Alternaria-Blattflecken - Ernst zu nehmendes Problem oder überschätzter Schaderreger?

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Alternaria solani: Größere Blattflecken mit konzentrischen Ringen


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Alternaria alternata: Kleine Sprühflecken mit konzentrischen Ringen auf meist noch grünen Blättern


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Stark befallene Pflanzen bzw. Triebe stehen wie Leuchttürme über dem Bestand


Die innerhalb der letzten drei Jahre von der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen durchgeführten Versuche und Monitoringerhebungen zu Alternaria-Blattflecken in Kartoffeln haben viele neue Erkenntnisse gebracht aber auch neue Fragen aufgeworfen.

Frühes Auftreten von Sprühflecken, Sortenanfälligkeiten und Ertragsrelevanz der Sprühflecken sowie totale Wirkverluste durch Fungizidresistenzen müssen grundlegend analysiert und neu bewertet werden.

Wann und wie tritt Alternaria auf?

Alternaria wird besonders durch witterungsbedingte Stressphasen, wie hohe Temperaturen, lang anhaltende Trockenheit und damit häufig verbundener Nährstoffmangel sowie nachfolgenden Extremniederschlägen gefördert. In so geschwächten Beständen kann es zu einem sehr schnellen Verlust der Assimilationsfläche und in Abhängigkeit von Sorte und Befallsdruck zu Ertragsverlusten führen.

An Kartoffeln können zwei Alternaria-Erreger auftreten. Zum einen die Dürrfleckenkrankheit Alternaria solani, diese bildet zunächst auf den unteren, abreifenden Blattetagen größere Blattflecken mit konzentrischen Ringen aus. Zum anderen die Sprühfleckenkrankheit Alternaria alternata, diese kann auf den meist noch grünen Blättern kleine Blattflecken mit konzentrischen Ringen hervorrufen. Wobei Alternaria alternata die höheren Temperaturansprüche hat.

Bislang wurden die zwei Alternaria-Arten als Schaderregerkomplex angesehen, das heißt gleichzeitiges Auftreten auf der Pflanze. Dementsprechend waren die bisherigen Bekämpfungsstrategien auf diesen Schaderregerkomplex ausgerichtet.

Zeitlich getrenntes Auftreten der Erregerarten

Aber die Beobachtungen der letzten drei Jahre haben gezeigt, dass die zwei Alternaria-Arten in Nordrhein-Westfalen zeitlich getrennt voneinander auftreten können. Die Sprühfleckenkrankheit Alternaria alternata trat immer relativ früh auf. Erste Sprühflecken waren oft schon Ende Mai/Anfang Juni zu finden, eine deutliche Befallsentwicklung war häufig im Juli zu beobachten. Während die größeren Blattflecken von Alternaria solani oft erst Ende Juli/Anfang August auftraten.

Alternaria alternata mag es wärmer, deswegen führten wahrscheinlich die Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit verbunden mit den hohen Temperaturen innerhalb der letzten Jahre zur frühen Ausbildung von Sprühflecken in Nordrhein-Westfalen.

Diese neue Erkenntnis zum zeitlich getrennten Auftreten der beiden Arten bzw. zum frühen Sprühfleckenbefall an Kartoffeln wurde durch ein von der Firma Syngenta im Jahr 2012 in neun Europäischen Ländern (A, D, E, F, I, NL, PL, S, SK) durchgeführtem Monitoring bestätigt.

Früher Alternaria-Befall wurde in Nordrhein-Westfalen auch schon vor 2010 beobachtet, leider wurde bis dato nicht zwischen den zwei Erregerarten unterschieden. Lediglich im Jahr 2002 traten Sprühflecken in einem so hohen Ausmaß auf, dass sie im Warndienst besondere Erwähnung fanden. Die Auswertung der Warndienste seit 2001 zeigt, dass ein früher Alternaria-Befall fast immer mit einer starken Befallsentwicklung verbunden war.

