Biogas in Nordrhein-Westfalen

Fermenter einer kleinen BiogasanlageBild vergrößern

Auswertung der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Stand 24.09.2015

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen unterhält seit 2001 eine Biogasanlagen-Betreiberdatenbank, in der wesentliche Betriebsdaten der landwirtschaftlichen Biogasanlagen erfasst werden. In der Datenbank werden Biogasanlagen berücksichtigt, die mit nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo), sowie Wirtschaftsdüngern oder mit außerlandwirtschaftlichen Reststoffen (außerlandwirtschaftlichen Kofermenten) betrieben werden. Die Datenbank enthält keine Angaben über industrielle oder kommunale Biogasanlagen, die Abgrenzung erfolgt über den landwirtschaftlichen Bezug. Als landwirtschaftlich gilt im Sinne der Erfassung für die Datenbank eine Biogasanlage dann, wenn mindestens ein Betreiber oder Gesellschafter Landwirt oder Gärtner ist.

Wie in den Vorjahren stellt der vorliegende Bericht die Ergebnisse der Datenauswertung zum angegebenen Stichtag dar. Der Datenbestand der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank wird laufend aktualisiert und jährlich ausgewertet. Die vorliegende Auswertung entspricht dem Stand vom 24. September 2015. Die Auswertung erfolgt ausschließlich in anonymisierter Form, eine Weitergabe betriebsbezogener Daten ist ausgeschlossen.

Die Unterhaltung der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank der Landwirtschaftskammer NRW erfolgt mit Unterstützung des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW.

1. Anzahl der Biogasanlagen in NRW, Verteilung der Anlagen und installierte elektrische Leistung

Am 1. August 2014 ist eine erneute Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft getreten. Bei nahezu allen Anlagengrößen hat sich die Einspeisevergütung für neu installierte Anlagen grundlegend geändert, was den Neubau annähernd zum Erliegen gebracht hat.

Die finanzielle Förderung für Strom aus Biomasse wird in § 44 im EEG wie folgt gegliedert:

  1. bis einschließlich einer Bemessungsleistung von 150 Kilowatt 13,66 Cent pro Kilowattstunde,
  2. bis einschließlich einer Bemessungsleistung von 500 Kilowatt 11,78 Cent pro Kilowattstunde,
  3. bis einschließlich einer Bemessungsleistung von 5 Megawatt 10,55 Cent pro Kilowattstunde und
  4. bis einschließlich einer Bemessungsleistung von 20 Megawatt 5,85 Cent pro Kilowattstunde.

Eine zusätzliche Erhöhung der Vergütung durch den Einsatz von Biomasse nach Einsatzstoffvergütungsklasse I beziehungsweise II, wie es noch im EEG 2012 der Fall war, ist im EEG 2014 nicht mehr vorhanden.

Die sogenannten 75 kW-Gülleanlagen stellen eine weitere Klasse von Biogasanlagen dar, die nach § 46 gesondert gefördert werden. Wie unter Nummer zwei auf Seite 7 näher erläutert wird, bekommen diese Anlagen eine ähnlich hohe Vergütung wie auch im EEG 2012, sodass diese Anlagenform möglicherweise für spezielle Betriebe noch interessant sein könnte.

In der Datenbank aus 2014 sind 593 Anlagen verzeichnet, was einem Plus von 3% beziehungsweise 15 Anlagen entspricht. Dies lässt sich zum größten Teil allerdings auf die verbesserte Datengrundlage der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank zurückführen und nicht auf tatsächlich neugebaute Anlagen. Da die Angaben der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank auf freiwilliger Basis erfolgen, kann davon ausgegangen werden, dass nach wie vor nicht alle existierenden Biogasanlagen in der Datenbank erfasst sind. Aus diesem Grund wird ein Zuschlag von 5% aufgerechnet, um ein möglichst reales Bild über die Anzahl der Biogasanlagen, sowie die installierte elektrische Leistung in NRW zu bekommen. Werden die 5% auf die tatsächlich eingetragenen Anlagen aufgeschlagen, kann NRW, wie auch in der Abbildung 1 zu erkennen, 622 landwirtschaftliche Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von 289 Megawatt vorweisen.

