Sojaschrot durch Lysin ersetzen?

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Der enorme Preisanstieg bei Sojaextraktionsschrot führt derzeit zu einer spürbaren Erhöhung der Futterkosten. Ob und wie sich die Eiweißfutterkosten verringern lassen, erläutert Dr. Wolfgang Sommer von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster.

Betriebe mit Eigenmischungen haben momentan gute Möglichkeiten, den Sojaschrotanteil im Futter etwas abzusenken und dafür die im Augenblick relativ kostengünstige Aminosäure Lysin einzusetzen. Wie ein Schweinemäster dabei vorgehen könnte, verdeutlicht die einfache Beispielsrechnung in Tabelle 1. In einer Universalmastmischung mit Weizen und Gerste (ab 40 kg Lebendgewicht) werden üblicherweise 21 % Sojaschrot, das in der Standardqualität rund 43 % Rohprotein mit 26,8 g Lysin/kg enthält, benötigt, um die für die Mast erforderliche Lysin-Energie-Relation von 0,73 g Lysin je 1 MJ ME zu erreichen. Das in diesem Beispiel eingesetzte Mineralfutter enthält bereits 4 % Lysin, was praxisüblich ist.

Einsatz von reinem Lysin

Wird nun der Sojaschrotanteil von 21 % auf 17,5 %, wie in der Beispielsmischung dargestellt, abgesenkt, muss im Gegenzug ausreichend reines Lysin ergänzt werden, um die geforderte Lysin-Energie-Relation wieder herzustellen. Dieser Schritt erfolgt über die Ergänzung von 0,1 % L-Lysin-HCl (L-Lysin-Monohydrochlorid), ein Produkt, das rund 80 % reines Lysin enthält. Dieses industriell hergestellte Produkt ist auf dem Markt frei erhältlich und darf von jedem Landwirt direkt bezogen und verfüttert werden. Man kann sich den in diesem Beispiel erforderlichen Lysinanteil von 0,1 % aber auch ins Mineralfutter oder Ergänzungsfutter einmischen lassen. Dadurch wird die Handhabung für den Landwirt erleichtert. Das bereits mit 4 % Lysin ausgestattete Mineralfutter müsste dann rechnerisch 6,7 % reines Lysin aufweisen, um die gewünschte Ausgleichsmenge bei einem 3%-igen Mineralfutteranteil zu erhalten.

Die im Beispiel um 3,5 % Sojaschrot reduzierte Mastmischung enthält 16,9 % Rohprotein gegenüber 18 % der Ausgangsmischung. Bei diesem niedrigen Proteinniveau ist noch sichergestellt, dass die Mischung ausreichend Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan, also die nächstlimitierenden Aminosäuren enthält. Würde man den Sojaanteil jedoch weiter reduzieren, müssten Methionin und Threonin ergänzt werden. Hierdurch würde sich die Mischung aber unverhältnismäßig verteuern.

Für eine Endmastmischung ab etwa 70 kg Lebendgewicht ergäbe sich eine ähnliche Rechnung: Der Sojaschrotanteil könnte in der Gersten-Weizenmischung von 16 % auf 12,5 % bei Ergänzung von 2,5 % Mineralfutter (4 % Lysin) und 0,1 % L-Lysin reduziert werden. Soll das L-Lysin über Mineralfutter zudosiert werden, müsste dieses Mineralfutter 7,2 % reines Lysin enthalten.

Einsparung von Futterkosten/Mastschwein

Von welchen Kosteneinsparungen ist nun beim teilweisen Ersatz von Sojaschrot durch reines Lysin auszugehen? Hierzu werden in Tabelle 2 entsprechende Kalkulationen gemacht. Basis sind jeweils die Preise für Sojaschrot, Gerste und reines Lysin. Beispiel: Kostet 1 kg L-Lysin-HCl 3,00 € (ohne MwSt.), was in etwa dem derzeitigen Marktpreis entspricht, so könnten bei einem Gerstenpreis von 15,00 €/dt und einem Sojaschrotpreis von 30,00 €/dt rechnerisch 0,61 €/Mastschwein (80 kg Zuwachs) an Futterkosten eingespart werden, wenn 3,5 % Sojaschrot in der Mastmischung durch 0,1 % Lysin ersetzt werden. Aus den Berechnungen geht hervor, dass um so mehr Futterkosten einzusparen sind, je höher die Preise für Sojaschrot auf der einen und je niedriger die Kosten für Gerste auf der anderen Seite bei sonst gleichen Zukaufpreisen für das reine Lysin sind. Steigt der Zukaufpreis für L-Lysin, verringern sich die Futterkosteneinsparmöglichkeiten natürlich entsprechend.

Grenzpreise für reines L-Lysin

In Tabelle 3 wird schließlich dargestellt, wie teuer das L-Lysin-HCl max. im Zukauf sein darf, um gegenüber Sojaschrot noch wirtschaftlich zu sein. Basis sind wiederum die beiden Ausgangsmischungen. Auch hierzu ein Beispiel: Wenn Gerste 16,00 €/dt und Sojaschrot 28,00 €/dt kosten, ist der Einsatz von L-Lysin nur dann wirtschaftlich, wenn der kg-Preis deutlich unter 3,95 € liegt.

In der unteren Hälfte der Tabelle 3 werden entsprechende Kalkulationen für ein hochwertigeres Sojaschrot mit 45 % Rohprotein gemacht. Wie ersichtlich fallen die max. Lysin-Zukaufpreise um 10 % niedriger aus, was damit zu erklären ist, dass dieses Sojaschrot mehr Lysin enthält (27,8 g gegenüber 26,8 g Lysin/kg). Würde man die gleichen Berechnungen auf der Basis von HP-Schrot durchführen, läge die Preiswürdigkeit des L-Lysins nochmals jeweils 10 % darunter.

Das bleibt festzuhalten

Die enorm gestiegenen Sojaschrotpreise können etwas abgefangen werden, in dem ein Teil des Sojaschrotes durch reines Lysin (L-Lysin-HCl) in der Fütterung ersetzt wird. Momentan wird das technisch hergestellte Lysin relativ kostengünstig angeboten. Inwieweit sich die Preise an das Sojapreisniveau noch angleichen werden, bleibt abzuwarten.

Am Beispiel einer Universalmastmischung auf Basis von Getreide wird aufgezeigt, welche Futterkosteneinsparungen durch Ersatz von 3,5 % Sojaschrot durch L-Lysin möglich sind. Dabei spielen die jeweiligen Kosten für Gerste, Sojaschrot und L-Lysin eine Rolle. Der Einsatz von technisch reinem Lysin ist zu empfehlen, wenn Futterkosteneinsparungen von mind. 40 bis 50 Cent/Mastschwein realisiert werden können. Unter welchen Bedingungen das möglich ist, verdeutlichen die Berechnungen in Tabelle 3.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer