Milchleistungsfutter im Test
Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, wurden auftragsgemäß im Rahmen der Energetischen Futterwertprüfung Milchleistungsfutter geprüft. Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen. Der Ablauf ist der Übersicht zu entnehmen.
In den beiden vorliegenden Prüfdurchgängen wurden insgesamt sieben Milchleistungsfutter geprüft, von denen das Futter Sahna 1 von Curo Spezialfutter, Ostenfelde nach EU-Öko-Richtlinien produziert wurde. Dieses Futter soll nach Herstellerangaben 22 % Rohprotein aufweisen und in die Energiestufe 2 gehören. Mit 2,1 % Calcium und 0,95 % Phosphor werden sehr hohe Gehalte ausgewiesen, die deutlich oberhalb der Werte für die übrigen Futter liegen. Unter den Fütterungshinweisen wird das Futter als Ergänzungsfutter für Selbstmischer betitelt. Drei Futter, nämlich KOFU XI von KOFU Tiernahrung, Neuss, Dairystar 18/III der Bela-Mühle, Vechta-Langförden, und MK 20/3 von Haneberg & Leusing, Schöppingen, sind mit der Energiestufe 3 angegeben. Der Proteingehalt soll 18 bzw. 20 % betragen. Die Futter werden für ausgeglichene Grundrationen bzw. bei eiweißarmen Grundrationen empfohlen. Das Futter MLF SM-1079 M Ausgleich Heller, hergestellt von Raiffeisen Westmünsterland, KW Burlo, wird mit einem Energiegehalt von 6,9 MJ NEL und 22,7 % Rohprotein in den Handel gegeben. Der angegebene Calciumgehalt beträgt 1,5 %. Die Futter ML IV/18 Provitell von Strahmann, Drentwede, und RBS MLF 19/4 der Raiffeisen Warengenossenschaft Paderborn-Bürener Land mit Sitz in Büren besitzen nach Herstellerangaben einen Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg. Der Rohproteingehalt soll 18 % bzw. 19 % betragen.
Die Angaben bezüglich der komponentenmäßigen Zusammensetzung erfolgen bei den Futtern Sahna 1 und MLF SM-1079 M Ausgleich Heller in absteigender Reihenfolge. Bei den übrigen Futtern werden die verwendeten Komponenten mit ihren prozentualen Anteilen angegeben. Beim Futter ML IV/18 Provitell ist auch der Gehalt an Stärke und Zucker in den ergänzenden Fütterungshinweisen aufgeführt. Bezüglich der nXP-Angaben schwanken die Werte zwischen 160 g und 220 g/kg. Die RNB-Angaben bewegen sich zwischen 1,5 und 4,0 g/kg. Keine weiteren Informationen zu den Proteinkennwerten werden für das Futter Sahna 1 mitgeteilt.
Ergebnisse
Aus der Übersicht 1 sind die deklarierten Gehalte, die analytisch ermittelten Inhaltsstoffe sowie die am Hammel ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmte Energiestufe für die Futter zu entnehmen. Ein Vergleich der deklarierten Rohnährstoffe zeigt bei allen Futtern eine gute Übereinstimmung mit den durch die LUFA NRW analysierten Gehalten. Die nach dem Futtermittelrecht erlaubten Toleranzen werden in allen Fällen eingehalten.
Der Energiegehalt eines Futters wird maßgeblich vom Gehalt an Organischer Substanz und deren Verdaulichkeit bestimmt. In den vorliegenden Prüfdurchgängen variiert die Organische Substanz zwischen 78,3 und 82,7 %. Bei den beiden Futtern, in denen die Organische Substanz unter 80 % beträgt, wird jeweils ein hoher Aschegehalt von 9,0 bzw. 10,7 % analysiert. Diese erhöhten Aschegehalte spiegeln sich auch in den hohen Calciumgehalten wieder, was auf die Zugabe entsprechender Mengen Futterkalk hindeutet.
