Alternative Identifikationssysteme zur Qualitäts- und Herkunftssicherung in der Schweineproduktion
CMA-Modellvorhaben unter Leitung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Vor dem Hintergrund der aktuellen Anforderungen in der Fleischerzeugung werden die Anforderungen des Verbrauchers an eine lückenlose Dokumentation der gesamten Erzeugungskette der Lebensmittel immer deutlicher. Der Aufbau eines entsprechenden Qualitätssicherungssystem für Fleisch (QS) ist inzwischen in der Umsetzungsphase. Dieses QS-System ermöglicht Transparenz und Rückverfolgbarkeit über alle Stufen hinweg, gewährleistet eine hohe Produktqualität und -sicherheit und garantiert die Beachtung des Tier- und Umweltschutzes beim Produktionsprozess.
Die Lösung einer stufenübergreifenden Informationsbörse kann nur in einer einheitlich mit Daten zu beschickenden zentralen Datenbank in Verbindung mit einer normierten Datentransferschnittstelle und einheitlicher Betriebsidentifikation bestehen. In dem Zusammenhang werden maschinenlesbaren Tieridentifikationen gefordert und die gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichnungsverfahren als unzureichend eingestuft.
Ziel des Projektes ist es, durch den Test neuer Identifikationssysteme den prozessstufenübergreifenden Informationsfluss im Rahmen von Qualitäts- und Herkunftssicherungssystemen weiterzuentwickeln. Es liegen dazu langjährige Erfahrungen zum Einsatz von elektronischen Ohrmarkentranspondern bei der Identifikation von Mastschweinen vor.
Der flächendeckende Einsatz dieser Systeme scheiterte bis dato an den vergleichsweise hohen Kosten. Aus diesem Grund sollen im vorliegenden Projekt die Techniken der Digitalbildverarbeitung als alternative Kennzeichnungs- und Identifikationssysteme getestet werden.
Damit ist die Basis für eine Rückverfolgbarkeit der Produkte bis in die Ferkelerzeugerstufe gelegt. Dadurch ist es auch möglich, neben der Herkunftsinformation weitere Daten über die Prozessabläufe zwischen den beteiligten Stufen mit dem Ziel der Produktionsoptimierung zu kommunizieren.
Im Mittelpunkt des neuen Projektes steht die Beantwortung von zwei Fragen:
- Einzeltierkennzeichnung: DOT-Code eine Alternative zum Transponder?
DOT-Ohrmarken enthalten einen optischen DOT-Code, der aus einer quadratischen Anordnung von Punkten (sogenannten dots) besteht. Für die maschinenlesbare Einzeltierkennzeichnung eignet sich eine Auflösung in der Größe von 14 x 14 und ermöglicht damit eine Unterscheidung von bis zu 16-stelligen Zahlen. Der DOT-Code ist mit einem Barcode vergleichbar, kann aber mehr Informationen auf viel kleinerer Fläche speichern. Es gibt keine fehlerhaften Lesungen (nur ein Ja" oder Nein").
Die DOT-Ohrmarke ist erheblich preiswerter als die bisher in der Einzeltierkennzeichnung eingesetzten Transponderohrmarken und soll in Verbindung mit der Kennzeichnung nach VVVO eingesetzt werden, um den gesetzlichen Vorschriften genüge zu leisten.
Ziel ist es, die Eignung des DOT-Code zur Nutzung im Rahmen von Nachkommenprüfprogrammen zu überprüfen. Dazu erfolgt ein umfassender Vergleich zwischen Dot- und Transponderohrmarken. Zur Erfassung der notwendigen Parameter auf Einzeltierbasis ist die Entwicklung einer DOT-Lesetechnik in Verbindung mit mobiler Datenerfassung erforderlich. Für die Erfassung des DOT-Codes im Schlachthof gilt es, eine an hohe Schlachtbandgeschwindigkeiten angepasste Lesetechnik zu entwickeln und in den Schlachtprozess zu integrieren.
- Automatisierung der Erfassung von Einsenderkennzeichen am Schlachtband
Welche Möglichkeiten bietet die digitale Bildverarbeitung?
Nach den gesetzlichen Vorschriften sind Schlachtschweine mit der VVVO-Nr. des Mastbetriebes (Tätowierstempel) und der VVVO-Nr. des Erzeugerbetriebes (Ohrmarke) gekennzeichnet. Am Schlachtband wird im Rahmen der Klassifizierung die Tätowierstempel-Nummer als sogenanntes Einsenderkennzeichen manuell erfasst. Bei großen Schlachtunternehmen mit hohen Schlachtbandgeschwindigkeiten (> 500 Schweine/ Stunde) besteht für den Bediener (i.d.R. der Klassifizierer) das Problem, die VVVO-Nr. vollständig und korrekt zu erfassen. Ein Teil der Schweine wird häufig nicht zweifelsfrei oder falsch zugeordnet.
Zum Aufbau einer exakten und automatisierten Erfassung der Einsenderkennzeichen am Schlachtband sollen die Möglichkeiten der digitalen Bildverarbeitung geprüft werden. Gleichzeitig soll auch die digitale Erfassung von Ohrmarken-Nummern bzw. DOT-Codes am Schlachtband erprobt werden. Ziel ist es, die digitale Bildverarbeitung zur Erkennung von Klarschrift auf Schlachtkörpern in den Schlachtprozess zu integrieren und damit eine technische Unterstützung des eindeutigen Herkunftsnachweises im Sinne der Rückverfolgbarkeit aufzubauen.
Darüber hinaus wird die prozessbegleitende Datenerfassung weiterentwickelt sowie der Datenaustausch weiter standardisiert und automatisiert. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung von zeitgemäßen Werkzeugen zur Datenaufbereitung für relevante Zielgruppen aus Zucht, Besamung und Beratung gelegt.
Neben der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) beteiligen sich an dem Projekt:
- Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung (GFS),
- Schweinezüchterverband Nord-West (SNW eV),
- Schweineerzeuger Nord West (SNW eG),
- Raiffeisen Central-Genossenschaft Nordwest (RCG),
- Erzeugerring Westfalen eG (ERW),
- Landeskontrollverband Westfalen-Lippe (LKV),
- Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e.V. (WLV)
- B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co.KG ,
- Westfleisch eG, Münster
- und die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Die Projektleitung hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen übernommen.