Milchleistungsfutter im Test
Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, wurden auftragsgemäß im Rahmen der Energetischen Futterwertprüfung 13 Milchleistungsfutter geprüft. Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen.
Die Futter werden in landwirtschaftlichen Betrieben mit Sitz in Nordrhein-Westfalen oder beim Handel gezogen. Zur Beurteilung des energetischen Wertes der Futter erfolgt eine NEL-Bestimmung auf Basis der verdaulichen Rohnährstoffe. Die Ermittlung der Verdaulichkeiten wird an Hammeln in Form des so genannten Hammeltests durchgeführt. Je Futter werden fünf Hammel aufgestallt und mit Heu und dem zu prüfenden Futter gefüttert. Nach einer zweiwöchigen Anfütterung wird über einen Zeitraum von sieben Tagen der Kot gesammelt, die Kotmenge ermittelt und anschließend in der LUFA NRW analysiert. Bei bekannter Heuverdaulichkeit, gemessen in der ausschließlich mit Heu versorgten Hammelgruppe, kann die Verdaulichkeit der Rohnährstoffe in dem zu prüfenden Futter per Differenzrechnung ermittelt werden. Über die verdaulichen Nährstoffe wird schließlich der NEL-Gehalt des Futters bestimmt und eine Einordnung in eine Energiestufe vorgenommen. Zur Bewertung erfolgt ein Vergleich des so ermittelten Energiegehaltes mit den Angaben des Herstellers. Hierbei wird in Anlehnung an das Futtermittelrecht eine Toleranz von 0,25 MJ NEL/kg in Ansatz gebracht.
Des Weiteren erfolgt eine Abschätzung des NEL-Gehaltes auf Basis der Rohnährstoffgehalte und der Gasbildung des Futters im Rahmen des Hohenheimer Futterwerttests (HFT). Die Gasbildung spiegelt dabei die Fermentationsfähigkeit des Futters im Pansen wieder und ist damit ein indirekter Maßstab für die Energielieferung aus dem Futter. Die Methode wurde an Verdauungsversuchen mit Hammeln geeicht und findet im Rahmen der amtlichen Futtermittelkontrolle Verwendung. Neben den Gehalten an Rohnährstoffen und der Energie werden zur besseren Beschreibung der Futter auch die Gehalte an Stärke und Zucker ermittelt und dargestellt.
In den vorliegenden Prüfdurchgängen wurden insgesamt 13 Milchleistungsfutter geprüft. Zwei Futter sind mit einem Proteingehalt von 24,0 bzw. 27,9 % als eiweißreiche Ergänzungsfutter der Energiestufe 2 bzw. 3 zu betrachten. Diese Futter sind nach Herstellerangabe bei eiweißarmen Grundfutterrationen einzusetzen oder aber im Verhältnis 1 : 1 mit Getreide zu verschneiden, wodurch dann ein ausgeglichenes Milchleistungsfutter entsteht.
Weitere fünf Futter dieser Testserie sollen gemäß Herstellerangabe der Energiestufe 3 angehören bzw. einen Energiegehalt von 6,8 MJ NEL/kg besitzen. Für diese Futter wird ein Proteingehalt von 18 % angegeben. Gemäß den Fütterungshinweisen wird der Einsatz zu ausgeglichenen Grundfutterrationen empfohlen. Die Angaben zu den Rohfasergehalten dieser Futter bewegen sich zwischen 9,3 und 10,7 %. Auch bei den Angaben zu den Gehalten an Calcium und Phosphor bestehen nur geringe Unterschiede zwischen den Futtern.
Weitere sechs Futter werden mit einer Energieangabe von 7,0 bzw. 7,2 MJ NEL/kg in den Handel gegeben. Bei diesen energiereichen Milchleistungsfuttern variieren die Angaben zum Proteingehalt zwischen 19 und 20 %. Bezüglich der Rohfasergehalte werden Werte zwischen 6,6 und 8,5 % angegeben. Hierin unterscheiden sich diese Futter deutlich von den Futtern der Energiestufe 3.
Für alle Futter liegen Angaben zu den kalkulierten Gehalten an nutzbarem Rohprotein (nXP) und der Ruminalen Stickstoffbilanz (RNB) vor, die größtenteils den Sackanhängern entnommen werden konnten. In den übrigen Fällen wurden die Werte beim Hersteller erfragt. Je nach Einsatzzweck ergeben sich variierende Angaben zu den nXP- und RNB-Gehalten der Futter. So schwanken zum Beispiel die nXP-Angaben zwischen 155 und 200 g/kg. Die Informationen bezüglich der RNB-Werte bewegen sich zwischen 2,0 und 13,4 g/kg.
Ergebnisse
Aus der Tabelle sind die deklarierten Gehalte, die analytisch ermittelten Inhaltsstoffe sowie die am Hammel ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmte Energiestufe der Futter zu entnehmen. Ein Vergleich der von den Herstellern angegebenen Nährstoffgehalte mit den durch die Lufa NRW ermittelten Werten zeigt bei allen Futtern eine gute Übereinstimmung . Diese Aussage gilt auch für die Gehalte an Calcium und Phosphor. Lediglich beim Futter Kerkmann Ausgleichsm. HL der Raiffeisen Hohe Mark, Dorsten, überschreitet der analysierte Rohaschegehalt der deklarierten Wert um 2,8 %-Punkte, womit die futtermittelrechtliche Toleranz deutlich überschritten wird.
