Abrechnungsmodelle für Schlachteber betriebsspezifisch vergleichen

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Ebermast. Foto: Ludger Bütfering

Zum 10. Juli 2017 hat Tönnies und zum 31. Juli hat das Unternehmen Westfleisch die unternehmensspezifischen Abrechnungsmodelle für Masteber angepasst. Insgesamt führen beide Modelle im Vergleich zu den bisherigen Verfahren zu einer Erlösminderung in der Ebermast. Anhand einer größeren Stichprobe von ca. 342.000 Datensätze des Unternehmens Tönnies aus dem Zeitraum 10/16 bis 06/17 beträgt diese Erlösminderung nach der neuen Tönnies-Maske im Mittel 3,01 Euro/Schwein und bei der neuen Westfleisch-Variante im Mittel 2,84 Euro/Schwein. (Übersicht 1, siehe PDF unten).

Der bisherige ermittelte Erlösvorteil des Tönnies-Modells ist anhand der vorliegenden Auswertung im Durchschnitt von ehemals 1,51 Euro je Eber auf 1,34 Euro je Eber gesunken. Unter Berücksichtigung der Streuung des Merkmals IXP/kg SG (Indexpunkte je kg Schlachtgewicht) kann in der ausgewerteten Stichprobe der Erlösnachteil der neuen Abrechnungsmodelle bei Tönnies im Vergleich zur bisherigen von 2,34 - 3,34 Euro/Eber und bei Westfleisch von 2,17 - 3,51 Euro/Schlachtschwein schwanken. Daraus wird bereits deutlich, dass neben dem allgemeinen Maskenvergleich zwischen den Unternehmen die Qualität der zu Schlachtung verkauften Eber eine außerordentlich große Rolle spielt. Im Mittel hatten die Eber der ausgewerteten Stichprobe ein Schlachtgewicht von 95,5 kg (Standardabweichung 6,63), 18,7 kg Schinken (1,44), 7,5 kg Lachs (0,65), 9,2 kg Schulter (0,64), 13,2 kg Bauch (1,51) und einen Bauchfleischanteil in Höhe von 60,8 % (3,10) (Übersicht 2).

Neben den Schwankungen in den Handelswertmerkmalen nach AutoFOM ist zu berücksichtigen, dass einzelne Maskenbestandteile eine allgemein gültige Bewertung der Modelle unternehmensübergreifend einschränken. Tönnies berücksichtigt zum Beispiel das Teilstück Schulter nicht zur Erlösfindung. Die von den Unternehmen angestrebten Erlöseffekte müssen daher beim Tönnies-Modell aus anderen Maskenbestandteilen generiert werden, zum Beispiel beim Lachs bzw. beim Schlachtgewicht. Auch die 12 kg-Gewichtsgrenze beim Bauch, unter der das Teilstück bei Westfleisch „nur“ mit 0,9 bewertet wird, erschwert den allgemeinen Vergleich zwischen den Unternehmensmodellen. Der Beitrag des Teilstücks Schulter zum Gesamtindex beträgt vor und nach der Änderung nach der vorliegenden Auswertung bei Westfleisch 15,66 IXP/Eber. Auch der Lachs ist mit einem Anteil von 22,43 IXP/Eber von der Änderung nicht betroffen (Übersicht 3). Demzufolge erklärt allein die Änderung beim Schinken mit -1,47 Punkten den größten Teil des Erlöseffektes bei Westfleisch (bei Tönnies 1,2 IXP/Schwein).

Nahezu 72 % der Eberschlachtkörper weisen einen Bauchfleischanteil von mindestens 60 % auf, weitere knapp 29 % liegen in diesem Merkmal zwischen 57 % und 60 % (Übersicht 4). Rund 46 % der Schlachtkörper haben 62 % und mehr Bauchfleischanteil.