In der Verdaulichkeit der Organischen Substanz bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Futtern. Es ergeben sich Werte von 71,8 % beim Futter Sahna 1 bis 87,5 % für das Futter MLF SM-1079 M Ausgleich Heller, womit eine Spanne von über 15 %-Punkten gegeben ist. Entsprechend den unterschiedlichen Verdaulichkeiten ergeben sich auch Differenzen im Energiegehalt und damit verbunden eine unterschiedliche Eingruppierung in die Energiestufen. Das Futter Sahna 1 wird in Stufe 2 eingereiht. Dairystar 18/III und MLF SM-1079 M Ausgleich Heller erreichen Energiewerte, die eine Einstufung in die Stufe >3 erlauben. Damit wird in zwei Fällen der deklarierte Energiegehalt überschritten. Bei den Futtern, die mit einem Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg angegeben werde, bestätigt die Prüfung die deklarierten Werte.
Die Energieschätzung mittels Hohenheimer Futterwerttest führt in sechs Fällen zu einer Bestätigung des vom Hersteller angegebenen Energiewertes. Angaben zu analysierten Gehalten an Stärke und Zucker befinden sich ebenfalls in der Übersicht 1. Vor allem im Stärkegehalt ergeben sich erhebliche Unterschiede zwischen den Futtern. Die Herstellerangaben bezüglich Stärke und Zucker für das Futter ML IV/18 Provitell werden durch die Analyse bestätigt.
Kommentar
Im vorliegenden Test kann erfreulicherweise bei allen geprüften Futtern der deklarierte Energiegehalt bestätigt werden, worin eine gute Qualität der angebotenen Milchleistungsfutter zum Ausdruck kommt. Der Trend zu einer Überschreitung der deklarierten Energiewerte hält allerdings auch in dieser Testserie an. Auch Energieüberschreitungen sollten vermieden werden, da es ansonsten zu einer Energieüberversorgung kommen kann. Dies kann vor allem im letzten Laktationsdrittel zu einem übermäßigen Körperansatz mit negativen Auswirkungen für die Folgelaktation führen.
Das Futter Sahna 1 besitzt mit 8,9 % einen sehr hohen Fettgehalt. Ursächlich hierfür sind die verwendeten Komponenten Sonnenblumenkuchen, Rapskuchen und Leinkuchen. Die geringe Verdaulichkeit in diesem Futter erklärt sich aber vor allem durch den hohen Anteil an Sonnenblumenkuchen. Das Futter wird als Ergänzungsfutter für Selbstmischer in den Handel gegeben, wobei das Futtermittelrecht eine derartige Kategorie nicht kennt. Nachteilig ist bei diesem Futter auch, dass keine ergänzenden Proteinkennwerte in Form von nXP und RNB angegeben werden. Für die Herstellung eines Milchleistungsfutters sind diese Angaben unbedingt erforderlich, da ansonsten die Proteinversorgung nicht nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft vorgenommen werden kann.
Hinsichtlicht der Energieangaben hat man sich in Deutschland auf ein Energiestufensystem mit Toleranzen von ± 0,25 MJ NEL/kg verständigt, mit dessen Hilfe der energetische Wert der Milchleistungsfutter angegeben werden soll. Damit können natürlicherweise vorkommende Schwankungen der Rohnährstoffe sowie deren Verdaulichkeit ausgeglichen werden. Auch lassen sich noch kleinere Differenzierungen im Energiegehalt in der Fütterungspraxis kaum umsetzen. Vor diesem Hintergrund ist die Energieangabe von 6,9 MJ NEL/kg beim Futter MLF SM-1079 M Ausgleich Heller nicht nachvollziehbar.
Fazit
Bei vergleichbaren Rohnährstoffgehalten können erhebliche Unterschiede in deren Verdaulichkeit bestehen, was zu deutlich differenzierenden Energiegehalten führt. Der Landwirt kann aus einer großen Palette verschiedener Futter ein auf seine Verhältnisse abgestimmtes Milchleistungsfutter wählen. Durch entsprechende Angaben auf dem Sackanhänger und in den Fütterungshinweisen müssen die Einsatzzwecke klar erkennbar sein.