Abbildung 1: Anzahl und installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen in NRW in den Jahren 1998 bis 2014
Abbildung 1: Anzahl und installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen in NRW in den Jahren 1998 bis 2014

Die Aufgliederung in Leistungsklassen ist in Abbildung 2 zu erkennen. Den größten Anteil machen nach wie vor die Anlagen 151-500 kWel mit 65% (68% in 2013) aus. Die zweithäufigste Leistungsklasse sind mit einem Anteil von 14% die Anlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von mehr als 750 kW. Einen Anteil von 12% am gesamten Anlagenbestand in NRW hat die Leistungsklasse zwischen 501 – 750 kWel. Tendenziell lässt sich weiterhin ein leichter Trend zu Anlagen größer 501 kWel erkennen.

Abbildung 2: Aufteilung der Biogasanlagen nach Leistungsklassen
Abbildung 2: Aufteilung der Biogasanlagen nach Leistungsklassen

Der starke Anstieg beim Bau der 75 kW-Anlagen mit einem Substratanteil von mindestens 80% Wirtschaftsdünger ist auch in diesem Jahr ausgeblieben. Die sogenannten Gülleanlagen wurden vereinzelt zugebaut, doch hat es auch die eine oder andere Erweiterung von 75 KW-Anlagen gegeben, sodass wir in diesem Jahr mit 5% in einer ähnlichen Größenordnung sind wie im vorigen Jahr.

Eine durchschnittliche Biogasanlage in Nordrhein Westfalen hat nach der Datengrundlage der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank 2014 eine installierte elektrische Leistung von 470 Kilowatt.

Abbildung 3: Anzahl und installierte elektrische Leistung (MW) der Biogasanlagen in den einzelnen Landkreisen in NRW
Abbildung 3: Anzahl und installierte elektrische Leistung (MW) der Biogasanlagen in den einzelnen Landkreisen in NRW

In der Abbildung 3 sind die Anzahl sowie die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen in den einzelnen Landkreisen zu erkennen. Die grün geschriebenen Zahlen geben die Anzahl der Anlagen wieder, die in der Datenbank registriert sind. Die roten Zahlen geben die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen in dem jeweiligen Kreis wieder.

Im Vergleich zum vorigen Jahr fällt hier vor allem der Kreis Warendorf auf, in dem die Anzahl der Anlagen von 35 auf 46 und die installierte elektrische Leistung von 12,1 MW auf 15,6 MW gestiegen ist. Es ist davon auszugehen, wie schon eingangs erwähnt, dass es sich nicht nur um den tatsächlichen Zubau im Jahr 2014, sondern um eine verbesserte Datengrundlage handelt.

Die 593 Biogasanlagen und 276 MW, die in der Datenbank verzeichnet sind, verteilen sich ungleichmäßig über Nordrhein-Westfalen, wie in Abbildung 5 anschaulich verdeutlicht wird.

Abbildung 4: Installierte elektrische Biogasanlagenleistung (kW) je 100 Hektar Landwirtschaftsfläche in den Landkreisen Nordrhein-Westfalens
Abbildung 4: Installierte elektrische Biogasanlagenleistung (kW) je 100 Hektar Landwirtschaftsfläche in den Landkreisen Nordrhein-Westfalens

In Abbildung 4 wird die installierte elektrische Leistung je 100 Hektar (ha) landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angegeben. Wie auch in den vergangenen Jahren, fällt auf, dass es große Unterschiede zwischen den Landkreisen gibt. Die Spannbreite liegt zwischen keiner installierten elektrischen Leistung/100 ha LF bis zu 37 kWel/100 ha LF im Kreis Borken. Die wenigsten, beziehungsweise keine installierte elektrische Leistung in kW pro 100 ha LF gibt es in den Kreisen Oberbergischer Kreis, Siegen und Rhein-Erft-Kreis.

