Pflanzenbau Aktuell, 15. Kalenderwoche

Getreide

Gerste:
In wärmern Lagen ist EC 31 erreicht. Sofern 1-2 Tage milde/warme oder auch strahlungsreiche Witterung gemeldet werden, sollten in gut entwickelten Beständen erste Wachstumsreglerbehandlungen mit 0,3-0,5 l/ha Moddus/Calma bzw. mit 0,6-1,0 l/ha Medax Top + 0,6-1,0 kg/ha Turbo durchgeführt werden. Gegen beginnenden Krankheitsbefall hat sich der Zusatz eines Fungizides mit reduzierter Aufwandmenge bewährt. Geeignet ist z.B. Input mit 0,5 l/ha. Bei stärkerem Mehltauaufkommen ist Gladio mit 0,4 l/ha zu bevorzugen. Auf humosen aber auch sehr tonigen Standorten ist häufig noch latenter bis starker Manganmangel zu beobachten hier bietet sich ein Zusatz von 5 kg/ha Epso Combi Top + 1-2 l/ha Lebosol Mangan Nitrat an. Alternativ zum Lebosol Mangan Nitrat sind z.B. auch 2-4 l/ha flüssiges Mangansulfat geeignet. Weitere Hinweise zum Wachstumsregler- bzw. Fungizideinsatz in der Gerste finden sich in einem entsprechenden Artikel in dieser Ausgabe.

Triticale:
Hier haben sich oft sehr gute teils auch dichte Beständen entwickelt. Ab EC 29 sind bei warmen / sonnigen Bedingungen Einkürzungsmaßnahmen mit 0,8-1,5 l/ha CCC angeraten. In den Sorten Grenado und Dinaro findet sich z. T. Gelbrost, aber auch Mehltau der in diesen Sorten bislang nicht auftrat, hat sich in einzelnen Schlägen stark etabliert. Entsprechendes wird besonders vom Niederrhein bzw. aus dem Kreis Minden-Lübbecke gemeldet. Ab EC 31 sollte bei entsprechendem Befall eine Bekämpfungsmaßnahme erfolgen. Geeignet sind z. B. Orius 0,75 l/ha + Talius/Vegas mit 0,2 l/ha oder wenn gleichzeitig eine Behandlung gegen Halmbruch notwendig wird auch Capalo ab 1,25 l/ha.

Roggen:

Im Roggen steht der Wachstumsreglereinsatz an. Hierfür ist aber ausreichend warmes bzw. sonniges Wetter erforderlich. Bei bedeckter Witterung und Tageshöchsttemperaturen von nur 12°C muss die Behandlung verschoben werden. Bei der momentan kühlen dunkeln Witterung findet der Braunrost keine günstigen Infektionsbedingungen. Auch hier sollten Behandlungen erst bei wärmerer sonniger Witterung erfolgen.

Weizen:
Hier geht es in gut entwickelten Beständen zumeist nur um erste Wachstumsreglermaßnahmen. In gut entwickelten Weizenbeständen die EC 29 erreicht haben und noch nicht eingekürzt wurden sind bei warmer / sonniger Witterung je nach Sorte und Bestand 0,8-1,5 l/ha CCC einzusetzen. Gegen Unkraut, das z. T. noch sehr stark aufgelaufen ist, können z. B. 30 g/ha Pointer SX/Dirigent SX zugemischt werden. Bei gleichzeitigem Auftreten von Klette und oder Kornblume ist Ariane C mit 1,0 l/ha besser geeignet. Ist in wärmeren Lagen bzw. anfälligen Sorten auch Mehltau zu berücksichtigen können Vegas oder Talius mit jeweils 0,2 l/ha zugemischt werden.

