Milchleistungsfutter im Test
Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, wurden auftragsgemäß innerhalb der Energetischen Futterwertprüfung zwölf Ergänzungsfuttermittel für Milchkühe von ebenso vielen Mischfutterherstellern geprüft. Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen.
Neben den Gehalten an Rohnährstoffen und der Energie werden zur besseren Beschreibung der Futter auch die Gehalte an Stärke und Zucker ermittelt und dargestellt. Über das methodische Vorgehen im Detail informiert die Übersicht Ablauf und Methode der Energetischen Futterwertprüfung (siehe unten).
In den vorliegenden Prüfdurchgängen wurden fünf eiweißreiche Ergänzungsfutter für Kühe und sieben Milchleistungsfutter getestet. Die eiweißreichen Ergänzungsfutter sollen nach Herstellerangaben Rohproteingehalte von 24 bis 38 % besitzen. Bezüglich des Energiegehaltes werden zwei Futter mit der Energiestufe 2 deklariert. Die anderen drei Futter sollen 6,9, 7,1, bzw. 7,2 MJ NEL/kg besitzen. Die deklarierten Gehalte an Rohasche bewegen sich zwischen 9,0 und 10,5 %. Die Werte sind deutlich höher als in den Milchleistungsfuttern. Neben dem Proteinausgleich sollen die Futter auch einen Mangel an Mineralien in der Grobfutterration ausgleichen.
Bei den Milchleistungsfuttern sollen drei Futter zur Energiestufe 3 gehören. Die übrigen Futter werden mit Energiegehalten von 7,0 bzw. 7,1 MJ NEL/kg deklariert. Die Proteingehalte sollen 18, 19, 19,5 oder 20 % betragen. Die deklarierten Gehalte an Rohfaser liegen zwischen 5,0 und 12,1 %. Der Einsatz der Milchleistungsfutter soll zu ausgeglichenen Grobfutterrationen oder aber nach den Ergebnissen einer Rationsberechnung erfolgen.
Ergebnisse
Aus der Übersicht 2 sind die deklarierten Gehalte, die analytisch ermittelten Inhaltsstoffe sowie die am Hammel ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmte Energiestufe für die Futter zu entnehmen. Ein Vergleich der von den Herstellern angegebenen Nährstoffgehalte zeigt bei allen Futtern eine gute Übereinstimmung mit den durch die LUFA NRW ermittelten Gehalten. Dies gilt ebenfalls für die Mineralstoffgehalte. Die futtermittelrechtlichen Toleranzen werden eingehalten, außer beim Rohproteingehalt des Futters HS 23 der Firma H. Schräder aus Ochtrup. Hier wird der deklarierte Wert von 25 % in der Analyse mit 21,7 % deutlich unterschritten.
Der Gehalt an organischer Masse liegt bei den Prüffuttern zwischen 77,3 und 84,1 %, wobei die Milchleistungsfutter in aller Regel etwas höhere Werte aufweisen als die eiweißreichen Ergänzungsfutter, die meistens etwas stärker mineralisiert sind. Die Verdaulichkeit der organischen Masse variiert zwischen 79,6 und 90,1 %, womit eine wesentlich größere Variation besteht als im absoluten Gehalt an organischer Masse. Diese unterschiedlichen Verdaulichkeiten führen zu größeren Differenzen im Energiegehalt. Zwei Futter können in Energiestufe 2, drei Futter in Stufe 3 und sieben Futter in die Stufe >3 eingruppiert werden. Bei allen Futtern können die Energieangaben der Hersteller bestätigt werden. Auch die Energieschätzung mit Hilfe des Hohenheimer Futterwerttest führt bei fast allen Futtern zu einer Bestätigung der Energieangaben.
Angaben zu den analysierten Gehalten an Stärke und Zucker befinden sich ebenfalls in der Übersicht 2. Die Zuckergehalte variieren zwischen 52 und 98 g/kg. Bei der Stärke ergeben sich wesentlich höhere Werte und auch eine größere Schwankungsbreite. Die Analysedaten reichen hier von 40 bis 381 g/kg. Die eiweißreichen Ergänzungsfutter besitzen in der Regel niedrige Gehalte an Stärke. Für die ab September 2010 neu geltende Energieschätzgleichung für Rindermischfutter wird auch die Größe ADForg (Säure-Detergenzien-Fasern, aschefrei) benötigt. Deshalb befinden sich in der Tabelle auch Informationen zu diesem Kennwert. Die Werte bewegen sich zwischen 45 und 144 g/kg, wobei eine enge Beziehung zum Rohfasergehalt besteht.
Kommentar
In den vorliegenden Prüfdurchgängen wurde bei allen Futtern der vom Hersteller angegebene Energiewert durch die Messung der Verdaulichkeit im Hammeltest bestätigt, worin eine hohe Zuverlässigkeit in den Herstellerangaben zum Ausdruck kommt. Der Milchviehhalter kann deshalb seine Kraftfutterzuteilung entsprechend der tierindividuellen Milchleistung sachgerecht vornehmen. Dies ist zunächst einmal eine sehr erfreuliche Situation.
Die Analysen der Kohlenhydrate Zucker und Stärke zeigen vor allem beim Stärkegehalt sehr große Unterschiede zwischen den Futtern. Der Gehalt an Stärke und auch die Herkunft der Stärke ist für die Beurteilung und Vorhersage von Fermentationsvorgängen im Pansen von größter Bedeutung, gerade für Kühe in der Hochlaktationsphase, in der acidotische Pansenverhältnisse unbedingt vermieden werden sollten. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Forderung nach Angabe der Stärke- und Zuckergehalte in den Fütterungshinweisen, da dann die Auswahl und der Einsatz des Milchleistungsfutters passend zum Grobfutter noch zielgerichteter erfolgen kann.
Neben dem Energiewert eines Futters sind die Proteingehalte und die Proteinkennwerte maßgeblich für die Qualität und den Einsatzzweck des Futters. Die Angabe von Milcherzeugungswerten bei den Fütterungshinweisen sollte auf Basis von nutzbarem Rohprotein am Dünndarm und NEL für Milch mit 4 % Fett und 3,4 % Protein erfolgen. Bei den hier geprüften Futtern standen erfreulicherweise die Proteinkennwerte aufgrund der Angaben in den Begleitpapieren oder nach telefonischer Anfrage zur Verfügung.
Fazit:
Bei allen zwölf geprüften Futtern konnte die deklarierte Energiestufe bzw. der angegeben Energiegehalt durch die Verdaulichkeitsmessung am Hammel bestätigt werden. Bei einem Futter wurde beim Vergleich des analysierten mit dem deklarierten Rohproteingehalt die futtermittelrechtliche Toleranz überschritten. Wünschenswert sind gezielte Angaben zu den Gehalten an verschiedenen Kohlenhydraten, um so bei der Mischfutterauswahl eine passende Ergänzung zum eigenen Grobfutter zu finden.