Abbildung 5: Installierte elektrische Biogasanlagenleistung (kW) je 100 Hektar LF in den einzelnen Landkreisen in NRW
Abbildung 5: Installierte elektrische Biogasanlagenleistung (kW) je 100 Hektar LF in den einzelnen Landkreisen in NRW

Verdeutlicht wird die unregelmäßige Verteilung der Leistung der Biogasanlagen in Nordrhein-Westfalen durch die Abbildung 5 .

Wie auch in Abbildung 4 wird in der Grafik die installierte elektrische Leistung in Kilowatt pro 100 ha LF angegeben. In dieser Abbildung erfolgt die Darstellung anhand einer farbig markierten Landkarte, um auf die unterschiedliche Verteilung in NRW hinzuweisen. Neben dem Kreis Borken liegen auch die Kreise Paderborn und Höxter im Bereich über 24 kWel pro 100 ha LF im oberen Bereich. Herford zählt in diesem Jahr ebenfalls in die genannte Kategorie und verzeichnet somit eine höhere Leistung pro Fläche als in den vorigen Jahren. (25,6 kWel pro 100 ha LF)

Anders fällt es im Kreis Minden aus, der in diesem Jahr zu einer niedrigeren Kategorie 18,1 bis 24 kWel / 100 LF zählt als in den Vorjahren. In diesem Fall sind es im gesamten Kreis allerdings weniger als 1.000 kWel, die zu der neuen Kategorisierung geführt hat, sodass sich an der installierten elektrischen Leistung pro LF nicht wesentlich etwas geändert hat.

2. Substrateinsatz

In der diesjährigen Betreiberdatenbank wurden die Anlagen wie bisher zwischen „Kofermente“, „Gülle-Anlagen“ und „NawaRo-Anlagen“ unterschieden.

Diese Unterscheidung erklärt sich grundsätzlich aus den eingesetzten Substraten der Anlagen, die auf den Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beruhen. Unter Kofermenten versteht man Rest- oder Abfallstoffe, die nicht aus landwirtschaftlicher Produktion stammen und der Bioabfallverordnung unterliegen. Um einen stabilen Abbauprozess zu erreichen wird häufig zusätzlich Wirtschaftsdünger eingesetzt.

In NRW liegt der Anteil der Anlagen, die Kofermente einsetzen zurzeit bei 5% und somit unverändert zum vorausgegangenen Jahr.

Die sogenannten „Gülle-Anlagen“ haben im Jahr 2014 einen Anteil von 3% und liegen damit unterhalb des Wertes aus dem Jahr 2013. Dies ist eine unerwartete Entwicklung, da seit dem Inkrafttreten des EEG am 01. August 2014 „Gülle-Anlagen“ die einzige Anlagenform ist, deren Anlagenvergütung sich im Vergleich zum vorigen EEG kaum geändert hat und für bestimmte Betriebe eine mögliche Investition darstellen könnte. Diese genannten „Gülle-Anlagen“ definieren sich nach § 27b EEG 2012 oder § 46 Vergärung von Gülle des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG 2014).

  • Der Strom muss am Standort der Biogaserzeugungsanlage erzeugt werden,
  • Die installierte elektrische Leistung darf 75 kW nicht überschreiten und
  • Zur Erzeugung des Biogases muss mindestens 80 Masseprozent Gülle nach Definition der jeweiligen Verordnung eingesetzt werden.

Eine mögliche Erklärung warum der Anteil der 75 kW-Anlagen leicht zurückgegangen ist, könnte sein, dass diese Anlagenform nur auf spezielle Betriebe passt, die die Anlagen bereits unter den Rahmenbedingungen des EEG 2012 installiert haben und somit in die Auswertungen der Jahre 2012 und 2013 gefallen sind. Des Weiteren gibt es vereinzelt Anlagen, die aus der Vergütung der Gülle-Anlagen ausgestiegen sind um die installierte Leistung zu erhöhen.