Je magerer die Bäuche, desto größer werden die Unterschiede zwischen den Abrechnungsmodellen. Trotz deutlicher Maßregelung extrem hochprozentiger Schlachtkörper durch das Unternehmen Tönnies nach dem bisherigen Modell honoriert das Unternehmen auch im zukünftigen Modell fleischreiche Schlachtkörper etwas besser als das Unternehmen Westfleisch. Bereits Unterschiede von ca. 0,015 IXP je kg Schlachtgewicht bei gleichem Bauchfleischanteil bewirken im Schlachterlös einen Unterschied von ca. 2,5 Euro je Schwein. In den Klassen mit niedrigem Bauchfleischanteil sind die Unterschiede zwischen den Unternehmensmodellen zum Teil deutlich kleiner.

Auf Grund der in der Regel längerfristigen vertraglichen Regelungen zwischen Mästern und Schlachtbetrieben sollten/können aus diesem vorliegenden Vergleich keine vorschnellen Reaktionen abgeleitet werden. Vielmehr gilt es, die betriebsindividuellen Schlachtergebnisse zum Beispiel durch Nutzung des Schlachtdatenauswertungsportals von IQ-Agrar zu prüfen und mit der Beratung nach Möglichkeiten für sinnvolle Reaktionen auf die Änderung der Abrechnungsmodelle zu suchen.

Die Verlaufskurven des erlösrelevanten Merkmals IXP/kg SG in Abhängigkeit von SG zeigen neben den generellen Unterschieden zwischen den Schlachtunternehmen und zwischen den bisherigen und den neuen Abrechnungsmodellen, dass es durchaus Möglichkeiten zur Erlösoptimierung gibt (Übersicht 5). Sowohl das bisherige als auch das neue Abrechnungsmodell des Unternehmens Tönnies zeigen bei dem Merkmal IXP / kg SG ein vergleichsweise breit aufgestelltes Maximum. Tönnies-Eber sollten danach künftig eher unter 95 kg aber gleichzeitig auch über 90 kg Schlachtgewicht liegen. Zur Anlieferung an Westfleisch sind Schlachtgewichte in einem engeren Korridor von ca. 95 - 97 KG anzustreben. Insbesondere die höheren Abzüge für sog. Übergewichte bei Tönnies über 103 und bei Westfleisch über 105 kg Schlachtgewicht haben Abzüge von 1 IXP/kg Abweichung zur Folge. In der Auswertung liegen ca. 10 % der Schlachtkörper über der bei Westfleisch relevanten Erlösgrenze von 103 kg. Diese Grenzen sind unbedingt einzuhalten. Zur Schulung der Gewichtsschätzung im Betrieb sollten daher von Fall zu Fall Kontrollwägungen durchgeführt werden.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Maskenänderung bei Westfleisch und bei Tönnies haben Erlösverschlechterungen zur Folge, die die biologischen Vorteile der Ebermast im Bereich Futterverbrauch und Schlachtkörperqualität zumindest teilweise aufzehren.
  • Das Ausmaß der Veränderungen hängt jedoch von der Qualität der Eberschlachtkörper ab. Neben der einfachen Mittelwertbetrachtung sollten die betrieblichen Parameter der Schlachtkörperqualität im Fokus stehen.
  • Tendenziell will Tönnies eher etwas leichtere aber nach wie vor fleischreiche Schlachtkörper, obwohl die Änderungen die extrem hochprozentigen Schlachtkörper am stärksten abstrafen.
  • Das optimale Schlachtgewicht liegt bei Westfleisch um ca. 2 kg höher als bei Tönnies.
  • Über- aber auch untergewichtige Schlachtkörper sollten nach Möglichkeit vermieden werden.
  • Die systematische Nutzung des Schlachtdatencontrollings zum Beispiel über das Internetportal von IQ-Agrar hilft, die Qualitätssignale der Schlachtunternehmen möglichst zu treffen.

Autor: Dr. Friedhelm Adam, Franz-Josef Hartmann