Nur beste Grassilagen bereiten
Für eine erfolgreiche Milchviehfütterung ist die Qualität der betriebseigenen Silagen von entscheidender Bedeutung. Die Güte der Silagen bestimmt die Höhe der Futteraufnahme und damit auch die Menge der aufgenommenen Energie und Nährstoffe. Schlechte Silagen lassen sich nur sehr bedingt mit Zukauffuttermitteln ausgleichen. Über den Pflanzenbestand, den Erntetermin und die Siliertechnik kann die Silagequalität beeinflusst werden. Im folgenden erläutert Dr. Martin Pries, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster, die Anforderungen an gute Grassilage und zeigt auf, wie diese gewonnen werden kann.
Die wichtigsten Kenngrößen für die Futterqualität sind in der Tabelle 1 dargestellt. Neben dem Energiegehalt sind der Proteinwert und der Strukturwert von großer Bedeutung. Der Proteinwert bestimmt sich über die Menge an nutzbarem Protein am Darm (nXP). Diese wiederum ist in erster Linie abhängig vom Energiegehalt der Silagen. Erst an zweiter Stelle spielt die Abbaubarkeit des Proteins im Vormagen eine Rolle. Gerade für hochleistende Kühe ist die Strukturversorgung von elementarer Bedeutung, da hierüber einer Pansenacidose mit all ihren negativen Folgewirkungen vorgebeugt werden kann.
Für die Strukturwirkung sind die chemische Zusammensetzung des Grases sowie die Teilchenlänge von Bedeutung. Für die maximale Strukturwirkung reicht eine Teilchenlänge von 2 cm, so dass das Gras auf 2 bis 4 cm zerkleinert werden sollte. Je kürzer, um so besser vergärt das Gras, da die Oberfläche vergrößert ist, verstärkt Pflanzensaft austreten kann und schließlich durch eine bessere Verdichtung weniger Restsauerstoff im Silostock vorhanden ist.
Kohlenhydrate sind in Form von Stärke und Zucker in den Silagen vorhanden, wobei bei Grassilage lediglich der Zucker von Bedeutung ist.
Für die Futteraufnahme mitentscheidend sind schließlich die Gärqualität, die hygienische Beschaffenheit sowie die Stabilität nach der Öffnung der Silagemiete. Angestrebt wird eine intensive Milchsäuregärung, da diese mit der geringsten Wärmebildung verbunden ist und demzufolge die wenigsten Gärverluste verursacht. Auch weist Milchsäure einen angenehmen, fruchtig aromatischen Geruch auf. Überhöhte Mengen an Gärsäuren in der Gesamtration können aber auch die Futteraufnahme beeinträchtigen, was insbesondere für die stark stechend riechende Essigsäure gilt. Bezüglich der hygienischen Beschaffenheit spielen die Verschmutzung, die Sporengehalte, die Schimmelpilze und der Besatz mit Hefen eine große Rolle.
Aus der Tabelle 2 sind die anzustrebenden Gehalte für eine gute Grassilage zu ersehen. Der Aschegehalt sollte unbedingt unter 10 % der Trockenmasse liegen, da andernfalls vermehrt Clostriden im Futter zu erwarten sind, die zu höheren Buttersäuregehalten in der Silage führen können. Hinzu kommt eine reduzierte Futteraufnahme bei höheren Aschegehalten. Des weiteren ist eine geringe Verholzung anzustreben, damit hohe Energiegehalte erreicht werden können. Angestrebt werden Rohfasergehalte von 22 – 25 % der Trockenmasse in der fertigen Silage. Bei Einhaltung dieser Grenzen kann der angestrebte Energiegehalt von 6,4 MJ NEL im ersten Schnitt erreicht werden. In den Folgeschnitten sollte die Energie nicht unter 6 MJ NEL/kg TM absinken, denn nur energiereiche Silagen erlauben eine hohe Futteraufnahme.
Für die Gehalte an Rohprotein werden Werte von kleiner 17 % der TM empfohlen. Höhere Gehalte führen nur zu einer geringen Erhöhung der nXP-Mengen, da diese in erster Linie vom Energiegehalt bestimmt werden. Lediglich bei sehr hohen Anteilen an Maissilage in der Grundration können höhere Proteingehalte in der Grassilage zur Stickstoffversorgung der Pansenmikroben von Bedeutung sein. Wichtig ist aber auch, dass es während der Feldperiode und der Silierung zu keinem Proteinabbau kommt. Die Abbauprodukte in Form von z. B. Ammoniak können die Futteraufnahme nämlich beeinträchtigen.
Wie können die gewünschten Qualitäten erreicht werden?