Abbildung 6: Betriebsweise der Biogasanlagen in NRW
Abbildung 6: Betriebsweise der Biogasanlagen in NRW

Den größten Anteil an Biogasanlagen in NRW haben die NawaRo-Anlagen mit 92%. In der Vorjahres-Auswertung lag der Anteil bei 91%. Bei dieser Anlagenform handelt es sich um Anlagen, die als Substrate hauptsächlich Energiepflanzen und Wirtschaftsdünger einsetzen. In der folgenden Abbildung 7 sind die eingesetzten Substrate dargestellt. Zum einen wird die Einsatzhäufigkeit und zum anderen der Substratanteil in Biogasanlagen in NRW beschrieben. Die Einsatzhäufigkeit von Silomais hat sich im Vergleich zum letzten Jahr unwesentlich erhöht, der Anteil an der gesamten Fütterung ist hingegen gleich geblieben. Somit ist das Niveau des Substratanteils von Silomais beim Einsatz in NawaRo-Anlagen in NRW seit dem Jahr 2011 nahezu gleichbleibend.

Auffällig ist die Situation, dass in den Biogasanlagen weniger Rindergülle eingesetzt wird, was den Beobachtungen in der Praxis wiederspricht. Eine mögliche Erklärung könnte hier sein, dass einige Biogasanlagenbetreiber keine Menge an Rindergülle angegeben haben, sondern nur den Vermerk, dass separierte Gülle eingesetzt wird. Da diese Bemerkung allerdings häufig ohne Mengenangabe und Angabe zu Art der Gülle (Rind- oder Schwein) gemacht worden ist, stellt sich die Vermutung auf, dass die Angaben zu Einsatzhäufigkeit und Substratanteil von Rindergülle aus diesem Grund gesunken sind. In der Praxis kann der Einsatz von Rindergülle jedoch auf gleichem Niveau wie auch im Vorjahr sein.

Abbildung 7: Einsatzhäufigkeit und Substratanteil unterschiedlicher Inputstoffe in NawaRo-Biogasanlagen in NRW
Abbildung 7: Einsatzhäufigkeit und Substratanteil unterschiedlicher Inputstoffe in NawaRo-Biogasanlagen in NRW

In Abbildung 8 ist die Veränderung der Einsatzhäufigkeit der Substrate zum Vorjahr beschrieben. Wie bereits erwähnt, ist der Einsatz von Rindergülle unerwarteterweise gesunken, was aber nicht zwingend der Praxis entsprechen muss.

Energiepflanzen, wie Silomais, Zuckerrüben, Grassilage und Getreide GPS werden wie auch die Wirtschaftsdünger Schweinegülle- und Mist, und Rindermist im Jahr 2014 häufiger eingesetzt als noch im Jahr 2013.

Die Einsatzhäufigkeit von Zuckerrüben ist im Vergleich zu Vorjahr (34,3%) wiederholt gestiegen und befindet sich nun bei 37,7%. Auch der Substratanteil in den einzelnen Anlagen ist um 0,3% leicht gestiegen.

Die Einsatzhäufigkeit von Zwischenfrüchten (11,8%) und mehrjährigen Pflanzen (4,4%) ist wie auch in der Auswertung im Jahr 2013 auf gleichem Niveau geblieben, die Einsatzhäufigkeit von Energiepflanzen, wie Silomais, Zuckerrüben, Grassilage und Getreide GPS tendenziell eher gestiegen.

Abbildung 8: Einsatzhäufigkeit unterschiedlicher Substrate für Biogasanlagen im Vergleich der Jahre 2013 und 2014
Abbildung 8: Einsatzhäufigkeit unterschiedlicher Substrate für Biogasanlagen im Vergleich der Jahre 2013 und 2014

3. Strom- und Wärmeproduktion:

Etwa 18% der Blockheizkraftwerke werden als Satelliten BHKWs vergütet. Im Vergleich zum Vorjahr ist damit eine Steigerung um 2% zu verzeichnen.

Der Anteil der Biogasanlagen, die den erzeugten Strom teilweise oder gar nicht vor Ort verstromen liegt bei 22%.

Neue Projekte zur Biogasaufbereitung und -einspeisung ins Erdgasnetz sind nicht bekannt.