In späteren Saaten bzw. Flächen die mit Rücksicht auf die Kultur bislang noch nicht behandelt wurden geht es zunächst oft noch um die Gräserbekämpfung. Auf Problemflächen mit starkem Ackerfuchsschwanzdruck bleibt nur der Einsatz von Atlantis mit etwa 450 g/ha + 0,9 l/ha FHS + 30 l/ha AHL. Dies wird dem Weizen zu schaffen machen deshalb sollte ein Zusatz von Wachstumsreglern unterbleiben. Bei starkem Besatz mit Unkraut kann aber Biathlon mit 70 g/ha zugemischt werden. Gegen weniger hartnäckigen Ackerfuchsschwanz bietet sich mit breiter Wirkung gegen Unkraut, Broadway mit 220 g/ha + 1,0 l/ha FHS an. Auf Windhalmstandorten sind 150 g/ha + 0,65 l/ha FHS ausreichend. Ist auch Ralon Super noch wirksam ist es gegen Ackerfuchsschwanz eine verträgliche und günstige Alternative. Zur Unkrautkontrolle kann Biathlon (70 g/ha) oder Ariane C 1,0 l/ha zugemischt werden. Auf humosen bzw. auf sehr tonigen Standorten zeigt auch Weizen z. T. Manganmangelsymptome. Hier empfiehlt sich jeweils die Zumischung von 5 kg/ha Epso Combi Top + 1,0 l/ha Lebosol Mangan Nitrat bzw. + 2,5 l/ha Mangansulfat flüssig.

Raps:
Zumindest in den Niederungslagen ist Raps deutlich ins Längenwachstum gegangen und hat Wuchshöhen von gut einem Meter erreicht. Frostschäden am Wurzelgrund mit sekundärem Botrytisbefall sind in zahlreichen Beständen zu finden. Je nach Standort und Sorte ist die Ausprägung sehr unterschiedlich. Gezielte Behandlungen sind kaum möglich, allenfalls können geringe Nebeneffekte erreicht werden. Dort wo bis dato noch keine Fungizidbehandlung erfolgt ist, kann nun nach den Niederschlägen eine breitere Wirkung erwartet werden. In dicht entwickelten Beständen ist mehr Wert auf eine gute Wachstumsreglerkontrolle zu legen. Hier sollte dann Carax, Caramba, Folicur oder auch Orius mit 0,6 bis 1,0 l/ha zum Einsatz kommen. In eher dünneren Beständen tritt die Wachstumskontrolle in den Hintergrund. Hier kann dann eher Tilmor oder auch Matador zum Einsatz kommen. In ausgedünnten Beständen kann mit Fungiziden ein leichtes Glattziehen der Bestände versucht werden. Kräftig wachsende Pflanzen werden stärker gestaucht, so dass kleiner Pflanzen besser nachziehen können. Hier sollten aber deutlich reduzierte Aufwandmengen zum Einsatz kommen.

Die Rapsglanzkäfer sind aufgrund der unbeständigen Witterung in den „Untergrund“ gerückt. Der Zusatz eines Insektizids wird daher in den meisten Fällen nicht erforderlich sein. Falls doch, bietet sich Biscaya (300 ml/ha) als Zumischpartner an. Auch in Kombination mit Fungiziden bleibt die B4-Einstufing (nicht bienengefährlich) bestehen. Zur Absicherung der Borversorgung können 5 kg/ha Epso Micro Top + 1,0 l/ha Solubor zugegeben werden.

Mais:
Altverunkrautung die nicht sicher durch noch folgende Bodenbearbeitungsmaßnahmen abgetötet wird, sollte vor der Bodenbearbeitung mit glyphosahaltigen Produkten behandelt werden. Dies gilt besonders bei starkem Besatz mit Ackerfuchsschwanz, Kamille, Vogelmiere oder Storchschnabel. Es reicht, wenn bis ½ Tag vor der Bearbeitung behandelt wird.

Kartoffeln: Ortiva-Furchenbehandlung zugelassen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 04.04.2012 die Zulassung von Ortiva um die Indikation Reihenbehandlung in die Kartoffelfurche bei der Pflanzung erweitert. Die Zulassung bezieht sich auf die Erreger Rhizoctonia solani und Colletotrichum coccodes, es besteht aber auch eine Nebenwirkung auf Silberschorf. Zugelassen wurde eine maximale Aufwandmenge von 3 l/ha in 150 bis 200 l/ha Wasser. Auf sorptionsschwachen Böden mit geringem Ton oder Humusanteil wird eine Aufwandmenge von 2 l/ha empfohlen.

