von etwa 6,0 MJ NEL/kg TM, womit diese Fütterung als Kompromiss zwischen der Versorgung Frühtrockensteher und Vorbereitungskühen einzustufen ist.

Rationsgestaltung

Vor allem bei einem zweiphasigen Futterkonzept gilt es, in der frühen Trockenstehperiode bei geringer Energiedichte eine akzeptable Futteraufnahme zu erreichen, damit über eine entsprechende Pansenfüllung ein möglichst großes Pansenvolumen aufrechterhalten werden kann. Die Tabelle 2 zeigt zwei Beispielsrationen für diese Phase. Auch bei ausschließlicher Versorgung mit Grassilage mittlerer Qualität (Nr. 1) müssen etwa 3 kg Stroh verabreicht werden. Ferner ist der Einsatz eines Trockenstehermineralfutters mit 0 % Ca und 10 % P vorgesehen. Rationen mit höherem Maissilageanteil (Nr. 2) benötigen neben 3 kg Stroh etwa 1 kg pro Tag an Rapsextraktionsschrot, um den Empfehlungen bezüglich der Proteinversorgung gerecht zu werden. Die Beispiele zeigen, dass die Vorgaben eingehalten werden können.

Von einigen Beratern wird der Einsatz aller Futterkomponenten über alle Laktationsphasen hinweg gefordert. Dies hat zur Folge, dass die Ration für die hochleistenden Tiere soweit mit Stroh verdünnt werden muss, bis die Nährstoffvorgaben für die Trockensteher erreicht werden. Ausgehend von einer Laktationsration mit 7,0 MJ NEL/kg sind dann Strohmengen von 5,5 kg pro Tier und Tag erforderlich, um die Energiedichte auf etwa 5,6 MJ NEL/kg TM zu reduzieren. Des Weiteren befinden sich dann in der Trockensteherration immer noch ca. 3,5 kg Kraftfutter, die pro Tier und Tag gefüttert werden. Der Kraftfutteraufwand steigt hierdurch um 1,2 dt pro Kuh und Jahr. Ökonomisch ist das nur zu rechtfertigen, wenn das Kraftfutter preiswerter als das Grundfutter ist.

Durch eine gezielte Vorbereitungsfütterung soll der Rückgang der Futteraufnahme in der Kalbephase möglichst gering gehalten werden, um so die Kuh in einer ausgewogenen Energiebilanz zu halten. Durch die Zufuhr pansenlöslicher Stärke wird vermehrt Propionsäure gebildet, die einerseits die Pansenzottenausbildung fördert und andererseits eine verstärkte Glukoneogenese mit positiven Auswirkungen auf den Insulinstatus bewirkt. Voll ausgebildete, funktionsfähige Pansenzotten garantieren nach der Kalbung eine bessere Absorption der dann in großen Mengen anfallenden Fettsäuren. Dies ist Voraussetzung, um die Kuh in einer positiven Energiebilanz zu halten. Ein Beispiel für eine Vorbereitungsration zeigt die Tabelle 3. Der Energiegehalt der Ration ist auf 6,6 MJ NEL/kg TM eingestellt. Je kg TM werden knapp 200 g unbeständige Stärke und Zucker verabreicht, wodurch die Pansenfermentation intensiviert werden soll. Weil in der Ration saure Salze enthalten sind, wird der Gehalt an Ca auf 11,5 g/kg TM angehoben. Zur Ketoseprophylaxe sind der Ration 150 ml Propylenglycol je Tier und Tag zugegeben.

Fütterungsbedingte Erkrankungen

Die Vorbeuge von Fettleber und Ketose besteht vor allem in einer Verringerung der Dauer und des Ausmaßes einer negativen Energiebilanz. Die kritische Phase für eine Fettleber ist nach Grummer (1993) vor allem im Zeitraum von einer Woche vor bis einer Woche nach der Kalbung zu sehen, da in diesem Zeitraum die Futteraufnahme sehr stark eingeschränkt ist. Folgende Maßnahmen sind zur Vorbeuge einer Ketose im geburtsnahen Zeitraum geeignet:

  • überkonditionierte Kühe vermeiden
  • keine raschen Futterwechsel
  • maximale Futteraufnahme um den Kalbezeitpunkt
  • Versorgung mit Zucker und unbeständiger Stärke sicherstellen
  • Propylenglycol in einer Menge von 150 ml pro Tier und Tag in der Vorbereitungsfütterung einsetzen.