Alternaria-Befallsauftreten in Nordrhein-Westfalen

Jahr Auftreten Befallsentwicklung Bemerkung
2012 früh stark A.a .: Erste Sprühflecken Ende Mai/Anfang Juni, Hauptbefall Juli
A.s. : Anfang August
2011 früh sehr stark A.a .: Erste Sprühflecken Ende Mai, Hauptbefall Juli
A.s. : Ende Juli/Anfang August
2010 früh stark A.a .: Erste Sprühflecken Anfang Juni, Hauptbefall Juli
A.s. : Mitte August
2009 früh stark Anfang Juli
2008 spät schwach Mitte August
2007 spät schwach Mitte August
2006 früh sehr stark Ende Juli
2005 spät schwach August
2004 spät schwach Anfang August
2003 früh stark Ende Juli
2002 früh stark Juli, auffällig viele A.a. Sprühflecken
2001 spät stark August

Seit 2010 Differenzierung von Alternaria alternata (A.a.) und Alternaria solani (A.s.) durch Laboranalysen.

Welche Sorten waren betroffen?

Das frühe Auftreten der Alternaria alternata Sprühflecken wurde erstmalig im Jahr 2010 in der Versuchssorte Markies an den Standorten Buir und Borken festgestellt. Die Sorte Markies ist sehr anfällig für Sprühflecken und bildet deutlich erkennbare und von Alternaria solani eindeutig unterscheidbare Symptome aus. Alternaria solani trat erst  acht Wochen später auf. Diese visuellen Beobachtungen wurden durch Laboranalysen bestätigt.

Im Jahr 2011 wurden in der Versuchssorte Markies an den Standorten Buir, Waldniel und Heiden sowie in Praxisflächen an den Sorten Agria und Bintje sehr früh Sprühflecken-Symptome gefunden. Erst sechs Wochen später traten in der Sorte Markies Alternaria solani Blattflecken auf (Beobachtungen durch Laboranalysen bestätigt).

2012 wurden die Beobachtungen und Laboranalysen auf weitere Versuchs- und Praxisflächen ausgeweitet. Frühe Alternaria alternata Sprühflecken traten an den Standorten in Buir, Waldniel, Neukirchen-Vluyn, Heiden und Niederkassel an 17 Sorten verschiedener Reifegruppe auf. Alternaria solani wurde an der Sorte Markies erst sieben Wochen später festgestellt.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat freundlicherweise die Laborergebnisse für den Standort Uelzen zur Verfügung gestellt. Auch hier wiesen 12 Sorten frühe und deutliche Sprühfleckensymptome aus (siehe Tabelle).

Zusammengefasst zeigen die letzten drei Jahre, das Sprühflecken kein Phänomen der Sorte Markies sind, sondern zahlreiche Sorten können einen frühen Befall aufweisen. Sprühflecken wurden bislang aber nicht ausreichend beachtet und häufig nur im Komplex mit den größeren Alternaria solani Blattflecken wahrgenommen.

Die Fragen die sich nun stellen, welche Ertragsrelevanz haben Sprühflecken bei den einzelnen Sorten und ist eine Bekämpfung überhaupt notwendig? Deswegen werden 2013 weitere umfangreiche Fungizid- und Sortenversuche durchgeführt.

Sorten mit frühem Alternaria alternata Sprühfleckenbefall in 2012
(Probenahme Anfang Juli)

Reifegruppe Nordrhein-Westfalen Niedersachsen/Uelzen
sf Annabelle  
  Leyla  
  Solist  
fr Belana Belana
  Fidelia Gala
  Gala Gunda
  Venezia Princess
mfr Agria Milva
  Allians Novano
  Belmonda Ribera
  Bintje Soraya
  Hansa  
  Innovator  
  Nicola  
  Ribera  
msp-sp Cascada Amado
  Markies Cascada
    Dirigent
    Kuras

Ergebnisse dreijähriger Fungizidversuche

Innerhalb der drei Versuchsjahre wurden die besten Bekämpfungserfolge mit dreimaliger Signum-Behandlung (Pyraclostrobin + Boscalid) oder mit Mancozeb wöchentlich durchgängig appliziert erzielt. Tanos (Famoxadone + Cymoxanil) + Ranman (Cyazofamid) oder Tanos + Shirlan (Fluazinam) erreichten ebenfalls gute Wirkungsgrade, allerdings fiel die Dauerwirkung im Verlauf der weiteren Vegetation ab (siehe Abbildungen und Tabellen in der PDF-Datei unten).

