Pflanzenbau Aktuell, 21. Kalenderwoche
Mais
Warmes Wetter und hohe Nachtemperaturen bieten optimale Bedingungen für anstehende Herbizidmaßnahmen. In Beständen wo der Mais 3-4 Blätter ausgebildet hat, sind auch die Unkräuter so weit entwickelt, dass 2/3 bis volle Aufwandmengen erforderlich sind. Eine zweite Maßnahme ist hier nur bei sehr starkem Unkraut- bzw. Hirsedruck oder gegen Wurzelunkräuter (Winde, Distel, Ampfer, Quecke) erforderlich.
Weizen
Höhere Temperaturen in Kombination mit Tau oder Niederschlägen begünstigen die Entwicklung von Braunrost und DTR. Bestände die noch nicht bzw. das letzte Mal vor 14 Tagen behandelt worden sind, sollten auf Befall kontrolliert werden. Findet sich frischer Ausgangsbefall und die erste breit wirksame Fungizidbehandlung liegt mehr als 14 Tage zurück sind zeitnahe Behandlungen angeraten:
Für diese Zwischenbehandlung mit Schwerpunkt DTR und Braunrost bietet sich z.B. eine Kombination aus 0,5 l/ha Diamant + 0,5 l/ha Achat an. Wurde erst in den letzten 7 Tagen eine breitwirksame Behandlung mit z.B. Input Xpro + Achat gefahren, besteht bis zur Abschlussbehandlung in der Blüte kein Handlungsbedarf. DTR ist derzeit nur bei Weizen nach Weizen relevant.
Geht es vorwiegend um Braunrost, kann eine Absicherung mit z.B. 0,5 l/ha Epoxion oder 1,5 l/ha Osiris erfolgen. Stärkerer Braunrostdruck ist derzeit im Rheinland, im Ruhrgebiet sowie im westlichen Münsterland gegeben.
Überwiegend sind die Bestände sehr gesund so dass zumeist nur noch die Abschlussbehandlung zur Blüte des Weizens ansteht (siehe weitere Hinweise in einem speziellen Beitrag zur Abschlussbehandlung im Weizen.
In engen Getreidefruchtfolgen ist bei Weizen nach Weizen, Triticale nach Weizen bzw. Sommergetreide nach Weizen relevanter Befall mit Weizengallmücke nicht auszuschließen. Die warme Witterung begünstigt entsprechende Aktivität. Mit Beginn des Ährenschiebens legen die Gallmücken Eier hinter die Spelzen der Ährchenanlagen. Der Schaden wird durch die Saugtätigkeit der sich entwickelnden Larven verursacht. Behandlungen mit Pyrethroiden (Karate Zeon, Decis, Fury, usw.) waren in der Vergangenheit ausreichend wirksam. Auch dann wenn die Behandlung gegen Mitte Mai also gut 10 Tage vor dem Ährenschieben durchgeführt worden ist. Erste Läuse, Getreidehähnchen und Thripse werden ebenfalls erfasst. Ohne besonderen Schädlingsdruck sollte auf einen Insektizidzusatz verzichtet werden um erste Läusen den vorhandenen Marienkäfern zu überlassen.
Das feucht warme Wetter ist optimal zur Distelbekämpfung. Diese kann bis EC 37/39 erfolgen. Besonders günstig ist es wenn in den Morgenstunden auf eine noch weiche Wachsschicht behandelt wird.
Triticale
Mit Ausnahme sehr später Lagen hat Triticale EC 51-59 (Beginn bis Ende Ährenschieben) erreicht. Schwüle Witterung in Kombination mit Niederschlägen begünstigt Infektionen mit echten Fusariosen. Die Abschlussbehandlung sollten daher Präparate mit guter Wirkung gegen Roste, Septoria nodorum und Fusarium gewählt werden. Besonders geeignet sind z.B. Skyway Xpro (1,0-1,25 l/ha) und Osiris (2,5 l/ha).
Bei stärkerem Schädlingsdruck empfiehlt sich in wärmeren Lagen der Zusatz eines Insektizids (Bienenschutzauflagen beachten!)
Roggen
Auch hier steht mit Erreichen der Blüte die Abschlussbehandlung an. Zur Absicherung gegen Braunrost haben sich unter anderem Adexar (1,5 l/ha) und Skyway Xpro (1,0-1,25 l/ha) als besonders geeignet erwiesen. Ebenfalls geeignet sind u.a. (Aviator Xpro + Fandango 0,6 +0,6 l/ha), Diamant (1,0 l/ha) + Osiris (1,0 l/ha) oder Fandango (1,0 l/ha + Pronto Plus 1,0 l/ha). Hinsichtlich der Schädlingskontrolle gelten die Hinweise zur Triticale.