Euterödeme sind durch eine exzessive Ansammlung von Flüssigkeiten im interzellulärem Raum des Eutergewebes gekennzeichnet. Häufig ist auch die Bauchdecke betroffen. Färsen haben meist ein ausgeprägteres Ödem als Kühe. Ältere Färsen sind häufiger betroffen als junge. Euterödeme sind für die Tiere unangenehm und zum Teil schmerzhaft, vor allem dann, wenn ein Schenkelekzem auftritt. Der Einfluss der Konzentratmenge in der Vorbereitungsfütterung auf die Ödemausbildung wurde öfters diskutiert. In einer Untersuchung, in der 4 kg Konzentrat gegenüber 0 kg Konzentrat verabreicht wurden, gab es keine Auswirkungen auf Anzahl und Schwere der Ödeme. In einer anderen Studie wurde bei Einsatzmengen von 7 bis 8 kg Kraftfutter in der Vorbereitungsfütterung eine erhöhte Ödemfrequenz gegenüber einer konzentratfreien Fütterung beobachtet. Insgesamt lässt sich ein gesicherter Einfluss der Konzentratmenge demnach nicht nachweisen.

Die Mineralversorgung wird ebenfalls mit einer Euterödembildung in Zusammenhang gebracht. In mehreren Studien konnte dabei gezeigt werden, dass der Verzehr größerer Mengen Natrium- und Kaliumchlorid die Häufigkeit und die Schwere der Ödeme vergrößert. Insbesondere die Kaliummengen müssen demnach in der Vorbereitungsfütterung begrenzt werden. Kaliumreiche Gras- und Kleegrassilage bereiten auf Grünlandstandorten an dieser Stelle häufig Probleme. Des Weiteren wird oxydativer Stress im Eutergewebe für Flüssigkeitsansammlungen verantwortlich gemacht. Genannt werden hier Superoxide und Wasserstoffperoxid. Durch die Verfütterung von Vitamin E mit 1.000 IE pro Färse und Tag konnte die Ödembildung im Vergleich zur Nullvariante signifikant verringert werden. Auch nach der Kalbung kann die antioxydative Wirkung von Vitamin E für eine schnellere Auflösung eines Ödems sinnvoll genutzt werden.

Milchfieber bekommen etwa 6 % aller Kühe. Auch wenn die Befallsrate ziemlich gering erscheint und die Behandlungserfolge durch Calciuminfusionen sehr hoch sind, sind die wirtschaftlichen Schäden durch eine subklinische Hypocalcämie erheblich, da andere Erkrankungen wie Ketose, Nachgeburtsverhaltung, Labmagenverlagerung und Mastitis meistens vergesellschaftet sind. Milchfieber entsteht, wenn der Blutcalciumgehalt den Normalbereich von 9 – 10 mg/dl deutlich unterschreitet, meistens bedingt durch den starken Calciumentzug durch die einsetzende Milchbildung. Auch in den Muskeln und Nervenbahnen sinkt der Calciumspiegel im extrazellulären Raum, so dass die Kühe nicht mehr aufstehen können. Ein wichtiger Bestimmungsgrund für das Milchfieberrisiko ist der Säure-Basen-Status der Kuh in dem Kalbezeitraum. Eine metabolische Alkalose reduziert die physiologische Aktivität vom Parathormon, so dass die Mobilität von Calcium aus den Knochen stark eingeschränkt ist. Fütterungsbedingte Konzepte für eine wirksame Milchfieberprophylaxe nutzen das Kationen-Anionen-Konzept. Der DCAB-Wert umfasst die Differenz zwischen den Kationen (Na+ + K+) und den Anionen (Cl- + S-2), wobei ein Wert von kleiner 0 meq/kg Futter angestrebt wird. Wenn dieses Konzept verfolgt wird, sind die folgenden Schritte einzuhalten.