Anlagenauslastung:

In der diesjährigen Auswertung der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank haben 309 Betreiber Angaben zu der Auslastung der Biogasanlage gemacht. Zusammen erreichen diese Anlagen eine installierte elektrische Leistung von 154,44 Megawatt mit einer durchschnittlichen Auslastung von 81%. Das entspricht 7.095 Vollaststunden im Jahr 2014 und liegt somit 430 Stunden unter dem Wert im Jahr 2013. Um den möglichen Grund dieser scheinbaren Verschlechterung der Auslastung der Biogasanlagen zu erfahren, sind die Anlagen je nach Nutzung unterschiedlicher Vergütungsformen differenziert worden.

In Abbildung 9 sind die drei unterschiedlichen Aufteilungen zu erkennen. Die grünen Farbbalken geben die relative Anlagenauslastung aller Biogasanlagen wieder, die keine Angaben zur Nutzung der Flexibilitätsprämie gemacht haben. Die blauen Farbbalken geben die Auslastung der Anlagen wieder, die die Direktvermarktung nutzen und die roten Farbbalken spiegeln die relative Anlagenauslastung der Anlagen wieder, die die Flexibilitätsprämie nutzen.

Auf einen Blick ist die gegensätzliche Entwicklung der relativen Anlagenauslastung in den unterschiedlichen Kategorien zu erkennen. Liegen knapp 71% der Anlagen ohne Direktvermarktung im Bereich 90,1 – 100% so sind es bei den Anlagen mit Nutzung der Flexibilitätsprämie nur 32%. Die Anlagen, die keine Flexibilitätsprämie, jedoch die Direktvermarktung nutzen, liegen in nahezu jeder Anlagenauslastung im Mittelfeld.

Die Differenz zwischen Anlagen ohne Nutzung der Direktvermarktung und der Anlagen mit Flexibilitätsprämie liegt im Bereich über 90,1% bei 39% zugunsten der erstgenannten Anlagen. Betrachtet man im Gegensatz dazu die Anlagenauslastung zwischen 60,1% bis 70,09% liegt die relative Häufigkeit der Anlagen bei Nutzung der Flexibilitätsprämie bei 19% und somit 16% höher als bei den Anlagen ohne Flexibilitätsprämie.

Die Erklärung liegt hier in der Form der unterschiedlichen Anlagenfahrweise. Ziel der Flexibilitätsprämie ist es, die Anlagen bedarfsorientiert zu fahren und je nach Nachfrage mehr oder weniger Strom zu produzieren. Dazu werden die Blockheizkraftwerke nicht kontinuierlich unter Volllast betrieben, sondern je nach Situation heruntergeregelt, sodass das Ziel nicht die höchste Auslastung sondern eine bedarfsorientierte Stromerzeugung ist.

Abbildung 9: Relative Häufigkeit der ermittelten Anlagenauslastung im Jahr 2014
Abbildung 9: Relative Häufigkeit der ermittelten Anlagenauslastung im Jahr 2014

In der Summe erzeugten die Biogasanlagen in NRW im Jahr 2014 etwa 2,07 Mio. Megawattstunden elektrischen Strom. Das entspricht, bei einem unterstellten Jahres-Verbrauch von 4.500 Kilowattstunden, dem Bedarf von etwa 460.000 Haushalten. Dieser Wert ist trotz der höheren installierten Leistung ähnlich hoch wie im Vorjahr, was die Umsetzung der bedarfsorientierten Stromerzeugung der Biogasanlagen unterstreicht.

Wärmenutzung:

Der Umfang der Abwärmenutzung hat sich im Berichtsjahr 2014 kaum verändert. Etwa 54% der frei verfügbaren Wärme der Biogasanlagen in NRW wurden im vergangen Jahr außerhalb der Anlagen genutzt. Das entspricht etwa 1,15 Mio. Megawattstunden Wärme, mit denen rund 110 Mio. Liter Heizöl ersetzt werden konnten.