Kartoffeln: Krautfäulewetter zu erwarten
Bislang war es zwar ausreichend nass, aber nicht warm genug für eine Krautfäuleentwicklung in NRW. Sobald aber die Temperaturen ansteigen und es weiterhin so feucht bleibt, herrschen gute Krautfäulebedingungen im Freiland vor, dann muss je nach Entwicklungsstand der Kartoffeln unter Umständen schon vor dem offiziellen Spritzstart (GBZ 150) behandelt werden.
Frühkartoffeln unter Folie oder Vlies müssen sofort nach Abnahme der Abdeckung mit systemischen ( Epok, Fantic M, Infinito, Proxanil, Ridomil) oder lokalsystemischen (z.B. Curzate, Revus, Tanos, Valbon, Zetanil M) Fungiziden plus Sporenkiller (z.B. Ranman Top, Shirlan, Banjo, Nando, Terminus) behandelt werden. Auf Grund der Witterung sollten die Folgebehandlungen auch systemisch oder lokalsystemisch erfolgen. Wartezeiten beachten! Erste Befallsflächen wurden am Niederrhein gefunden.
Frühkartoffeln ohne Abdeckung sollten spätestens bei Reihenschluss (Pflanzen innerhalb der Reihe berühren sich) mit systemischen oder lokalsystemischen Fungiziden plus Sporenkiller behandelt werden. In einigen Beständen ist dieser Entwicklungsstand schon erreicht.
Alternariabefall in Frühkartoffeln kann durch den durchgängigen Einsatz von Mancozeb-haltigen Krautfäulefungiziden beginnend mit den Startspritzungen kontrolliert werden.
Die mittelfrühen Sorten die Anfang April gepflanzt wurden laufen jetzt auf. Normalerweise ist es für eine Krautfäulespritzung noch zu früh. Sind oder waren die Schläge aber über 5 bis 7 Tage nicht befahrbar, ist bei den prognostizierten wärmeren Temperaturen schon 10 Tage später mit Stängelbefall zu rechnen, unabhängig davon wie groß die Kartoffeln (10 - 15 cm) sind. Dann muss ein Spritzstart erfolgen. Auf Grund der Witterung werden systemische oder lokalsystemische Fungizide plus Sporenkiller für den Start empfohlen.
Zur Resistenzvermeidung sollten Epok, Fantic und Ridomil möglichst nur 1x eingesetzt und niemals in sporulierende Bestände appliziert werden. Sind Sporen vorhanden muss auf lokalsystemische Mittel, Infinito oder Proxanil zurückgriffen werden.
In NRW hat es sich bewährt zur Alternariabekämpfung Mancozeb-haltige Krautfäulefungizide (z.B. Curzate, Fantic M, Ridomil, Valbon, Zetanil M) von Beginn an in die Spritzfolgen einzubauen und dann später durch die Spezialfungizide Ortiva/Signum oder der Kombination Tanos plus Shirlan zu ergänzen.
In Rheinland-Pfalz und Bayern wurden in einigen Regionen schon Kartoffelkäfer gefunden. Bei den vorher gesagten steigenden Temperaturen ist auch in NRW mit dem Auftreten von Kartoffelkäfern zu rechnen. Ab 15 Larven je Pflanze sollte behandelt werden. Bei Vorhandensein von blühenden Unkräutern Bienenschutzauflagen beachten. Bestände auch auf Blattläuse kontrollieren!
Das Herbizid Cato darf nicht bei starken Temperaturschwankungen von mehr als 15 °C zwischen Tag- und Nachttemperaturen eingesetzt werden. Neben Blattreaktionen können auch Knollenschäden in Form von Wachstumsrissen auftreten, wenn diese Mittel zum Zeitpunkt der Stolonenverdickung eingesetzt werden.
Zuckerrüben
Die bisherigen NAK-Behandlungen haben auf Grund ausreichender Bodenfeuchte gute Wirkungsgrade erzielt. Damit dieser gute Bekämpfungserfolg erhalten bleibt, sollte jetzt die Abschlussbehandlung zur Versiegelung durchgeführt werden, bevor die Rüben den Boden zu stark beschatten. Zur Vermeidung einer Spätverunkrautung vor allem von Gänsefuß/Melde ist eine ausreichende Menge an Bodenwirkstoffen, speziell Metamitron, in der Spritzfolge wichtig. Die gesamte Wirkstoffmenge Metamitron sollte dabei mindestens 2.500 besser 3.000 g/ha betragen. Kommt auch Rebell in den Herbizidmischungen zum Einsatz, kann diese Menge zu 50 % angerechnet werden. Eine gewisse Versiegelung gegen Bingelkraut kann über den Einsatz von Ethofumesat, Rebell und Spectrum in der Abschlussbehandlung erreicht werden.
