Milchleistungsfutter im Test

Hammeltest

Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, wurden auftragsgemäß im Rahmen der Energetischen Futterwertprüfung zwölf Milchleistungsfutter geprüft. Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen. Der Ablauf ist der Übersicht 1 zu entnehmen.

In den hier ausgewerteten drei Prüfdurchgängen wurden zwölf Milchleistungsfutter von zehn Herstellern geprüft. Der Schwerpunkt der Prüfaktivität lag bei Futtern, die mit einer Energieangabe von 7,0 MJ NEL/kg in den Handel gegeben wurden. Es wurden acht Futter mit dieser Energieangabe getestet. Drei weitere Futter wurden als Futter der Energiestufe 3 deklariert. Ein Futter war mit einer Energieangabe von 6,4 MJ NEL/kg versehen.

Die Proteingehalte der Milchleistungsfutter variierten zwischen 15 und 20 %. Bezüglich des Einsatzzweckes wurde in den meisten Fällen empfohlen, das Futter zu ausgeglichenen Grundrationen einzusetzen. Lediglich für das Futter Deuka MK 154-Spezial wird angegeben, es zu eiweißreichen, energieschwachen Rationen zu füttern.

Die Angaben zu den Rohfasergehalten bewegen sich zwischen 6,0 und 13,0 %. Niedrige Rohfaserangaben werden insbesondere bei den Futtern gemacht, die mit einem Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg ausgestattet sein sollen. Bezüglich der deklarierten Gehalte an Calcium und Phosphor ergeben sich für alle Futter vergleichbare Angaben. Die Calciumgehalte sollen zwischen 0,60 und 0,85 % liegen. Die Angaben zum Phosphorgehalt schwanken zwischen 0,45 und 0,71 %.

Bei allen Futtern liegen Informationen zu den kalkulierten nXP- und RNB-Werten vor. Die nXP-Angaben bewegen sich zwischen 147 und 190 g je kg, was durch unterschiedliche Protein- und Energiewerte sowie durch unterschiedliche Proteinquellen erklärt werden kann.

Ergebnisse

In der Übersicht 2 werden die Angaben der Hersteller, die durch die LUFA NRW analytisch ermittelten Rohnährstoffgehalte sowie die ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmte Energiestufe für die geprüften Futter dargestellt.

In allen Fällen ergibt sich eine gute Übereinstimmung der Rohnährstoffgehalte zwischen den Herstellerangaben und den Analysebefunden der LUFA NRW. Die futtermittelrechtlichen Toleranzen werden in keinem Fall überschritten. Der Gehalt an Organischer Substanz bewegt sich zwischen 79,9 und 83,8 %. Unterschiede kommen durch Variationen im Wasser- und Aschegehalt zustande. Die Spannbreiten für den Wasser- und den Aschegehalt liegen in einer Größenordnung von 3 %-Punkten.

In der Verdaulichkeit der Organischen Substanz bestehen zwischen den Futtern erhebliche Unterschiede. Die Werte bewegen sich zwischen 81,8 und 88,4 %. In der Summe weisen die Futter der Energiestufe >3 einen höheren Gehalt an verdaubarer organischer Masse auf. Die aus den Verdaulichkeiten errechneten Energiegehalte führten in neun Fällen zu einer Eingruppierung in die Stufe >3. Die übrigen drei Futter konnten der Energiestufe 3 zugeordnet werden. Beim Futter Euro S 19-4 der Muskator-Werke, Düsseldorf liegt der ermittelte Energiegehalt deutlich unterhalb des angegebenen Wertes, womit die Energieangabe nicht bestätigt wird. Bei den übrigen Futtern bestätigen oder überschreiten die in der Verdaulichkeitsprüfung ermittelten Energiegehalte die Energieangaben der Hersteller.

Die Energieschätzung mit Hilfe des Hohenheimer Futterwerttests bestätigt in elf Fällen die Energieangaben, womit eine zufrieden stellende Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Energiemessung am Hammel besteht. Die Übersicht 2 zeigt auch die durch die LUFA NRW analysierten Gehalte an Zucker und Stärke. Die Zuckergehalte variieren zwischen 39 und 124 g/kg. Bei der Stärke sind die Unterschiede zwischen den Futtern größer. Die Angaben bewegen sich zwischen 106 und 391 g/kg. Insbesondere die Futter mit einem angegebenen Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg zeichnen sich durch höhere Stärkegehalte aus.

