Nitratdienst November 2018

Wintergetreideacker im NovemberBild vergrößern
Unter allen Getreidearten sind durchschnittlich hohe bis sehr hohe Nmin-Werte festzustellen.

Noch sehr trocken und zu warm

Der Nitratdienst berichtet über die Entwicklung des mineralischen Bodenstickstoffs im Zeitraum von Anfang Oktober bis Anfang November unter den Referenzflächen in NRW. Insgesamt hat sich an den Umständen im Vergleich zum Vormonats kaum etwas geändert. Die Witterung hatte viel zu wenig Niederschlag herbeigeführt und es war deutlich zu warm für diesen Zeitpunkt im Jahr. Zur Folge hatte dies, dass die Vegetationsruhe noch nicht wirklich eintreten konnte und bei den noch nicht geernteten Erst- oder Zweitfrüchten sowie den Neuansaaten der Stoffwechsel aufrecht gehalten wurde und eine Einlagerung von Nährstoffen, bzw. Wachstum stattfinden konnte. Lediglich die deutlich kürzer werdenden Tage bremsen die Vorgänge etwas aus.

Innerhalb des vierwöchigen Beobachtungszeitraums gab es bis auf wenige Ausnahmen in der Summe nicht mehr als 40 Millimeter Niederschlag, die von den Wetterstationen gemessen wurden. Lediglich im Raum Aachen waren es geringfügig höhere Summen. Trockenere Bereiche mit nur maximal 20 Millimeter gab es ungewöhnlicherweise in den Mittelgebirgsregionen. Somit haben sich die wenigen Niederschlagsereignisse mehr oder weniger im Tiefland ereignet und die Wolken haben die Gebirge kaum mehr erreicht. Zeitlich haben sich die Niederschläge fast ausschließlich in der letzten Oktoberwoche und den Monatswechsel im Zuge eines Tiefausläufers ereignet.

Die ersten drei Wochen des Beobachtungszeitraums war geprägt von sehr viel Sonnenschein und sehr warmen Temperaturen. An vielen Tagen wurden Temperaturen weit über zwanzig Grad Celsius erreicht. Nachts blieb es außerdem ausgesprochen mild mit zum Teil zweistelligen Werten! Erst ab der dritten Oktoberdekade gingen die Temperaturen bis zum Monatswechsel stetig zurück, sodass zum Monatsende Tag- und Nachttemperaturen kurzfristig im einstelligen Bereich lagen.

Ab November wurde allerdings wieder eine Trendwende eingeleitet und es ging mit den Temperaturen wieder bergauf. Leichten Frost gab es innerhalb des Beobachtungszeitraums maximal innerhalb der letzten beiden Wochen. Für diese Jahreszeit hätte man deutlich mehr diesbezüglich erwartet. Dieser Frost hat in der Regel noch nicht für ein Absterben von nicht winterharten Zwischenfrüchten wie z.B. Ackersenf geführt. Maximal Bestände mit Phacelia oder Ramtillkraut könnten bereits Abfrierungserscheinungen anzeigen. Die außergewöhnlich hohen Lufttemperaturen haben zwangsläufig auch die Bodentemperaturen auf einem hohen Niveau gehalten. In der Krumenscheicht (0 bis 30 cm) wurden über lange Zeiträume durchaus noch zweistellige Werte erreicht. Weiterhin sehr kritisch zu betrachten ist der Wasservorrat im Boden aufgrund der weiterhin anhaltenden Trockenheit. Die geringen Niederschläge haben allemal zur leichten Befeuchtung der Krume geführt und wurde größtenteils schnell wieder verdunstet. Bis Ende Oktober lag die nutzbare Feldkapazität in den obersten 30 cm meist unter 30 Prozent. Mit den einsetzenden Regen wurde es nur geringfügig besser. Auf den leichten Böden des Münsterlandes ist die Situation durchaus dramatischer. Von einer nennenswerten Verlagerung oder gar Auswaschung von Nitratstickstoff war erneut nicht von auszugehen.

Vegetationsperiode ist noch nicht beendet!

Die außergewöhnlich warmen Luft- und Bodentemperaturen sowie die sonnige Phase in der ersten Oktoberhälfte haben zu den eingangs beschriebenen günstigen Stoffwechselbedingungen bei den Kulturen geführt. Profitiert hat darüber hinaus ebenfalls das Bodenleben. Die Umsetzung von organischem hin zu, für die Pflanzen verwertbaren mineralischen Stickstoff, war in der Kombination mit der leichten Durchfeuchtung im Oberboden weiterhin ideal, sodass durch den Prozess der Mineralisation weiterhin stetig Stickstoff in das System eingespeist wurde und damit messbar ist. Noch nicht geerntete Zuckerrüben konnten durchaus noch weiteren Zucker einlagern.