Sind noch durchgegangene Unkräuter zu bekämpfen, muss selbst bei der momentan unbeständigen und kalten Witterung, neben den Bodenherbiziden auch mit hohen blattaktiven Mischpartnern gearbeitet werden, auch wenn die dafür erforderlichen Herbizidmengen der Rübe zusetzen. Schäden wie Verbrennungen im Randbereich der Blätter oder Aufhellungen müssen akzeptiert werden. Werden hohe Aufwandmengen gefahren setzt zudem jeder zusätzlichen Mischungspartner die Verträglichkeit weiter herab. Gegebenenfalls solche Behandlungen im Splitting (Spritzabstand 3 - 4 Tage) durchführen.
Beispiele: Gegen Weißen Gänsefuß mit 1 - 2 Laubblättern können 1,5 l/ha Betanal maxxPro + 1,5 - 2,0 l/ha Goltix Gold + 1,0 l/ha Öl oder sonst. Additive eingesetzt werden. Tritt zusätzlich Bingelkraut mit 1 - 2 Laubblättern auf, können 1,2 l/ha Betanal maxxPro + 0,2 l/ha Ethosat 500 + 1,0 l/ha Goltix Gold + 0,6 l/ha Rebell + 0,4 l/ha Spectrum + 25 g Debut (ohne FHS) eingesetzt werden. Muss eine Rebell-freie Behandlung erfolgen kommt Goltix Gold mit 1,5 l/ha und Debut (ohne FHS) 30 g/ha zum Einsatz. Die genannten Mittelbausteine können natürlich auch aus Powertwin Plus, Metafol, Goltix Super, Kontakt 320 SC sowie anderen PMP-Präparaten zusammengestellt werden.
Durchwuchskartoffeln können mit Herbiziden nicht ausreichend bekämpft werden. Versuchsweise (ohne Erfolgsgarantie) können Mischungen aus Debut 30 g/ha + Lontrel 720 80 g/ha + Betanal maxxPro 1,5 l/ha (oder vergleichbare Produkte) eingesetzt werden. Die Behandlung muss dabei in jedem Fall nach ca. 8 Tagen wiederholt werden. Gegen Durchwuchskartoffeln sind selbst Glyphosatanwendungen mit dem Streichstab oder mechanische Maßnahmen nicht immer befriedigend.
Gegen Disteln (Wuchshöhe ca. 15 cm) darf die Aufwandmenge von Lontrel nicht unter 80 g/ha liegen. Wichtig: Sowohl die Disteln als auch die Witterung sollte wüchsig sein. Mit einem Zusatz von Netz- oder Haftmitteln kann die Mittelaufnahme und damit die Wirkung verstärkt werden. Da Disteln überwiegend nur nesterweise auf dem Acker auftauchen und daher nicht die ganze Fläche behandelt werden muss, halten sich auch die Kosten in Grenzen.
Unkrautrüben, die zunächst leicht übersehen werden, führen wegen der starken Vermehrung innerhalb weniger Jahre zu einer massiven Verunkrautung der Flächen. Dann kann nur noch mit erheblichem Aufwand reagiert werden, um Ertrags-, Qualitäts- und Ernteverluste zu vermeiden. Sobald Rüben außerhalb der Reihen zu finden sind, sollte die Bekämpfung beginnen. Innerhalb der Rübenreihen und bei kleineren Nestern erfolgt dies von Hand. Bei größeren Nestern sollte auf diesen Teilflächen ab 6-Blattstadium die Maschinenhacke (auch mehrfach) eingesetzt werden. Die spätere Beseitigung der Schosserrüben durch Ziehen von Hand oder Glyphosat-Behandlung sollte eine Notlösung sein, da der Aufwand erheblich und der Erfolg nur begrenzt ist.
Auf Standorten mit häufiger auftretender Herz- und Trockenfäule kann eine Blattdüngung mit Bor wirtschaftlich sein. Die Behandlung sollte vor Auftreten der Symptome zum Reihenschluss der Rüben erfolgen. Trotz separater Überfahrt ist dieser Zeitpunkt effektiver als der Einsatz in Kombination mit der Abschlussbehandlung bei der Unkrautbekämpfung. Zu diesem Zeitpunkt ist die Rübenpflanze zu klein und der Blattdünger wird nur unzureichend aufgenommen. Auch ein Hinauszögern der Maßnahme bis zur Blattfleckenbekämpfung ist nicht ratsam, da zu diesem Zeitpunkt Bormangel und damit der Schaden meist schon vorliegt.
Bormangel an Zuckerrüben tritt zum einen bei zu geringem Borvorrat im Boden auf. Weitaus häufiger wird die Mangelsituation jedoch durch eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Bor im Boden ausgelöst. Vor allem Trockenheit (z.B. Regenschattenregion Euskirchen) oder Festlegung bei hohen pH-Werten durch Aufkalkung zu Zuckerrüben sind hier zu nennen. Gerade unter solchen Situationen ist eine Blattdüngung sinnvoll, eine Bordüngung über den Boden nutzt hier wenig. Die Bormenge beträgt dabei ca. 500 g/ha (Faustzahl = 70 g Bor/100 dt Ertragserwartung).