4. Anlagentechnik

BHKW-Technik:

In der Auswertung der Biogasanlagen-Betreiberdatenbank im Jahr 2014 sind die Angaben zu den Anteilen der BHKW-Technik nahezu identisch mit den Zahlen aus dem vorigen Jahr. Der Anteil an Zündstrahlmotoren ist um 1% auf 44% gesunken und der Anteil an Gas-Otto Motoren dementsprechend auf 56% gestiegen. Dieser Trend ist schon in den Vorjahren festgestellt worden. So sind im Jahr 2010 noch 54% Zündstrahl und 46% Gas-Otto Motoren dokumentiert worden.

Gärrestabgabe:

Regionen spezifisch sind in NRW große Unterschiede bei der Menge und der Transportentfernung von Gärresten vorhanden. Es ist außerdem anzumerken, dass nicht nur zwischen den unterschiedlichen Kreisen, sondern auch innerhalb der Kreise erheblich unterschiedliche Angaben gemacht worden sind. Von den 103 Anlagen mit Angaben, werden die Unterschiede am gravierendsten im Kreis Kleve bemerkbar, bei dem die minimale Entfernung bei 4 km und die maximale Entfernung bei 250 km liegt.

Das gleiche Bild ist bei den Gärrestkosten in Abbildung 10 zu erkennen, bei dem die Angaben zum einen je nach Kreis und zum anderen innerhalb der Kreise sehr unterschiedlich sind. In diesem Fall ist dies im Kreis Borken sehr gut zu erkennen, bei dem die Angaben zwischen 4 € und 18 € variieren.

Abbildung 10: Gärrestkosten in € pro m³ bzw. Tonne nach Kreisen
Abbildung 10: Gärrestkosten in € pro m³ bzw. Tonne nach Kreisen

In Abbildung 11 werden die Daten zur Abgabe von Gärresten dargestellt. Bei der Befragung wurde nach der generellen Abgabe von Gärresten gefragt, sowie auch die Art der Abgabe. So konnten Angaben zur Abgabe der unbehandelten sowie behandelten Gärreste gemacht werden. Unter den behandelten Gärresten hatte man des Weiteren die Möglichkeit zwischen fester und flüssiger Phase zu unterscheiden. In 21 Kreisen sind Angaben zur Abgabe von unbehandeltem Gärrest gemacht worden. In 13 von 21 Kreisen mit Angaben wurden behandelte Gärreste abgegeben.

Ein Ziel der Gärrestbehandlung, sei es Trocknen oder Separieren, ist häufig die Verminderung des Wassers. So möchte man erreichen, dass die Stoffe weniger Volumen besitzen und damit transportwürdiger werden. Wird die Abbildung 11 betrachtet, so fällt auf, dass die feste, sowie auch die flüssige Phase zu ähnlich großen Anteilen abgegeben worden ist. Ein Zusammenhang zwischen der Abgabe und Art von Gärresten und der Transportentfernung wurde in diesem Fall nicht berücksichtigt.

Abbildung 11: Angaben zu Gärrestabgabe nach Kreisen
Abbildung 11: Angaben zu Gärrestabgabe nach Kreisen

Eigenstrombedarf:

Bezüglich des Eigenstrombedarfs konnten in diesem Jahr 175 Biogasanlagen ausgewertet werden. Der durchschnittliche Eigenstrombedarf lag mit 6,6% auf Vorjahresniveau, doch ist eine starke Streuung vorhanden, die nicht den unterschiedlichen Größenklassen zuzuordnen ist. Einzige Ausnahme sind hier die kleinen Biogasanlagen bis 75 Kilowatt, bei denen der Eigenstrombedarf etwas höher lag als im Durchschnitt der ausgewerteten Anlagen.

Arbeitszeitbedarf:

In Abbildung 12 wird der spezifische Arbeitszeitbedarf pro 100 Kilowatt installierter elektrischer Leistung und Tag in Abhängigkeit von der Anlagenleistung dargestellt.

Zu erkennen ist in der Abbildung, dass bei Anlagen kleiner 500 kW die spezifische Arbeitszeit pro 100 kW tendenziell eher zunimmt. Zu erklären ist dies mit der zu verrichtenden Arbeit, die übergreifend bei allen Biogasanlagen durchgeführt werden muss. Hierzu zählen Revisionen, Ölwechsel oder Dokumentation durch die zuständigen Arbeitskräfte, die bei kleinen wie bei großen Anlagen anfallen. Bei den größeren Anlagen verteilen sich die Stunden jedoch auf die höhere installierte Leistung.