In den Jahren 2011 und 2012 wurden an den Standorten Buir, Waldniel und Heiden vollständige Wirkverluste von Ortiva (Azoxystrobin) gegenüber Alternaria alternata in der Sorte Markies festgestellt. In sechs von sieben Versuchen wiesen die Ortiva-Varianten sogar einen höheren Befall als in der Kontrolle auf.

Auch im Jahr 2010 wurden am Versuchsstandort Buir schon Minderwirkungen der Strobilurine gegen die Sprühflecken beobachtet, allerdings wurde auf Grund eines starken Spinnmilbenbefalls der Versuch nicht ausgewertet. In Borken waren 2010 noch keine Minderwirkungen sichtbar, aber auch in diesem Versuch wurden die besten Bekämpfungsergebnisse mit durchgängigen Mancozeb-Spritzungen (Dithane) erzielt.

Insgesamt betrachtet fällt die Wirkung der eingesetzten Fungizide etwa 10 bis 14 Tagen nach der letzten Behandlung ab. Der Befall steigt nun kontinuierlich an, so dass sich ab Anfang August die Unterschiede zwischen den Versuchsgliedern langsam angleichen.

Unerwartet gut gegen die Sprühflecken schnitten die verschiedenen Blattdüngungsvarianten (zum Beispiel Foliarel) ab, wenn sie wöchentlich durchgängig appliziert wurden. Besonders in Jahren mit Nährstoffmangel durch Bodentrockenheit wie 2011 haben die Blattdünger den Alternaria-Befall deutlich gesenkt.

Werden die Wirkungsgrade der vier Hauptversuchsglieder der innerhalb der letzten drei Jahre durchgeführten sieben Versuche betrachtet, zeigt sich, das heißt bei Ortiva nicht nur ein vollständiger Wirkverlust gegenüber der Alternaria alternata Sprühflecken auftrat, sondern der Befall war im Vergleich zu den Kontrollvarianten wesentlich höher. Eine Erklärung dafür lässt sich zurzeit nicht finden. Signum und Dithane (Mancozeb) erzielten durchschnittlich zwischen etwa 20 und 50 % Wirkung, wobei die Wirkung im Verlauf der Vegetation abnahm. Besonders dann, wenn die letzte Behandlung 10 bis 14 Tage zurück lag.

Werden die Erträge der sieben Versuche aus den drei Versuchsjahre betrachtet zeigt sich, dass mit den wöchentlichen Mancozeb-Spritzungen (Dithane) im Vergleich zur Kontrolle durchschnittlich 7 % Mehrerträge erzielt wurde, wobei kein Versuch Mindererträge aufwies. Dieser Mehrertrag ist wahrscheinlich zum einen bedingt durch die gute Befallsbekämpfung und zum anderen fördert das im Mancozeb enthaltene Mangan die Blattgesundheit.

Beim Signum wurden durchschnittlich 5,78 % Mehrertrag erzielt. Lediglich in einem Versuch trat ein Minderertrag auf. Für den Mehrertrag ist neben dem Strobilurin Greening-Effekt wahrscheinlich auch die gute Befallsreduzierung verantwortlich, da hierdurch durch über einen längeren Zeitraum deutlich mehr grüne Blattmasse vorhanden war. Welcher Effekt nun der Bedeutendere war kann aus den bisherigen Versuchen nicht beantwortet werden.

Durch eine Ortiva-Behandlung wurden, trotz des hohen Alternaria-Befalls im Vergleich zur Kontrolle durchschnittlich 2,37 % Mehrertrag erzielt. Ursächlich verantwortlich hierfür könnte ebenfalls der Strobilurin Greening-Effekt sein. Aber in drei von sieben Versuchen wurden durch Ortiva Mindererträge erzielt.

Durch die Blattdüngungsvarianten (wie zum Beispiel Foliarel, Epso Mikro Top) wurde der Alternaria-Befall zwar gut reduziert, aber im Vergleich zur Kontrolle wurden keine Mehrerträge erzielt, in einzelnen Fällen traten sogar leichte Mindererträge auf. Die Erklärung hierfür kann durch die bisherigen Versuche nicht beantwortet werden (siehe Tabelle in der PDF-Datei unten).