Der Gehalt an organischer Substanz liegt bei den Prüffuttern zwischen 78,4 und 83,3 %. Der sehr geringe Wert von 78,4 % für das Futter Kerkmann Ausgleichsm. HL erklärt sich durch den hohen Aschegehalt. Die Werte für die Verdaulichkeit der organischen Substanz liegen zwischen 76,4 und 87,8 %, womit sehr große Unterschiede zwischen den Futtern gegeben sind. Eine geringe Verdaulichkeit wird für das Futter der Energiestufe 2 ermittelt. Die Futter, die auf Grund der Hammelprüfung der Energiestufe 3 zugeordnet werden können, haben im vorliegenden Prüfdurchgang eine Verdaulichkeit der organischen Substanz von 81,1 bis 86,8 %. Futter mit einem Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg und mehr (Energiestufe >3) haben in aller Regel eine Verdaulichkeit der organischen Substanz von über 84 %, was auch im vorliegenden Test bestätigt wird. Diese unterschiedlichen Verdaulichkeiten führen zu größeren Differenzen im Energiegehalt bzw. zu unterschiedlichen Eingruppierungen in die Energiestufen. Ein Futter wird in die Energiestufe 2, sieben Futter in die Stufe 3 und vier Futter in die Stufe >3 eingestuft. In allen Fällen kann der vom Hersteller angegebene Energiegehalt bestätigt werden. Die Energieschätzung mittels Hohenheimer Futterwerttest führt außer für das Futter Maxi-Melk von Hermann Schräder, Ochtrup, zu einer gleichen Zuordnung zu den Energiestufen.
Angaben zu den analysierten Gehalten an Stärke und Zucker befinden sich ebenfalls in der Tabelle. Die Zuckergehalte bewegen sich zwischen 32 und 102 g/kg. Beim Stärkegehalt beträgt der Schwankungsbereich 57 bis 308 g/kg. Geringe Stärkegehalte besitzen vor allem die eiweißreichen Ergänzungsfutter.
Kommentar
Die vorliegenden Prüfergebnisse zeigen eine große Bandbreite in der Verdaulichkeit der organischen Substanz der geprüften Futter, woraus sich die großen Unterschiede im Energiegehalt ergeben. Positiv zu werten ist, dass die seitens der Hersteller angegebenen Energiestufen bzw. Energiegehalte in allen Fällen bestätigt werden können, worin eine hohe Zuverlässigkeit bezüglich der Energieangaben zum Ausdruck kommt.
Futter der Energiestufe 3 haben in der Regel eine Verdaulichkeit der organischen Substanz von 81 - 82 %. Das Futter Kerkmann Ausgleichsm. HL ist mit einem Wert von 86,8 % deutlich besser verdaulich, wird aber wegen des hohen Aschegehaltes nur in die Energiestufe 3 eingruppiert. Der hohe Mineralstoffgehalt bewirkt hier eine Energieverdünnung, was bei der Qualitätsbeurteilung zu berücksichtigen ist.
Beim Futter MLF 18/3GL der Raiffeisen Westmünsterland, KW Burlo, wird der angegebene Energiegehalt (Stufe 3) in der Prüfung am Hammel deutlich überschritten. Ursächlich hierfür ist die mit 86,8 % sehr hohe Verdaulichkeit der organischen Substanz, die zu einer Eingruppierung in die Stufe >3 führt. Auch ein Überschreiten des Energiegehalts sollte vermieden werden, da ansonsten eine leistungsgerechte Kraftfutterzuteilung nicht möglich ist. Insbesondere führt eine energetische Überversorgung im letzten Laktationsdrittel zu einer unerwünschten Verfettung, aus der sich nachteilige Folgen für die anschließende Frühlaktation ergeben können.
In Deutschland ist vereinbart, die Energieangaben bei Milchleistungsfutter über ein Energiestufensystem vorzunehmen. Gemäß dieser Vereinbarung gibt es die Energiestufe 2 mit 6,2 MJ NEL/kg, die Stufe 3 mit 6,7 MJ NEL/kg und schließlich die Stufe >3, die bereits ab einem Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg angegeben werden soll. Eine zehntelgenaue Energieangabe wie beim Futter MLF 18/3 der Raiffeisen Gescher ist vor diesem Hintergrund wenig zielführend, da bezüglich der Umsetzbarkeit in die Fütterungspraxis und auch der Überprüfung mittels Tierversuch oder anerkannter in vitro-Verfahren eine Energieangabe über die Energiestufen sinnvoller ist .
Einige Hersteller geben in den ergänzenden Fütterungshinweisen Milcherzeugungswerte (MEW) der Kraftfutter für Energie und Protein an. Solche Angaben sind für die praktische Kraftfutterzuteilung durchaus hilfreich. Wünschenswert sind Angaben auf Basis der nXP-Versorgungsempfehlungen für Milch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß. Angaben auf Basis des Proteingehaltes, wie sie die Firmen Agravis, deuka und H. Schräder ausweisen, sollten nicht erfolgen, da ansonsten die Weiterentwicklung des Proteinbewertungssystems nicht berücksichtigt wird.
Fazit:
Bei 13 geprüften Milchleistungsfuttern konnte über die Verdaulichkeitsprüfung der von den Herstellern angegebene Energiegehalt bzw. die deklarierte Energiestufe bestätigt werden, worin eine hohe Zuverlässigkeit der Herstellerangaben zum Ausdruck kommt. Verbesserungswürdig sind im Einzelfall die ergänzenden Fütterungshinweise