Reduktion von Kalium aus der Ration: Dies hat zur Folge, dass Gräser und Leguminosen, die ein hohes Kaliumaufnahmevermögen haben, in der Vorbereitungsphase nicht verfüttert werden dürfen. Vorteilhaft dagegen ist der Einsatz kaliumarmer Futtermittel wie Maissilage und andere Maisprodukte.

Zufuhr von Anionen bis zu einer leichten metabolischen Acidose: Bestimmungsgrund für die Menge an einzusetzenden Anionen ist der Urin-pH-Wert, der auf etwa 6,5 – 6,8 reduziert werden soll. Nach der Anionenzugabe ist nach 48 bis 72 h mit einer pH-Wert-Änderung im Urin zu rechnen. Die Mengenanpassungen sollen in kleinen Schritten bis zum gewünschten pH-Wert erfolgen.

Frühere Konzepte für eine Milchfieberprophylaxe sehen eine knappe Versorgung mit Calcium in den letzten 10 Tagen vor der Kalbung vor. Hierzu darf der Ca-Gehalt in der Ration nicht über 2 g/kg TM liegen. Mit den in Europa zur Verfügung stehenden Futtermitteln lassen sich derart niedrige Werte nicht erreichen, so dass diese Vorgehensweise in aller Regel nicht von Erfolg gekrönt ist. Weitere Möglichkeiten einer Milchfieberprophylaxe bestehen in der oralen Gabe von Calcium in der Kalbephase oder in dem Injektieren von etwa 10 Mio. IE Vitamin D3 5 bis 10 Tage vor dem Kalben.

Labmagenverlagerungen in der frühen Laktation spielen eine zunehmende Rolle. Mittlerweile ist bekannt, dass die Vorbereitungsfütterung und die Versorgung in den ersten vier Wochen nach der Kalbung Einfluss auf die Häufigkeit einer Verlagerung nehmen. In Studien konnte gezeigt werden, dass bei erniedrigten Calcium-Gehalten im Blut (5 mg Ca /dl Blut) die Labmagenmobilität um 70 % im Vergleich zu normalen Ca-Blutwerten reduziert ist. Eine subklinische Milchfiebererkrankung begünstigt demnach das Auftreten von Labmagenverlagerungen. Des Weiteren führen höhere Gehalte an flüchtigen Fettsäuren im Labmagen ebenfalls zu einer verminderten Beweglichkeit. Zwischen dem Gehalt an Fettsäuren im Pansen und denen im Labmagen besteht jedoch nur ein sehr geringer Zusammenhang, so dass das Konzentrat-Grobfutterverhältnis nur einen geringen Einfluss auf die Inzidenz einer Labmagenverlagerung hat. Eine zu kurze Häckselung des Grobfutters vor dem Einsilieren oder ein zu intensives Mischen bis hin zum Musen des Futters im Mischwagen begünstigen das Auftreten von Labmagenverlagerungen. Unter solchen Bedingungen wird vermehrt Futter im ventralen Pansen fermentiert, von wo aus vermehrt flüchtige Fettsäuren in den Labmagen gelangen und hier den Tonus reduzieren. Deutlich wird, dass in der Vorbereitungsfütterung und der frühen Laktation eine wiederkäuergerechte Fütterung unbedingt zu beachten ist. Stabile Pansenverhältnisse haben hier Vorrang vor einer Erhöhung der Energiedichte durch Anheben der Konzentratmenge.

Fazit

Die normgerechte Fütterung der Trockensteher ist unbedingt einzuhalten, damit die besonderen Ansprüche der Kühe in der frühtrockenen und in der Vorbereitungsphase erfüllt werden können. Trockenstehende Kühe sind in der ersten Phase energetisch knapp mit volumigen Rationen zu versorgen, was über den Einsatz von etwa 3 kg Stroh möglich ist. Rationen in der Vorbereitungsfütterung müssen das Pansenzottenwachstum stimulieren, die Mikrobenpopulation anpassen und die Risiken für Milchfiebererkrankung, Labmagenverlagerung, Ödembildung sowie Ketose minimieren. Eine geschickte Rationsgestaltung in dieser Phase ist Voraussetzung für eine wirtschaftliche Milchviehhaltung.