In der diesjährigen Auswertung haben 223 Biogansanlagen Angaben zu der benötigten täglichen Arbeitszeit gemacht, so dass hier im Schnitt 0,79 Stunden pro 100 kW elektrisch installierter Leistung und Tag veranschlagt worden sind. Im Gegensatz zu den Angaben aus dem Vorjahr liegt der Wert um 0,1 Stunden pro 100 kW /Tag höher.

Abbildung 12: Arbeitszeitbedarf ausgewerteter Biogasanlagen in Stunden pro 100 Kilowatt installierter elektrischer Leistung am Tag
Abbildung 12: Arbeitszeitbedarf ausgewerteter Biogasanlagen in Stunden pro 100 Kilowatt installierter elektrischer Leistung am Tag

5. Ausblick

Die Branche der erneuerbaren Energien generell und in diesem Fall der Biogasbranche, hat sich nach in Kraft treten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes am 01. August 2014 stark verändert. Ein wichtiger Einschnitt in den laufenden Betrieb der Bestandsanlagen war die Einführung der Höchstbemessungsleistung im § 101 des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien. In diesem Gesetz ist festgelegt worden, wie viel des erzeugten Stroms nach dem jeweiligen Vergütungssatz berechnet wird. Es gibt zwei unterschiedliche Möglichkeiten, die Höchstbemessungsleistung zu errechnen. Je nachdem bei welcher Berechnung die höhere Bemessungsleistung errechnet werden kann, wendet man die jeweilige Formel an.

  1. Die Höchstbemessung ist der Quotient aus der erzeugten Summe an Strom in einem Jahr durch die Zeitstunden des jeweiligen Jahres. Bei der Höchstbemessungsleistung wird das erfolgreichste Jahr bis zum 31. Juli 2014 als Grenze angenommen.
    Ein Beispiel:
    • Installierte elektrische Leistung: 400 kW
    • Stromproduktion 2013: 3.153.600 kWel
    • Zeitstunden: 8.760
    In diesem Fall handelt es sich um eine Höchstbemessungsleistung von 360 kWel.
  2. Die Höchstbemessungsleistung errechnet sich aus dem am 21. Juli 2014 um 5% verringerten Wert der installierten elektrischen Leistung. In dem obig genannten Beispiel wären dies 380 kWel.

In diesem Beispiel hätte der Anlagenbetreiber die Möglichkeit seine Höchstbemessungsleistung nach dem zweiten Beispiel zu berechnen, da der Wert höher liegt als das erste Beispiel mit 360 kWel.

Jede darüber hinaus gehende erzeugte Kilowattstunde Strom wird nicht nach dem EEG, sondern nach dem Monatsmarktwert vergütet, der weit unter der EEG-Vergütung liegt. Die Biogasproduktion ist unter diesen Umständen in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht darstellbar.

Aus diesen neuen Rahmenbedingungen, die für die Bestandanlagen starke Auswirkungen haben, ergeben sich die weiteren Entwicklungen in der Branche. Die Optimierung der Anlagen ist in den Fokus der Anlagenbetreiber gerückt. Anderweitige Entwicklungen und Forschung sind auf Grund der Höchstbemessungsleistung in den Hintergrund gerückt.

Durch die geänderten Rahmenbedingungen ist, außer bei den 75 kW Gülleanlagen kaum weiterer Zubau zu erwarten. Doch auch bei den 75 kW Anlagen scheint ein großer Zubau nicht absehbar zu sein, da bereits in diesem Jahr kaum Anlagen in dieser Größe zugebaut worden sind. Dies könnte daran liegen, dass diese Anlagen nur für spezielle Betriebe in Betracht kommen, die sich größtenteils bereits mit dem Thema beschäftigt haben und eine Anlage gebaut haben.

Die Arbeiten wurden finanziert durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Landesinitiative des Landes NRW.

Autor: Laura Lohmann