Mykotoxine in Eiweißträgern?

Schweinefutter

In einer Sonderaktion der Landwirtschaftskammer NRW wurden Proben von Sojaextraktionsschrot und Ergänzungsfuttermitteln für Schweine auf mögliche Mykotoxinbelastungen untersucht. Was dabei heraus kam, erläutern Dr. Wolfgang Sommer und Josef Möllering von der Landwirtschaftskammer in Münster

Eine leistungs- und bedarfsgerechte Fütterung der Schweine mit qualitativ hochwertigen Futtermitteln zählt zu den wichtigsten Voraussetzungen für den erfolgreichen Schweinehalter. Für den Proteinsektor ist und bleibt das bei der Verarbeitung von Sojabohnen anfallende Sojaextraktionsschrot das Leitprodukt. Es fließt auch als Hauptkomponente in die Rezepturen der verschiedenen Ergänzungsfuttermittel für Schweine ein. Neben den wertbestimmenden Kriterien wie Rohprotein- bzw. Aminosäurengehalt, Energiedichte und Schalenanteil kommt dem Hygienestatus im Futter entscheidende Bedeutung zu. Wenn dieser unzureichend ist, können Leistungsdepressionen und Erkrankungen bis hin zu Totalausfällen die Folge sein.

Nachteilige Belastungen des Futters können sich beispielsweise durch giftige Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze (Mykotoxine) ergeben. Eintragungswege sind in erster Linie Getreide, vor allem Weizen und Triticale, unter Umständen aber auch das Sojaschrot. Im Vordergrund des Interesses stehen hierbei die sogenannten Leittoxine Zearalenon (ZEA) und Deoxynivalenol (DON) der Feldpilze (Fusarien). Als typische DON-Symptome gelten Erbrechen, Futterverweigerung und Schleimhautentzündungen, unter Umständen verbunden mit blutigem Durchfall. Beim ZEA handelt es sich um ein Toxin mit östrogener Wirkung. Es führt gerade in der Sauenhaltung zu Störungen im Fruchtbarkeitsgeschehen. Weibliche Zuchtschweine vor der Geschlechtsreife reagieren besonders stark auf ZEA-Belastungen.

Während das Getreide der letztjährigen Ernte in der Regel unbelastet war, wurde in einer NRW-weiten Sonderaktion der mögliche Eintragungsweg über Sojaschrote verfolgt. Zu diesem Zweck wurden von den Spezialberatern für Tierproduktion der Landwirtschaftskammer NRW insgesamt 25 Sojaschrotproben und 19 ´Proben von verschiedenen Ergänzungsfuttermitteln in schweinehaltenden Betrieben (Sauen, Mast) im Frühjahr 2004 gezogen und in der Lufa Münster untersucht. Bei den Untersuchungen auf ZEA und DON kamen sowohl das kostengünstige schnelle ELISA-Verfahren (rund 28.- Euro/Probe) als auch die aufwändigere HPLC-Methode (rund 85.- Euro/Probe) zur Anwendung.

Ergebnisse der Untersuchung

In den Übersichten1 und 2 sind die Untersuchungsergebnisse zusammengestellt. Danach wurden insgesamt nur geringe bis keine Mykotoxingehalte ermittelt. Von den 25 untersuchten Sojaschrotproben lagen die DON-Gehalte bei 23 Proben unterhalb der Nachweisgrenze von 0,2 mg/kg (nach ELISA). Lediglich bei zwei Proben konnten geringe DON-Gehalte zwischen 0,2 und 0,3 mg/kg festgestellt werden. Bei den ZEA-Gehalten waren bei 12 der 25 Sojaschrotproben keine Toxinbelastungen vorhanden, d.h. deren Analysenwerte lagen unterhalb der Nachweisgrenze von 0,01 mg/kg ( nach ELISA). Vier Proben enthielten äußerst geringe ZEA-Mengen von 0,01 bis 0,05 mg/kg. Bei neun Sojaschrotproben wurden ZEA-Gehalte zwischen 0,05 und 0,14 mg/kg analysiert. Von diesen neun Proben waren vier argentinischer Herkunft.

Von den 19 untersuchten Ergänzungsfuttermitteln für Schweine enthielten 10 kein ZEA und acht Proben nur sehr geringe Mengen zwischen 0,01 und 0,05 mg/kg. Nur eine Probe hatte einen ZEA-Wert von 0,06 mg/kg. Die DON-Ergebnisse lagen alle unterhalb der Nachweisgrenze von 0,1 mg (nach HPLC).

Übersicht 1: Ergebnisse der Sonderaktion 2004 „Mykotoxine“ in Sojaextraktionsschroten in NRW

Ergebnisse der Sonderaktion 2004 ¿Mykotoxine¿ in Sojaextraktionsschroten in NRW

Übersicht 2: Ergebnisse der Sonderaktion 2004 „Mykotoxine“ in Ergänzungsfuttermitteln für Schweine in NRW

Ergebnisse der Sonderaktion 2004 ¿Mykotoxine¿ in Ergänzungsfuttermitteln für Schweine in NRW

Fazit für die Praxis

Insgesamt wies das untersuchte Probenmaterial keine bzw. lediglich geringe Mykotoxinbelastungen auf. Nur in wenigen Fällen wurde der auf Futtermischungen (88 % TM) angewandte ZEA-Höchstwert von 0,05 mg/kg Futter für weibliche Zuchtschweine vor der Geschlechtsreife (0,25 mg/kg für Mastchweine und Sauen) geringfügig überschritten. In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl Sojaschrot als auch Ergänzer nur einen Teil der Futtermischung ausmachen, sind selbst diese leicht erhöhten ZEA-Gehalte als unproblematisch einzustufen. Allerdings kann dieses Gesamtbild aufgrund des begrenzten Probenumfanges nur als Stichprobe gewertet und demzufolge nicht auf den gesamten Schweinefuttermarkt übertragen werden.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Möllering