Milchleistungsfutter im Test

Hammeltest

Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, wurden auftragsgemäß im Rahmen der Energetischen Futterwertprüfung zehn Milchleistungsfutter geprüft. Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen. Der Ablauf ist der Übersicht   zu entnehmen.

In den vorliegenden Prüfdurchgängen wurden Milchleistungsfutter von zehn Futtermittelherstellern getestet. Seitens des Herstellers werden für ein Futter die Energiestufe 2 und für drei Futter die Stufe 3 angegeben. Weitere vier Futter werden mit einem Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg deklariert. Für je ein Futter werden 7,1 bzw. 7,2 MJ NEL/kg angegeben. Die Angaben zu den Proteingehalten bewegen sich zwischen 14,3 % und 20 %. Bezüglich der Rohfasergehalte werden Angaben zwischen 5,7 % und 12 % gemacht. Insbesondere die Futter mit Energieangaben von 7,0 MJ NEL/kg und mehr weisen meistens die niedrigeren Rohfasergehalte auf. Die Angaben zum Gehalt am Rohfett schwanken zwischen 2,3 % und 4,7 %. Deutlich wird, dass bei vergleichbaren Energieangaben sehr verschiedene Gehalte an Rohnährstoffen bestehen können, was im Wesentlichen durch die Komponentenwahl beeinflusst werden kann. Die Angaben zu den Gehalten an Calcium und Phosphor variieren dagegen deutlich weniger. So sollen der Calciumgehalt zwischen 0,7 % und 0,9 % und der Phosphorgehalt zwischen 0,42 % und 0,65 % liegen.

In fast allen Fällen werden Informationen zur Proteinbewertung über die Größen nutzbares Rohprotein am Dünndarm (nXP) und die ruminale Stickstoffbilanz (RNB) zur Verfügung gestellt. Die Unterschiede bei diesen Kennwerten ergeben sich aus unterschiedlichen Protein- und Energiegehalten sowie aus dem Einsatz von Komponenten, bei denen möglicherweise das Protein vor dem Abbau im Pansen geschützt wurde. Keine zusätzlichen Angaben zum Proteinwert liegen für das Futter Biol. Kühe 18/3 Mais von der Firma Reudink aus Boxmeer in den Niederlanden vor. Auch fehlen bei diesen Futter Angaben zum Calciumgehalt. Dieses Futter ist speziell für ökologisch fütternde Milchviehbetriebe konzipiert.

Bezüglich des Einsatzzwecks wird bei den meisten Futtern der Einsatz zu Rationen mit ausgeglichenen Gehalten an Rohprotein und Energie empfohlen. Das Futter Milchviehf. MK 20/3 von Haneberg & Leusing aus Schöppingen soll zu eiweißschwachen Rationen verfüttert werden. Keine Angaben zum Einsatzzweck erfolgen beim Futter Biol. Kühe 18/3 Mais sowie für das Futter HS 300-Weizen von H. Schräder, Ochtrup.

Ergebnisse:

In der Übersicht 2 werden die Angaben der Hersteller, die durch die LUFA NRW analytisch ermittelten Rohnährstoffgehalte sowie die ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmte Energiestufe für die geprüften Futter dargestellt.

Ein Vergleich der analytisch ermittelten Nährstoffgehalte mit den Angaben der Hersteller zeigt überwiegend eine gute Übereinstimmung. Bei den Futtern Milchviehf. MK 20/3 und Deuka MK 204-G wird der angegebene Rohproteingehalt um 1,6 % bzw. 1,5 %-Punkte überschritten, was jedoch noch innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Toleranzen liegt. Beim Futter HS 300-Weizen wird ein Calciumgehalt von 1,27 % analysiert, womit der angegebene Wert von 0,7 % deutlich überschritten ist. Die Toleranzvorgaben gemäß Futtermittelverordnung werden nicht eingehalten.