Fungizidresistenzen gefunden

Im Nordamerikanischen Kartoffelanbau sind Resistenzen gegenüber Strobilurinen und Carboxamiden seit mehreren Jahren bekannt. In Deutschland waren Resistenzen bislang kein Problem.

Da die vollständigen Wirkverluste von Azoxystrobin gegen über Alternaria alternata in Nordrhein-Westfalen einer Klärung bedurften, wurden Resistenzuntersuchungen durchgeführt. Diese erfolgten 2011 durch die BASF und 2012 durch Syngenta. Erstmalig im Jahr 2011 und wiederholt in 2012 wurden Strobilurin-Resistenzen (QoI) bei Isolaten der Sprühfleckenkrankheit Alternaria alternata gefunden. An den drei Versuchsstandorten Buir, Waldniel und Heiden wurden hochresistente Stämme der Sprühfleckenkrankheit mit der Mutation G143A gefunden. Die Mutation G143A ist ein starker Resistenzauslöser, das heißt hoher Resistenzfaktor (>100), schnelle Entwicklung und hohes Risiko. Hierbei handelt es sich um eine qualitative, monogenische („ single site“), also eine vollständige Resistenz, die zu einem kompletten Wirkverlust von Strobilurinen gegen Alternaria alternata Sprühflecken führt. Untermauert wurden diese für Deutschland neuen Erkenntnisse durch das oben erwähnte von Syngenta im Jahr 2012 durchgeführte Resistenzmonitoring. In 6 (A, D, F, I, NL, PL) von 9 Europäischen Ländern wurden ebenfalls G143A-Mutationen in Alternaria alternata Kartoffelblattproben gefunden.

Bei Alternaria solani, der Dürrfleckenkrankheit mit den größeren Blattflecken, zeichnet sich ein anderes Bild ab. Im Europaweiten Syngenta-Monitoring wurden Strobilurin-Resistenzen lediglich an einem Standort in Frankreich gefunden. Allerdings unterscheiden sich die resistenzauslösenden Mutationen der beiden Erregerarten. Bei Alternaria solani beruht die Resistenz auf der F129L-Mutation. Hierbei handelt es sich um eine moderate, partielle Resistenz mit mittlerem Resistenzrisiko (Resistenzfaktor 5 - 15, manchmal bis 50), die lediglich zu einer reduzierten Sensitivität führen kann. Unter Umständen ist eine Minderwirkung von Strobilurinen möglich, aber ein kompletter Wirkverlust tritt voraussichtlich nicht ein. Minderwirkungen von Strobilurinen auf Alternaria solani sind für Nordrhein-Westfalen bislang noch nicht festgestellt worden.

Strobilurin-Resistenzen können auch durch Pyraclostrobin, dem Wirkstoff aus dem Fungizid Signum selektiert werden. Beim Signum wurden bislang noch keine deutlichen Minderwirkungen festgestellt, wahrscheinlich weil der zweite im Signum enthalten Wirkstoff Boscalid gut wirkt und zur Resistenzvermeidung beiträgt. Als Solowirkstoff eingesetzt können Strobilurine schneller Resistenzen auslösen, als wenn sie mit einem zweiten Alternaria-wirksamen, nicht kreuzresistenten Fungizid kombiniert werden.

Der Wirkstoff Famoxadone (Tanos) fällt in die gleiche Resistenzklasse wie die Strobilurine, das heißt auch dieser Wirkstoff darf nur gezielt und in Kombination mit nicht kreuzresistenten Wirkstoffen eingesetzt werden. Bislang wurde für Nordrhein-Westfalen noch kein deutlicher Wirkverlust von Famoxadone festgestellt.

Eine Resistenzgefahr besteht aber auch für Carboxamide. Im Jahr 2011 wurden an den Standorten Buir und Waldniel einzelne Sprühfleckenisolate mit Carboxamid-Resistenz (SDHI) auf den Wirkstoff Boscalid (Signum) gefunden. SDHI-Fungizide weisen ein mittleres bis hohes Resistenzrisiko auf und dürfen deswegen nicht zu häufig eingesetzt werden.