Kommentar

Für den Energiegehalt eines Mischfutters ist der Gehalt an verdaubarer Substanz maßgeblich. Die verdaubare Substanz ihrerseits ist abhängig vom Wasser- und Aschegehalt sowie von der Verdaulichkeit der Nährstoffe. Insbesondere in der Verdaulichkeit der Nährstoffe bestehen zwischen den Futterkomponenten und auch zwischen verschiedenen Chargen eines Futtermittels erhebliche Unterschiede. Diese Zusammenhänge nutzend lassen sich trotz ähnlicher Rohnährstoffgehalte qualitativ sehr unterschiedliche Milchleistungsfutter erstellen. Diese Unterschiede spiegeln sich in den jeweiligen Energiegehalten wider.

Beim Futter Euro S 19-4 reicht der Gehalt an verdaubarer organischer Masse und der daraus bestimmte Energiegehalt lediglich zu einer Eingruppierung in die Stufe 3, womit der deklarierte Energiegehalt nicht bestätigt wird. Ursächlich ist ein knapper Gehalt an Organischer Substanz in Folge eines leicht erhöhten Wassergehaltes sowie eine zu geringe Verdaulichkeit der Organischen Substanz. Neben dieser einen Unterschreitung des angegebenen Energiegehaltes wurde bei fünf Futtern eine zum Teil deutliche Überschreitung des Energiewertes um mehr als die vereinbarte Toleranz in Höhe von 0,25 MJ NEL/kg festgestellt. Die Tendenz zu Energieüberschreitungen setzt sich damit auch in diesen Prüfdurchgängen fort. Auch Energieüberschreitungen sollten vermieden werden, da ansonsten eine leistungsgerechte Energieversorgung nur schwer realisiert werden kann. Insbesondere in der zweiten Laktationshälfte führt eine energetische Überversorgung zu nicht gewünschter Körperkondition in Richtung Verfettung, aus der sich nachteilige Folgen zu Beginn der anschließenden Laktation ergeben können.

In den vorliegenden Prüfdurchgängen wurden Futter getestet, die nach der zweiten Augusthälfte 2007 produziert wurden. Zu dieser Zeit wurde bereits größtenteils neuerntige Ware mit entsprechend hohen Preisen eingesetzt. Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass die Mischfutterhersteller trotz der enormen Preissteigerungen bei Getreide und Proteinträgern an den Qualitätsstandards festhalten und nach wie vor hochwertige Milchleistungsfutter in den Handel gelangen.

Die Analysen zeigen insbesondere bei der Stärke eine große Variation. Selbst Futter mit einer gleichen Energieangabe von zum Beispiel 7,0 MJ NEL/kg weisen Unterschiede im Stärkegehalt von bis zu 172 g/kg auf. Für die Rationskalkulation und für den sachgerechten Kraftfuttereinsatz ist die Kenntnis der gefütterten Stärkemengen sehr wichtig. Vor diesem Hintergrund sind Angaben über den Gehalt an Stärke und Zucker in den Fütterungshinweisen wünschenswert.

Fazit

In den vorliegenden Prüfdurchgängen wurden zwölf Futter getestet. Das größte Testkontingent erstreckte sich auf Futter mit einer Energieangabe von 7,0 MJ NEL/kg. Bei einem Futter konnte der deklarierte Energiewert nicht bestätigt werden, da insgesamt eine zu geringe Menge an verdaubarer, organischer Substanz in dem Futter vorhanden war.

Trotz deutlicher Preissteigerungen bei Getreide und Proteinträgern werden aber nach wie vor qualitativ hochwertige Milchleistungsfutter angeboten, die im Großen und Ganzen bezüglich der Energieangaben als zufrieden stellend beurteilt werden können. Ergänzende Angaben zum Zucker- und Stärkegehalt sind nach wie vor wünschenswert.