Neben der Bestandszusammensetzung und dem Schnitttermin ist das Verfahren der Silierung zu optimieren. Die Bestandszusammensetzung lässt sich nur mittelfristig in Richtung weidelgrasbetonter Narben durch häufigeres Nachsäen beeinflussen. Bezüglich des Schnittzeitpunktes ist das Stadium Ähren/Rispenschieben anzustreben. Auch geben die regionalen Ergebnisse der Reifeuntersuchungen von Grasbeständen wertvolle Hinweise zur Vorplanung des optimalen Erntezeitpunktes. Maßnahmen zur Verbesserung der Gärqualität von Grassilagen können der Tabelle 3 entnommen werden. Deutlich wird, dass insbesondere siliertechnische Maßnahmen, die im kurzfristigen Entscheidungsbereich des Landwirts liegen, eine große Rolle spielen. Insbesondere ist hier auf die richtige Einstellung aller Erntemaschinen hinzuweisen. Hierüber kann der unnütze Eintrag von Rohasche in die Silagen vermieden werden.
Für die Steigerung der Gärqualität, Minderung der Silierverluste und Erhöhung des Futterwertes empfiehlt sich der Zusatz von Melasse oder der Einsatz von DLG-anerkannten Siliermitteln zu Gras. Hierfür sind frühzeitige Absprachen mit dem Lohnunternehmer bzw. dem Partner bei einer Siliergemeinschaft unbedingt zu empfehlen. Melasse wird mit etwa 3 % auf Basis der Frischmasse eingesetzt. Pro ha sind dann etwa 3 bis 4 dt Melasse erforderlich. Für den Einsatz der Siliermittel gelten folgende Grundsätze:
- Nur DLG-anerkannte Siliermittel in geprüfter Dosierung einsetzen
- Auswahl des Mittels nach Zielrichtung und Anwendungsbereich
- Bei ungünstigen Bedingungen mit chemischen Mitteln konservieren
- Preisvergleiche innerhalb einer Wirkungsrichtung
- Homogene Verteilung sicherstellen
- Flüssig Produkte bevorzugen
In der Tabelle 3 sind die Siliermittel mit DLG-Gütezeichen aufgelistet. Hierbei werden Informationen über den Anwendungsbereich, die Wirkungsrichtung sowie über die Kosten gegeben. Das wichtigste Kriterium zur Mittelwahl ist der Trockenmassegehalt des Siliergutes. Bei TM-Gehalten von kleiner 25 % empfiehlt sich der Einsatz chemischer Siliermittel der Wirkungsrichtung 1A (Verbesserung des Gärverlaufs für schwer silierbare Futter). Mit 3,00 – 4,00 €/t Siliergut sind diese Mittel aber relativ teuer. Bei TM-Gehalten von 25 – 35 % können homofermentative Milchsäurebakterien zur Verbesserung des Gärverlaufs für mittelschwer silierbare Futter, geprüft bis 35 %, eingesetzt werden (Wirkungsrichtung 1B). Da die TM-Gehalte der Silagen jedoch schnell 35 % überschreiten können, empfiehlt sich generell der Einsatz von Produkten der Wirkungsrichtung 1C (mittelschwer silierbares Futter, geprüft bei über 35 % TM). Wenn Siliermittel eingesetzt werden, sollten diese nach Möglichkeit auch eine Verbesserung der Verdaulichkeit des Futters bewirken (4b). Als generelle Empfehlung ergibt sich demnach der Einsatz von homofermentativen Milchsäurebakterien der Wirkungsrichtung 1C und 4b. Die Kosten belaufen sich hierbei auf 0,70 bis 1,90 €/t Siliergut. Eine volle Wirkungssicherheit ist bei biologischen Produkten nach den bisher vorliegenden Versuchsergebnissen nicht immer gegeben. Dies gilt auch beim Einsatz der heterofermentativen Siliermittel zur Vermeidung der Nacherwärmung, die nur in besonderen Situationen in Betracht kommen. Die Wirtschaftlichkeit des Siliermitteleinsatzes ist in der Regel gegeben, so dass die Verwendung von Siliermitteln zum festen Bestandteil der Silagebereitung gehören soll.
Fazit
Hochwertige Grassilagen sind für eine erfolgreiche Milchviehfütterung unverzichtbar. Neben dem Pflanzenbestand spielen der Schnittzeitpunkt und die Siliertechnik eine große Rolle bei der Bereitung hochwertiger Grassilagen. Trotz vieler Neuerungen im Bereich der Technik und der Siliermittel ist aber nach wie vor eine trockene Witterung mit Sonneschein zum richtigen Zeitpunkt die wichtigste Voraussetzung zur Gewinnung einer Top-Silage.