Für den im neuen Fungizid Revus Top enthaltenen Wirkstoff Difenconazol wurden bislang keine Resistenzen festgestellt. Beim Difenconazol (DMI-Fungizid) besteht die Gefahr einer quantitativen, polygen vererbten Resistenz, das heißt es kann zwar zu einer reduzierten Sensitivität führen, aber ein kompletter Wirkverlust ist nicht zu erwarten. Es besteht ein niedriges bis mittleres Resistenzrisiko.

Ein Resistenzrisiko besteht also mehr oder weniger stark für alle zurzeit gegen Alternaria eingesetzten Fungizide, mit Ausnahme von Mancozeb. Nur durch eine gezielte Kombination von Wirkstoffen und der gezielten Terminierung der Behandlungen sowie einem Wirkstoffwechsel kann einer Resistenzbildung vorgebeugt werden. Deswegen wurden für Nordrhein-Westfalen, zunächst einmal für 2013, neue Bekämpfungsstrategien entwickelt.

Neue Bekämpfungsstrategien für Nordrhein-Westfalen

Für Nordrhein-Westfalen hat sich der frühe Einsatz von Mancozeb-haltigen Produkten, beginnend mit der ersten Krautfäulespritzung, je nach Spritzstart etwa zwei- bis viermal im wöchentlichen Abstand bewährt, wobei die Menge von 1000 g Mancozeb pro Applikation nicht unterschritten werden sollte.

Im Anschluss daran sollten, je nach Witterung und Befallsdruck, 5 bis 6 Wochen nach dem Auflauf die weiteren Fungizidmaßnahmen erfolgen. Durch das sehr frühe Auftreten der Alternaria alternata Sprühflecken waren die bisherigen Firmenempfehlungen, die Spezialfungizide Ortiva und Signum 7 bis 8 Wochen nach dem Auflaufen einzusetzen, für Nordrhein-Westfalen zu spät. Deswegen wird seit 2011 für Nordrhein-Westfalen dieser frühere Termin empfohlen. Auf Grund der gefundenen Resistenzen wurde die Fungizidwahl angepasst. Revus Top (Difenconazol + Mandipropamid) 0,6 oder Tanos 0,5 + Shirlan 0,4 können als Block zweimal im Abstand von 14 Tagen eingesetzt werden. Zur Resistenzvermeidung ist es aber sinnvoll Revus Top und Tanos + Shirlan im Wechsel einzusetzen. Tanos kann auch mit Ranman Top 0,5 oder Mancozeb kombiniert werden.

Etwa 14 Tage nach der zuletzt genannten Behandlung, das heißt 9 bis 10 Wochen nach dem Auflauf, wird die zweimalige Applikation von Signum 0,25 im 14tägigen Abstand empfohlen. Für Sorten die schon früher geerntet werden, ist die zweite Signum Behandlung nicht mehr notwendig.

Beim Fungizid Signum trägt die Kombination der zwei Wirkstoffe Pyraclostrobin und Boscalid zwar zur Resistenzvermeidung bei, allerdings wird es in der Spritzfolge zeitlich weiter nach hinten platziert, um die Resistenzbildung bei den früh auftretenden Alternaria alternata Sprühflecken zu vermeiden. Zu diesem späteren Zeitpunkt kann Signum noch gut gegenüber der größeren Blattflecken von Alternaria solani wirken.

Der 14tägige Abstand zwischen den oben genannten Produkten gilt nur für die reine Alternaria-Bekämpfung, natürlich müssen zwischenzeitlich Krautfäulebehandlungen erfolgen (siehe Übersicht in der PDF-Datei unten).

Als weitere gute Bekämpfungsmöglichkeit gegen Sprühflecken empfiehlt sich der Einsatz von Mancozeb-haltigen Fungiziden wöchentlich durchgängig appliziert, wobei wie schon erwähnt, mindestens 1000 g/ha Wirkstoff pro Spritzung eingesetzt werden müssen. In den Versuchen wurde damit gute Bekämpfungserfolge erzielt. Vorteilhaft ist, dass kein Resistenzrisiko besteht.

Zur Gesunderhaltung der Pflanzen hat sich der wöchentlich durchgängige Einsatz von Blattdüngern bewährt. Gerade in Jahren mit durch Bodentrockenheit bedingtem Nährstoffmangel wie 2011 haben die Behandlungen den Alternaria-Befall deutlich gesenkt. Allerdings wurden damit keine Mehrerträge erzielt.