Das Pflanzgerät ist mit speziellen Düsen auszurüsten, die eine Ausbringung der Spritzflüssigkeit in den Boden ohne Benetzung der Pflanzknollen ermöglichen. Bewährt haben sich dabei 2 oder 3 Flachstrahl- oder Zungendüsen mit einer Verteilung von 1/3 der Wassermenge vor die Knollenablage in die offene Furche und 2/3 hinter der Knollenablage in den Erdstrom der Zudeckorgane. Der Spritzwinkel ist so einzustellen, dass das Ablaufen überschüssiger Spritzflüssigkeit an den Scharen der Pflanzmaschine minimiert wird.

Auflaufverzögerungen sind bei vorgeschädigtem oder keimschwachem Pflanzgut möglich. Außerdem können einige Sorten empfindlich auf Ortiva reagieren. Deswegen unbedingt ein Behandlungsfenster ohne Furchenbehandlung anlegen.

Im Rahmen der Indikationserweiterung wurde folgende Anwendungsbestimmungen erteilt: NG 340-1: Auf derselben Fläche im folgenden Kalenderjahr keine Anwendung von Mitteln mit dem Wirkstoff Azoxystrobin; NG 405: Keine Anwendung auf drainierten Flächen.

Kartoffeln: Unkrautbekämpfung unter Folie

Für die Unkrautbekämpfung unter Folie können ausschließlich Bodenherbizide eingesetzt werden. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, sollten die Dämme feucht und wenn möglich etwas abgesetzt sein. Da die Einzelprodukte Wirkungslücken haben, ist in den meisten Fällen eine Kombination der Präparate sinnvoll. Die Mischung von Boxer mit 3,5 l/ha und Sencor/Mistral mit 0,3 kg/ha hat sich bewährt. Eine Kombination von 3,5 l/ha Bandur und 0,3 kg/ha Sencor/Mistral ist besonders unter trockeneren Verhältnissen von Vorteil. Clomazone-Präparate (Centium) eignen sich unter Folienabdeckung nicht. Bei Nachbau von Gemüse einschließlich Kohl dürfen Aufwandmengen von 0,3 kg/ha Sencor nicht überschritten werden .

Mistral hat rechtzeitig die langfristige Zulassung bis zum 31.12.2022 erhalten.

Grünland

Bei der Unkrautbekämpfung Wartezeit beachten.

Unkraut mechanische Bekämpfung Bevorzugte Präparate Menge optimaler Zeitpunkt, Bemerkungen
Ampfer zeitiges Ausmähen,
Nachmahd,
Aussamen verhindern)
Lodin
Fluxyr 200 EC
Starane Ranger
Ranger
Simplex
2,0 l/ha
1,8 l/ha
3,0 l/ha
2,0 l/ha
2,0 l/ha
Spätsommer im Rosettenstadium (viel Blattmasse und Zeitpunkt der besten Assimilat- bzw. Wirkstoffeinlagerung) bei 10 - 20 % geschobenen Blütenständen
Löwenzahn früh schneiden,
intensiv beweiden
Fluxyr 200 EC
Lodin
Starane Ranger
Ranger
Banvel M
1,2 l/ha
1,5 l/ha
2,0 l/ha
1,4 l/ha
6,0 l/ha
vollständige Blattentwicklung (Blütenknospen erscheinen) im Spätsommer.
Jakobskreuzkraut ausstechen,
früh schneiden
Banvel M
Simplex
6,0 l/ha
2,0 l/ha
im Rosettenstadium

Mit Ausnahme vom Simplex (8 Tage) haben die oben aufgeführten Herbizide bei der Frühjahrsanwendung eine Wartezeit von 14 Tagen. (Lodin 21 Tage bei Sommernutzung bzw. Heunutzung)

Bei der Bekämpfung von Jakobskreuzkraut hat Simplex die beste Wirkung. Auf Grund der Anwendungsbestimmungen darf in vielen Fällen dieses Präparat jedoch nicht eingesetzt werden. Alternativ ist nur das Banvel M gegen Jakobskreuzkraut einsetzbar. Dieses Präparat wirkt jedoch nur bei kleinen Stadien bis zur Rosettenbildung dieses Unkrautes. Deswegen sollte alsbald als möglich behandelt werden. Behandelte Flächen sollten auf jeden fall mit einer geprüften Grasmischung, z. B. GV 5 nachgesät werden.