Viele Zwischenfruchtbestände haben ihre vegetative Entwicklung aufgrund der Trockenheit vorzeitig abgeschlossen und befinden sich in der Blüte. Aufgrund der geringeren oberirdischen Biomasse sowie des geringeren Wurzelwachstums ist die Einlagerung von Stickstoff mit Sicherheit in vielen Fällen daher nicht maximal optimal und daher anders als üblich. Hinzu kommt, dass die Bestände oft nicht homogen sind, weil die Auflaufbedingungen schon nicht ideal waren. Von den milden Temperaturen und der weiterhin meist vorhandenen hohen Stickstoffversorgung im Oberboden profitieren auch die neuen Hauptsaaten wie Winterraps und Wintergetreide. Begrenzend beim Wachstum wirkt hier höchstens der Wasservorrat. Viele Winterrapsbestände, die im Gegensatz zum Getreide durch den früheren Aussaattermin noch mehr Trockenheit abbekommen haben, konnten sich deshalb nicht optimal etablieren, weshalb sie z.T. auch wieder umgebrochen werden mussten. Bei den gut etablierten Beständen muss besonders auf ein Überwachsen der Bestände in der Vorwinterentwicklung geachtet werden. Auch einige Wintergetreidebestände sind sehr weit in ihrem Entwicklungsstand.

Überdurchschnittliche Nmin-Werte unter allen Kulturen

Im Gegensatz zu den letzten Terminen des Nitratdienstes konnten beim aktuellen Termin an vielen Standorten die Nmin-Probe wieder regulär bis in eine Tiefe von 0 bis 90 cm gezogen werden. Somit kann nun nach längerer Zeit wieder ein realistischeres Bild von der Nmin-Versorgung im Wurzelraum abgebildet werden. Der Vergleich mit den Vormonatswerten ist jedoch noch unzureichend, weil dort bei vielen Proben aufgrund der Trockenheit die unterste Bodenschicht nicht beprobt werden konnte. Alle Referenzflächen mit Wintergetreide weisen zwei- bis dreistellige Nmin-Werte auf, wobei die zweistelligen Werte in vielen Fällen sogar in der Krumenschicht vorliegen. Dabei macht auch Wintergerste, die am weitesten entwickelt ist und damit den meisten Stickstoff aufgenommen hat, kaum eine Ausnahme. Da so gut wie keine der Referenzflächen im Herbst gedüngt wurde, entstammen die Nmin-Vorräte von durchschnittlich knapp 100 kg/ha über die Getreidekulturen ausschließlich aus den Rückständen der Vorkultur und der Mineralisation. Zu berücksichtigen ist darüber hinaus, dass sich hierunter Flächen befinden, wo die unterste Bodenschicht immer noch nicht beprobt werden konnte und die Nmin-Werte in diesen Fällen noch höher ausfallen würden. Der Stickstoff ist mengenmäßig meist auf die beiden oberen Bodenschichten (0 bis 30 cm und 30 bis 60 cm) verteilt vorzufinden. Nach der Vorkultur Kartoffel ist der Anteil in der Krume jedoch deutlich erhöht. Dies trifft z.B. unter den beiden mit Wintertriticale bestellten Flächen in Salzkotten und Stemwede Levern oder der mit Winterweizen bestellten Fläche in Goch-Pfalzdorf zu, wo in der Krume jeweils dreistellige Nmin-Werte gemessen werden konnten.

Das außergewöhnlich hohe Nmin-Niveau trifft auch für die drei mit Winterraps bestellten Flächen zu. Die Werte liegen hier im mittleren, bzw. oberen zweistelligen Bereich. In der Regel hat Raps, nachdem er sich etabliert hat, das Vermögen, immens hohe Mengen an Stickstoff aufzunehmen. Bei den jetzt noch vorhandenen hohen Werten kann man entweder auf weniger gut entwickelte Bestände schließen oder auf besonders weit entwickelte, bei denen absterbende Blätter wieder Stickstoff an den Boden abgegeben haben.

Auch bei vielen mit Winterzwischenfrüchten bestellten Flächen stellt sich das Nmin-Niveau erhöht dar. Durchschnittlich werden unter allen Kulturen außer ZF-Gras mit ca. 20 bis 40 kg/ha noch etwa die Hälfte der Werte der oben beschriebenen Winterungen erzielt. Neben dem eingangs erläuterten oftmals schlechten Entwicklungsgrad und dem Einleiten einer „Notblüte“ und einer damit unzureichenden Aufnahme an Stickstoff, muss hier bedacht werden, dass einige dieser Bestände im Herbst bis zum erlaubten Termin am 1. Oktober noch gedüngt worden sind. Hier kommt im Vergleich zum Wintergetreide noch eine weitere N-Quelle hinzu. Am niedrigsten liegen die Nmin-Werte beim ZF-Ackersenf, wo es durchaus Flächen mit nur einstelligen Nmin-Werten gibt. ZF-Ackergras weist mit durchschnittlich etwa 80 kg/ha Nmin die höchsten Werte auf.

Autor: Holger Fechner