Ortiva wird auf Grund der aufgetretenen Resistenzen zur Alternaria-Bekämpfung für Nordrhein-Westfalen nicht mehr beraten.

Falls sich im Verlauf der für 2013 angelegten Fungizid- und Sortenversuche sowie im geplanten Resistenzmonitoring neue Erkenntnisse zur Alternaria-Bekämpfung ergeben, werden die oben genannten Bekämpfungsstrategien angepasst.

Fazit

  • In Nordrhein-Westfalen traten Alternaria alternata Sprühflecken innerhalb der letzten drei Jahre an Kartoffeln früh auf, während die größeren Alternaria solani Blattflecken erst sechs bis acht Wochen später gefunden wurden.
  • Die Sprühflecken befallen häufig die noch grünen Blätter und das Symptombild ist bei einigen Sorten visuell deutlich von Alternaria solani unterscheidbar. Dennoch sind Laboranalysen zur Bestätigung angeraten.
  • Im Jahr 2012 wiesen zahlreiche Sorten aus allen Reifegruppen Sprühflecken auf. Leider gibt es bislang kaum Erkenntnisse zur Sortenanfälligkeit und Ertragsrelevanz von Sprühflecken, aber zur Klärung dieser Fragen wurden umfangreiche Fungizid- und Sortenversuche angelegt.
  • In den dreijährigen Versuchen erzielten die Behandlungen mit Signum oder Dithane die beste Wirkung gegen Sprühflecken. Tanos + Shirlan oder Ranman reduzierten ebenfalls den Befall gut, allerdings war die Dauerwirkung nicht ausreichend.
  • Unerwartet gute Wirkungsgrade wurden mit verschiedenen Blattdüngern (zum Beispiel Foliarel) erzielt, leider spiegelte sich dies nicht im Ertrag wider.
  • Seit 2010 wurden Wirkverluste von Azoxystrobin gegenüber Sprühflecken in der Versuchssorte Markies festgestellt. Verantwortlich hierfür ist die in Nordrhein-Westfalen erstmals 2011 festgestellte Strobilurinresistenz. Diese führt gegenüber der Alternaria alternata Sprühflecken zu einem vollständigen Wirkverlust. Für Alternaria solani wurden zwar bislang noch keine Resistenzen in Nordrhein-Westfalen festgestellt, dennoch wird Ortiva zur Alternaria-Bekämpfung nicht mehr empfohlen.
  • Mit den wöchentlichen Mancozeb-Spritzungen wurden im Vergleich zur Kontrolle durchschnittlich 7 % Mehrertrag erzielt. Beim Signum waren es durchschnittlich 5,78 % Mehrertrag, wobei unklar ist, ob das vom Strobilurin Greening-Effekt oder durch die gute Befallsreduzierung kommt.
  • Durch eine Ortiva-Behandlung wurden, trotz des hohen Sprühfleckenbefalls im Vergleich zur Kontrolle durchschnittlich 2,37 % Mehrertrag erzielt. Ursächlich hierfür verantwortlich könnte ebenfalls der Strobilurin Greening-Effekt sein.
  • Ein Resistenzrisiko besteht bei allen zurzeit zur Bekämpfung von Alternaria zur Verfügung stehenden Fungiziden, mit Ausnahme vom Mancozeb. Deswegen wurden für Nordrhein-Westfalen neue Bekämpfungsstrategien entwickelt, um durch die Kombination von Wirkstoffen, einer gezielten Terminierung der Behandlungen sowie durch einen Wirkstoffwechsel einer Resistenzbildung vorzubeugen.
  • Festzustellen bleibt, dass die Problematik Alternaria alternata Sprühflecken in Nordrhein-Westfalen viele neue Fragen aufgeworfen hat. Welche Sorten sind besonders anfällig? Wie ist die Ertragsrelevanz? Muss überhaupt bekämpft werden? Wie entwickeln sich die Fungizidresistenzen? Werden die neuen Bekämpfungsstrategien erfolgreich sein?
  • Fazit Sprühflecken: Viele neue Erkenntnisse, aber Ende offen!