Der Gehalt an organischer Substanz bewegt sich zwischen 80,0 % und 83,4 %. Die Werte unterscheiden sich wenig und ein Zusammenhang mit den deklarierten Energiegehalten ist nicht erkennbar. Die Verdaulichkeit der organischen Substanz unterliegt dagegen viel größeren Schwankungen. Die Werte variieren zwischen 80,8 % und 88,7 %. Der niedrige Wert wird für das Futter HS 300-Weizen ermittelt. Der aus den Verdaulichkeiten ermittelte Energiegehalt führt zu einer Eingruppierung in die Energiestufe 2, womit die Herstellerangabe mit Stufe 3 nicht erreicht wird. Das Futter Euro M 20-2 von Muskator wird der Energiestufe 3 zugeordnet, womit die deklarierte Energiestufe überschritten wird. Das Futter Biol. Kühe 18/3 Mais erreicht in der Prüfung die Energiestufe > 3. Hiermit wird die vom Hersteller angegebene Energiestufe ebenfalls überschritten. Bei den übrigen sieben Futtern wird der angegebene Energiewert bzw. die angegebene Energiestufe bestätigt.

Die Energieschätzung mit Hilfe des Hohenheimer Futterwerttests führt in allen Fällen zu mit den Ergebnissen der Verdaulichkeitsmessung am Hammel vergleichbaren Werten. Auch beim HS 300-Weizen liefert der HFT einen Energiewert, der zu einer Eingruppierung in die Stufe 3 führt. Tendenziell ergeben die HFT-Ergebnisse vor allem bei den energiereichen Milchleistungsfuttern geringere Energiegehalte als die Werte aus der Prüfung am Hammel.

Die Übersicht 2 zeigt auch die durch die LUFA NRW analysierten Gehalte an Zucker und Stärke. Die Zuckergehalte liegen zwischen 45 und 102 g/kg, womit der übliche Schwankungsbereich erreicht wird. Bei der Stärke sind die Unterschiede größer. Die Werte variieren zwischen 116 und 339 g/kg. Insbesondere Futter mit einem angegebenen Energiegehalt von 7,0 MJ/kg und mehr zeichnen sich durch höhere Stärkegehalte aus.

Kommentar:

Beim Futter HS 300-Weizen konnte die angegebene Energiestufe nicht bestätigt werden. Ursächlich sind ein niedriger Gehalt an organischer Substanz und vor allem eine zu geringe Verdaulichkeit des Futters. Der geringe Gehalt an organischer Substanz ist Folge des mit 8,3 % sehr hohen Aschewertes. Die niedrige Verdaulichkeit der organischen Substanz ergibt sich aus den gewählten Komponenten und deren Verdaulichkeit. In der Verdaulichkeit der Nährstoffe bestehen zwischen den Futterkomponenten und auch zwischen verschiedenen Chargen eines Futtermittels erhebliche Unterschiede. Diese Zusammenhänge nutzend lassen sich trotz ähnlicher Rohnährstoffgehalte qualitativ sehr unterschiedliche Milchleistungsfutter erstellen, was sich in den jeweiligen Energiegehalten widerspiegelt. Zur Qualitätsbeurteilung und für den zielgerichteten Einsatz sind deshalb Energieangaben zwingend erforderlich.

Im Einzelfall verbesserungsbedürftig sind Angaben zu den Fütterungshinweisen. Wünschenswert sind Angaben zu den Milcherzeugungswerten auf Basis des Energiegehaltes und des nXP-Wertes für Milch mit 4 % Fett und 3,4 % Eiweiß. Milcherzeugungswerte auf Basis des Rohproteingehaltes entsprechen nicht dem aktuellen Stand der Proteinbewertung im deutschen Futterbewertungssystem für Wiederkäuer. Wünschenswert sind ferner Informationen darüber, für welche Grobfuttersituation das Milchleistungsfutter eingesetzt werden soll. Diese Angaben fehlen in Gänze beim Futter HS 300-Weizen sowie beim Futter Biol. Kühe 18/3 Mais.

Fazit

Durch die Wahl der Komponenten lassen sich Milchleistungsfutter mit deutlichen Unterschieden in der Verdaulichkeit der organischen Substanz und im Energiegehalt trotz vergleichbarer Rohnährstoffe herstellen. Deshalb ist die Energieangabe seitens der Hersteller und deren Überprüfung im Rahmen neutraler Tests eine wichtige Aufgabe. Bis auf eine Ausnahme können in den vorliegenden Prüfdurchgängen die Energiegehalte der Futter bestätigt werden.